Vergangene Woche wurden die Börsianer erneut durch die teils heftigen Bewegungen an den Devisenmärkten in Atem gehalten. Besonders ins Auge stachen hierbei die US-Dollar-Schwäche und die Euro-Stärke. Die europäische Gemeinschaftswährung wertete auch gegenüber dem Schweizer Franken deutlich auf. Dies spielte der exportlastigen Schweizer Industrie in die Karten, weshalb der Züricher Leitindex SMI zuletzt zu den Outperformern gehörte, während es beim DAX seitwärts ging.

Neben der Währungsentwicklung achteten die Investoren vor allem auf die aktuellen Konjunkturdaten. Diese konnten zum Teil positiv überraschen. So stieg der Auftragseingang für die deutsche Industrie im Juni mit einem Plus von 1,0 Prozent gegenüber Vormonat wesentlich stärker als erwartet, waren Analysten doch lediglich von plus 0,5 Prozent ausgegangen. Ohne Großaufträge haben die Orders sogar um 2,0 Prozent zugelegt. Schon im Mai waren die Aufträge um 1,1 Prozent gestiegen. Ein Blick auf die regionale Herkunft der Bestellungen zeigt, dass im Trend primär die aus den Euro-Partnerländern anziehen. Bei den Bestellungen aus dem Nicht-europäischen Ausland weist der Trend aber ebenfalls nach oben. Allein die Aufträge aus dem Inland bewegen sich bestenfalls seitwärts.

Auftragseingang hui, Produktion pfui

Im Gegensatz zu den Auftragseingängen ist die deutsche Industrieproduktion im Juni überraschend kräftig gefallen, nämlich gegenüber Mai um 1,1 Prozent. Der Vorjahreswert wurde hiermit jedoch noch um 2,4 Prozent überschritten. Diese Produktionszahlen dürften der Konjunktureuphorie hier zu Lande einen kleinen Dämpfer versetzen. Denn der schwache Juni-Wert der Produktion führt statistisch zu einem Unterhang ins dritte Quartal und wird somit die Zahlen für das Bruttoinlandsprodukt (BIP) des dritten Vierteljahres beeinflussen. Schließlich muss die Produktion ihren Verlust zunächst im dritten Quartal ausgleichen, um im Quartalsvergleich eine positive Zahl zu ermöglichen und damit einen Wachstumsimpuls für das BIP zu erzeugen.

Ein Anlass für Konjunkturpessimismus ist das allerdings keineswegs. Denn zum einen hatte sich die Produktion zuletzt gut entwickelt und der Quartalsvergleich fällt auch mit den Juni-Daten noch deutlich positiv aus. Zum anderen hat die Bauproduktion wohl auch wetterbedingt gebremst. Dabei spielt eine Rolle, dass wegen der milden Witterung im Frühjahr viele Bauprojekte zeitlich nach vorne geschoben wurden. Insgesamt sind die Bedingungen für eine Fortsetzung des Aufschwungs im Sommerhalbjahr weiter gut – moderat steigende Neuaufträge in der Industrie und eine gute Stimmung in den Unternehmen. Das heißt: Der Aufschwung bleibt im weiteren Jahresverlauf intakt, die Wachstumsraten werden jedoch nicht mehr so dynamisch ausfallen wie in der ersten Jahreshälfte.

Widersprüchliche US-Daten

In den USA ist der ISM-Einkaufsmanagerindex für den Dienstleistungssektor im Juli überraschend stark um 3,5 Prozentpunkte auf 53,9 Prozent gesunken. Zwar hatten Ökonomen mit einer Abwärtskorrektur der bis dato sehr euphorischen Stimmung im Service-Sektor gerechnet. Der Rückgang übertraf diese Erwartungen aber deutlich. So liegt der Index nun auf einem 13-Monats-Tief und signalisiert eine nur verhaltene Konjunkturdynamik zum Sommeranfang.

