In der vergangenen Woche trat der DAX mehr oder weniger auf der Stelle. Aus Angst vor aggressiven Zinserhöhungen der US-Notenbank Fed blieben Anleger bei europäischen Aktien zurückhaltend. Einen leichten Dämpfer verpasste dem deutschen Aktienmarkt auch ein Rückgang des ifo-Geschäftsklimas. Das wichtige Barometer für die Stimmung in den deutschen Chef-Etagen fiel im Februar auf 115,4 Punkte, nach einem Rekordhoch von 117,6 Zählern im Januar. Die Unternehmer waren weniger zufrieden mit ihrer aktuellen Geschäftslage, dennoch war der Wert der zweithöchste seit 1991. Dies deutet nach Ansicht des ifo-Instituts auf ein weiter kräftiges Wirtschaftswachstum im ersten Quartal hin.

Den Ausblick auf die kommenden Monate, der vorher übertrieben optimistisch schien, nahmen die Firmenmanager aber merklich zurück. Damit tritt die deutsche Wirtschaft nach ifo-Einschätzung auf die „Euphoriebremse“. Außerdem ist der Einkaufsmanagerindex für den Euroraum im Februar von sehr hohem Niveau aus um 1,3 Indexpunkte auf 57,5 Zähler gefallen. Die Rücksetzer der Frühindikatoren sind freilich noch kein Grund zur Sorge. Gerade im Export mag der inzwischen gestiegene Außenwert des Euro zum US-Dollar die Nachfrage etwas gedämpft haben, doch bleibt der Aufschwung in der Eurozone und in Deutschland intakt.

Analysten erwarten deutliches Plus der Firmengewinne

Tatsache ist, dass die Auftragsbücher der deutschen Industrie dank der expandierenden Weltkonjunktur gut gefüllt sind. Dies spiegelt sich bei den Erwartungen für die Umsatz- und Gewinnentwicklung der DAX-Unternehmen wider. Analysten kalkulieren damit, dass 2018 und 2019 die DAX-Gewinne jeweils um zehn Prozent steigen werden. Zwar neigen die Börsenexperten des Öfteren dazu, die Gewinnerwartungen anfangs zu optimistisch einzuschätzen, weshalb es später mitunter zu Revisionen nach unten kommt. Bewertet man aktuell allerdings das gesamte ökonomische Umfeld, das durch eine gute Konjunktur, eine nach wie vor sehr expansive Geldpolitik und wenig politische Turbulenzen geprägt ist, stehen die Chancen diesmal gut, dass die Firmengewinne tatsächlich im erwarteten Tempo wachsen können.

Die Analysten der DZ Bank haben errechnet, dass der DAX vom heutigen Niveau bis Anfang 2020 auf knapp 15.000 Punkte steigen könnte, ohne dass sich die Bewertung auf Basis des Kurs-Gewinn-Verhältnisses (KGV) ausweiten würde, wenn die Gewinne in den nächsten zwei Jahren wirklich um kumulierte 20 Prozent zulegen. Würde sich das DAX-KGV sogar auf dem durchschnittlichen Bewertungsniveau der vergangenen zehn Jahre einpendeln (KGV von rund 13), wären in zwei Jahren über 16.000 Punkte beim deutschen Leitindex denkbar.

Die Wahrscheinlichkeit, dass der DAX weiterhin in diese Richtung steigen wird, stufen die DZ Bank-Fachleute als hoch ein. So unterstützen neben der positiven Konjunkturentwicklung auch die Notenbanken das positive Umfeld für Dividendenpapiere – und zwar sowohl auf der Unternehmensseite (günstige Kredite) als auch auf der Anlegerseite (fehlende Anlagealternativen). Trotz guter Fundamentaldaten sei jedoch auch zu erwarten, dass die Kursausschläge an den Aktienmärkten im Vergleich zu 2017 in Zukunft zunehmen werden, nicht zuletzt weil die Markteilnehmer die vorherrschende Meinung immer wieder in Frage stellen werden.

Chancen auf künftig „nordeuropäischen“ EZB-Chef steigen

Bei der Europäischen Zentralbank (EZB) wurde letzte Woche weniger die künftige Ausrichtung der Geldpolitik diskutiert, sondern verstärkt mögliche Personalentscheidungen. Die Eurogruppe empfahl den spanischen Wirtschaftsminister Luis de Guindos als Nachfolger von EZB-Vizepräsident Vitor Constâncio, dessen Mandat im Mai 2018 endet. Die Nominierung eines „Südeuropäers“ zum EZB-Vize erhöht die Chance, dass die Nordeuropäer“ die Posten des EZB-Präsidenten (Amtsende Mario Draghis Oktober 2019) bzw. des EZB-Chefvolkswirt (Amtsende Peter Praets Mai 2019) besetzen können. Für Wirbel sorgte die Verhaftung des lettischen Zentralbank-Gouverneurs. Ihm wird unter anderem Korruption vorgeworfen. Auf Grund seiner Inhaftierung wird er nicht an den kommenden Ratssitzungen der EZB teilnehmen.

