Bis Donnerstag lief es vergangene Woche gut beim Dax: Er kletterte erstmals seit zwei Jahren über die Marke von 12.000 Punkten. Doch am Freitag gab der deutsche Leitindex die in den Tagen zuvor erzielten Gewinne zum großen Teil wieder ab. Die Unsicherheit über den künftigen wirtschaftspolitischen Kurs der USA und die Wahlen in Europa veranlasste offensichtlich viele Anleger, ihr Geld aus Aktien abzuziehen und in sichere Häfen wie Bundesanleihen und Gold zu parken.

US-Finanzminister Steven Mnuchin äußerte die Vermutung, die Auswirkungen der geplanten Steuerreform auf die Konjunktur würden erst ab 2018 spürbar werden. Außerdem betonte er, dass sich US-Präsident Donald Trump vor allem mit dem Thema Grenzsteuern beschäftige. Diese Aussagen kamen an der Börse nicht gut an. Kopfzerbrechen bereiteten Investoren auch die Wahlen in Frankreich und den Niederlanden. In beiden Ländern führen in Umfragen europakritische Politiker, die ihre Länder aus der Eurozone nehmen wollen.

Wahl in Frankreich bereitet Anlegern Sorgen
In Frankreich wurde zwar eine neue Meinungsumfrage veröffentlicht, der zufolge der konservative Präsidentschaftskandidat Francois Fillon das Rennen in die Stichwahl vor seinem Widersacher Emmanuel Macron schaffen würde und er in der Stichwahl zehn Prozentpunkte vor der Front National-Kandidatin Marine Le Pen liegen würde. Andere Um-fragen sehen die Zustimmungswerte für Le Pen aber auf relativ hohem Niveau stabil bis leicht steigend. Vor diesem Hintergrund stiegen die Risiko-Spreads französischer Staatsanleihen im Wochenverlauf weiter an und erreichten ein Mehrjahreshoch von annähernd 80 Basispunkten bei zehnjährigen Papieren, ehe sie wieder leicht zurückgingen. Im Oktober 2016 hatte der Risikoaufschlag noch rund 30 Basispunkte betragen.
Gestützt wurden die europäischen Aktienmärkte von einem schwächeren Euro und besser als erwartet ausfallenden Konjunkturdaten. So verbesserte sich der Einkaufsmanagerindex (PMI) für den Euro-Raum kräftig von 54,4 auf von 56,0 Punkte, was ein 70-Monats-Hoch darstellt. Analysten waren von einem leichten Rückgang auf 54,3 Zähler ausgegangen. In Japan erreichte der Manufacturing-PMI ein 35-Monats-Hoch bei 53,5 Punkten, nach 52,7 im Vormonat.

Ifo-Geschäftsklima steigt überraschend
Überraschend deutlich von 109,9 auf 111,0 Zähler stieg im Februar auch das ifo-Geschäftsklima für die deutsche Wirtschaft. Der wichtige Stimmungsindikator hat damit den Rücksetzer vom Januar wieder ausgeglichen, der Trend weist eindeutig nach oben. Das Februar-Plus ging auf beide Teilkomponenten des Geschäftsklimas, also die Einschätzung der aktuellen Lage und die Geschäftserwartungen, zurück.

Offensichtlich lassen sich die Manager in Deutschlands Unternehmen die Laune nicht verderben, so lange nicht klar ist, was genau der neue US-Präsident Donald Trump unternehmen wird. Möglicherweise hofft man in den Chefetagen, dass er nur ökonomisch kleinere Länder wie Mexiko ins Visier nimmt und sich nicht mit den Riesen EU oder China anlegt, die der US-Wirtschaft mit Vergeltungsmaßnahmen erheblich schaden könnten.

Ähnlich verhält es sich mit dem Risiko der französischen Präsidentschaftswahl. Ein Sieg Le Pens und ein Austritt Frankreichs aus der EU wäre sehr wahrscheinlich auch das Ende der Europäischen Währungsunion. Doch solange Le Pen in den Umfragen deutlich zurückliegt, scheint man dieses Risiko in den Unternehmen zu verdrängen.

