Die Börsen standen zu Beginn der vergangenen Woche unter dem Einfluss eines steigenden Ölpreises und konnten Zugewinne verbuchen. Gegen Ende trübten dann wieder nachgebende Ölnotierungen und schwache Konjunkturdaten aus China sowie die Veröffentlichung des Protokolls der letzten Fed-Zinssitzung die Stimmung der Anleger. Gleichzeitig führten die gegenläufigen Einflüsse im Laufe der Woche zu einem Anstieg der Volatilität an den Aktienmärkten.

Zunächst hatten Signale aus Russland, sich dem Opec-Vorhaben zur Begrenzung der Ölförderung anzuschließen, für einen steigenden Ölpreis gesorgt. Doch dann kamen Zweifel an der Umsetzung der in Aussicht gestellten Produktionskürzungen auf – was den Ölpreis wieder etwas nach unten drückte.

Deutsche Konjunkturdaten besser als erwartet

Von Seiten der Konjunktur kamen gemischte Impulse für die Märkte. So konnten insbesondere Daten aus Deutschland, etwa die Exporte und der ZEW-Index der Konjunkturerwartungen, zuletzt positiv überraschen. Demgegenüber fielen vor allem die jüngsten chinesischen Außenhandelsdaten enttäuschend aus.

Diese Woche stehen aus den USA regionale Frühindikatoren (Empire State Manufacturing Index, Philadelphia Fed Index), die Verbraucherpreisinflation von September und Immobilienmarktdaten (Wohnungsbaubeginne, Häuserwiederverkäufe) auf der Agenda. Aus China werden die Industrieproduktion und die Einzelhandelsdaten von September sowie das Bruttoinlandsprodukt des dritten Quartals veröffentlicht. Bei letzterem wird ein unveränderter Wert von +6,7 Prozent gegenüber Vorjahr erwartet.

US-Zinsanhebung im November unwahrscheinlich

Eher für Ratlosigkeit sorgte bei Börsianern das letzte Woche veröffentlichte Protokoll der September-Zinssitzung der US-Notenbank Fed. Denn dieses weist auf beträchtliche Meinungsverschiedenheiten innerhalb des Fed-Offenmarktausschuss hin. Während drei Notenbanker für eine sofortige Zinsanhebung stimmten und weitere Ratsmitglieder eine zeitnahe Anhebung für sinnvoll hielten, war die Mehrheit der Meinung, dass noch mehr Beweise für einen anhaltenden Anstieg der Inflation nötig seien.
Angesichts der gespaltenen Lage im Offenmarktausschuss ist es wahrscheinlich, dass der US-Leitzins bei der Zinssitzung im November ebenfalls nicht angetastet wird. Dafür spricht auch die zeitliche Nähe zur Präsidentschaftswahl. Schließlich wollen sich Fed-Chefin Janet Yellen und ihre Kollegen nicht nachsagen lassen, die Wahl zu beeinflussen. „Fed-Watcher“ rechnen mehrheitlich mit einer Zinsanhebung im Dezember, wenngleich diese noch nicht voll eingepreist ist. Tatsache ist, dass der Handlungsdruck für die amerikanische Zentralbank zunimmt. Je länger sie mit der Zinserhöhung wartet, desto größer wird das Risiko, dass sie an Glaubwürdigkeit einbüßt.

Schwaches Pfund schiebt britischen Aktienmarkt an

Eine Sonderentwicklung ist seit geraumer Zeit am britischen Aktienmarkt zu beobachten. Diese hängt primär mit der Abwertung des britischen Pfundes im Zusammenhang mit der Brexit-Entscheidung zusammen. Da die Abwertung positive Auswirkungen auf die Gewinne exportorientierter Unternehmen hat, führte sie zu steigenden Aktienkursen in London. Der britische Leitindex FTSE 100 profitiert schon seit Monaten vom schwächer werdenden Pfund und erreichte vergangene Woche ein Rekordhoch. Seit dem 23. Juni – also dem Tag unmittelbar vor dem Brexit-Votum – liegt der FTSE 100 rund zehn Prozent im Plus. Damit konnte er, jeweils in lokaler Währung betrachtet, den DAX klar hinter sich lassen, der im gleichen Zeitraum lediglich um gut zwei Prozent zulegte.

Es ist keineswegs nur die Abwertung des Pfunds allein, die den britischen Aktienmarkt anschiebt. Hinzu kommt die expansivere Geldpolitik der Bank of England, die den Leitzins Anfang August um 25 Basispunkte auf 0,25 Prozent senkte. Zudem haben sich wichtige Frühindikatoren, die nach dem Brexit-Entscheid zunächst eingebrochen waren, eindrucksvoll erholt – was Hoffnungen auf nur geringe konjunkturelle Folgen des Brexit nährt. So liegen die Einkaufsmanagerindizes (PMI) für das Verarbeitende Gewerbe und den Dienstleistungssektor in Großbritannien im September mit 55,4 bzw. 52,6 Punkten wieder eindeutig im Expansionsbereich. Unmittelbar nach dem Brexit-Votum im Juli waren sie auf 48,2 bzw. 47,4 Punkte gefallen. Und: Der FTSE 100 wird davon begünstigt, dass sich die im Index relativ hoch gewichteten Öl- und Rohstoffaktien, die mit der britischen Binnenkonjunktur nur wenig zu tun haben, zuletzt überdurchschnittlich entwickelt und den Index angeschoben haben.

