Die globalen Börsen haben sich zuletzt uneinheitlich entwickelt. In den USA hielten sich die Aktienindizes auf hohem Niveau, der S&P 500 erreichte sogar ein neues Rekordhoch. Dagegen tendierten die europäischen Märkte schwächer und der Dax gab deutlich nach. Analysten führen die aktuelle Schwäche hiesiger Aktien vor allem auf die deutliche Aufwertung des Euro zurück. Der deutsche Leitindex wurde außerdem durch den Rückgang der Autowerte gedrückt. Die Unternehmen stehen im Verdacht, sich durch unerlaubte Absprachen Vorteile verschafft zu haben.
Mit Spannung hatten Investoren vergangene Woche die Sitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) erwartet. Experten waren davon ausgegangen, dass EZB-Chef Mario Draghi bei der anschließenden Pressekonferenz eine kleine Korrektur im Ausblick (Forward Guidance) der Notenbank zum Wertpapier-Kaufprogramm verkünden würde. Doch der EZB-Rat änderte nichts an der Geldpolitik für den Europäischen Währungsraum. Das heißt, dass die EZB weiter bereit ist „das QE-Programm in Umfang und/oder Dauer auszuweiten, sollten sich die Inflationsaussichten oder die Finanzierungsbedingungen verschlechtern“.

Konjunktur in Euroland hat sich verbessert

Nochmals leicht verbessert hat sich der Konjunkturausblick der Währungshüter. Draghi sagte, dass die Erholung regional und sektoral an Breite gewonnen habe. Kopfzerbrechen bereitet allerdings nach wie vor die fehlende Belebung und hohe Arbeitslosigkeit in einigen Euro-Ländern. Der EZB-Chef gab sich überzeugt, dass die Verbesserung der Konjunktur künftig den Preisdruck erhöhen werde. Im Moment gäbe es aber noch immer keine überzeugenden Anzeichen einer Erholung der Kerninflation. Diesbezüglich gibt es laut Draghi sehr viel Unsicherheit im EZB-Rat. Aus diesem Grund habe der Rat einstimmig entschieden, sich auf kein Timing der Exit-Diskussion festzulegen. Man wolle erst im Herbst über den Fortgang des Wertpapier-Kaufprogramms diskutieren.

Konjunkturzahlen spielten vergangene Woche keine große Rolle. Allerdings konnten Rohstoffaktien von starken Daten zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) und zur Industrieproduktion in China profitieren. In Deutschland konnte der ZEW-Index der Konjunkturerwartungen die Prognosen nicht ganz erfüllen, da er von 18,6 Punkten im Mai auf 17,5 Zähler im Juni fiel (Konsens-Prognose: 18,0). Der leichte Rückgang könnte ein Hinweis sein, dass Europas Aktienmärkte von den Konjunktur-Frühindikatoren allmählich weniger Rückenwind bekommen.

Anlageprofis werden vorsichtiger

In die gleiche Richtung deuten die Erwartungen von Fondsmanagern für die Weltkonjunktur und die Unternehmensgewinne. Diese blieben zwar grundsätzlich zuversichtlich, sanken gegenüber dem Vormonat jedoch erneut leicht, wie die jüngste monatliche Umfrage unter Fondsmanagern von Bank of America Merrill Lynch zeigt. Damit hat sich der Abwärtstrend seit Jahresbeginn, als große Konjunktureuphorie herrschte, fortgesetzt. Inzwischen kalkulieren nur noch netto 38 Prozent der befragten Fondsmanager (Saldo aus positiven und negativen Antworten) mit einer besseren Entwicklung der Weltwirtschaft in den kommenden zwölf Monaten. Im Januar hatte der Wert noch 62 Prozent betragen. Bei den Firmengewinnen auf globaler Basis rechnen nun 41 Prozent mit einem besseren Ausblick auf Sicht von zwölf Monaten nach 43 Prozent im Vormonat.

Sorgen bereiten den Anlageprofis Risiken an den Anleihemärkten sowie die Geldpolitik der großen Notenbanken. Ein Crash am Bondmarkt mit stark steigenden Kapitalmarktzinsen und geldpolitische Fehler der Zentralbanken werden als derzeit größte Risiken genannt. Dabei wird die aktuelle Geldpolitik global betrachtet von 48 Prozent der institutionellen Anleger für zu locker gehalten.