Bewertung vor allem am US-Markt hoch
Insgesamt weisen die Konjunktur-Frühindikatoren weiterhin auf eine Belebung der globalen Konjunktur hin. Angesichts dessen sind die jüngsten Kursanstiege bei Aktien fundamental durchaus nachvollziehbar, zumal auch die Unternehmensgewinne wieder nach oben gehen. Risiken liegen aktuell allerdings darin, dass die Frühindikatoren und die positiven Konjunkturüberraschungen ihren Höhepunkt möglicherweise schon erreicht haben und zu viel positive Erwartungen an die fiskalischen Impulse der Regierung Trump in den Notierungen enthalten sein könnten. Vor allem der S&P 500 ist mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von rund 18 auf Basis erwarteter Zwölfmonats-Gewinne schon ambitioniert bewertet. Moderater sind die KGVs des STOXX Europe 600 (15,0) und des Dax (13,6).
Erfreulich ist, dass die Konsens-Prognosen für die Ergebnisse 2017 zuletzt stabil geblieben, teilweise sogar leicht gestiegen sind. Die Analysten halten also seit einiger Zeit an ihren Gewinnprognosen fest bzw. heben diese sogar leicht an. Das bedeutet, dass sich die Verbesserung des lange Zeit negativen Trends bei Gewinnrevisionen stabilisiert hat. Nach der Gewinnflaute im Vorjahr wird für 2017 mit einem Ergebnisanstieg von sieben Prozent für den Dax und von 14 Prozent für den STOXX Europe 600 gerechnet.

Fed will mehr Klarheit über Trump-Politik
Keine größeren Marktbewegungen an den Aktienmärkten hat das Protokoll der letzten Fed-Sitzung ausgelöst. Zwar hält der Offenmarktausschuss der US-Notenbank (FOMC) eine baldige Leitzinsanhebung als angemessen und lässt die Tür für eine Anhebung bereits im März offen. An den Finanzmärkten wurde jedoch offenbar ein stärkeres Gewicht auf die von den US-Zentralbankern geäußerte hohe Unsicherheit bezüglich der zukünftigen Fiskalpolitik gelegt. Jedenfalls ging die Rendite von US-Staatsanleihen nach Veröffentlichung des Protokolls etwas zurück.
Die an den Fed-Fund-Futures gemessene implizite Wahrscheinlichkeit für eine Zinsanhebung im Mai stieg auf knapp 62 Prozent. Viele Fed-Beobachter gehen davon aus, dass Fed-Chefin Janet Yellen und ihre Kollegen erste Details zur künftigen Fiskalpolitik der Trump-Regierung abwarten wollen, bevor sie den nächsten Zinsschritt gehen.

Yellen nannte jüngst vor dem Kongress ausdrücklich neben einer weiteren Verbesserung der Lage am Arbeitsmarkt ein Anziehen der Inflation als Voraussetzung für eine baldige Zinserhöhung. Am Jobmarkt ist die Fed praktisch am Ziel, da bei einer Erwerbslosenquote von 4,8 Prozent de facto Vollbeschäftigung herrscht. Das Inflationsziel kann die Fed hingegen noch nicht ganz abhaken: Denn die Währungshüter achten besonders auf die Preisveränderungen bei persönlichen Ausgaben der Verbraucher (PCE): Dabei werden Energie- und Nahrungsmittelkosten ausgeklammert. Dieser Wert lag im Dezember mit 1,7 Prozent noch unter der Fed-Zielmarke.

Solange die positiven fundamentalen Trends anhalten und die Erwartung umfangreicher Steuerentlastungen sowie Deregulierungen in den USA nicht enttäuscht wird, dürfte das Aktienmarktumfeld günstig bleiben. Mit den Kurssteigerungen der vergangenen Monate und den dadurch erhöhten Bewertungen wurde allerdings schon viel Positives vorweggenommen. Zudem birgt der große Optimismus in Amerika Enttäuschungspotenzial. In Europa könnten die politischen Risiken im Zusammenhang mit der Wahl in Frankreich je nach Umfragetrend dafür sorgen, dass die Kursdynamik hinter der des US-Marktes zurückbleibt. Anleger sollten daher auf Sicht von sechs Monaten temporäre. Korrekturphasen einzukalkulieren.

