Der EU-freundliche Emmanuel Macron wird Frankreichs nächster Präsident. Er gewann die Stichwahl mit unerwartet großem Abstand vor der rechtsextremen Kandidatin Marine Le Pen. An den asiatischen Märkten sprang daraufhin der Euro über die Marke von 1,10 Dollar auf den höchsten Wert seit der Wahl Trumps vor sechs Monaten. Danach gab die Einheitswährung aber wieder einen Teil ihrer Gewinne ab. An den Aktienmärkten dürfte die Reaktion auf den Sieg Macrons begrenzt bleiben, da er allgemein erwartet wurde.

Die Freude über den Wahlausgang ist groß, so dass die Politik vorerst weniger im Fokus der Anleger stehen wird als in den vergangenen Wochen. Doch das dürfte sich bald wieder ändern. Denn nach der Wahl ist vor der Wahl. Schon im Juni finden in Frankreich die Parlamentswahlen statt, die Macron aller Wahrscheinlichkeit nach nicht die absolute Mehrheit bescheren werden. Da Experten das Programm des Hoffnungsträgers zudem als eher zögerlich einschätzen, ist kaum mit durchgreifenden Reformen zu rechnen. Zumal die Widerstände in der französischen Gesellschaft groß sind, wie auch der hohe Stimmenanteil für links- und rechtsextreme Kandidaten beim ersten Präsidentschafts-Wahlgang gezeigt hat.

Spätestens im Mai kommenden Jahres stehen dann die Parlamentswahlen in Italien an, wo das Lager der Links- und Rechtspopulisten ähnlich stark ist wie in Frankreich. Die Eurozone und die EU insgesamt werden also trotz der Erleichterung über den Sieg Macrons keineswegs in ruhiges Fahrwasser gelangen. Das bedeutet, dass es an den Börsen immer wieder hektisch werden dürfte.

Konjunktur und Geldpolitik rücken in den Fokus

Auf kurze Sicht sollten jedoch die fundamentalen Faktoren und die Notenbanken stärker das Geschehen an den Aktienmärkten bestimmen. Was die Konjunkturzahlen betrifft, gab es letzte Woche gute Nachrichten. Denn in den USA ist die Beschäftigung im April um 211 000 Stellen gestiegen. Damit wurden die enttäuschenden Beschäftigungszahlen vom März, als nur 79 000 neue Jobs gemeldet wurden, weit übertroffen. Die Normalisierung des Stellenaufbaus betrifft fast alle Sektoren. Vor allem der Dienstleistungssektor meldete sich mit 173 000 neu geschaffenen Stellen eindrucksvoll zurück, getragen vor allem vom Gesundheitsbereich und dem Freizeitsektor.
Gleichzeitig ging die Arbeitslosenrate von 4,5 auf 4,4 Prozent zurück, den niedrigsten Stand seit März 2007. Verantwortlich hierfür war zwar auch ein gemäßigter Stellenaufbau in der Haushaltsumfrage, aus der die Arbeitslosenrate errechnet wird. Ausschlaggebend war allerdings primär ein Rückgang der Erwerbsbeteiligung, weshalb man die niedrige Arbeitslosenquote nicht überbewerten sollte.

US-Notenbank dürfte Zinserhöhungs-Strategie beibehalten

Der April-Arbeitsmarktbericht zeigt, dass es sich bei den schwachen März-Zahlen um ein, womöglich durch einen Witterungseffekt bedingtes, temporäres Phänomen gehandelt hat. Im April kehrte der Arbeitsmarkt zur Normalität zurück. Die US-Notenbank Fed dürfte sich in ihrem positiven Arbeitsmarktbild bestätigt fühlen und an ihrer Strategie für 2017 festhalten. Diese sieht noch zwei Zinsanhebungen in diesem Jahr vor.
Bei ihrer Sitzung in der vergangenen Woche hat sie den Schlüsselsatz zur Versorgung der Banken mit Geld in der Spanne zwischen 0,75 und 1,0 Prozent gelassen. Zugleich machten die Notenbanker um Fed-Chefin Janet Yellen deutlich, dass sie die Wachstumsschwäche zu Jahresbeginn für einen Ausrutscher halten – und betonten die Stärke des Jobmarkts. Manche Fed-Beobachter werten diese optimistischen Töne als Signal, dass die Fed für eine Anhebung im Juni Gewehr bei Fuß steht.
Die Fed legte sich noch nicht fest und griff auf ihre bewährte Formulierung zurück, wonach die Wirtschaftsentwicklung „schrittweise Erhöhungen“ erfordere. Weil die Fed jedoch auch signalisierte, dass der mittel- bis langfristige Konjunkturausblick positiv ist, gehen viele Ökonomen davon aus, dass es im Juni und womöglich auch im September zu einer Erhöhung kommen wird.

