Nach mehreren vergeblichen Anläufen hat der Dax vergangenen Donnerstag die 13.000-Punkte-Marke geknackt. Doch die Freude der Börsianer währte nur kurz, da die Marke nicht lange gehalten werden konnte. Das hatte damit zu tun, dass die Aktienanleger sich zuletzt kaum aus der Deckung gewagt haben. Zum einen belastete die Unsicherheit über die politische Entwicklung in Spanien, zum anderen dämpfte der festere Euro die Kurse. Die gute Stimmung an der Wall Street, wo sich die großen Indizes nahezu täglich von Rekord zu Rekord bewegten, ließ die meisten Investoren diesseits des Atlantiks also kalt.

Nachdem in den letzten Wochen eine Reihe starker Konjunkturdaten den Aktienmärkten Auftrieb verschafft hatte, rücken mit dem Beginn der Unternehmens-Berichtssaison zum dritten Quartal verstärkt die Firmengewinne in den Vordergrund. Ein aufwärts gerichteter Gewinntrend ist nicht zuletzt für die Rechtfertigung der vor allem in den USA schon hohen Aktienbewertungen von erheblicher Bedeutung.

Die Gewinnerwartungen stellen sich mit Blick auf das Jahr 2018 moderat positiv dar. Nachdem sich die Gewinndynamik im laufenden Jahr gegenüber 2016, als die Unternehmensergebnisse stagnierten, spürbar erhöht hat und Zuwächse beim Ergebnis je Aktie auf Basis der Standardwerte-Indizes von rund zehn Prozent (DAX, EURO STOXX 50, S&P 500) erwartet werden, sollte die Gewinnentwicklung auch 2018 aufwärts gerichtet bleiben.

Euro-Aufwertung ist Risiko für Gewinnentwicklung

Allerdings sind die Gewinnprognosen der Aktienanalysten durchaus mit Unsicherheit behaftet. Vor allem im konjunkturellen Abschwung erweisen sich die Erwartungen in der Regel als zu optimistisch, was sich in der Folge in einer sukzessiven Absenkung der Prognosewerte niederschlägt. Der gegenwärtig nach oben gerichtete Konjunkturtrend lässt dagegen keine starken Aufwärtsrevisionen erwarten. Bei europäischen Unternehmen könnten sogar zunehmend negative Effekte der Euro-Aufwertung spürbar werden. Immerhin hat sich die Gemeinschaftswährung im Durchschnitt des dritten Quartals gegenüber dem Dollar im Vorjahresvergleich um 5,3 Prozent aufgewertet.

Bei den großen Aktienindizes für Europa und die USA ist der aktuelle Trend der Gewinnrevisionen 2017 im Großen und Ganzen seitwärts gerichtet, die Prognosen bleiben also weitgehend stabil. Demgegenüber sind bei den Vorhersagen für nächstes Jahr in den letzten Monaten teilweise geringfügige Abwärtsrevisionen zu beobachten. Die derzeitigen Gewinnerwartungen stehen einem weiter leicht aufwärts gerichteten Trend an den Aktienmärkten alles in allem aber nicht entgegen. Allerdings sind deutliche Schwankungen wahrscheinlich, weil immer wieder politische Risiken in den Vordergrund treten werden, die Konjunkturzahlen enttäuschender auffallen können und Ängste um eine restriktiver werdende Geldpolitik zunehmen dürften.

Die Unternehmens-Berichtssaison für das dritte Quartal, die kürzlich begonnen hat, wird in den kommenden Wochen wohl verstärkt die Aktienkurse bewegen. Hinzu kommt der Einfluss von Konjunkturdaten, Neuigkeiten zur geplanten Steuerreform in den USA, Äußerungen aus Notenbankkreisen und politische Entwicklungen, z.B. Nordkorea. Zudem wurde mit der erfolgten Bewertungsexpansion der vergangenen Monate schon viel Positives vorweggenommen. Positive Überraschungen bei den Quartalsberichten müssen deshalb keineswegs zwangsläufig zu einer unmittelbar positiven Aktienmarktreaktion führen. Auf Einzeltitelebene ist in jedem Fall mit erhöhter Volatilität zu rechnen.

