Die Börsen unterliegen nach wie vor in erheblichem Maße geopolitischen Risiken, wenngleich sich die Lage zuletzt etwas beruhigt hat. Zu den Gefahren zählen vor allem ein möglicher Handelskrieg zwischen USA und China, der nicht endend wollende Syrien-Konflikt sowie Spannungen zwischen dem Iran und Saudi-Arabien. Und das alles vor dem Hintergrund, dass sich US-Präsident Donald Trump immer stärker der Einflussnahme seiner Berater zu entziehen scheint. Die bestehenden weltweiten Risiken erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass sich Unternehmen künftig bei Investitionen zurückhalten und die Expansion des Welthandels gebremst wird. Deshalb dürften Volkswirte schon bald ihre Wachstumsprognosen zumindest etwas senken.

Ein geringeres globales Wirtschaftswachstum hätte Folgen für die Aktienmärkte. Für das laufende Jahr dürften die Unternehmen zwar noch neue Rekordgewinne melden. Aber das Gewinnwachstum würde infolge der erwarteten Zurückhaltung bei den Investitionen bald einen Dämpfer erleiden. Vor allem der DAX, dessen Unternehmen durch einen hohen Offenheitsgrad gegenüber der Weltwirtschaft gekennzeichnet sind, dürfte sich dieser Entwicklung kaum entziehen können.

Außerdem könnte eine restriktiver werdende Geldpolitik die Kursentwicklung an den Aktienmärkten bremsen. Die US-Notenbank Fed wird ihren bereits eingeschlagenen Weg der Zinserhöhungen fortsetzen, die Europäische Zentralbank (EZB) ihren Leitzins voraussichtlich erstmalig 2019 anheben. Deshalb gehen die meisten Aktienanalysten derzeit davon aus, dass die Notierungen an den Aktienmärkten bis Ende des Jahres nur noch moderat zulegen.

Allerdings sind die Bewertungen des DAX und des EuroStoxx 50 beim aktuellen Kursniveau nach wie vor attraktiv, sodass es unverändert gute Kaufgelegenheiten gibt. Auf Basis der für 2019 erwarteten Indexgewinne ergibt sich für den DAX ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 12,0 und beim EuroStoxx 50 von 12,6, beziehungsweise Gewinnrenditen (inverses KGV) von rund acht Prozent.

US-Berichtssaison überraschend gut

Neben den aktuellen Konjunkturdaten blicken die Anleger derzeit mit großem Interesses auf die Unternehmenszahlen zum ersten Quartal 2018. In den USA haben bereits fast ein Drittel der Konzerne ihre Berichte vorgelegt. Die bislang veröffentlichten Ergebnisse konnten die hochgesteckten Markterwartungen noch übertreffen. Die US-Firmen profitieren von der Steuerreform, vom schwachen US-Dollar, vom gestiegenen Ölpreis, von steigenden Zinsen und der soliden Weltkonjunktur.
Während die Berichtssaison in den USA also auf Hochtouren läuft und sehr positive Ergebnisse gemeldet werden, hat sie hier zu Lande noch nicht richtig begonnen. Nur vereinzelt wurden bereits Ergebnisse vorgelegt. Hierbei fällt auf, dass Faktoren, welche die US-Gewinne begünstigen, die Bilanzen von deutschen Unternehmen zum Teil belasten. In diesem Zusammenhang ist besonders der starke Euro zu nennen. Nichtdestotrotz sollte auch die europäischen Firmen insgesamt zweistellige Gewinnzuwächse aufweisen und damit untermauern, dass die Fundamentaldaten weiter positiv sind.

US-Arbeitslosenrate weiter gesunken

Was die Konjunkturdaten der vergangenen Woche betrifft, standen die US-Arbeitsmarktzahlen im Fokus des Anlegerinteresses. Wie das Bureau of Labor Statistics (BLS) mitteilte, ist die saisonbereinigte Arbeitslosenquote im April um 0,2 Prozentpunkte auf nun 3,9 Prozent gefallen. Damit liegt sie so tief wie zuletzt im Dezember 2000. Der Stellenaufbau konnte das Bild der hervorragenden Arbeitsmarktlage nicht ganz bestätigen. Er fiel mit 164 000 Jobs niedriger aus als erwartet.

