Fast hätte es Anfang vergangener Woche für ein neues Allzeithoch beim Dax gereicht, gerade mal 15 Punkte fehlten. Es lag am schwächelnden US-Aktienmarkt, dass es nicht dazu kam. Immerhin hielten sich die europäischen Börsen zuletzt aber besser als die amerikanischen.
Stellt sich die Frage, warum die Anleger seit einigen Wochen am US-Markt relativ zurückhaltend agieren. Ein Grund hierfür dürfte sein, dass die kürzlich von der US-Regierung verhängten Strafzölle gegen ausländische Stahlproduzenten Ängste vor einem weltweiten Handelskrieg geschürt haben. Zudem blickten Investoren dem Treffen des chinesischen Staatschefs Xi Jinping mit US-Präsident Donald Trump durchaus mit gemischten Gefühlen entgegen.

Tendenziell belastend für den amerikanischen Aktienmarkt dürfte darüber hinaus sein, dass die von Trump geplante Steuerreform möglicherweise erst später und im Umfang geringer als erwartet in die Tat umgesetzt wird. Außerdem: Dank der Veröffentlichung des Protokolls der letzten Fed-Sitzung wird Börsianern allmählich klar, dass die US-Notenbank über kurz oder lang aufhört, ihr zufließende Gelder aus fälligen Wertpapieren (die sie im Rahmen des QE-Programms erworben hatte) in neue Titel zu reinvestieren. Das bedeutet, dass sie die Märkte auf längere Sicht mit weniger Liquidität versorgen wird, wenngleich Fed-Beobachter erwarten, dass sie dabei sehr behutsam vorgehen wird. Und last but not least sind nach dem Raketentest in Nordkorea und dem Giftgasangriff in Syrien geopolitische Risiken wieder stärker in das Bewusstsein der Anleger gerückt.
Konjunkturdaten enttäuschen zuletzt

Kaum Rückenwind erhielten die Aktiennotierungen letzte Woche von den Konjunkturdaten, da diese überwiegend schwächer ausfielen als vorausgesagt. Das gilt vor allem für die mit Spannung erwarteten US-Arbeitsmarktzahlen. Wie das Bureau of Labor Statistics mitteilte, ist die Beschäftigung im März saisonbereinigt lediglich um 98 000 Stellen gestiegen. Gleichzeitig wurde der Vormonatswert um 16 000 Stellen auf 219 000 Jobs nach unten revidiert. Allerdings sank die Arbeitslosenquote um 0,2 Prozentpunkte auf nun 4,5 Prozent und damit den niedrigsten Stand seit April 2007. Die gegenläufige Entwicklung von Beschäftigtenzahl und Arbeitslosenrate lässt sich dadurch erklären, dass die Daten aus zwei unterschiedlichen Erhebungen stammen.

Die Arbeitslosenrate wird aus einer Umfrage unter den privaten Haushalten errechnet, bei der die Bürger gefragt werden, ob sie aktuell einen Job haben. In dieser Umfrage lag der Beschäftigungsaufbau im März bei 472 000 Stellen und es wurden 326 000 Personen weniger arbeitslos gemeldet. Entsprechend fiel die Arbeitslosenquote deutlich, während die Erwerbsquote ihr Niveau halten konnte. Auch die Lohndynamik, die ebenfalls aus der Haushaltsumfrage berechnet wird, blieb gemessen an der monatlichen Veränderung der durchschnittlichen Stundenlöhne moderat. Zeichen für eine schwache Arbeitsmarktentwicklung sind hier also nicht auszumachen.

Anders sieht es bei der Umfrage unter den Unternehmen aus, aus der der offizielle Stellenaufbau berechnet wird. Hierzu werden alle Personen gezählt, die im Umfragezeitraum (der Woche um den 12. Tag eines Monats) bei den Firmen tatsächlich gearbeitet haben. Gemäß dieser Methode wurde ein Stellenaufbau von 98 000 errechnet. Dabei war der Jobaufbau von 28 000 Stellen im Produzierenden Gewerbe (Verarbeitendes Gewerbe, Bau, Bergbau) zwar deutlich niedriger als in den Monaten davor, aber nicht ungewöhnlich schwach. Überraschend war hingegen der schwache Stellenzuwachs im Dienstleistungssektor (zu dem auch der Gesundheitssektor zählt) mit nur 61 000 Stellen.

