Wurden die Aktienmärkte im Januar primär durch Aussagen und erste Amtshandlungen des neuen US-Präsidenten Donald Trump dominiert, rückte vergangene Woche die europäische Politik zunehmend in den Fokus. Sorgen bereiteten den Anlegern vor allem die Vorgänge rund um die bevorstehenden Präsidentschaftswahlen in Frankreich und um das Hilfsprogramm für Griechenland. Allerdings schlugen sich die politischen Risiken in erster Linie auf den Anleihemärkten nieder, während sie an den Aktienmärkten dank positiver Einflüsse von anderer Seite nur relativ geringe Spuren hinterließen.
Kursstützend auf Europas Börsen wirkte einmal mehr der schwächere Euro, aber auch einige starke Unternehmenszahlen, etwa für Société Générale und Sanofi. Der Dax hielt sich in einer Spanne zwischen 11.500 und 11.700 Punkten und schnitt damit schlechter ab als die Aktienmärkte in Frankreich, Italien und Spanien. Einen erneuten Anstieg verzeichneten die US-Börsen, Dow Jones und S&P 500 markierten neue Allzeithochs.

Präsidentschafts-Wahlkampf in Frankreich sorgt für Verunsicherung

An den Anleihemärkten blicken die Investoren zunehmend beunruhigt Richtung Frankreich: Denn die Wahlchancen des konservativen und wirtschaftsfreundlichen Präsidentschaftskandidaten François Fillon haben sich wegen der Affäre um die Scheinanstellung seiner Frau auf Staatskosten erheblich verschlechtert. Da zudem die sozialistische Partei mit Benoît Hamon einen Kandidaten des linken Flügels ins Rennen schickt, hat aus Sicht der Finanzmärkte der parteiunabhängige Kandidat Emmanuel Macron derzeit die besten Chancen, in der Stichwahl gegen die Rechtspopulistin Marine Le Pen anzutreten. Diese hat ihren Wahlkampf unter anderem mit protektionistischen Tönen eröffnet und angekündigt, ein Referendum über die EU-Zugehörigkeit Frankreichs abhalten zu wollen. Vor diesem Hintergrund sind die Risikoaufschläge französischer Staatsanleihen zuletzt deutlich gestiegen.

Neben Frankreich gerät mehr und mehr auch Griechenland wieder in das Blickfeld der Anleger. Denn es ist offen, ob sich der Internationale Währungsfonds (IWF) weiterhin am Hilfsprogramm für das Land beteiligt. Nach Aussagen von Deutschlands Finanzminister Wolfgang Schäuble wäre das laufende Hilfsprogramm bei einem Ausstieg des IWF beendet. Dann müsste über ein neues Programm verhandelt werden, dem der Bundestag zustimmen müsste. Die Unsicherheit über das weitere Schicksal Athens ließ die Rendite zweijähriger griechischer Staatsanleihen auf 9,5 Prozent steigen, nachdem sie im Januar zeitweise noch unter 6,5 Prozent gelegen hatte.

Bessere Konjunktur stützt Börsen

Die gestiegenen Risikoaufschläge für Euro-Staatsanleihen ließen die Aktienmärkte relativ kalt, was unter anderem damit zu tun hat, dass Bankaktien zuletzt vom Anstieg der Kapitalmarktzinsen und der dadurch steiler werdenden Zinsstrukturkurve profitierten. Schließlich verbessert eine steilere Zinskurve die im Niedrigzinsumfeld schwierige Ertragslage der Banken. Hinzu kommt, dass Aktien allgemein durch die in den letzten Monaten gestiegenen konjunkturellen Frühindikatoren begünstigt wurden.

