Das Lager von Präsident Emmanuel Macron hat bei den Parlamentswahlen in Frankreich einen klaren Sieg errungen. Mit der absoluten Mehrheit sicherten sich Macrons Partei La Republique en Marche und ihre Verbündeten ein starkes Mandat für die Reformpläne des neuen Präsidenten. Damit sind die politischen Risiken in der EU vorerst in den Hintergrund getreten. An den europäischen Aktienmärkten wurde das mit Wohlwollen aufgenommen; der Dax legte zu Beginn der neuen Woche zu und nähert sich wieder seinem jüngst erzielten Rekordhoch.
Unerwartet kam der Erfolg Macrons nicht, nachdem seine Partei bereits die erste Runde der Parlamentswahlen dominiert hatte. Überrascht waren die Anleger auch nicht von der Entscheidung des geldpolitischen Rats (FOMC) der US-Notenbank Fed, den Leitzins um 25 Basispunkte auf den Korridor von 1,0 bis 1,25 Prozent anzuheben. Spannender war für Beobachter die Frage, ob die amerikanischen Währungshüter Hinweise auf ihren weiteren geldpolitischen Kurs geben würden.

Nächster Fed-Zinsschritt wohl erst im Dezember

Laut Kommuniqué will der FOMC die Entwicklung der Inflation wieder genauer beobachten. Diese Aussage interpretieren „Fed-Watcher“ als Signal, dass die Notenbank im Zinserhöhungszyklus eine Pause einlegen wird. Damit ist eine Zinserhöhung bei der FOMC-Sitzung im September unwahrscheinlicher geworden. Sollten sich die Teuerung und der Arbeitsmarkt in den kommenden Monaten aber wie von der Fed erwartet entwickeln, dürfte im Dezember ein weiterer Zinsschritt folgen.

Für eine Überraschung sorgte die Ankündigung, bereits in diesem Jahr mit dem Abbau der Bilanz zu beginnen. Dies solle aber laut Fed-Chefin Janet Yellen nicht überbewertet werden. Sie geht davon aus, dass es nur eine geringe Marktreaktion geben wird, sobald die Bilanzreduktion in die Tat umgesetzt wird. Schließlich soll dieser Prozess über mehrere Jahre hinweg im Hintergrund laufen. Die Fed plant, die Reinvestitionen der fälligen Anleihen stufenweise zurückzufahren. Bei den US-Staatsanleihen beträgt der anfängliche Bilanzabbau sechs Milliarden Dollar pro Monat und soll innerhalb von zwölf Monaten in Dreimonatsintervallen auf bis zu 30 Milliarden Dollar pro Monat erhöht werden. Ähnlich soll bei anderen Anleihen verfahren werden. Der Bilanzabbau soll so lange vorgenommen werden, bis die Fed nur noch so viele Wertpapiere hält, wie sie für eine effiziente Geldpolitik als notwendig erachtet.

Die US-Notenbanker rechnen nun mit einem Wirtschaftswachstum von 2,2 Prozent für 2017, 0,1 Prozentpunkte mehr als bisher. Deutlich positiver sehen sie die Entwicklung der Arbeitslosenrate: Sie soll in diesem Jahr bei 4,3 liegen (vorher: 4,5 Prozent), 2018 und 2019 dann bei 4,2 Prozent (vorher: 4,3 Prozent). Die Prognose für die PCE-Teuerungsrate senkten die Währungshüter für dieses Jahr von 1,9 auf 1,6 Prozent, während der Ausblick für die Kerninflationsrate von 1,9 auf 1,7 Prozent nach unten genommen wurde.

Inflation fällt wieder unter Fed-Ziel

Im Mai fiel die Inflationsrate unter die Zwei-Prozent-Marke und damit unter das Inflationsziel der Fed. Das lag insbesondere an den Energiepreisen, die überraschend um 2,7 Prozent zum Vormonat sanken und damit das moderate Plus der Nahrungsmittelpreise von 0,2 Prozent überkompensierten. Auch die Kernteuerung fiel relativ schwach aus. So setzte sich im Mai der seit Februar anhaltende Preisverfall bei Automobilen fort. Zudem gaben die Preise für Bekleidung den dritten Monat in Folge spürbar nach (-0,8 Prozent).

Der moderate Preisauftrieb der anderen Unterkategorien reichte immerhin dazu aus, die Kerninflation zum Vormonat insgesamt auf +0,1 Prozent zu bringen. Die Jahresrate wird allerdings in der Kern- wie auch in der Headline-Inflation von einem Basiseffekt belastet. Deshalb sank die Jahres-Kernrate auf 1,7 Prozent, die Headline-Inflationsrate fiel zum ersten Mal seit November 2016 mit 1,9 Prozent wieder unter das Inflationsziel der Fed von 2,0 Prozent.

Die schwache Preisentwicklung in den USA schlug sich auch bei den nominalen Mai-Einzelhandelsumsätzen nieder. So waren die Umsätze bei Autohäusern (-0,2 Prozent) und Tankstellen (-2,4 Prozent) zum Vormonat rückläufig, aber auch bei anderen Sparten des Einzelhandels. Damit ergibt sich im bisherigen Quartalsvergleich aktuell nur noch ein kleines Plus von 0,3 Prozent.

