Europas Aktienmärkte traten vergangene Woche weiter auf der Stelle, während am US-Aktienmarkt die Trump-Rally ins Stocken geriet. Die auf der Opec-Sitzung beschlossene Begrenzung der Fördermengen hatte zwar einen sprunghaften Anstieg beim Ölpreis zur Folge und unterstützte Ölaktien, der Gesamtmarkt konnte hiervon aber nicht entscheidend profitieren. Das lag vermutlich vor allem daran, dass sich die Anleger vor dem Verfassungsreferendum in Italien zurückhielten.
Anders als beim Brexit und bei den US-Präsidentschaftswahlen lagen die Meinungsforscher mit ihren Prognosen bei der Abstimmung der Italiener richtig. Das Referendum wurde klar abgelehnt und Ministerpräsidenten Matteo Renzi kündigte seinen Rücktritt an. Doch das zuvor befürchtete Börsenbeben blieb aus. Die europäischen Aktienmärkt verbuchten am Montagmorgen sogar deutliche Kursgewinne und der Euro machte seine anfänglichen Verluste rasch wieder wett.
Viele Anleger hatten mit einem Scheitern gerechnet und sich vorher entsprechend positioniert. Zudem stützte Analysten zufolge die Aussicht auf frische Geldspritzen der Europäischen Zentralbank (EZB) die Aktiennotierungen. Auch der Wahlsieg des ehemaligen Grünen-Chefs Alexander Van der Bellen bei der Präsidentenwahl in Österreich sorgte für Erleichterung an den Börsen.

Künftige Politik Italiens bleibt Risikofaktor
Der Optimismus der Investoren könnte sich allerdings relativ schnell als übertrieben erweisen. Denn es ist offen, ob die nächste Regierung in Rom einen ähnlichen Reformkurs fahren wird wie die Regierung Renzi. Kommt es zu Neuwahlen, könnte es zu heftigen Reaktionen an den Märkten kommen, zumal in Umfragen derzeit die europakritische „Fünf-Sterne-Bewegung“ führt.
Die nun aufkommende Unsicherheit hat bereits Spuren bei den Kursen der italienischen Banken hinterlassen. Deren Papiere büßten an Wert ein, weil Beobachter befürchten, die politische Instabilität könnte es den Instituten erschweren, an dringend benötigtes frisches Kapital zu kommen. Schließlich sitzen die Geldhäuser auf einem 360 Milliarden Euro hohen Berg fauler Kredite. Um drohende Abschreibungen abzufedern, brauchen sie neues Kapital. Allein die HVB-Mutter Unicredit will kurzfristig bis zu 13 Milliarden Euro bei Investoren einsammeln.

2016 enttäuschendes Börsenjahr, Hoffnung für 2017
An den europäischen Aktienmärkten droht das Jahr 2016 trotz massiver geldpolitischer Unterstützung seitens der EZB zu einer Enttäuschung zu werden. Seit Jahresbeginn 2016 befindet sich der DAX-Performanceindex aktuell rund ein Prozent im Minus, der DAX-Kursindex sogar mit knapp vier Prozent, der EURO STOXX 50 mit 6,5 Prozent. Demgegenüber hat der amerikanische S&P 500 um rund 7,5 Prozent zugelegt.

Immerhin: Für 2017 haben sich die Perspektiven erfreulicherweise aufgehellt. Zwar werden auch im kommenden Jahr politische Risiken belasten und für Schwankungen der Notierungen sorgen. Die Belastungen dürften allerdings schon in erheblichem Ausmaß in den Kursen eingepreist sein. Demgegenüber sollten vom sich leicht beschleunigenden Wachstum der Weltwirtschaft positive Impulse ausgehen, selbst wenn auf Grund der Brexit-Verhandlungen in Europa Bremseffekte nicht ausgeschlossen werden können.

Ob die Geldpolitik ebenfalls eher bremsend wirkt oder doch weiterhin unterstützend, hängt nicht zuletzt davon ab, wie die US-Notenbank Fed im kommenden Jahr agieren wird. Die US-Wirtschaft scheint jedenfalls immer besser in Schwung zu kommen und höhere Zinsen verdauen zu können. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der größten Volkswirtschaft der Welt ist im dritten Quartal auf das Jahr hochgerechnet unerwartet deutlich um 2,9 Prozent gewachsen. Es war der stärkste Anstieg seit zwei Jahren und zugleich mehr als doppelt so hoch wie im Frühjahr. Als Konjunkturstütze erwiesen sich erneut kauffreudige Verbraucher, aber auch die Exporte, die um zehn Prozent zulegten.

Geldpolitik bleibt insgesamt Stütze für die Aktienmärkte
An den Märkten geht man nun nahezu einmütig davon aus, dass die Fed noch im Dezember den Zinsschritt nach oben wagen wird und der Weg für weitere moderate Leitzinsanhebungen geebnet ist. Zwar ist absehbar, dass die amerikanische Notenbank im kommenden Jahr ihre Geldpolitik weiter straffen wird. Andererseits wird der Zinspfad wohl flach bleiben. Mit einer erwarteten Bandbreite von 1,0 bis 1,25 Prozent Ende 2017 bleibt der Leitzins auf niedrigem Niveau. Die historische Betrachtung zeigt, dass die Aktienmärkte in der Anfangsphase einer geldpolitischen Straffung in der Regel ihren Aufwärtstrend noch fortsetzen und erst nach einem spürbaren Anstieg der Realzinsen eine Trendwende nach unten vollziehen.