Maßgebend für die gesunkene Arbeitslosenquote ist nicht nur der gute Stellenaufbau der letzten Monate. Auch der Rückgang der Erwerbsbeteiligung (die Beteiligungsquote sank wieder auf 62,8 Prozent) war für die geringere Arbeitslosenrate verantwortlich. Denn diese wird mittels der Erwerbsbevölkerung berechnet, die im April um 410 000 Personen (z.B. durch Rente oder Langzeitarbeitslosigkeit) sank.

Der Stellenaufbau dämpfte die Arbeitsmarkteuphorie ebenfalls etwas. Zwar wurden die schwachen Zahlen vom März um 32 000 Jobs nach oben revidiert, dafür fielen die April-Zahlen nur mäßig aus. Der aussagekräftige Sechs-Monatsdurchschnitt lag im April nun leicht unter der Marke von 200 Tsd. bei 198 300 Stellen. Der Grund für die etwas moderateren Jobzahlen ist im Dienstleistungssektor zu suchen. Dort wurden im Groß- und Einzelhandel ein Beschäftigungsabbau oder ein nur leichter Stellenaufbau verzeichnet.

Fed lässt Leitzins vorerst unverändert

Die US-Notenbank Fed wird diese neuen Daten aufmerksam registriert haben. Wie nahezu einhellig von Notenbank-Beobachtern erwartet, hat sie vergangene Woche den Leitzinskorridor bei 1,50 bis 1,75 Prozent belassen. Die Erläuterungen zum Zinsentscheid, die Auskunft über den weiteren geldpolitischen Kurs geben sollen, wurden gegenüber der vorangegangenen Sitzung im März nur geringfügig angepasst. In Bezug auf eine mögliche Leitzinsanhebung im Juni enthielt das veröffentlichte Kommuniqué kaum neue Hinweise. Zwar räumte die Fed ein, dass das Konsumwachstum im ersten Vierteljahr gegenüber dem vierten Quartal 2017 schwächer ausgefallen ist. Demgegenüber setzten aber die Unternehmensinvestitionen ihren kräftigen Anstieg fort. Daher seien die mittelfristigen Risiken für den wirtschaftlichen Ausblick ungefähr ausgeglichen. Die Inflation sei zuletzt gestiegen und erreiche nun das Inflationsziel. Mittelfristig werde die Jahresinflation um das Inflationsziel der Fed schwanken. Der Zinsentscheid ist einstimmig getroffen worden.

Die Finanzmärkte reagierten verhalten auf die Fed-Entscheidung. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen ging in einer ersten Reaktion leicht zurück. Die Wahrscheinlichkeit für eine Zinsanhebung im Juni beträgt unverändert knapp 100 Prozent. Auffällig beim jüngsten Fed-Statement ist, dass zwei Passagen gestrichen wurden. Zum einen wurde der Hinweis entfernt, dass sich die wirtschaftliche Dynamik zuletzt beschleunigt habe. Zum anderen fehlt nun der Passus, dass die Fed die Entwicklung der Inflation genauestens beobachte.

Daraus lässt sich ableiten, dass die Mitglieder des geldpolitischen Gremiums (FOMC) mit dem jüngsten Anstieg der Inflationsrate zufrieden sind. Sorgen um einen kräftigen Anstieg der Teuerung scheinen bei den Notenbankern gleichfalls nicht zu bestehen. Damit hat die Fed die Erwartungen einiger Analysten hinsichtlich einer deutlich strafferen geldpolitischen Ausrichtung nicht bestätigt. Im Juni dürfte die Fed die Leitzinsen um 25 Basispunkte erhöhen und im weiteren Verlauf des Jahres ihrem graduellen Zinserhöhungskurs fortsetzen.

EZB sieht lediglich Delle im Aufwärtstrend

Nachdem sich der EZB-Rat auf der April-Sitzung etwas verunsichert zeigte, wie die zuletzt schwächeren Konjunkturdaten zu interpretieren sind, setzt sich die Diskussion nun in den Reden der EZB-Repräsentanten fort. Bundesbankpräsident Jens Weidmann bekräftigte, dass es wichtig sei, die Normalisierung der Geldpolitik nicht unnötig aufzuschieben und die Markterwartung einer ersten Zinsanhebung Mitte 2019 nicht unrealistisch seien. Die jüngstenDaten wären lediglich eine Delle im Aufwärtstrend.