Auf den ersten Blick vermittelt der jüngste US-Arbeitsmarktbericht ein gespaltenes Bild des Arbeitsmarktes. Realistisch ist eine Mischung aus beiden Umfragen. So könnten die Werte der Haushaltsumfrage etwas zu hoch gegriffen sein. Denn im Umfragezeitraum hielt an der Ostküste der Winter mit starken Stürmen Einzug, was vor allem die schwächeren Daten in der Bauwirtschaft erklärt. Der niedrigere Stellenaufbau im Gesundheitswesen ist wohl der Unsicherheit um die Zukunft des Versicherungssystems Obamacare geschuldet. Darüber hinaus könnte der Stellenaufbau in der Unternehmensumfrage davon belastet worden sein, dass einige Personen wegen des schlechten Wetters ihre Arbeitsstelle nicht aufsuchen konnten. Wahrscheinlich ist, dass der US-Arbeitsmarkt weiter von der insgesamt robusten Konjunkturdynamik begünstigt wird.

Andere Konjunkturdaten blieben ebenfalls hinter den Erwartungen zurück, beispielsweise die Einkaufsmanagerindizes (PMI) für das Verarbeitende Gewerbe und den Dienstleistungsbereich in China, mit Rückgängen um 0,5 bzw. 0,4 auf 51,2 bzw. 52,2 Punkte. In den USA gingen die ISM-Indizes für das Verarbeitende Gewerbe und den Dienstleistungssektor moderat zurück, wenngleich sich die für den Aktienmarkt wichtigen Komponenten für den Auftragseingang trotz der Rücksetzer um 0,6 bzw. 2,3 auf 64,5 bzw. 58,9 Zähler weiterhin auf hohem Niveau befinden und auf eine anhaltende Expansion hinweisen.

Demgegenüber blieb der Aufwärtstrend der Frühindikatoren in der Eurozone intakt. Hier stieg der endgültige Composite-PMI auf ein 71-Monats-Hoch von 56,4 Punkten (+0,4). Die Unsicherheit im Zusammenhang mit dem Brexit-Prozess dürfte allerdings früher oder später zu Bremseffekten führen, so dass eine baldige Gipfelbildung auch hier plausibel erscheint.

Rückenwind für Börsen könnte abflauen

Alles in allem deutet sich an, dass der Rückenwind, den die Aktienmärkte in den vergangenen Monaten von starken Konjunktur-Frühindikatoren erhielten, allmählich nachlassen könnte. Dabei dürften die etwas schwächeren US-Frühindikatoren teilweise mit den abnehmenden Erwartungen an die fiskalischen Maßnahmen der Trump-Regierung zusammenhängen. Abflauende Unterstützung von Seiten der Konjunkturzahlen träfe (insbesondere in den USA) auf bereits ambitionierte Aktienbewertungen und vergleichsweise offensiv positionierte professionelle Investoren. Das würde die Aktienmärkte anfälliger machen für Kurskorrekturen.

Im relativen Vergleich zum US-Markt dürften die europäischen Aktienmärkte in den nächsten Monaten jedoch weiter von rückläufigen politischen Risiken profitieren. Bis zu den Präsidentschaftswahlen in Frankreich ist allerdings noch mit volatilen Kursen zu rechnen. So sind die Risikoaufschläge französischer Staatsanleihen zuletzt wieder etwas gestiegen und die Buchmacherquoten für einen Wahlsieg Emmanuel Macrons leicht gesunken. Nichtsdestotrotz konnte Macron seine Favoritenrolle im Rennen um die Präsidentschaft nach der zweiten großen Fernsehdebatte der Kandidaten verteidigen. Bei der ersten Runde der Präsidentschaftswahl am 23. April wird aus Sicht der Finanzmärkte wichtig sein, wie treffsicher die Wahlprognosen in Bezug auf das Abschneiden Marine Le Pens sind. Würde sie deutlich mehr Stimmen auf sich vereinen als erwartet, würde auch der von den Meinungsforschern diagnostizierte Vorsprung Macrons für die am 7. Mai anstehende Stichwahl in Frage gestellt.

Ölpreis und Inflation bald wieder im Rückwärtsgang?

Neben den politischen Vorgängen interessieren sich die Investoren unverändert stark für die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). Sowohl die Einkaufsmanagerindizes als auch die Geschäftsklimaindikatoren deuten im Moment (noch?) darauf hin, dass die wirtschaftliche Dynamik in der Eurozone in den kommenden Monaten zunimmt. Parallel dazu hat das Thema Deflation mit dem kräftigen Anstieg der europäischen Inflationsraten seinen Schrecken verloren. Der Inflationsdruck ist zwar weiterhin niedrig, aber die jüngsten Konjunktur- und Inflationsdaten sorgen für Diskussionen bei Ökonomen und Notenbankern. Schon bei der letzten Sitzung des EZB-Rats klang Präsident Mario Draghi nicht mehr ganz so pessimistisch wie in der Vergangenheit. In den nächsten Monaten könnten sich die Euro-Währungshüter in ihrer Wortwahl nach und nach weniger expansiv zeigen.