In Deutschland stand letzte Woche der ZEW-Index der Konjunkturerwartung im Mittelpunkt des Interesses. Die vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) befragten Finanzanalysten blicken im Juni zwar nicht mehr ganz so optimistisch in die Zukunft wie im Mai, bewerten die aktuelle Lage aber nochmals besser und damit so gut wie seit 2011 nicht mehr. Angesichts der sehr guten Lageeinschätzung sind die leicht schwächeren Erwartungen mit einem positiven Ausblick auf das deutsche Wirtschaftswachstum in den kommenden sechs Monaten kompatibel.

Brexit-Verhandlungen starten

Nicht nur Konjunkturdaten und Geldpolitik dürften die Anleger in den kommenden Wochen beschäftigen, sondern auch die nun beginnenden Austrittsverhandlungen Großbritanniens mit der EU. Zuletzt hat die britische Regierung ihr Festhalten am EU-Austritt unterstrichen, aber auch Kompromissbereitschaft signalisiert. Die Gespräche sollen bis 2019 abgeschlossen sein.

In Brüssel und Berlin rätselt man allerdings immer noch, welchen Status Großbritannien in seinen künftigen Beziehungen mit der EU anstrebt. Seit die konservative britische Regierung ihre absolute Mehrheit im Unterhaus verloren hat, häufen sich innerhalb von Mays Regierungspartei die Forderungen nach einem „weichen Brexit“. Brexit-Minister David Davis betonte vor den Gesprächen den Wunsch einer engen Bindung seines Landes an die EU. Die Chancen auf einen weichen Austritt des Vereinigten Königsreichs scheinen zu steigen.

Was die neue Woche bringt

Diese Woche ist der Datenkalender nur spärlich gefüllt. Im Euroraum haben bis zuletzt die Einkaufsmanagerindizes (PMIs) positiv überrascht und die höchsten Niveaus seit Anfang 2011 erreicht. Damit könnte im Juni Schluss sein. So ist der globale Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe außerhalb der Eurozone in den vergangenen drei Monaten bereits gefallen. Etwas niedrigere Einkaufsmanagerindizes würden auch besser zum aktuellen Wachstumstempo passen. Die wieder etwas schlechtere Stimmung bei den Handelspartnern dürfte an den europäischen Firmen kaum spurlos vorübergehen. Tatsächlich ist der von der EU-Kommission veröffentlichte Geschäftsklimaindex (ESI) für den Euroraum im Mai um 0,5 Punkte auf 109,2 Zähler gesunken.

Darum ist zu erwarten, dass die Einkaufsmanagerindizes im Juni (Fr.) gefallen sind. Analysten sagen voraus, dass der Index für die Industrie bei 56,7 nach 57,0 und der für den Dienstleistungssektor bei 56,1 nach 56,3 liegen wird. Vor dem Hintergrund des etwas ungünstigeren weltwirtschaftlichen Umfeldes ist auch für die kommenden Monate mit einer Abwärtstendenz bei den Einkaufsmanagerindizes zu rechnen. In der Vergangenheit gingen Einkaufsmanagerindizes von über 56 mit einer Vorjahresveränderungsrate des realen Bruttoinlandsprodukts (BIP) von mehr als drei Prozent einher, während das Plus im ersten Quartal 2017 gerade mal 1,9 Prozent betrug.

In den USA stehen diese Woche kaum relevante Konjunkturdaten zur Veröffentlichung an. Interessant sind die Verkäufe bestehender Wohnhäuser sowie die Neubauverkäufe. Bei den Verkäufen bestehender Wohnhäuser im Mai (Mi) deuten vorliegende Indikationen auf einen leichten Zuwachs gegenüber April 1,5 Prozent hin. Ein kräftiges Plus ist bei den Neubauverkäufen von Wohnhäusern zu erwarten, nachdem diese im April stark zurückgegangen waren (Fr). Mit Interesse dürften die Marktakteure schließlich auch die Veröffentlichung des Markit Einkaufsmanagerindex für das Verarbeitende Gewerbe für Juni verfolgen (Fr). Anders als der ISM Index hatte sich dieser Indikator im Winterhalbjahr nicht spürbar verbessert. Da beide Stimmungsbarometer auf mittlere Sicht einen gewissen Gleichlauf aufweisen, könnte ein nochmaliges eher ernüchterndes Ergebnis ein Hinweis darauf sein, dass es beim ISM Index eher weiter abwärts geht.

 

Die wichtigsten Konjunkturdaten der neuen Woche

 MonatPrognoseLetzter
Montag, 19.6.2017
keine wichtigen Daten
Dienstag, 20.6.2017
Erzeugerpreise Deutschland (% zum Vorjahr)Mai2.93.4
Mittwoch, 21.6.2017
Verkauf bestehender Häuser (Mio. annualis.)Mai5.65.57
Donnerstag, 22.6.2017
Geschäftsklima Frankreich (Punkte)Juni109109
Freitag, 23.6.2017
PMI Verarb. Gewerbe Deutschland (Punkte)Juni5959.5
PMI Dienstleistungen Deutschland (Punkte)Juni55.455.4
PMI Verarb. Gewerbe Euroland (Punkte)Juni56.757
PMI Dienstleistungen Euroland (Punkte)Juni56.156.3
PMI Verarb. Gewerbe USA (Punkte)Juni5352.7
Neubauverkäufe USA (Tsd.)Mai600569