Die Aktienmärkte starteten die vergangene Woche freundlich und konnten zu Beginn die Verluste der Woche davor zum großen Teil wieder aufholen. Zum Wochenausklang trübte sich die Stimmung aber erneut ein. Ein Grund dafür waren Unsicherheiten über den Fortbestand des aktuellen wirtschaftlichen Beraterstabs Trumps, insbesondere Rücktrittsgerüchte über Gary Cohen, der als wichtige Figur in Fragen Steuererleichterungen und Deregulierung gilt. Dass die Märkte nach der Dementierung der Gerüchte nicht mit spürbarer Erleichterung reagierten, zeigt die aktuelle vorsichtige Haltung der Anleger.

Zu denken gab so manchem Investor auch, dass das Bundesverfassungsgericht (BVerfG) das laufende Anleihe-Kaufprogramm der Europäischen Zentralbank (EZB) infrage stellt. Die deutschen Verfassungsrichter lassen vom Europäischen Gerichtshof (EuGH) prüfen, ob das Programm die geldpolitischen Kompetenzen der Notenbank überschreitet. In dieser Frage prallen zwei Anschauungen aufeinander: So ist man bei der EZB der Ansicht, mit Hilfe der Wertpapierkäufe die Finanzmärkte der Eurozone stabilisiert und der Konjunktur auf die Sprünge geholfen zu haben.
Dem stehen die Skeptiker – vor allem aus Deutschland – gegenüber, die in den Wertpapierkäufen eine unerlaubte Staatsfinanzierung sehen, die primär die am höchsten verschuldeten Euro-Staaten begünstigt. Hinzu käme, dass das billige EZB-Geld den Druck von diesen Staaten nähme, notwendige Reformen vorzunehmen. Klar ist aber auch, dass die Liquiditätsschwemme der EZB Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble Milliarden an Zinsausgaben gespart haben – und somit die schwarze Null im Bundeshaushalt erst ermöglicht hat.

Europäischer Gerichtshof dürfte EZB-freundlich entscheiden

Bei der Frage, wie der Europäische Gerichtshof entscheiden wird, muss den Notenbankern wohl nicht allzu bange sein. Es wird wahrscheinlich darauf hinauslaufen, dass das Gericht Bedingungen festlegen wird, die Wertpapierkäufe letztlich nicht verhindern dürften. Denn auch die Richter werden sich bewusst sein, dass die Stabilität der Finanzmärkte in der Eurozone ohne die Unterstützung der EZB kaum zu gewährleisten ist. Von der finanzwirtschaftlichen Stabilität hängen wiederum die realwirtschaftliche und sozialpolitische Stabilität und letzten Endes die Existenz des Europäischen Währungsraums ab.

Ein Argument für die Wertpapierkäufe der Zentralbank bleibt zudem die anhaltend niedrige Inflation in der Eurozone. Im Juli lagen die Verbraucherpreise erneut nur um 1,3 Prozent höher als vor Jahresfrist. Im Juli-Sitzungsprotokoll der EZB heißt es dazu, dass Anzeichen anziehender Inflation fehlen. In diesem Zusammenhang ist auch bemerkenswert, dass die EZB auf ihrer Sitzung über den erstarkten Euro diskutiert hat. Auf der Pressekonferenz zur Sitzung hatte EZB-Chef Mario Draghi sich hierzu kaum geäußert, was an den Märkten so interpretiert wurde, dass die Notenbanker einen stärkeren Euro als nicht besonders problematisch einstufen.

EZB sorgt sich wegen starkem Euro

Die Diskussion der Ratsmitglieder zeigt nun, dass sie sich durchaus Sorgen vor Überreaktionen der Devisenmärkte machen. Ein Außenwert auf dem derzeitigen Niveau scheint jedoch nicht auszureichen, um die EZB von ihrem geldpolitischen Pfad abzubringen. Denn die bisherige Euro-Aufwertung wurde primär darauf zurückgeführt, dass sich nach der Frankreich-Wahl die Unsicherheit verringert hat und die Markterwartungen an stärker steigende US-Zinsen nicht erfüllt wurden. Außerdem müsse bei der Ausrichtung der Geldpolitik immer die Kombination aus allen Instrumenten berücksichtigt werden und nicht nur einzelne Maßnahmen.

Das Protokoll der Juli-Sitzung der US-Notenbank Fed wurde letzte Woche ebenfalls veröffentlicht. Es zeigt, dass bei dieser Sitzung die aktuelle Inflationsschwäche ein Hauptdiskussionspunkt der Fed-Oberen war. Nach wie vor machen viele der amerikanischen Währungshüter Einmalfaktoren für die niedrige Inflation verantwortlich. Diese Faktoren würden die Inflation auch im zweiten Halbjahr niedrig halten. Viele Mitglieder des Fed-Offenmarktausschusses (FOMC) gehen deshalb davon aus, dass das Inflationsziel von zwei Prozent länger als bisher erwartet verfehlt wird, und sehen Abwärtsrisiken für den Inflationsausblick.

Mehrere Fed-Verantwortliche für Pause im Zinsanhebungszyklus

Auf der Juni-Sitzung der Fed hatten sich in diesem Punkt nur wenige Zentralbanker besorgt geäußert. Als Reaktion hierauf plädierten im Juli daher einige FOMC-Mitglieder für eine Pause bei den geplanten Zinsanhebungen, bis neue Informationen für einen stärkeren Inflationsdruck sprächen. Ähnlich viele warnten dagegen vor einer möglichen Überhitzung des Arbeitsmarktes und sprachen sich für eine Beibehaltung des geplanten Zinspfades aus. Zu erwarten ist nun, dass im September der Beginn des Bilanzabbaus, wahrscheinlich ab Anfang Oktober, angekündigt wird. Mit einem Zinsschritt ist frühestens im Dezember zu rechnen.

