Wenngleich es im Laufe des Jahres immer wieder mal zu Schwächephasen an den Börsen kam, wird 2017 wohl das beste Aktienjahr seit 2013. Die wichtigsten Ursachen hierfür waren eine an Dynamik zulegende Weltwirtschaft, steigende Firmengewinne und Zentralbanken, die ihre Geldschleusen noch immer weit offenhielten. Obwohl die Risiken keineswegs kleiner werden, bleiben die Aussichten für 2018 alles in allem günstig.
Vergangene Woche kam bei den Anlegern gut an, dass Brüssel und London bei den seit Monaten andauernden Verhandlungen über den EU-Austritt Großbritanniens einen Durchbruch erzielten. Gemäß einer Mitteilung der EU-Kommission sei ein „ausreichender Fortschritt“ erreicht worden, so dass auf dem anstehenden EU-Gipfel empfohlen wird, die zweite Gesprächsphase einzuläuten. Sollte dies geschehen, hat EU-Ratspräsident Donald Tusk angekündigt, unmittelbar mit den Verhandlungen über eine Übergangsphase und die künftige Partnerschaft beginnen zu wollen. Das Britische Pfund reagierte positiv auf die Ankündigung und kletterte gegenüber dem Euro auf den höchsten Stand seit Juni dieses Jahres.

Erste Brexit-Hürden genommen

Entscheidend für den Durchbruch war offenbar die Zusage der britischen Premierministerin Theresa May, es werde keine harte Grenze zwischen Irland und Nordirland geben. Demnach würden entweder die Regelungen des EU-Binnenmarktes im nordirischen Teil der Insel weiter Gültigkeit besitzen oder Großbritannien schlägt eine für die EU annehmbare Lösung vor. Ebenfalls einig geworden ist man sich mit Blick auf die Zahlungsverpflichtungen der Briten. London wird bis 2020 EU-Beiträge leisten und erkennt die langfristig eingegangenen Verbindlichkeiten an. Laut EU-Kommission würden darüber hinaus die Rechte der im Vereinigten Königreich lebenden EU-Bürger garantiert. Der Europäische Gerichtshof (EuGH) bleibe in letzter Instanz zuständig. Sollten sich diese Zusagen am Ende tatsächlich in dem von der EU-Kommission angekündigten EU-Austrittsvertrag widerspiegeln, wäre dies sicherlich ein Erfolg für die Brüsseler Vertreter.

An Hindernissen mangelt es aber weiterhin nicht. So ist der Erfolg der EU-Unterhändler für Theresa May eine in ihren eigenen Reihen schwer zu verkaufende Bürde. Eine interne Revolte der Brexit-Hardliner wird von Beobachtern keineswegs ausgeschlossen. Fraglich ist zudem, wie eine harte Grenze auf der irischen Insel vermieden werden soll. Bei den finanziellen Verpflichtungen spricht May von einem „fairen Ergebnis für die britischen Steuerzahler“, was immer dies auch bedeuten mag. Und, wie Tusk es treffend formulierte, „der schwierigste Teil der Verhandlungen liegt vor uns“. Ohne das Erreichte schlecht machen zu wollen, dürfte zu viel Euphorie unangebracht sein.
Doch nicht nur der Fortschritt in der Brexit-Frage stützte die Aktiennotierungen, sondern auch die Meldung, dass die US-Wirtschaft im November 228.000 neue Jobs geschaffen hat. Volkswirte hatten mit lediglich 200.000 gerechnet. Die separat ermittelte Arbeitslosenquote verharrte im November bei 4,1 Prozent. Damit ist die von der US-Notenbank Fed angestrebte Vollbeschäftigung de facto erreicht.

Markt hat Fed-Zinsschritt eingepreist

Vor diesem Hintergrund steuern die amerikanischen Währungshüter auf die dritte Zinserhöhung im laufenden Jahr zu. Experten rechnen für diesen Mittwoch mit einer Anhebung um 25 Basispunkte. Zuletzt hatte die Fed den Leitzins im Juni auf die aktuell gültige Spanne von 1,0 bis 1,25 Prozent hochgesetzt. Seit Samstag befindet sich die Fed in der „Schweigephase“ vor der nächsten Zinssitzung (Di./Mi.). Zuvor zeigten sich St. Louis Fed-Präsident James Bullard und Dallas Fed-Präsident Robert Kaplan wegen der derzeit sehr flachen Zinsstrukturkurve besorgt. Sie fürchten, dass bei einer zu schnellen Zinsanhebung die Zinsen für kurzfristige Anleihen höher liegen könnten als die für länger laufende. Dies könnte zur Belastung des Bankensystems werden und eine Rezession auslösen.
Chicago Fed-Präsident Charles Evans sprach sich sogar dafür aus, den Leitzins nicht anzuheben, bis die Inflation wieder deutlicher anzieht, was er für Mitte 2018 erwartet. Es ist also durchaus möglich, dass am Mittwoch mehrere US-Notenbanker gegen einen Zinsschritt stimmen. Da die Zinsanhebung im Markt voll eingepreist ist, ist es jedoch unwahrscheinlich, dass die Fed beschließt, den Leitzins unverändert zu lassen.