Hierbei dürfte auch die Entwicklung des Ölpreises eine nicht zu unterschätzende Rolle spielen. Denn die Notierungen für das flüssige Gold haben weitreichende Auswirkungen. So treiben oder bremsen sie die Inflation sowie die Konjunktur und beeinflussen damit auch die Rahmenbedingungen, unter denen die Zentralbanken agieren. Nachdem der Ölpreis im März erheblich unter Druck geraten war, hat er sich zuletzt wieder spürbar erholt. Hierzu trug vor allem die Erwartung bei, dass die Opec die auch mit einigen Nicht-Opec-Staaten vereinbarte Kürzung der Ölförderung auf das zweite Halbjahr 2017 ausdehnen werde. Gemäß aktueller Vereinbarung endet die Zusage im Juni.

Allerdings stieg die Zahl aktiver Ölbohrungen in den USA im ersten Quartal dieses Jahres so stark wie zuletzt 2011, was eine deutlich zunehmende US-Förderung aus unkonventionellen Quellen bedeutet. Außerdem nehmen die Zweifel zu, dass sich die Ölförderstaaten an die gekürzten Förderquoten halten. Die Opec berichtet zwar eine Umsetzungsquote der Absprachen von über 90 Prozent. Diese beruht jedoch primär darauf, dass Saudi-Arabien die Förderung zunächst stärker als abgesprochen einschränkte und auch zuletzt noch weniger förderte, als dem Land laut Vereinbarung zustünde. Während die anderen wichtigen Opec-Staaten Irak, Iran, Kuwait und die Vereinigten Arabischen Emirate ihre Quoten in etwa einhalten, möchte Russland seinen vereinbarten und bisher nur in etwa zur Hälfte umgesetzten Kürzungsbeitrag erst ab April erfüllen.

Zwar gehen die meisten Beobachter davon aus, dass es der Opec bis Ende Juni gelingt, die Vereinbarung bis Ende 2017 zu verlängern. Denn ohne eine Verlängerung wäre angesichts der derzeit sehr hohen Rohöl-Lagerbestände ein Ölpreisrutsch wahrscheinlich. Selbst Saudi-Arabien müsste dann wohl einen stärkeren Erlösrückgang befürchten als den, den es gegenwärtig bereits hinnehmen muss. Trotz der erwarteten Verlängerung der Kürzungsvereinbarung ist aber aus zwei Gründen nur von einem langsamen Rückgang der hohen Lagerbestände auszugehen, was den Ölpreis tendenziell dämpfen dürfte.

US-Ölförderung ist profitabler geworden

Erstens ist ein weiterer Anstieg der US-Förderung aus unkonventionellen Quellen zu erwarten. Die Entwicklung der Zahl aktiver Bohrungen signalisiert, dass in etlichen US-Fördergebieten inzwischen wohl nicht nur die marginalen, sondern auch die vollen Produktionskosten unter das derzeitige Ölpreisniveau gesenkt werden konnten und hier gewinnbringend Öl gefördert werden kann. Hier ist daher von einer weiter zunehmenden Investitions- und Fördertätigkeit auszugehen, solange der Ölpreis nicht beträchtlich fällt.

Zweitens haben die großen Ölkonzerne in den Jahren hoher Ölpreise 2011 bis 2014 viele Explorations- und Investitionsprojekte im konventionellen Förderbereich angestoßen. Diese liegen Großteils nicht im Bereich der Kürzungsvereinbarung und führen üblicherweise mit einer Verzögerung von mehreren Jahren zur Inbetriebnahme neuer Förderquellen. Besonders ab 2017 ist laut Experten mit einem deutlichen Anstieg der Förderung aus solchen Projekten zu rechnen. Dies dürfte die bisherigen Hoffnungen vieler Marktteilnehmer dämpfen, das Wachstum der Ölnachfrage könne bei guter Weltkonjunktur in den kommenden Jahren das Öl-Überangebot ausgleichen.

Viele Rohstoffexperten erwarten daher, dass der Ölpreis künftig wieder sinkt. In sechs bis zwölf Monaten könnte er nach Ansicht von Experten bei 45 Dollar je Fass (Sorte Brent) liegen. Dabei besteht das Risiko, dass unter solchen Umständen wichtige Förderstaaten nicht mehr zu Kürzungen bereit sind und die Vereinbarung auf mittlere Sicht scheitert. Für die Inflation in der Eurozone bedeutet das, dass sie voraussichtlich noch längere Zeit unterhalb der Zwei-Prozent-Marke bleiben wird. Dies dürfte den Diskussionen um eine baldige Abkehr von der lockeren Geldpolitik der EZB etwas Wind aus den Segeln nehmen.

