2017 hat begonnen, 2016 ist Geschichte. Das abgelaufene Jahr hat der Welt einige dicke Überraschungen gebracht, die Folgen für das neue haben werden, insbesondere die Brexit-Entscheidung und die Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten. An den Börsen hat das geringere Spuren hinterlassen als zunächst befürchtet: Zwar kam es immer wieder zu heftigen Schwankungen, per Saldo konnten die wichtigsten Indizes aber zulegen. So gewann der Dax 2016 gut sieben Prozent und der US-Leitindex Dow Jones erreichte sogar ein neues Rekordniveau.
Gleich am ersten Handelstag 2016 war der Dax auf Grund von Börsenturbulenzen in China um 4,3 Prozent abgestürzt, es war der schlechteste Jahresauftakt in seiner Geschichte. Innerhalb weniger Tage gab der Leitindex fast seine gesamten Gewinne aus 2015 ab. Im Februar fiel er unter die Marke von 9000 Punkten und dümpelte über weite Strecken des Jahres ohne klaren Trend dahin. Erst Anfang Dezember schaffte er den Sprung über die 11.000 Zähler.

Heterogene Börsenentwicklung 2016
Was die einzelnen Branchen betrifft, gab es in Europa sehr unterschiedliche Entwicklungen: So reicht die Spannbreite der Jahresperformance 2016 beim STOXX Europe 600 von plus 60 Prozent bei Grundstoffen bis minus 15 Prozent im Telecom-Bereich. Hierbei war die Kursentwicklung in einigen Branchen im Verlauf des Jahres durch extreme Schwankungen gekennzeichnet. Dies gilt vor allem für die Banken, die bis Jahresmitte kräftige Kursrückgänge hinnehmen mussten und das erste Halbjahr als Sektor-Schlusslicht abschlossen, sich im zweiten Halbjahr dann aber kräftig erholten und in der zweiten Jahreshälfte an der Spitze der Performance-Rangliste lagen. Dank eines starken zweiten Halbjahres schnitten 2016 zyklische Branchen tendenziell besser ab als defensive Sektoren.
Spitzenreiter im Dax waren 2016 Adidas mit einem Kursplus von 66 Prozent. Große Sportspektakel wie die Fußball-Europameisterschaft und die Olympischen Spiele ließen bei den Herzogenaurachern die Kassen klingen. Bereits 2015 führte der Konzern die Gewinnerliste im Dax an, 2014 hatte er noch die rote Laterne getragen. Schlusslichter waren Deutsche Bank und Commerzbank, die jeweils knapp ein Viertel ihres Börsenwerts einbüßten.

Beträchtliche politische Risiken 2017
Die Frage ist nun, wie es nach mittlerweile acht Jahren Hausse an den globalen Aktienmärkten weitergeht. Börsenexperten sind sich weitgehend einig, dass von einer Euphorie, die einem Crash meist vorausgeht, noch nichts zu spüren ist. Dennoch haben sich einige Investoren 2016 in großem Stil von Aktien getrennt, um sich mit mehr Liquidität gegen mögliche Schocks an den Finanzmärkten abzusichern. Dies sind die wichtigsten Risiken, die für das neue Jahr gesehen werden:
Viele europäische Banken kämpfen noch immer mit Problemen und verfügen über zu wenig Eigenkapital. Ein neuerliches Aufflammen der Bankenkrise ist daher nicht auszuschließen.
Die Euro-Staatsschuldenkrise ist nicht wirklich gelöst und könnte ebenfalls wieder akut werden. Denn die Verschuldung der Euro-Peripherieländer ist weiter gestiegen.
In mehreren EU-Staaten stehen wichtige Wahlen an. Dabei könnten Erfolge der Rechtspopulisten – insbesondere in Frankreich und Holland – für erhebliche politische Unruhe sorgen.
Aber nicht nur in Europa droht Ungemach. Denn in den USA könnte der neue Präsident Trump eine Überhitzung der Konjunktur bewirken, indem er mit Steuersenkungen und Ausgabeprogrammen übers Ziel hinausschießt. Die mögliche Errichtung von Handelsschranken bereitet Anlegern ebenfalls Sorgen.

Zinsumfeld spricht weiter für Aktien
Ungeachtet dieser Risiken kalkulieren Aktienstrategen für den Weltaktienmarkt immer noch mit Renditen zwischen vier und neun Prozent für 2017 – nach Abzug der Inflationsrate. Das wäre immerhin ein Vielfaches von dem, was Sparbücher, Staatsanleihen und Tagesgeldkonten abwerfen. Beispielsweise gibt es für sicheres Tagesgeld derzeit im Durchschnitt gerade mal 0,2 Prozent Zinsen. Wer langfristig Vermögen aufbauen will, kommt deshalb auch 2017 nicht um Aktien herum.
Schließlich gelten Aktien trotz der zuletzt deutlich gestiegenen Kurse noch keineswegs als überbewertet. Beispielsweise sind die Aktien im Dax im Durchschnitt mit dem 13-fachen ihres Jahresgewinns bewertet und liegen damit unter ihrem historischen Bewertungsdurchschnitt.
Für weiter steigende Aktiennotierungen spricht zudem, dass die Europäische Zentralbank noch auf Jahre hinaus an ihrer lockeren Geldpolitik festhalten und die Märkte mit billigem Geld stützen wird.