Fast alle Unterkomponenten des Index gaben nach. Besonders ausgeprägt waren die Rückgänge beim Teilindex der Auftragseingänge und bei der Unternehmensaktivität. Eine der wenigen steigenden Komponenten war dagegen die der Inputpreise. Sie spricht inzwischen für moderat anziehende Erzeugerpreise, was sich über kurz oder lang auch auf die Verbraucherpreise auswirken könnte. Die individuellen Antworten aus den Branchen deuteten zudem an, dass sich die Unternehmensstimmung in den nächsten Monaten wieder heben könnte. So wird öfters von dem typischen, etwas schwächeren „Sommerloch“-Geschäft gesprochen.

Die nächsten Monate werden zeigen, ob sich die Geschäftsaktivität im für die USA sehr wichtigen Dienstleistungsbereich nachhaltig eingetrübt hat oder ob die Firmen nur mit den Folgen der Ferienzeit zu kämpfen haben. Der jüngste Rückgang könnte demnach nur ein Ausrutscher gewesen sein und sollte nicht überinterpretiert werden.

Für eine anhaltend gute Konjunktur in Amerika sprechen nämlich die aktuellen Beschäftigungszahlen, die einmal mehr mit Spannung erwartet worden waren. So fiel der Stellenaufbau außerhalb der Landwirtschaft im Juli saisonbereinigt mit 209.000 Jobs unerwartet stark aus. Zudem wurde der Vormonatswert nach oben revidiert. Damit lag der Stellenaufbau in fünf der bisher sieben Monate dieses Jahres oberhalb der 200.000er-Marke.

Mit 183.000 wurden vor allem im Dienstleistungssektor neue Jobs geschaffen, was im Widerspruch zum gesunkenen ISM-Einkaufsmanagerindex zu stehen scheint. Demgegenüber scheint die Lage im Einzelhandel weiterhin angespannt zu sein. Wo normalerweise Arbeitsplätze im höheren fünfstelligen Bereich aufgebaut werden, wurden im Juli nun den sechsten Monat in Folge kaum Stellen geschaffen. Einen relativ robusten Zuwachs meldete erneut die Industrie. Der dynamische Stellenaufbau spiegelt sich auch in der Arbeitslosenrate wider, die um 0,1 Prozentpunkte auf 4,3 Prozent gesunken ist.

Der Juli-Arbeitsmarktbericht offenbart, dass der US-Arbeitsmarkt insgesamt auf einem soliden Fundament steht. Lediglich einzelne Branchen bleiben Sorgenkinder für die amerikanische Wirtschaft. Dabei sollte der Einzelhandel im Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit stehen, ist er doch ein wichtiger Motor für die Wirtschaft. Der Automobilsektor hat dagegen wenig Einfluss auf den Gesamtarbeitsmarkt. Auch die Ankündigung zum Bau einer neuen Fabrik von Toyota und Mazda ist mit zusätzlich 4.000 Stellen kein nennenswerter Faktor für den Jobmarkt.

Debatte um Fed-Exit-Strategie hält an

Der US-Notenbank Fed werden die Arbeitsmarktzahlen gut gefallen. Sie hat ihr Ziel der Vollbeschäftigung weitgehend erreicht. Ungeachtet dessen ging vergangene Woche die Diskussion über die richtige Exit-Strategie aus der extrem expansiven Geldpolitik weiter. Die regionalen Fed-Präsidenten Neel Kashkari (stimmberechtigt) und James Bullard (nicht stimmberechtigt) sprachen sich vor dem Hintergrund der anhaltenden Inflationsschwäche gegen einen weiteren Zinsschritt in diesem Jahr aus. Sie vertreten die Ansicht, die Notenbank solle auf ihrem Zinspfad erst einmal pausieren, bis es wieder Anzeichen für einen stärkeren Inflationsdruck gebe.

Die regionalen Fed-Präsidenten Loretta Mester und John Williams (beide nicht stimmberechtigt) setzten sich hingegen unverändert für einen weiteren Zinsschritt 2017 ein. Sie meinen, dass die Konjunkturdynamik kräftig genug sei, um einen etwas höheren Leitzins zu verkraften. Mester gab außerdem zu bedenken, dass sich die Fed nicht von einer kurzfristigen, ihrer Einschätzung nach nicht strukturellen Inflationsschwäche von ihrer Exit-Strategie abbringen lassen soll. Einig waren sich alle Fed-Vertreter, dass die Bilanzkürzung bald starten soll. Williams stellte hierfür explizit die September-Sitzung in Aussicht. Die Finanzmärkte schlagen sich aktuell auf die Seite der Zinsskeptiker. So sind die impliziten Zinserwartungen, gemessen an den Fed Funds Futures, von 37 Prozent Ende vorletzter Woche auf 31 Prozent gefallen.