EZB-Chefvolkswirt Peter Praet stimmte dem grundsätzlich zu und ergänzte, dass auch zeitlich befristete Faktoren wie Wetter, die Grippewelle oder das frühe Osterfest einen Teil zu der Konjunkturverlangsamung beigetragen haben könnten. Er merke jedoch an, dass man beobachten müsse, ob diese Entwicklung auf eine nachhaltige Abschwächung der Nachfrage hindeute. Vor allem die Eintrübung der Stimmungsindikatoren hinsichtlich der Exporterwartungen bereite ihm Sorge, da dies auf eine größere Unsicherheit durch gestiegene Protektionismus-Tendenzen hinweisen würde.

Was die neue Woche bringt

Die Produktion in den großen Ländern des Euroraums sollte im März insgesamt etwas gestiegen sein und damit die Sorgen vor einer abrutschenden Konjunktur etwas mildern.
In Deutschland wird der März-Anstieg aber kaum dafür ausreichen, den schwachen Vormonatswert auszugleichen (Di.). Im Februar war die Produktion auf Grund der zeitweisen starken Kälte übermäßig stark gebremst worden. Dieser Bremsfaktor hat wohl auch im März in Form von teils heftigen Schneefällen weiter gewirkt. Zwar sprechen die gut gefüllten Auftragsbücher der Unternehmen dafür, dass diese ihre Produktion wieder hochfahren.
Ein substanzielleres Plus dürfte aber von der frühen Lage des Osterfestes in diesem Jahr verhindert worden sein. Auf Seiten der Warenausfuhr sind hingegen leicht positive Signale wahrscheinlich, nach dem deutlichen Einbruch im Vormonat (Di.). Allerdings ist dies vor allem als Rückprall zu interpretieren und kein Zeichen einer spürbar gestiegenen Exportnachfrage.

In den USA stehen neben den Konjunkturdaten auch politische Diskussionen und Entscheidungen im Fokus des Interesses. Gemäß den US-Gesetzen zum Iran-Atomabkommen muss Präsident Donald Trump bis zum 12. Mai durch seine Unterschrift Sanktionen gegen den Iran im Rahmen des iranischen Atomabkommens aussetzen. Trump hat angedroht, dies nicht zu tun, sollte der Iran nicht weitere Zugeständnisse innerhalb des Abkommens machen. Auch die EU solle nach Trumps Meinung ihre Handlungsstrategie mit dem Iran überdenken. Die Diskussionen hierzu dürften diese Woche ihren Höhepunkt erreichen.

Datenseitig stehen die (CPI-)Inflationsraten für April zur Veröffentlichung an (Do.). Hier dürfte die Kerninflationsrate (ohne Energie- und Nahrungsmittelpreise) durch eine weiterhin moderate monatliche Teuerung in der Jahresrate auf 2,2 Prozent gestiegen sein. Die Gesamtinflationsrate wird zusätzlich noch von steigenden Energiepreisen gestützt und sollte im April einen Stand von 2,5 Prozent erreicht haben.

Die Stimmung der Konsumenten dürfte von den etwas höheren Preisen aber wohl nicht gedämpft worden sein. So sollte das Konsumentenvertrauen der University of Michigan auch dank der Steuersenkungen im Mai seinen hohen Stand beibehalten haben (Fr.).

Die wichtigsten Konjunkturdaten der neuen Woche

 MonatPrognoseLetzter
Montag, 7.5.2018
Auftragseingang Deutschland (% zum Vormonat)März0.10.3
Sentix Investorenvertrauen Euroland (Punkte)Mai23.819.6
Dienstag, 8.5.2018
Importe China (% zum Vorjahr)April15.814.4
Exporte China (% zum Vorjahr)April7-2.7
Exporte Deutschland (% zum Vormonat)März1.8-3.1
Importe Deutschland (% zum Vormonat)März0.9-1.3
Industrieproduktion Deutschland (% zum Vorm.)März0.5-1.6
Mittwoch, 9.5.2018
Erzeugerpreise USA (% zum Vorjahr)April2.83
Donnerstag, 10.5.2018
Verbraucherpreise China (% zum Vorjahr)April1.92.1
Zinsentscheid Bank of England (%)Mai0.50.5
Verbraucherpreise USA (% zum Vorjahr)April2.52.4
Verbraucherpreise Kernrate USA (% zum Vorjahr)April2.22.1
Freitag, 11.5.2018
Uni Michigan VerbrauchervertrauenMai98.598.8