Januar traditionell ein guter Börsenmonat
Zu Beginn des neuen Jahres spricht übrigens auch die Saisonalität für die Aktienmärkte. Sie schneiden im Januar historisch gesehen oft deutlich besser ab als in anderen Monaten des Jahres. Sollte sich die gute Stimmung an den Aktienmärkten zu Beginn des neuen Jahres fortsetzen, dürften viele Investoren ihre zuletzt noch vorsichtige Grundhaltung aufgeben und auf den fahrenden Zug aufspringen, was für eine Fortsetzung der aktuellen Aufschwungsphase sorgen. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich die Aktienkurse wenigstens bis Mitte/Ende Februar weiter positiv präsentieren, ist daher als nicht gering einzuschätzen.
Was die erste Januarwoche bringt:

In Deutschland dürfte sich der zuletzt starke Anstieg der Auftragseingänge im November nicht wiederholen (6.1.). Die Autobestellungen aus China dürften etwas geringer ausgefallen sein. Diese waren in Erwartung auslaufender Steuervorteile im Vormonat stark gestiegen. Da diese Steuervorteile zwar bis ins neue Jahr verlängert wurden, die Vergünstigungen 2017 aber halbiert werden, sollten die Bestellungen in den letzten Monaten des Jahres 2016 aber nicht deutlich zurückfallen. Das gute Geschäftsklima deutet aber an, dass die Unternehmen zum Jahresende über Kapazitätserweiterungen nachdenken, was sich im Dezember erneut in einem starken Stellenaufbau und gesunkenen Arbeitslosenzahlen zeigen sollte (3.1.).

In der Eurozone dürfte das Jahr mit einem Feuerwerk im Bereich der Inflationsdaten enden. Angeschoben durch den ausgeprägten Ölpreisanstieg wird die Inflationsrate in der Währungsunion im Dezember einen spürbaren Sprung nach oben machen (4.1.). Die Kernrate dürfte aber kaum steigen, weshalb nicht voreilig ein nachhaltiger Anstieg des Preisauftriebs in Richtung EZB-Ziel von knapp zwei Prozent diagnostiziert werden sollte. Dies gilt auch für Deutschland, wo der Anstieg am Jahresende am deutlichsten ausfallen dürfte (3.1.). Der Stimmungsindikator der EU-Kommission ESI (6.1.) für Dezember sollte einen schwungvollen Start ins neue Jahr ankündigen.

In den USA dürfte sich die Unternehmensstimmung im Dezember weiter verbessert haben. Angesichts einer gestiegenen Auslandsnachfrage und dem höheren Ölpreis hat der ISM-Index für das Verarbeitende Gewerbe wohl auch zum Jahresende zugelegt (3.1.). Der Dienstleistungs-Sektor dürfte von der aktuell guten Konsumlaune profitieren und ebenfalls eine weitere Stimmungsaufhellung im Dezember verzeichnen (5.1.). Die weiterhin robuste Arbeitsmarktentwicklung im Dezember sollte das Weihnachtsgeschäft ebenfalls angetrieben haben. Volkswirte rechnen mit einem Stellenaufbau von 175.000 Jobs, ähnlich wie in den vergangenen Monaten (6.1.). Die Arbeitslosenrate dürfte allerdings wegen einer erhöhten Arbeitsmarktbeteiligung leicht auf 4,7 Prozent steigen.

 

Die wichtigsten Konjunkturdaten der neuen Woche

 MonatPrognoseLetzter
Montag, 2.1.2017
PMI Caixin Verarb. Gewerbe China (Punkte)Dezember5150.9
Dienstag, 3.1.2017
Arbeitslosenrate Deutschland (%)Dezember66
Verbraucherpreise Deutschland (% zum Vorjahr)Dezember1.10.8
ISM-Index Verarb. Gewerbe USA (Punkte)Dezember53.553.2
Mittwoch, 4.1.2017
Verbraucherpreise Euroland (% zum Vorjahr)Dezember0.90.6
Verbraucherpr. Kernrate Euroland (% zum Vorjahr)Dezember0.80.8
Donnerstag, 5.1.2017
Verbraucherpreise China (% zum Vorjahr)Dezember-0.1-0.3
ISM-Index Dienstleistungen USA (Punkte)Dezember56.557.2
Freitag, 6.1.2017
Auftragseingang Deutschland (% zum Vormonat)November-1.84.9
Einzelhandelsumsatz Euroland (% zum Vorm.)November-0.41.1
Konsumklima Euroland (Punkte)Dezember-6-5.1
Industrievertrauen Euroland (Punkte)Dezember-0.6-1.1
ESI-Index Euroland (Punkte)Dezember106.6106.5
Beschäftigung USA (Tsd. zum Vormonat)Dezember175178
Arbeitslosenrate USA (%)Dezember4.74.6
Handelsbilanz USA (Mrd. US-$)November-42-42.6
Auftragseingang USA (% zum Vormonat)November-1.82.7