Vergangene Woche wurden auch die Minutes zur Januar-Sitzung der EZB veröffentlicht, die wenig Überraschendes enthielten. Draghi und Co. zeigten sich zufrieden mit dem Voranschreiten der konjunkturellen Erholung im Währungsraum. Das Vertrauen in eine mittelfristig anziehende Inflation sei gestiegen, es fehlen allerdings tatsächliche Beweise für einen stärkeren Inflationsdruck. Entsprechend bleibt die EZB bei ihrer abwartenden Haltung und nahm keine Änderung des Ausblicks (Forward Guidance) vor. In den Diskussionen der Währungshüter wird deutlich, dass die keinen akuten Handlungsbedarf sehen.

Steilerer Fed-Leitzinspfad auf Grund der US-Steuerreform möglich

Was die US-Geldpolitik betrifft, stand letzte Woche das Protokoll zur Januar-Sitzung der amerikanischen Notenbank Fed im Fokus. Dabei wurde deutlich, dass sich der Offenmarktausschuss (FOMC) der Fed erstmals mit der Steuerreform und ihren Auswirkungen stärker auseinandersetze. Einige Zentralbanker passten deshalb ihre Wachstumsprognosen für das laufende Jahr nach oben an. Andere FOMC-Mitglieder sahen zumindest ein deutliches Aufwärtsrisiko für ihren Wachstumsausblick 2018.

Entsprechend war man der Ansicht, dass mit den neuen Erkenntnissen die Wahrscheinlichkeit für eine Fortführung des graduellen Zins-Erhöhungskurses seit Dezember gestiegen sei. Zum Zeitpunkt der Januar-Sitzung waren die starken Zahlen zur Lohndynamik und die stärkeren Inflationsdaten noch nicht veröffentlicht. Diese Daten könnten die Fed sogar zu vier statt drei Zinsschritten in diesem Jahr veranlassen. Allerdings sprachen sich einige (allerdings nicht-stimmberechtige) FOMC-Mitglieder vergangene Woche dagegen aus.

Was die neue Woche bringt

In der Eurozone geht der Blick, speziell jener der EZB, hin zu den Verbraucherpreisen, die
im Februar im Monatsvergleich ihr Tempo vom Januar nicht ganz gehalten haben sollten (Mi.). Das liegt unter anderem an etwas niedrigeren Energiepreisen. Daher dürfte die Inflationsrate im Februar kurzfristig leicht auf 1,2 Prozent nachgegeben haben. Die Kerninflationsrate – bei der Energie- und Nahrungsmittelpreise außen vor bleiben – sollte im Vorjahresvergleich dagegen auf 1,3 Prozent gestiegen sein. Eine gute Entwicklung hat im Januar wahrscheinlich auch die Arbeitslosenrate hingelegt, die wohl auf 8,6 Prozent und damit den niedrigsten Stand seit Dezember 2008 gefallen ist (Do.).

Gemessen am ESI Index dürfte sich der Konjunkturausblick für Euroland im Februar etwas eintrüben, jedoch insgesamt auf einem erhöhten Niveau bleiben (Di.). Hierauf deutet die Entwicklung des ifo Geschäftsklimas, aber auch generell der Frühindikatoren (z.B. der Einkaufsmanagerindizes), im Euroraum hin.

In Deutschland stehen gleichfalls die Inflationsdaten für Februar zur Veröffentlichung an (Di.). Saisonbereinigt ist eine leicht stärkere monatliche Teuerung zu erwarten, die die Teuerungsrate – unter anderem bedingt durch einen negativen Basiseffekt aus dem Vorjahr – bei 1,6 Prozent gegenüber Vorjahr halten sollte. Auf dem Arbeitsmarkt sollte sich die Erholung ebenfalls fortsetzen. Das Tempo des Rückgangs der Arbeitslosigkeit der vergangenen Monate dürfte im Februar aber nicht mehr ganz gehalten werden. Aus diesem Grund sollte die Arbeitslosenrate bei 5,4 Prozent verharren. Angesichts der sehr guten Arbeitsmarktsituation in Kombination mit einem zuletzt rückläufigen europäischen Konsumentenvertrauen dürfte das deutsche GfK Konsumklima im März in seinem Aufwärtstrend pausieren (Mi.). Mit einem Stand von elf Punkten zeigt es jedoch weiterhin die deutschen Verbraucher bei bester Konsumstimmung.