Für die nächsten Monate ist zwar zu erwarten, dass die politischen Risiken in Europa immer wieder für Verunsicherung sorgen. Für die Aktienmärkte bleiben aber die Entwicklung der Konjunktur und der Unternehmensgewinne wichtiger. Hier sind die Perspektiven derzeit durchaus günstig. Dies bestätigen beispielsweise die vergangene Woche veröffentlichten OECD Composite Leading Indicators, die für die großen Wirtschaftsräume USA, Eurozone, China und Japan anhaltende Aufwärtstrends signalisieren.

Anleger sollten sich allerdings bewusst sein, dass die Börsen mit ihren kräftigen Kursanstiegen in den letzten Monaten schon viel Positives vorweggenommen haben. Außerdem sind die Risiken einzukalkulieren, die von möglichen protektionistischen Maßnahmen der USA unter Präsident Donald Trump in der Handelspolitik ausgehen. Deshalb ist in den nächsten Wochen mit einer verhaltenen Kursentwicklung zu rechnen, große Kurssprünge nach oben sind eher unwahrscheinlich.

Fed-Notenbanker uneins über Zinspolitik

Ein nicht zu unterschätzender Einflussfaktor für die Börsen bleibt die Geldpolitik. Bei der US-Notenbank Fed wurde vergangenen Woche das Thema Inflation kontrovers diskutiert. Philadelphia-Fed-Präsident Patrick Harker (der als Falke gilt) meinte, dass ein Zinsanstieg auf der März-Sitzung diskutiert werden sollte. Chicago-Fed-Präsident Charles Evans, der den Tauben zugerechnet wird, sprach sich sogar für drei Zinsschritte nach oben im laufenden Jahr aus.
Davon abweichend äußerte sich der als neutral eingeschätzte Minneapolis-Fed-Präsident Neel Kashkari. Er erwartet keinen schnellen Anstieg der Inflation, sondern beurteilt die Risiken für den Inflationsausblick als ausgeglichen. Aus taktischen Gründen wäre es daher sinnvoll, mit dem nächsten Zinsschritt zu warten. Nach Ansicht von St. Louis Fed-Präsident James Bullard (Taube) könnte der Leitzins sogar das ganze Jahr 2017 niedrig bleiben. Die Auswirkungen von Trumps Wirtschaftspolitik werden seiner Ansicht nach erst 2018 und 2019 spürbar.
Die Mehrzahl der Fed-Beobachter geht davon aus, dass auf Grund der erhöhten Unsicherheit um Trumps Wirtschaftspolitik die US-Währungshüter frühestens im Juni dieses Jahres den Leitzins weiter anheben werden.

EZB-Chef Draghi warnt

Was die Notenbankpolitik in der Eurozone betrifft, hat EZB-Präsident Mario Draghi zuletzt auf die Risiken einer Diskussion über den Ausstieg aus der expansiven Geldpolitik hingewiesen. Die EZB müsse in dieser Hinsicht „extrem vorsichtig“ sein. Denn die Märkte hätten sich an die hohe Liquidität gewöhnt. Diese könne aber sehr schnell austrocknen. Skeptisch äußerte er sich erneut über die Inflationsaussichten. Der zugrunde liegende Preisauftrieb sei nach wie vor sehr gering, wofür vor allem die geringe inländische Dynamik verantwortlich sei.
Die Vorwürfe der neuen US-Regierung, dass die EZB den Euro zur Erzielung von Vorteilen im Außenhandel bewusst schwäche, wies Draghi zurück. Die EZB sei kein Währungsmanipulator. In diese Richtung äußerten sich auch die Ratsmitglieder Benoit Coeuré und Francois Villeroy. Der EZB-Chef sprach sich auch klar gegen eine von Trump angekündigte Aufweichung der Bankenregulierung aus. Die sei „das Letzte, was wir aktuell brauchen“.