Vollbeschäftigung erreicht, aber Konjunktur schwächelt

Tatsache ist, dass Yellen und Co. ihr Ziel Vollbeschäftigung mit einer Arbeitslosenquote von 4,4 Prozent faktisch erreicht haben. Doch die Wirtschaft hat etwas an Fahrt verloren: Im ersten Quartal legte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) aufs Jahr hochgerechnet lediglich um 0,7 Prozent zu. So niedrig war das BIP-Wachstum seit drei Jahren nicht mehr. Die Fed hält dies für ein vorübergehendes Phänomen und setzt darauf, dass die Konjunktur künftig wieder in „gemäßigtem Tempo“ läuft. US-Präsident Donald Trump, nun bereits seit mehr als 100 Tagen im Amt, will der Konjunktur mit seiner geplanten Steuerreform und Investitionen in Billionenhöhe mehr Schubkraft verleihen. Yellen hat klargestellt, dass sie eine Überhitzung der Konjunktur nicht sehenden Auges zulassen werde und die Fed die geldpolitischen Zügel notfalls noch stärker straffen könnte.

Wer auf Hinweise auf den Fahrplan für den geplanten Abbau der Bilanzsumme der Fed hoffte, wurde enttäuscht. Die Zentralbank hatte im Zuge der Finanzkrise über den Kauf von Wertpapieren massiv Geld in die Wirtschaft gepumpt. Die Bilanz ist inzwischen 4,5 Billionen Dollar schwer. Nach der Erholung auf dem US-Arbeitsmarkt und angesichts einer Inflation, die in Richtung der Zielmarke von zwei Prozent geht, will die Notenbank diesen Berg abtragen. Im März hatte sie den Beginn des Abbaus der Bestände an Staatsanleihen und Hypothekenpapieren für den „späteren Jahresverlauf“ angekündigt, ohne Details zur Vorgehensweise zu nennen. Der Prozess dürfte Jahre dauern.

Eurozone mit stattlichem Wirtschaftswachstum

Sorgten in Bezug auf die US-Wirtschaft die Arbeitsmarktzahlen für gute Laune bei den Investoren, waren es in der Eurozone die BIP-Zahlen für das erste Vierteljahr. Denn gemäß einer ersten Schätzung des statistischen Amtes der EU (Eurostat) stieg die Wirtschaftsleistung des gemeinsamen Währungsraums gegenüber dem Schlussquartal 2016 um ansehnliche 0,5 Prozent. Die Wachstumsrate für das vierte Quartal 2016 wurde um 0,1 Prozentpunkt auf ebenfalls 0,5 Prozent nach oben korrigiert.
Erfreulicherweise sind darüber hinaus die Perspektiven für das laufende Quartal gleichfalls vielversprechend. Die Stimmung in der Euro-Wirtschaft ist so gut wie zuletzt vor sechs Jahren. Einkaufsmanagerindizes von über 56 Punkten, wie sie aktuell zu beobachten sind, gingen nach Berechnungen von Commerzbank-Volkswirten in der Vergangenheit mit einem Wirtschaftswachstum von 0,75 Prozent pro Quartal einher.

Das heißt: Der von der Europäischen Zentralbank (EZB) derzeit erwartete BIP-Zuwachs von 1,8 Prozent für 2017 könnte übertroffen werden. Gut möglich, dass EZB-Präsident Mario Draghi im Juni eine Anhebung der Wachstumsprojektion verkünden wird. Wer vor diesem Hintergrund einen raschen Ausstieg aus der extrem lockeren Geldpolitik der EZB erwartet, dürfte allerdings enttäuscht werden.

Schließlich ist fraglich, ob das höhere BIP-Wachstum in der Eurozone angesichts der Risiken (Brexit, Trump-Politik) nachhaltig ist. Außerdem ist zu erwarten, dass die EZB ihre Projektion für die Kerninflation – also die Rate für den Verbraucherpreisindex ohne Energie, Nahrungs- und Genussmittel – für 2017 von aktuell 1,1 Prozent senken muss. Diese läge dann noch weiter unterhalb des von den Euro-Währungshütern angestrebten Ziels von knapp zwei Prozent.