Vor diesem Hintergrund haben die Fondsmanager die Gewichtung von Aktien erneut leicht reduziert. Der Nettoanteil derer, die angaben, in Aktien relativ zu ihrer Benchmark übergewichtet zu sein, fiel von 40 auf 38 Prozent. Dieser Wert liegt immer noch über dem Durchschnitt seit Anfang 2010 von 33 Prozent und zeigt damit eine weiterhin eher offensive Positionierung. Weit höher war die Risikobereitschaft der Fondsmanager allerdings beispielsweise im Frühjahr 2015, als 58 Prozent der Befragten in Aktien übergewichtet waren. Daraus lässt sich schließen: Die Stimmung der Investoren ist gegenwärtig optimistisch, aber nicht euphorisch – was tendenziell positiv für die Aktienmärkte ist.

Mit 4,9 Prozent (nach 5,0 Prozent im Vormonat) befindet sich die durchschnittliche Liquiditätsquote in den Portfolios der Fondsmanager weiter auf relativ hohem Niveau. An Geld für weitere Aktienkäufe mangelt es den Fondsmanagern also nicht. Als Hauptgründe der hohen Liquiditätshaltung werden eine negative Einschätzung der Marktperspektiven genannt, aber auch eine Bevorzugung von Cash gegenüber unattraktiven Zinsanlagen. Die überdurchschnittlich hohe Liquiditätsquote ist demnach teilweise der anhaltenden Niedrigzinsphase geschuldet, was sie als Signal für die Aktienmärkte weniger bullish erscheinen lässt.

Europa noch immer übergewichtet

Regional bleiben die Fondsmanager überdurchschnittlich stark in Aktien der Eurozone engagiert, deren Positionierung sie besonders nach dem Wahlsieg Emmanuel Macrons in Frankreich ausgebaut hatten. Euroraum-Aktien werden nun per Saldo von 54 Prozent übergewichtet nach sehr hohen 58 Prozent im Vormonat. US-Aktien werden demgegenüber nochmals stärker gemieden als im Juni und im Juli zu netto 20 Prozent untergewichtet nach zuvor 15 Prozent.

In der Untergewichtung amerikanischer Aktien drückt sich zum einen die gestiegene Skepsis gegenüber der Durchsetzung der geplanten Konjunktur-Stimulierungsmaßnahmen Trumps aus, zum anderen die Ansicht, dass US-Aktien bereits stark überbewertet seien. Emerging-Markets-Aktien werden dagegen wie schon in den beiden Vormonaten deutlich übergewichtet (per Saldo zu 37 Prozent), wenngleich etwas geringer als im Vormonat. Merklich angehoben wurde die Gewichtung japanischer Aktien, die nun zu netto 18 Prozent übergewichtet werden nach einem Prozent im Juni.

Die anhaltend starke Übergewichtung europäischer Aktien stellt ein Hindernis für deren weitere Entwicklung im Vergleich zu anderen Regionen dar. Wenn schon viele Investoren in dem Segment überdurchschnittlich engagiert sind, droht der Mittelzufluss zu versiegen bzw. bei negativen Nachrichten sich wieder umzukehren. Tatsächlich schnitten Aktien der Eurozone in den vergangenen Wochen schlechter ab als US-Titel, was in erheblichem Maße auf die Aufwertung des Euro gegenüber dem Dollar zurückzuführen sein dürfte.

Was die neue Woche bringt

In der Eurozone richtet sich der Blick in dieser Woche auf die ersten Inflationsdaten für Juli. Die Teuerungsrate in Deutschland sollte auf wenig Überraschungspotenzial im Juli hindeuten. Ökonomen erwarten eine unveränderte Jahresrate, wobei das EZB-Ziel (knapp 2,0 Prozent) mit 1,6 Prozent noch deutlich unterschritten wird (Fr.). Nicht mehr ganz so gut wie im Juni dürften die Einkaufsmanagerindizes (PMI) für das Verarbeitende Gewerbe im Euroraum ausfallen (Mo.). Doch die Indizes für den Dienstleistungssektor werden wohl noch einen Tick zulegen.
Für das ifo-Geschäftsklima ist ein leichter Rückgang wahrscheinlich, wobei sich vor allem die Geschäftserwartungen leicht eintrüben dürften (Di.). Auf unverändert hohem Niveau dürfte das GfK Konsumklima für August verharren (Do.).