IWF mahnt Reformen an

Essentiell ist, dass die Weltwirtschaft wieder einigermaßen rund läuft. Bei der Herbsttagung des Internationalen Währungsfonds (IWF) in Washington rief dessen Chefin Christine Lagarde dazu auf, die günstigen Konjunkturaussichten zu Strukturreformen und zum Schuldenabbau zu nutzen. Außerdem sollen die Staaten dafür sorgen, dass mehr Menschen von den Wohlstandsgewinnen profitieren.
Ein Jahrzehnt nach Ausbruch der Finanzkrise sieht der IWF die globale Wirtschaft auf einem guten Weg. Investitionen, Handel und Produktion ziehen wieder an, wie der Fonds in seiner Abschlusserklärung feststellte. Aber die Erholung sei “noch nicht vollständig”, warnten die Autoren. In vielen Ländern werde das Wachstumspotenzial nicht ausgeschöpft, zudem sei die Inflation schwach.
Vor allem aus Sicht der Notenbanken hinken Inflation und Löhne deutlich hinter der Konjunkturentwicklung her. Daher zögern sie derzeit, ihre in Folge der Krise extrem gelockerte Geldpolitik wieder zu straffen. In Washington mahnten führende Zentralbanker zu Geduld. Die Teuerung werde langsamer anziehen als gedacht, sagte etwa der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) Mario Draghi. Ähnlich äußerte sich sein japanischer Amtskollege Haruhiko Kuroda, der keine großen Gefahren als Folge der ultralaxen Geldpolitik erkennen kann. Es gebe keine Anzeichen für Übertreibungen an den Welt-Börsen. Die Rekordjagd an den Aktienmärkten spiegele die starken Firmengewinne in Japan, den USA und Europa wider, sagte Kuroda.

EZB-Zinserhöhung wird noch lange auf sich warten lassen

Dennoch deuteten vergangene Woche einige EZB-Vertreter ihre Bereitschaft an, das monatliche Volumen der Anleihenkäufe behutsam zu reduzieren. Laut EZB-Ratsmitglied Francois Villeroy müsse die EZB bei der Reduzierung der Käufe pragmatisch vorgehen. Die Parameter des Programms, vor allem die Ankaufs-Obergrenzen, dürfe sie nicht ändern, doch sie könne die „Flexibilität“ des Programms nutzen. Für den Notfall müsse die Notenbank aber auch genügend Pulver trocken halten. Es gebe im EZB-Rat keinen Zweifel, dass die Leitzinsen erst weit nach dem Ende der Wertpapierkäufe erhöht werden.

EZB-Ratsmitglied Jan Smets meinte, dass es im gegenwärtigen Marktumfeld Sinn machen würde, das monatliche Volumen der Anleihenkäufe zu reduzieren, aber gleichzeitig das Programm über einen relativ langen Zeitraum zu verlängern. Durch den vorübergehenden Rückgang der Inflationsrate infolge der Ölpreisentwicklung werde die Geldpolitik „hindurchschauen“. Über den Euro-Außenwert zeigte sich Smets wenig besorgt, weil die Aufwertung lediglich Folge der besseren Konjunktur im Euroraum sei. Gemäß EZB-Ratsmitglied Ignazio Visco wäre der Beginn einer graduellen Normalisierung der Geldpolitik eine „willkommene Neuigkeit“, da dies ein Hinweis auf eine nachhaltige Besserung bei Inflation und Konjunktur sei.

Yellen will weiter an der Zinsschraube drehen

Was die Geldpolitik in den USA betrifft, hält die Chefin der US-Notenbank Fed Janet Yellen angesichts der Stärke der US-Wirtschaft und des Arbeitsmarkts weitere schrittweise Zinserhöhungen für angebracht – ungeachtet der unerwünscht niedrigen Inflation. Allerdings würden die Inflationsdaten in den kommenden Monaten genau beobachtet, sagte Yellen in Washington. Yellen vermutet (oder hofft), dass die gedämpften Inflationswerte nicht Bestand haben werden.
Die angesichts des Aufschwungs überraschend niedrige Inflation war zuletzt immer stärker in den Fokus der US-Währungshüter gerückt. Die Fed hatte auf dem jüngsten Zinstreffen den Leitzins nicht weiter angehoben. Wie aus den veröffentlichten Protokollen der September-Sitzung hervorging, hatten sich viele Teilnehmer besorgt über die anhaltend niedrige Teuerung geäußert.