Anleger aus dem Euroraum haben von der Hausse der britischen Aktien allerdings wenig. Denn in Euro umgerechnet liegt der FTSE 100 seit dem Brexit-Votum auf Grund der ausgeprägten Pfund-Schwäche mit sechs Prozent im Minus.

Für 2017 steigende Firmengewinne erwartet

Neben den Diskussionen um den Brexit-Prozess stehen in nächster Zeit die Unternehmensberichte zum dritten Quartal im Mittelpunkt des Interesses. Für den Verlauf der Aktienkurse in den kommenden Monaten dürfte von zentraler Bedeutung sein, wie sich die Gewinnerwartungen für das Jahr 2017 entwickeln. Für 2016 werden nach der Rücknahme der Konsens-Erwartungen für die großen Indizes in Deutschland bzw. Europa leicht sinkende Ergebnisse gegenüber dem Vorjahr erwartet. Für das kommende Jahr sehen die Konsens-Prognosen dagegen einen Anstieg von rund elf bis 13 Prozent vor.

In Amerika fiel der Auftakt der Berichtssaison, den traditionell der Aluminiumkonzern Alcoa macht, enttäuschend aus. Das Unternehmen legte einen ernüchternden Quartalsbericht vor und wurde vom Markt mit empfindlichen Kursverlusten abgestraft. Prognostiziert ist für den S&P 500 Index aktuell ein leichter Rückgang der Firmengewinne um rund 1,5 Prozent. Da die tatsächlich berichteten Gewinne der US-Unternehmen die Erwartungen in den letzten Jahren jedoch meist deutlich übertroffen haben, stehen die Chancen nicht schlecht, dass für das dritte Quartal ein leicht positives Gewinnwachstum verzeichnet werden kann.

Diese Woche legen im Rahmen der Berichtssaison unter anderem folgende Firmen ihre Geschäftszahlen vor: IBM (Mo.), Intel, Goldman Sachs, Johnson & Johnson (Di.), ASML Holding, American Express (Mi.), Vinci, Microsoft (Do.), Daimler, SAP und General Electric (Fr.).

EZB-Sitzung mit Spannung erwartet

In Europa sind die Augen vor allem auf die Ratssitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) am Donnerstag gerichtet. Zwar sind bei dieser Sitzung keine konkreten Beschlüsse zu erwarten, insbesondere werden die Währungshüter kaum die Leitzinsen verändern, die seit März auf dem Rekordtief von 0,0 Prozent liegen. Durchaus wahrscheinlich ist aber, dass die EZB über eine Verlängerung der Mindestlaufzeit des QE-Programms über März 2017 hinaus diskutiert. Darüber hinaus dürften EZB-Chef Mario Draghi und seine Mitstreiter im geldpolitischen Rat über eine Anpassung wichtiger Parameter der Anleihekäufe sprechen. Mit entsprechenden Beschlüssen ist dann erst bei der Dezember-Sitzung zu rechnen. Allerdings könnte Draghi bereits diese Woche Signale in dieser Richtung senden.
Für die Wertpapierkäufe der EZB ist momentan ein Volumen von 1,74 Billionen Euro geplant. Sie sollen helfen, die keineswegs rund laufende Konjunktur Eurolands zu beleben und die hartnäckig niedrige Inflation zu erhöhen. Der größte Teil der Transaktionen entfällt auf Staatsanleihen der Euro-Staaten. Derzeit erwirbt die EZB Wertpapiere im Volumen von rund 80 Milliarden Euro pro Monat. Allerdings drohen der Zentralbank nach Einschätzung von Experten bald die kauffähigen Anleihen auszugehen. So rentierten zuletzt viele Bundesanleihen bereits unterhalb des sogenannten Einlagenzinses von minus 0,4 Prozent. Solche Papiere dürfen derzeit nicht angekauft werden.

 

Die wichtigsten Konjunkturdaten der neuen Woche

 MonatPrognoseLetzter
Montag, 17.10.2016
Industrieproduktion Japan (% zum Vormonat)August1.11.5
Empire State Index USA (Punkte)Oktober1-2
Industrieproduktion USA (% zum Vormonat)September0.2-0.4
Dienstag, 18.10.2016
Verbraucherpreise USA (% zum Vorjahr)September1.51.1
NAHB Wohnungsmarkt-Index USA (Punkte)Oktober6365
Mittwoch, 19.10.2016
Industrieproduktion China (% zum Vorjahr)September6.46.3
BIP China (% zum Vorjahr)Q36.76.7
Wohnungsbaubeginne USA (Tsd.)September11751142
Donnerstag, 20.10.2016
EZB-Zinsentscheid Euroland (%)Oktober00
Philly-Fed-Index USA (Punkte)Oktober512.8
Freitag, 21.10.2016
Konsumklima Euroland (Punkte)Oktober-8-8.2