Neben der Geldpolitik wird auch der Nordkorea-Konflikt die Finanzmärkte weiter beschäftigen. Mit Erleichterung wurde aufgenommen, dass zuletzt sowohl die USA als auch Nordkorea verbal abgerüstet haben. Zudem scheint sich China seiner besonderen Verantwortung in diesem Konflikt bewusst zu sein, was die jüngst gegenüber Nordkorea gezeigte handelspolitische Härte beweist. Hierbei wirkt die von den USA eingeleitete Untersuchung, wie chinesische Unternehmen ausländisches geistiges Eigentum abgreifen, ohne selbst Know-How-Transfers zu erlauben. Nach Abschluss der Untersuchung, die zweifellos das von Trump gewünschte Resultat zeitigen wird, können die USA dieses nach Bedarf als Waffe gegen Peking einsetzen. Denn die USA weisen gegenüber China ein immenses Handelsdefizit auf, das US-Präsident Donald Trump ein Dorn im Auge ist.

Was die neue Woche bringt

In der Eurozone stehen diese Woche die wichtigen Stimmungsindikatoren für August zur Veröffentlichung an. In Deutschland ist eine spürbare Korrektur des ifo-Geschäftsklimas (Fr.) wahrscheinlich. Das lässt der bereits im Juli gefallene Einkaufsmanagerindex vermuten. Es wäre der erste Rückgang des Geschäftsklimas seit Jahresbeginn und dürfte hauptsächlich durch eine schwächere Einschätzung der Geschäftserwartungen verursacht sein.

Doch auch die ZEW-Konjunkturerwartungen sollten im August einen erneuten Dämpfer verzeichnen (Di.). Zudem ist für die deutschen Einkaufsmanagerindizes (PMI) Stagnation auf zuletzt niedrigerem Niveau zu erwarten (Mi.). Die französischen PMI werden sich der allgemeinen Abwärtstendenz nicht gänzlich entziehen können, womit für den Euroraum insgesamt ebenfalls mit einem Rückgang der Daten zu rechnen ist (Mi.). Bestätigen sollten sich hingegen die soliden BIP-Wachstumsraten in Deutschland (Fr.) und Spanien (Do.) im zweiten Quartal. In Deutschland dürfte einmal mehr die Inlandsnachfrage der stärkste Wachstumstreiber gewesen sein.

In den USA sollten die Auftragseingänge langlebiger Güter im Juli wie schon im Juni besonders von den Transportgüterbestellungen gestützt worden sein (Fr.). Nach dem sehr hohen Plus im Juni dürfte es im Juli zu einem negativen Rückprall gekommen sein. Ohne die schwankungsanfälligen Transportgüterbestellungen ist mit Blick auf die gute Entwicklung der Frühindikatoren aber eine moderate Belebung der Aufträge im Juli plausibel. Der PMI-Frühindikator für das Verarbeitende Gewerbe im August sollte leicht zugelegt haben und damit die gute Entwicklung der US-Industrie im Sommer unterstreichen (Mi.).

Diese Woche findet die jährliche Jackson Hole-Konferenz der Kansas City Fed statt (24. – 26.8.). EZB-Präsident Mario Draghi will an der Konferenz teilnehmen, Berichten zufolge allerdings keine größeren geldpolitischen Ankündigungen machen. Auch Fed-Chefin Janet Yellen hat ihre Teilnahme zugesagt. Sie wird eine Hauptrede der Konferenz halten und dürfte die Ankündigung zur baldigen Bilanzreduzierung erneuern. Zudem könnte sie neue Aussagen zur Einschätzung der aktuellen Inflationsschwäche machen und wie die geldpolitische Reaktion der Fed hierauf aussieht.

 

Die wichtigsten Konjunkturdaten der neuen Woche

 MonatPrognoseLetzter
Montag, 21.8.2017
Keine wichtigen Daten
Dienstag, 22.8.2017
ZEW-Konjunkturerwartungen Deutschl. (Punkte)August15.517.5
ZEW-Aktuelle Lage Deutschland (Punkte)August8586.4
ZEW-Konjunkturerwartungen Euroland (Punkte)August35.135.6
Richmond Fed-Index USA (Punkte)August1014
Mittwoch, 23.8.2017
PMI Verarb. Gewerbe Frankreich (Punkte)August54.154.9
PMI Dienstleistungen Frankreich (Punkte)August56.356
PMI Verarb. Gewerbe Deutschland (Punkte)August58.158.1
PMI Dienstleistungen Deutschland (Punkte)August52.953.1
PMI Verarb. Gewerbe Euroland (Punkte)August56.356.6
PMI Dienstleistungen Euroland (Punkte)August55.455.4
PMI Verarb. Gewerbe USA (Punkte)August53.453.3
PMI Dienstleistungen USA (Punkte)August54.954.7
Verbrauchervertrauen Euroland (Punkte)August-1.9-1.7
Neubauverkäufe USA (Tsd.)Juli610610
Donnerstag, 24.8.2017
keine wichtigen Daten
Freitag, 25.8.2017
BIP Deutschland (% zum Vorqu., 2. Veröff.)Q20.60.6
Ifo-Geschäftsklima Deutschland (Punkte)August115.4116
Ifo-Geschäftslage Deutschland (Punkte)August124.8125.4
Ifo-Geschäftserwartungen Deutschland (Punkte)August106.8107.3
Auftragseingang langleb. Güter USA (% zum Vorm.)Juli-4.46.4