Was die neue Woche bringt
In der neuen Woche steht die Veröffentlichung der ISM-Indizes für das Verarbeitende Gewerbe (Mi.) und den Dienstleistungssektor (Fr.) in den USA sowie die PMI für China (Verarbeitendes Gewerbe Mi., Dienstleistungen Fr.) auf der Agenda. Analysten sagen weitgehend stabile bzw. teilweise nur geringfügig schwächere Werte voraus. Außerdem kommen einige regionale Konjunktur-Frühindikatoren aus den USA wie der Chicago-PMI und der Richmond Fed Index sowie Inflationsdaten (Februar-Verbraucherpreise aus der Eurozone und der Januar-PCE-Deflator aus den USA).
Auf der Unternehmensseite stehen einige Gewinnveröffentlichungen an: Aus dem DAX berichten die Continental und die Deutsche Telekom (jeweils Do.). Der Bonner Konzern könnte dann Milliardenabschreibungen auf die Beteiligung am britischen Konkurrenten BT bekannt geben. Am Dienstag wird Hochtief seine Bilanzen vorlegen, am Mittwoch folgen Rheinmetall und Klöckner & Co.
Was die Politik betrifft, bleiben aktuelle Umfragewerte zur französischen Präsidentschaftswahl im Fokus. Mit Spannung erwartet wird die Rede von Trump vor dem US-Kongress am Dienstagabend. Anleger hoffen hauptsächlich auf konkrete Aussagen zu seinen bislang vagen Steuerversprechen. Aktienstrategen zufolge sollte der US-Präsident die Geduld der Investoren nicht mehr lange strapazieren, sonst könnte die Rally an den Börsen ein abruptes Ende finden. Klar ist: Die Rede Trumps hat das Potenzial, die Kursschwankungen an den Märkten drastisch zu erhöhen.
Weitere Erkenntnisse über den zukünftigen US-Zinspfad könnte am Mittwoch der Fed-Konjunkturbericht „Beige Book“ liefern.

 

Die wichtigsten Konjunkturdaten der neuen Woche

 MonatPrognoseLetzter
Montag, 27.2.2017
Einzelhandelsumsatz Deutschland (% zum Vorm.)Januar-0.1-0.9
Industrievertrauen Euroland (Punkte)Februar10.8
Verbrauchervertrauen Euroland (Punkte)Februar-6.2-6.2
Auftragseingang langleb. Güter USA (% zum Vorm.)Januar1.6-0.5
Dienstag, 28.2.2017
Industrieproduktion Japan (% zum Vormonat)Januar0.40.7
Verbraucherpreise Euroland (% zum Vorjahr)Februar1.91.8
Verbraucherpr. (Kernrate) Euroland (% zum Vorj.)Februar0.90.9
BIP USA (% zum Vorquartal, annualisiert)Q42.11.9
Richmond Fed Index USA (Punkte)Februar1012
Conference Board Konsumklima USA (Punkte)Februar111111.8
Mittwoch, 1.3.2017
PMI Verarb. Gewerbe Deutschland (Punkte)Februar5757
Arbeitslosenrate Deutschland (%)Februar5.95.9
Verbraucherpreise Euroland (% zum Vorjahr)Februar103.2103.2
Verbraucherpreise Deutschland (% zum Vorjahr)Februar2.11.9
Private Einkommen USA (% zum Vormonat)Januar0.30.3
Konsumausgaben USA (% zum Vormonat)Januar0.30.5
PCE-Deflator USA (% zum Vorjahr)Januar21.6
PCE-Deflator (Kernrate) USA (% zum Vorjahr)Januar1.81.7
ISM-Index Verarb. Gewerbe USA (Punkte)Februar5656
Donnerstag, 2.3.2017
Arbeitslosenrate Euroland (%)Januar9.69.6
Freitag, 3.3.2017
PMI Dienstleistungen Deutschland (Punkte)Februar54.454.4
PMI Dienstleistungen Euroland (Punkte)Februar55.655.6
ISM-Index Dienstleistungen USA (Punkte)Februar56.456.5