Was die neue Woche bringt

In der neuen Woche kommt die Firmen-Berichtssaison vor allem in den USA richtig ins Laufen. So werden neun Unternehmen aus dem Dow Jones Industrial Index sowie 56 Unternehmen aus dem S&P 500 ihre Quartalszahlen vorlegen, davon u.a. Goldman Sachs, IBM, Alcoa und American Express. In Europa stehen die Berichte von ASML Holding (Mi.), SAP (Do.) und Daimler (Fr.) auf der Agenda.

Auf Seiten der konjunkturellen Stimmungsindikatoren stehen für Euroland und Deutschland die ZEW-Konjunkturerwartungen für Oktober an. Die recht stark von der Finanzmarktentwicklung abhängigen Indikatoren dürften zugelegt haben (Di.). Denn schließlich verlief die Entwicklung in den wichtigsten Märkten zuletzt günstig und eine Eskalation auf Grund des Unabhängigkeitsreferendums in Katalonien ist ausgeblieben. Das europäische Projekt scheint nicht in Frage zu stehen.

Inflationsseitig dürfte die endgültige Veröffentlichung der Verbraucherpreise in der Eurozone für September keine Überraschungen bringen (Di.). Die Entwicklung der Erzeugerpreise in Deutschland verläuft ziemlich stetig (Fr.), die Jahresrate dürfte, auch aufgrund eines Basiseffektes, auf 2,9 Prozent gestiegen sein. Der Einfluss eines steigenden Ölpreises wurde im September von einem etwas stärkeren Euro abgemildert. Ein solcher Entlastungseffekt auf Währungsebene ist in den kommenden Monaten nicht erneut zu erwarten, weshalb der Preisauftrieb für die Unternehmen künftig noch etwas zunehmen dürfte. Ob diese Preisanstiege aber letztlich an die Konsumenten weitergereicht werden und damit der EZB bei der Erreichung ihres Inflationsziels behilflich sind, bleibt offen.

In den USA steht die Industrieproduktion für September im Mittelpunkt der anstehenden Konjunkturdaten. Nach dem deutlichen Rückgang im Vormonat ist eine leichte Erholung zu erwarten, da die August-Daten deutlich unter dem Einfluss des Wirbelsturms Harvey standen (Di.). Dieser witterungsbedingte Bremseffekt dürfte aber auch im September noch nicht gänzlich entfallen sein. So haben die Überschwemmungen die Produktion noch bis in den September hinein beeinträchtigt und die Folgen (beispielsweise die Beschädigung von Straßen und Stromnetzen) dürften noch einige Zeit nach dem Rückgang der Fluten die wirtschaftliche Aktivität gebremst haben.

 

Die wichtigsten Konjunkturdaten der neuen Woche

 MonatPrognoseLetzter
Montag, 16.10.2017
Verbraucherpreise China (% zum Vorjahr)September1.61.8
Empire State Index USA (Punkte)Oktober20.424.4
Dienstag, 17.10.2017
ZEW-Konjunkturerwartungen Deutschland (Punkte)Oktober2517
ZEW-Konjunkturerwartungen Euroland (Punkte)Oktober32.531.7
Verbraucherpreise Euroland (% zum Vorjahr)September1.51.5
Verbraucherpr. Kernrate Euroland (% zum Vorjahr)September1.11.1
Industrieproduktion USA (% zum Vormonat)September0.3-0.9
NAHB Wohnungsmarktindex USA (Punkte)Oktober6364
Mittwoch, 18.10.2017
Wohnungsbaubeginne USA (Tsd.)September11801180
Baugenehmigungen USA (Tsd.)September12301272
Donnerstag, 19.10.2017
Industrieproduktion China (% zum Vorjahr)September6.46
BIP China (% zum Vorquartal)Q36.86.9
Philly Fed Index USA (Punkte)Oktober20.323.8
Freitag, 20.10.2017
Erzeugerpreise Deutschland (% zum Vorjahr)September2.92.6
Verkäufe bestehender Häuser USA (Mio.)September5.35.4