Was die neue Woche bringt

Diese Woche ist die Agenda neuer Konjunkturdaten überschaubar. In der Eurozone dürfte das Sentix Investorenvertrauen im April weitgehend unverändert bei 21 Punkten gelegen haben (Mo.). Denn die insgesamt guten Konjunkturzahlen und die positive Aktienmarktentwicklung sollten die Stimmung der Investoren weiter stützen. Bremsend könnte allerdings wirken, dass die ersten Anleger das Vertrauen in die Umsetzung der konjunkturstützenden Maßnahmen der neuen US-Regierung verlieren und damit die Erwartung an höhere Umsätze der europäischen Unternehmen in den USA schwindet.

Bei den „harten“ Konjunkturdaten dürfte die Industrieproduktion in Euroland im Februar nach den gemischten Vorgaben aus Deutschland (Anstieg) und Frankreich (Rückgang) zum Vormonat insgesamt zurückgegangen sein (Di.). In Deutschland stehen die ZEW-Frühindikatoren für April zur Veröffentlichung an (Di.). Dabei dürfte die Einschätzung der aktuellen Lage vor dem Hintergrund der guten Stimmung in den Unternehmen (PMI, ifo) noch leicht zulegen. Die ZEW-Konjunkturerwartungen dürften, gestützt von der positiven Aktienmarktentwicklung, noch etwas steigen. In Sachen Inflation werden für Deutschland die endgültigen Verbraucherpreise für März veröffentlicht (Do.). Hier ist mit keinen Überraschungen sondern einer Bestätigung der vorläufigen Daten zu rechnen.

In den USA sollten die Einzelhandelsumsätze im März ohne PKW-Verkäufe moderat um 0,2 Prozent zugelegt haben. Stützend wirkt hier der etwas gestiegene Benzinpreis aber auch die gute Einkommensentwicklung der vergangenen Monate (Fr.). Die bereits vorab vom Automobilverband veröffentlichten ersten Zahlen zu den Automobilverkäufen deuten jedoch auf einen Rückgang der Umsätze in diesem Bereich hin, sodass die Gesamtumsätze der Einzelhändler im März stagniert haben sollten. Die Aussichten für den privaten Verbrauch dürften sich im April – gemessen am University of Michigan Konsumentenvertrauen – eintrüben (Do.). Dies liegt weniger an einem schlechteren Konsumumfeld, denn mehr an der seit Dezember deutlich angezogenen Konsumeuphorie. Hier könnten die Erwartungen an die Versprechen der neuen Regierung zu Steuersenkungen mit hineingespielt haben.

Nachdem sich jedoch in den letzten Wochen gezeigt hat, dass viele geplante fiskalpolitische Maßnahmen am Kongress scheitern könnten, dürfte sich auch die Verbraucherstimmung wieder etwas normalisieren. Sie sollte sich damit wieder an die tatsächliche Entwicklung des Konsums, die in den ersten Monaten 2017 deutlich verhaltener ausfiel, annähern. Weiterhin positiv dürften sich dagegen die US-Verbraucherpreise entwickelt haben (Fr.). So spricht die gute Entwicklung der Einkommen für eine anhaltend robuste Kerninflation (ohne Energie-und Nahrungsmittelpreise) im März.

 

Die wichtigsten Konjunkturdaten der neuen Woche

 MonatPrognoseLetzter
Montag, 10.4.2017
Sentix Investorenvertrauen Euroland (Punkte)April20.220.7
Dienstag, 11.4.2017
Industrieproduktion Euroland (% zum Vormonat)Februar0.10.9
ZEW-Konjunkturerwartungen Deutschland (Punkte)April1312.8
ZEW-Konjunkturerwartungen Euroland (Punkte)April2725.6
Mittwoch, 12.4.2017
Auftragseingang Maschinen Japan (% zum Vorm.)Februar3.7-3.2
Verbraucherpreise China (% zum Vorjahr)März10.8
Donnerstag, 13.4.2017
Exporte China (% zum Vorjahr)März3.5-1.3
Importe China (% zum Vorjahr)März1638.1
Verbraucherpreise Deutschland (% zum Vorjahr)März1.61.6
Uni Michigan Konsumklima USA (Punkte)April9796.9
Freitag, 14.4.2017
Einzelhandelsumsatz USA (% zum Vormonat)März00.1
Verbraucherpreise USA (% zum Vorjahr)März2.62.7
Verbraucherpreise Kernrate USA (% zum Vorjahr)März2.32.2