Was die neue Woche bringt

In der Eurozone dürften die Konjunkturdaten diese Woche gut ausfallen. Die Industrieproduktion für März sollte die positive Diagnose zur Konjunkturdynamik der BIP-Daten im ersten Quartal bestätigen (Fr.). Der Ausblick sollte, gemessen an einem erneut steigenden Sentix Investorenvertrauen für Mai, ebenfalls positiv bleiben (Mo.).

Für Deutschland stehen ebenfalls harte Konjunkturdaten für März zur Veröffentlichung an. Nach der sehr vorteilhaften Entwicklung im Vormonat dürfte die hohe Dynamik nicht mehr ganz gehalten worden sein. Die Produktion dürfte gegenüber dem Vormonat leicht gesunken sein (Di.), der Auftragseingang aber aufwärtsgerichtet bleiben (Mo.). Hierauf weisen die sehr optimistischen Unternehmensbefragungen der letzten Monate hin. Diese hatten zuletzt auf die Stärke des Exportgeschäfts verwiesen. Dennoch ist für den März von einer Verschnaufpause bei der Warenausfuhr auszugehen. Grund hierfür ist eine unterdurchschnittliche Nachfrage aus China in März. Der Quartalsvergleich bei der Produktion dürfte mit den März-Daten recht positiv ausfallen, was den starken Start der Konjunktur ins neue Jahr insgesamt untermauert. Nachdem bereits die Schnellschätzung im Euroraum ein BIP-Wachstum von 0,5 Prozent zum Vorquartal zeigte, ist für Deutschland gar ein Anstieg um 0,7 Prozent zum Vorquartal möglich (Fr.).

In den USA steht diese Woche konjunkturell ganz im Zeichen der Verbraucher. Dabei sollten die Daten insgesamt stark ausfallen. So dürften die Einzelhandelsumsätze nach einer zweimonatigen Durststrecke im April wieder spürbar zugelegt haben (Fr.). So sollten die im Februar und März ausgebliebenen Shoppingtouren nachgeholt worden sein. Zudem dürften die Automobilverkäufe das Gesamtergebnis des US-Einzelhandels im April gestützt haben. Ein nicht zu unterschätzender Faktor für die nominalen Einzelhandelsumsätze sind die Verbraucherpreise. Diese sollten sich im April ebenfalls von einer temporären Schwäche im März erholt haben (Fr.). Der monatliche Preisanstieg ist sowohl von den Energiepreisen wie auch der Kernteuerung getragen. Die jährliche Inflationsrate dürfte trotzdem leicht nachgegeben haben. Hier läuft ein Basiseffekt aus dem Vorjahr aus. Die Aussichten für den US-Konsumenten für Mai bleiben positiv. So dürfte das Konsumentenvertrauen der Universität von Michigan mit Blick auf die gute Aktienmarkt- und robuste Einkommensentwicklung leicht gestiegen sein und auf ihrem Niveau von 97,2 Punkten eine dynamische Konsumnachfrage im Mai ankündigen (Fr.).

 

Die wichtigsten Konjunkturdaten der neuen Woche

 MonatPrognoseLetzter
Montag, 8.5.2017
Exporte China (% zum Vorjahr)April11.316.4
Auftragseingang Deutschland (% zum Vormonat)März13.4
Sentix Investorenvertrauen Euroland (Punkte)Mai24.723.9
Dienstag, 9.5.2017
Industrieproduktion Deutschland (% zum Vormo.)März-0.62.2
Exporte Deutschland (% zum Vormonat)März00.9
Importe Deutschland (% zum Vormonat)März1.8-1.6
Mittwoch, 10.5.2017
Verbraucherpreise China (% zum Vorjahr)April1.10.9
Donnerstag, 11.5.2017
Bank of England Zinsentscheid (%)Mai0.250.25
Erzeugerpreise USA (% zum Vorjahr)März2.12.3
Freitag, 12.5.2017
BIP Deutschland (% zum Vorquartal)Q10.70.4
Verbraucherpreise Deutschland (% zum Vorj.)April22
Industrieproduktion Euroland (% zum Vormonat)März0.4-0.3
Einzelhandelsumsatz USA (% zum Vormonat)April0.6-0.2
Konsumklima Uni Michigan (Punkte)Mai9797