Was die neue Woche bringt

In der Eurozone dürften diese Woche insgesamt wenig spektakuläre Produktionsdaten gemeldet werden. So sollte der Output in Deutschland nach dem guten Mai im Juni gefallen sein (Mo.). In Italien (Mi.) und Frankreich (Do.) sind nach jeweils spürbaren Anstiegen im Vormonat im Juni ebenfalls leichte Rückgänge der Produktion wahrscheinlich. Exportseitig ist im Juni mit geringen Impulsen zu rechnen, was teilweise in einer sehr dynamischen Entwicklung in den Vormonaten begründet ist (Di.). Zudem dürfte der seit Mai gestiegene Euro die Exporte der Unternehmen in Deutschland belasten, wenngleich dieser Bremseffekt erst ab Juli seine volle Wirkung entfaltet haben dürfte.

Der guten Stimmung sollten die Daten dieser Woche aber noch kein Ende bereiten. Angesichts der zuletzt etwas schwächeren Aktienmärkte und der in Europa eher durchwachsenen Berichtssaison der Unternehmen wird das Sentix-Investorenvertrauen für August wohl leicht sinken, allerdings auf weiterhin hohem Niveau(Mo.).

In Washington hat mittlerweile die alljährliche Sommerpause begonnen. Das Repräsentantenhaus und das Federal Reserve Board haben ihre Ferien angetreten, der Präsident fährt gleichfalls in Urlaub und der Senat wird in Kürze in die Ferien folgen. Kein Wunder also, dass der Daten- und Ereigniskalender für die USA in dieser Woche dünn aussieht. Das Hauptaugenmerk wird auf der Veröffentlichung der CPI-Inflationszahlen für Juli liegen (Fr.). Die monatliche Kerninflation (ohne Energie- und Nahrungsmittelpreise) dürfte in unverändert gemäßigtem Tempo gestiegen sein. Vor allem die anhaltende Schwäche des US-Automobilsektors dürfte die Verkaufspreise für Neu- und Gebrauchtwagen weiter gedrückt haben.

Interessant wird jedoch sein, ob sich die Preise für Kleidung und Flüge im Juli wieder stabilisieren konnten, nachdem sie in den letzten Monaten teils spürbar gesunken waren. Die jährliche Kerninflationsrate sollte entsprechend unverändert bei 1,7 Prozent gelegen haben. Bei den Energiepreisen ist eine Stagnation zum Vormonat realistisch, womit die Gesamtinflation zum Vormonat um 0,1 Prozent zugelegt haben dürfte. Die Jahresrate sollte daher minimal höher bei 1,7 Prozent liegen. Die Aussichten für die Inflation bleiben schwach. Unter anderem bedingt durch einen Basiseffekt ist ein Rückgang der Inflationsrate auf bis zu knapp ein Prozent im Januar 2018 möglich.

 

Die wichtigsten Konjunkturdaten der neuen Woche

 MonatPrognoseLetzter
Montag, 7.8.2017
Sentix-Konjunkturindex Euroland (Punkte)August27.528.3
Industrieproduktion Deutschland (% zum Vorm.)Juni-0.21.2
Dienstag, 8.8.2017
Exporte Deutschland (% zum Vormonat)Juni0.21.4
Importe Deutschland (% zum Vormonat)Juni0.31.2
Mittwoch, 9.8.2017
Verbraucherpreise China (% zum Vorjahr)Juli1.51.5
Donnerstag, 10.8.2017
Auftragseingang Maschinen Japan (% zum Vorm.)Juni3.7-3.6
Erzeugerpreise USA (% zum Vorjahr)Juli2.32
Freitag, 11.8.2017
Verbraucherpreise Deutschland (% zum Vorjahr)Juli1.71.7
Verbraucherpreise USA (% zum Vorjahr)Juli1.81.8
Verbraucherpreise Kernrate USA (% zum Vorjahr)Juli1.71.7