Einigkeit herrscht unter Notenbank-Beobachtern auch, dass die EZB und die Bank von Japan ihre Leitzinsen voraussichtlich noch längere Zeit unverändert auf sehr niedrigem Niveau halten werden. Gleichzeitig werden sie ihre QE-Programme 2017 fortsetzen. Insgesamt bleibt die globale Liquiditätsversorgung nächstes Jahr also überaus üppig.

Firmengewinne steigen 2017
Ebenfalls positive Wirkungen auf Aktien dürften 2017 von den Unternehmensgewinnen kommen. Denn die Konsens-Prognosen auf Ebene der Standardwerte-Indizes in Europa und den USA sehen für das neue Jahr Ergebniszuwächse zwischen zehn und 14 Prozent vor, nach lediglich seitwärts bis leicht abwärts gerichteten Firmengewinnen zur Neige gehenden Jahr. Dabei werden für fast alle Sektoren des STOXX Europe 600 steigende Gewinne prognostiziert. Für eine solch positive Entwicklung spricht zum einen die sich stabilisierende Konjunktur in den Emerging Markets, die dort zu höheren Wachstumsraten führen dürfte, zum anderen die Trendwende nach oben bei den Gewinnen der Öl- und Rohstoffunternehmen.

Risiken für die Börsen liegen wie schon erwähnt auf politischer Seite sowie in einer möglichen globalen Konjunkturabschwächung und einem unerwarteten starken Anstieg der Zinsen. Neben der Krise der EU gehen auch von der Präsidentschaft Donald Trumps noch Risiken aus. Stärkere protektionistische Maßnahmen, die den Freihandel nachhaltig einschränken, hätten gerade für den deutschen Aktienmarkt (starke Exportorientierung der Unternehmen) negative Konsequenzen.

Was die neue Woche bringt
Im Euroraum warten Anleger mit Spannung auf die EZB-Sitzung am Donnerstag, bei der EZB-Chef Mario Draghi Neuigkeiten zum Wertpapier-Kaufprogramm verkünden dürfte. Die Stimmung der Investoren hat sich nach Einschätzung von Analysten im Währungsraum vor dem Hintergrund relativ ruhiger Märkte nach der US-Wahl etwas verbessert (Mo.).

In Deutschland sollten die harten Daten zu Auftragseingang, Produktion und Warenausfuhr im Oktober, angesichts der stark gestiegenen Indikatoren zur Unternehmensstimmung, positiv ausfallen. Vor allem die deutlich gestiegenen Exporterwartungen im ifo-Geschäftsklima weisen auf eine günstige Entwicklung der Auslandsbestellungen hin. Deshalb dürften die Auftragseingänge insgesamt stärker ausgefallen sein als im September (Di.). Auch für die Exporte im Oktober ist trotz der Kaufkraftverluste des drittwichtigsten Absatzmarktes Großbritannien ein positives Ergebnis zu erwarten (Do.). Die für einen Oktober relativ starke Automobilproduktion, die im Vormonat durch Nachwirkungen der Ferieneffekte des Sommers statistisch gebremst worden war, dürfte für eine Aufwärtsbewegung der Produktion zu Beginn des vierten Quartals sorgen (Mi.).

In den USA fällt die neue Woche recht arm an Konjunkturdaten aus. Der ISM-Frühindikator für den Dienstleistungssektor sollte im November, wie der ISM-Indikator für die Industrie, weiter zulegen (Mo.). Ein ähnliches Bild dürften die Auftragseingänge für Oktober zeigen (Di.). Vor dem Hintergrund der bereits vorab veröffentlichten Auftragseingänge langlebiger Güter dürften die Auftragseingänge insgesamt ebenfalls spürbar zum Vormonat gestiegen sein und damit eine starke Produktion für November signalisieren.

In China sollte der Strom an guten Konjunkturdaten auch in dieser Woche nicht abreißen. So dürften mit Blick auf die zuletzt insgesamt guten Frühindikatoren die Exporte und Importe im November erneut zugelegt haben. Die Jahresraten dürften sich damit weiter verbessert haben und nur noch leicht unter der Nulllinie liegen (Do.). In Japan sollte das positive Ergebnis zum Bruttoinlandsprodukt im dritten Quartal von 0,5 Prozent zum Vorquartal bestätigt werden (Do.). Damit steuert das Jahresergebnis 2016 auf 0,8 Prozent hin, der höchsten BIP-Wachstumsrate seit Beginn von Abenomics 2013.

 

Die wichtigsten Konjunkturdaten der neuen Woche

 MonatPrognoseLetzter
Montag, 5.12.2016
Sentix Investorenvertrauen Euroland (Punkte)Dezember14.513.1
ISM-Index Dienstleistungen USA (Punkte)November55.254.8
Dienstag, 6.12.2016
Auftragseingang Deutschland (% zum Vormonat)Oktober0.6-0.6
BIP Euroland (% zum Vorquartal)Q30.30.3
Handelsbilanz USA (Mrd. US-$)Oktober-41.6-36.4
Auftragseingang USA (% zum Vormonat)Oktober2.50.3
Mittwoch, 7.12.2016
Industrieproduktion Deutschland (% zum Vormon.)0.8-1.80.6
Donnerstag, 8.12.2016
Exporte China (% zum Vorjahr)November-5-7.3
Importe China (% zum Vorjahr)November-1.8-1.4
EZB-Zinsentscheid (%)Dezember00
Freitag, 9.12.2016
Verbraucherpreise China (% zum Vorjahr)November2.22.1
Exporte Deutschland (% zum Vormonat)Oktober1.6-0.7
Importe Deutschland (% zum Vormonat)Oktober0.9-0.5