In den USA richtet sich der Blick auf die Zahlen zu den Verbraucherpreisen der Privaten Konsumausgaben im Januar (PCE, Do.). Sowohl in der Kern- als auch in der Gesamtinflation sollten die PCE-Verbraucherpreise mit leichten Abschlägen der Entwicklung der CPI-Inflation zum Vormonat gefolgt sein. Entsprechend dürfte die PCE-Inflationsrate p.a. unverändert bei 1,7 Prozent und die Kerninflationsrate bei 1,5 Prozent p.a. gelegen haben.

Etwas schwächer sollten sich dagegen die Privaten Einkommen und Konsumausgaben im Januar entwickelt haben. Wegen der kalten und schneereichen Witterung dürfte der Private Konsum nur ein Plus von 0,2 Prozent zum Vormonat erreicht haben. Schwächeln dürften auch die Auftragseingänge langlebiger Güter im Januar (Di.). Diese sollten von den niedrigen Bestellungen beim Flugzeughersteller Boeing deutlich gebremst worden sein. Aber auch ohne diese Komponente sollte im Februar nur ein leichtes Plus zu Buche gestanden haben.

Die Konjunkturperspektiven bleiben in den USA, im Gegensatz zum Euroraum, allerdings weiter aufwärtsgerichtet. So sollte der ISM-Index für das Verarbeitende Gewerbe im Februar der leichten Aufwärtsbewegung des Markit PMI im Februar gefolgt sein und eine starke Konjunkturdynamik für die kommenden Monate signalisieren (Do.).

Wenig neue Nachrichten sind vom ersten Rechenschaftsbericht des neuen Fed-Chairmans Jerome Powell vor dem Finanzausschuss des US-Repräsentantenhauses (Mi.) zu erwarten. Powell dürfte in seinen Aussagen nicht über die Erkenntnisse aus den Minutes hinausgehen.

 

Die wichtigsten Konjunkturdaten der neuen Woche

 MonatPrognoseLetzter
Montag, 26.2.2018
Neubauverkäufe USA (Tsd. zum Vormonat)Januar650625
Dienstag, 27.2.2018
Einzelhandelsumsatz Deutschland (% zum Vormonat)Januar0.8-1.3
ESI Index Euroland (Punkte)Februar113.3114.7
Industrievertrauen Euroland (Punkte)Februar7.48.8
Verbrauchervertrauen Euroland (Punkte)Februar0.10.1
Verbraucherpreise Deutschland (% zum Vorjahr)Februar1.61.6
Auftragseing. langl. Güter USA (% zum Vormonat)Januar-2.52.8
Richmond Fed Index USA (Punkte)Februar1514
Conference Board Verbrauchervertr. USA (Punkte)Februar126125.4
Mittwoch, 28.2.2018
Industrieproduktion Japan (% zum Vormonat)Januar-4.22.9
PMI Verarb. Gewerbe China (Punkte)Februar51.251.3
GfK Konsumklima Deutschland (Punkte)März1111
Arbeitslosenrate Deutschland (%)Februar5.45.4
Verbraucherpreise Euroland (% zum Vorjahr)Februar1.21.3
Verbraucherpr. Kernrate Euroland (% zum Vorjahr)Februar1.31.3
BIP USA (% zum Vorqu. Annualisiert)Q42.52.6
Donnerstag, 1.3.2018
PMI Caixin China (Punkte)Februar51.351.5
PMI Verarb. Gewerbe Deutschland (Punkte)Februar60.360.3
PMI Verarb. Gewerbe Euroland (Punkte)Februar58.558.5
Arbeitslosenrate Euroland (%)Januar8.78.7
Private Einkommen USA (% zum Vormonat)Januar0.20.4
Konsumausgaben USA (% zum Vormonat)Januar0.20.4
PCE Deflator USA (% zum Vorjahr)Februar1.71.7
PCE Deflator Kernrate USA (% zum Vorjahr)Februar1.51.5
ISM Verarb. Gewerbe USA (Punkte)Februar59.459.1
Freitag, 2.3.2018
Erzeugerpreise Euroland (% zum Vorjahr)Januar1.62.2
Uni Michigan Verbrauchervertrauen USA (Punkte)Februar9999.9