Was die neue Woche bringt

Im Euroraum steht diese Woche die Bekanntgabe der BIP-Ergebnisse für das vierte Quartal (Di) im Fokus. Für Deutschland deuten die zuletzt veröffentlichten Dezember-Daten zur Industrieproduktion und dem Warenhandel darauf hin, dass das Bruttoinlandsprodukt gegenüber dem dritten Vierteljahr um 0,5 Prozent gestiegen ist. Damit liegt das Ergebnis wohl leicht unter der bisherigen Annahme des Statistischen Bundesamtes, die der Schätzung zum Jahresergebnis 2016 von 1,9 Prozent zugrunde liegt. In der Eurozone dürfte das BIP im Schlussquartal 2016 etwas weniger dynamisch gestiegen sein als zunächst von Eurostat gemeldet (Di.).
Die ZEW-Konjunkturerwartungen für Februar dürften zum ersten Mal seit sechs Monaten wieder leicht gesunken sein (Di.). Für diese Prognose sprechen die gestiegene Volatilität am Finanzmarkt sowie die politischen Risiken, insbesondere in der Eurozone. Doch dürfte die Einschätzung der aktuellen Lage in Deutschland weiter positiv ausfallen und einen soliden Start der Konjunktur ins erste Vierteljahr 2017 anzeigen.

In den USA werden harte Daten für den Januar veröffentlicht, die teilweise durch Sondereffekte verzerrt sein dürften. Zum Beispiel die Einzelhandelsumsätze, die nach starken Zahlen im Dezember im Januar von schwachen Automobilverkäufen gebremst wurden (Mi.). Ohne diese schwankungsanfällige Komponente dürfte dagegen ein ordentliches Plus von 0,5 Prozent zum Vormonat zu Buche stehen.

Bei der Industrieproduktion haben wohl die Energieerzeuger das Gesamtergebnis spürbar gedämpft (Mi.). Auf Grund der für Januar untypisch milden Temperaturen in den USA war die Stromnachfrage für Heizungen geringer als sonst zu dieser Jahreszeit üblich. Die übrigen Branchen sollten aber eine positive Produktionsdynamik ausweisen. Der Wohnungsbau dürfte von der milden Witterung im Januar profitiert und seine erhöhte Bautätigkeit in etwa gehalten haben (Do.).

Der Frühindikator der Philadelphia Fed dürfte geringfügig nachgeben, jedoch weiterhin eine dynamische Entwicklung der US-Industrie in den kommenden Monaten anzeigen. Die Verbraucherpreise sind im Januar gemäß Einschätzung von Volkswirten nur moderat gestiegen. Getrieben durch den Basiseffekt der Energiepreise dürfte die jährliche Inflationsrate aber um 0,2 Prozentpunkte auf 2,3 Prozent nach oben gegangen sein (Mi.).

 

Die wichtigsten Konjunkturdaten der neuen Woche

 MonatPrognoseLetzter
Montag, 13.2.2017
BIP Japan (% zum Vorquartal)Q40.30.3
Dienstag, 14.2.2017
Verbraucherpreise China (% zum Vorjahr)Januar2.42.1
BIP Deutschland (% zum Vorjahr)Q41.41.5
BIP Euroland (% zum Vorjahr)Q41.81.8
ZEW-Konjunkturindex Deutschland (Punkte)Februar1516.6
ZEW-Konjunkturindex Euroland (Punkte)Februar1723.2
Mittwoch, 15.2.2017
Einzelhandelsumsatz USA (% zum Vormonat)Januar0.10.6
Empire State-Index USA (Punkte)Februar76.5
Verbraucherpreise USA (% zum Vorjahr)Januar2.42.1
Verbraucherpreise Kernrate USA (% zum Vorjahr)Januar2.22.2
Industrieproduktion USA (% zum Vormonat)Januar00.8
NAHB Wohnungsmarkt-Index USA (Punkte)Februar6867
Donnerstag, 16.2.2017
Wohnungsbaubeginne USA (Tsd.)Januar12301226
Philly Fed-Index USA (Punkte)Februar17.523.6
Freitag, 17.2.2017
Keine wichtigen Daten