Die Inflation zog seit Dezember 2016 nach Jahren mit niedrigen Preiszuwächsen von um die 0,5 Prozent wieder spürbar an und erreichte im Februar 2,2 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Per 30. Juni 2017 lag sie mit 1,6 Prozent nach wie vor höher als in den letzten Jahren. Damit stehen Anleger vor einer neuen Herausforderung, denn in diesem Szenario werden die seit langem niedrigen Zinsen erst recht zu einer Belastung für Sparguthaben: Unter Berücksichtigung der Inflation sinkt die reale Verzinsung damit de facto unter null – statt zu sparen, verlieren die Anleger unterm Strich Geld.

Eine Möglichkeit, auch in Zeiten anziehender Inflationsraten eine positive Rendite der Geldanlage zu erzielen, wollen inflationsgeschützte Anleihen bieten. Anders als klassische Staatsanleihen weisen diese auch als „Linker“ bezeichneten Papiere weder eine feste jährliche Verzinsung – auch als Kupon bezeichnet – noch einen festen Rückzahlungswert auf. Stattdessen sind beide Größen variabel und hängen von der Inflationsentwicklung ab. Wichtig zu wissen: Deutsche Staatsanleihen dieser Bauart sind dabei an den europäischen, nicht den deutschen Verbraucherpreisindex gekoppelt. Die Verzinsung errechnet sich aus dem Nennwert, multipliziert mit dem Kupon und der Indexverhältniszahl am Zinstermin. Letztere gibt das Verhältnis des Inflationsindex am Zinstermin zum Inflationsindex am Ausgabetermin der Anleihe wieder.

Linker rentieren sich nicht immer besser als klassische Anleihen
Generell gilt: Inflationsgeschützte Anleihen rentieren sich immer dann besser als klassischen Anleihen, wenn die Inflation höher ist als sie zum Zeitpunkt des Kaufs eingeschätzt wird. Die Inflationsrate, ab der sich diese Anleihen auszahlen, wird auch als Break-Even-Inflationsrate bezeichnet. Inflationsindexierte Anleihen werden nicht nur in Deutschland aufgelegt, sondern auch in anderen Ländern. Dabei gilt es zu beachten, dass bei europäischen Papieren zwar jeweils die gleiche Inflationsrate wie bei deutschen Anleihen herangezogen wird, sich die Bonität der emittierenden Länder jedoch von dem Bonitätsrating Deutschlands deutlich unterscheiden kann. Dies gilt etwa für italienische Anleihen, mit denen höhere Ausfallrisiken einhergehen. Dies wird allerdings auch mit einer höheren Verzinsung honoriert. Informationen über aktuelle Emission und Details zur Funktionsweise listet übrigens die Deutsche Finanzagentur auf ihrer Webseite auf.

Ein wichtiges Auswahlkriterium ist neben der Bonität des Emittenten auch die Laufzeit der Anleihe. So werden deutsche Linker mit Laufzeiten von fünf bis 30 Jahren angeboten. Auch hinsichtlich der Währung gilt es abzuwägen: Wer Euro-Papiere kauft, geht kein Wechselkursrisiko ein, wer hingegen auf Anleihen setzt, die in Dollar oder anderen Währungen notiert sind, muss einkalkulieren, dass die Wechselkursentwicklung die Rendite beeinflusst. Das gilt sowohl für Einzelinvestments als auch für Fonds.

Empfehlenswerter als Einzelanleihen: (Index-)Fonds
Letztere empfehlen sich aufgrund der breiteren Streuung eher als der Kauf einzelner inflationsgeschützter Anleihen. Zur Wahl stehen entweder börsengehandelte Indexfonds (ETFs) oder aktiv gemanagte Fonds mit entsprechendem Anlageschwerpunkt. So listet die Plattform justetf.com mittlerweile 19 ETFs, die 13 entsprechende Anleiheindizes mit unterschiedlichem Fokus nachbilden – etwa den Bloomberg World Government Inflation-Linked Bond, wahlweise in US-Dollar oder als Euro-gesicherte Variante. Die Rating-Agentur Morningstar listet insgesamt 55 entsprechende Fonds, die auf Euro lauten, hinzu kommen über 100 global ausgerichtete Fonds, die in verschiedenen Währungstranchen angeboten werden.