In den USA richtet sich die Aufmerksamkeit der Anleger auf die Notenbank Fed (Mi.). Auf ihrer Juli-Sitzung dürfte sie keine geldpolitischen Änderungen beschließen. So sollte der Offenmarktausschuss (FOMC) zunächst noch die Wirkung seiner letzten Zinsanhebung im Juni abwarten. Was den Beginn des Bilanzabbaus betrifft, dürften keine weiteren Neuigkeiten verkündet werden, nachdem auf der letzten Sitzung bereits die Vorgehensweise zur Bilanzreduzierung erläutert und der Beginn auf dieses Jahr festgelegt wurde. Der Schwerpunkt der Sitzung wird deshalb auf der Einschätzung zur aktuellen Inflationsentwicklung liegen. Denn diese könnte zum Stolperstein für die Exit-Strategie der Fed werden.
Gemäß der aktuellen Forward Guidance will die Fed bis Jahresende noch einen Zinsschritt sowie den Beginn des schrittweisen Bilanzabbaus beschließen. Allerdings wird eine weitere Zinserhöhung der Fed noch im laufenden Jahr zunehmend skeptisch gesehen. So haben sich bisher sieben der aktuell 16 FOMC-Mitglieder kritisch zur aktuellen Inflationsschwäche geäußert und einen weiteren Zinsschritt noch in diesem Jahr angezweifelt. Detaillierte Aussagen hierzu werden im Statement der Fed für Juli wohl noch fehlen. Die Fed könnte aber ihre Jackson-Hole-Konferenz (24. bis 26. August) zur Kommunikation für einen möglicherweise veränderten Exit-Pfad nutzen, um die Märkte frühzeitig vor ihrer nächsten Sitzung im September (19./20. September) entsprechend vorzubereiten.

Bei den zur Veröffentlichung anstehenden Konjunkturdaten interessiert vor allem das US-BIP für das zweite Quartal (Fr.). Zwischen April und Juni dürfte sich die US-Konjunktur nur moderat belebt haben. Zwar sollte mit Blick auf die gute Entwicklung der US-Industrie die Investitionstätigkeit erneut zugelegt haben. Der Private Verbrauch scheint aber nur ein mäßiges Plus zum Vorquartal ausweisen zu können.

Als marktbewegend könnten sich zudem die Auftragseingänge langlebiger Güter für Juni erweisen (Do.). Diese sollten kräftig gestiegen sein, angetrieben von einer starken Bestelltätigkeit bei den Flugzeugbauern. Nur geringfügig besser dürfte dagegen der Einkaufsmanagerindex für das Verarbeitende Gewerbe für Juli ausfallen (Mo.). Zwar hat der Dollar insgesamt weiter abgewertet und macht damit amerikanische Produkte preislich attraktiver. Der Ölpreis hat allerdings zum Monatsanfang deutlich nachgegeben und damit die Ölförderung belastet.

 

Die wichtigsten Konjunkturdaten der neue Woche

 MonatPrognoseLetzter
Montag, 24.7.2017
PMI Verarb. Gewerbe Deutschland (Punkte)Juli59.259.6
PMI Dienstleistungen Deutschland (Punkte)Juli54.354
PMI Verarb. Gewerbe Euroland (Punkte)Juli57.257.4
PMI Dienstleistungen Euroland (Punkte)Juli55.555.4
PMI Verarb. Gewerbe USA (Punkte)Juli52.152
Dienstag, 25.7.2017
Ifo-Geschäftsklima Deutschland (Punkte)Juli114.9115.1
Ifo-Aktuelle Geschäftslage Deutschland (Punkte)Juli123.8124.1
Ifo-Geschäftserwartungen Deutschland (Punkte)Juli106.5106.8
Richmond Fed-Index USA (Punkte)Juli77
Conference Board Verbrauchervertr. USA (Punkte)Juli116118.9
Mittwoch, 26.7.2017
Neubauverkäufe USA (Tsd.)Juni615610
Fed-Zinsentscheid USA (%)Juli1.251.25
Donnerstag, 27.7.2017
Einzelhandelsumsatz Deutschland (% zum Vorm.)Juni0.30.5
GfK-Verbrauchervertrauen Deutschland (Punkte)August10.610.6
Auftragseingang langleb. Güter USA (% zum Vorm.)Juni3-0.8
Freitag, 28.7.2017
Industrievertrauen Euroland (Punkte)Juli4.74.5
ESI-Index Euroland (Punkte)Juli110.8111.1
Verbraucherpreise Deutschland (% zum Vorjahr)Juli1.61.6
BIP USA (% zum Vorjahr, annualisiert)Q22.51.4
Uni Michigan Konsumklima USA (Punkte)Juli9393.1