2018 stehen Hunderttausende Immobilieneigentümer vor der Frage, wie sie die nächste Finanzierungsrunde gestalten, wenn die Zinsbindung ihres Immobiliendarlehens ausläuft. Dabei steht für die Mehrheit das Ziel der Schuldenfreiheit im Mittelpunkt ihrer Überlegungen, so das Ergebnis der Studie „Anschlussfinanzierung in Deutschland“ des Baufinanzierungsvermittlers Interhyp, für die das Datenportal Statista 2.200 repräsentativ ausgewählte Personen befragt hat.

Weg mit den Schulden – dieses Ziel verfolgt laut Umfrage jeder zweite Befragte und plant, das Darlehen im Rahmen der Anschlussfinanzierung vollständig zu tilgen. 19 Prozent geben an, dass sie wenige Jahre nach Ablauf der Anschlussfinanzierung schuldenfrei sein wollen, 17 Prozent wollen bis zum Rentenbeginn komplett tilgen, weitere sieben Prozent streben dies bis kurz nach Renteneintritt an. Ganze fünf Prozent geben an, dass ihnen das Thema Schuldenfreiheit nicht wichtig ist. Als einer der Gründe für diese Sichtweise wurde genannt, dass sie davon ausgehen, dass die Immobilie auch verkauft werden kann. Nur eine sehr kleine Minderheit von einem Prozent der Befragten meint, eine mit Schulden belastete Immobilie zu vererben.

Rund jeder Vierte reduziert die Anschlussfinanzierung

Der Studie zufolge schließen 53 Prozent der Befragten eine Anschlussfinanzierung in Höhe der Restschuld ab. 27 Prozent der Befragten finanzieren hingegen einen geringeren Betrag weiter, weil sie am Ende der Zinsbindung zum Beispiel Ersparnisse eingesetzt haben, um einen Teil der Schulden sofort abzulösen. Acht Prozent der Umfrageteilnehmer haben die Anschlussfinanzierung zum Anlass für eine Darlehensaufstockung genutzt, um einen Umbau oder eine Modernisierung zu finanzieren. Weitere 15 Prozent benötigen gar keine Anschlussfinanzierung, weil sie während der Zinsbindung entweder ausreichende Ersparnisse zur vollständigen Tilgung der Restschuld angehäuft haben oder weil sie ein Volltilger-Darlehen gewählt haben, das während der Zinsfestschreibung komplett zurückgeführt wird.

Um die Entschuldung voranzubringen, wollen 58 Prozent der Befragten die monatlichen Darlehensraten im Vergleich zur aktuellen Finanzierung mindestens auf gleichem Level halten. Angesichts der aktuell deutlich niedrigeren Zinsen im Vergleich zu den Zinsniveaus vor fünf oder zehn Jahren geht dies mit einer höheren Tilgungsrate einher, da der Zinsanteil der Darlehensraten geringer ausfallen wird. Jeder zehnte Befragte plant zudem, die Rate heraufzusetzen.

Höhere Tilgung dank niedriger Zinsen

Die Auswertung von Finanzierungsdaten durch Interhyp bestätigt die Umfrageergebnisse: So ist die durchschnittlich anfängliche Tilgungsrate bei der Anschlussfinanzierung von rund drei Prozent im Jahr 2010 auf über fünf Prozent im ersten Halbjahr 2017 gestiegen. Ein weiterer Hinweis auf höhere Tilgungsleistungen ist laut Interhyp die Tatsache, dass die durchschnittlichen monatlichen Tilgungsraten seit 2010 von 720 Euro auf mittlerweile 790 Euro gestiegen sind. Außerdem ist der Anteil der Finanzierung am Objektwert bei Anschlussfinanzierungen von 51 Prozent im Jahr 2010 auf 44 Prozent im ersten Halbjahr 2017 gesunken, wie Interhyp mitteilt.

Einsparmöglichkeiten durch Umschuldung oft nicht genutzt

Auch wenn die Mehrheit der Deutschen also offenbar in puncto Anschlussfinanzierung sinnvolle Entscheidungen fällt und auf schnelle Tilgung Wert legt: Vielfach werden die Einsparmöglichkeiten, die mit einer Umschuldung – also der Fortführung des Darlehens bei einer anderen Bank als der bisherigen einhergehen, nicht ausreichend ausgenutzt. Dabei stehen die Chancen auf attraktivere Konditionen vielfach sehr gut: So hat sich bei 51 Prozent der Befragten die finanzielle Situation seit Abschluss der Erstfinanzierung verbessert, etwa wegen eines höheren Einkommens, höheren Eigenkapitals oder eines gestiegenen Immobilienwerts. Damit haben die Anschlussfinanzierer eine bessere Verhandlungsposition, die sie über einen Bankwechsel nutzen könnten. Ihr Vorteil: Sie haben bereits bewiesen, dass sie verlässliche Darlehensnehmer sind, was Banken oft mit guten Konditionen honorieren.

Dennoch geben zwei Drittel der Befragten an, dass sie einen Bankwechsel scheuen. Als Grund gaben 30 Prozent von ihnen an, dass sie den zeitlichen Aufwand scheuen. Zudem meinen nur 32 Prozent der Befragten, dass ein Bankwechsel Kosten von weniger als 500 Euro mit sich bringt. Von denen, die einen Bankwechsel hinter sich haben, stimmten jedoch 80 Prozent der Aussage zu, „dass der Aufwand gering war und die Banken das meiste erledigt haben“. Und die Kosten lagen nach Aussage von mehr als 50 Prozent der Bankwechsler unter 500 Euro.