US-Steuersenkung verschärft internationalen Wettbewerb

Für Diskussionen an den Märkten und bei Ökonomen sorgt natürlich unverändert auch die geplante Steuerreform in den USA. Wird sie umgesetzt, wird die Steuerlast der US-Wirtschaft deutlich geringer werden. Die vorerst bis 2025 begrenzten steuerlichen Entlastungen der Verbraucher von rund einer Billion Dollar kommen der Binnennachfrage und damit amerikanischen Konsumaktien zugute. US-Präsident Donald Trump möchte mit der permanenten und markanten Senkung der Unternehmenssteuern von 35 auf 20 Prozent aber vor allem die Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts USA verbessern. Die Zeiten der USA als Hochsteuerland sollen beendet werden.
Nach der Steuerreform wird der Steuersatz für Unternehmen im internationalen Vergleich auf relativ niedrigem Niveau liegen. Das bedeutet für den Industriestandort Deutschland mit dann signifikant höheren Firmensteuern einen klaren Wettbewerbsnachteil, der Investitionsströme deutscher Unternehmen verstärkt Richtung USA lenken dürfte. Zudem wird sich auf Grund niedrigerer Steuern die bisher schon gute Situation der US-Industrie – und deren Gewinnwachstum – weiter verbessern. Laut Analystenschätzungen sollen die Gewinne der US-Unternehmen 2018 um bis zu 20 Prozent zulegen.

Die Frage ist nun, ob eine Beschleunigung der US-Konjunktur über die Steuerreform zu einem Inflationsschub führt, auf den die Fed mit bisher nicht erwarteten Zinserhöhungen reagieren wird. Zwar ist ein erhöhtes Wirtschaftswachstum in den USA wahrscheinlich. Trotzdem dürfte sich kaum eine nennenswert höhere Inflation einstellen, da der immense globale Wettbewerbsdruck, ein dem Digitalisierungstrend geschuldeter schwacher Lohnauftrieb und verhaltene Rohstoffpreise den Preisauftrieb wohl weiter im Zaum halten werden. Deshalb dürfte die Fed auch nach Realisierung der Steuerreformpläne nur überaus behutsam an der Zinsschraube drehen.

Was die neue Woche bringt

Der Datenkalender ist diese Woche reichlich gefüllt. In der Eurozone präsentieren sich die Frühindikatoren bereits das ganze Jahr von ihrer Sonnenseite. Im Dezember könnte nun etwas Gegenwind drohen, wenngleich die Korrektur gemessen am mittlerweile erreichten Niveau der Indikatoren gering ausfallen sollte und die Unternehmen in Feierlaune bleiben. So ist für die Einkaufsmanagerindizes (PMI) eine Abwärtskorrektur zu erwarten, die besonders im Verarbeitenden Gewerbe spürbar ausfallen sollte (Do.). Dies dürfte regional primär auf die Entwicklung in den Kernländern zurückgehen. Vor allem der überraschend starke Anstieg des PMI in Frankreich im November könnte sich als nicht dauerhaft erweisen. Doch auch in Deutschland ist im Verarbeitenden Gewerbe nach dem deutlichen Anstieg im Vormonat eine Abwärtsbewegung plausibel.

Auf einen gewissen Korrekturbedarf hat zuletzt auch die Divergenz zwischen den sehr starken Stimmungsindikatoren und den schwächeren harten Konjunkturzahlen hingewiesen. Weniger Korrekturpotenzial besteht demgegenüber im Dienstleistungsbereich, da dieser Indikator in Deutschland schon im Oktober und November leicht gesunken ist. Für die ZEW Konjunkturerwartungen ist von einer ähnlichen Abwärtsentwicklung auszugehen (Di.). Ursächlich hierfür ist aber eher die wenig dynamische Entwicklung an den Börsen der letzten Wochen, welche die Investoren kaum in neuerliche Hochstimmung versetzt hat.

Von den harten Konjunkturdaten in der Eurozone dürfte gleichfalls kein positiver Stimmungsschub ausgehen. Die Industrieproduktion in der Währungsunion im Oktober sollte nach gemischten Vorgaben aus Deutschland und Frankreich lediglich geringfügig zum Vormonat gestiegen sein (Mi.).

In den USA sollten es die zur Veröffentlichung anstehenden Inflationszahlen den Fed-Verantwortlichen mit einer moderaten monatlichen Kernteuerung im November und einem robusten monatlichen Plus in der Gesamtrate einfach machen, den Leitzins um 25 Basispunkte anzuheben (beides Mi.). Die Inflationsrate wird voraussichtlich bei 2,1 Prozent im November verharren.
Was die harten US-Konjunkturdaten betrifft, so wird der Einzelhandel im November wohl von den rückläufigen Automobilverkäufen gebremst worden sein (Do.). Ohne diese schwankungsanfällige Komponente ist jedoch ein starkes Einzelhandelsergebnis wahrscheinlich, getragen vor allem vom sehr guten Thanksgiving-Geschäft. Die November-Industrieproduktion sollte ein gemäßigtes Plus von 0,2 Prozent zum Vormonat ausweisen (Fr.), das allerdings alleine auf eine starke Entwicklung im Bergbau zurückgehen dürfte. Nach einem dicken Plus im Oktober sollte die Produktion im Verarbeitenden Gewerbe hingegen im November nur stagniert haben.

Spannend ist die Woche auch, weil gleich mehrere große Notenbanken ihren weiteren geldpolitischen Kurs beraten. Der Fed-Sitzung am Mittwoch folgen am Donnerstag die Europäische Zentralbank (EZB) die Bank of England und die Schweizerische Nationalbank. Im Gegensatz zur Fed sollte auf keiner dieser Sitzungen eine Änderung der Geldpolitik beschlossen werden. Der zinspolitische Ausblick (Forward Guidance) der Euro-Zentralbanker dürfte gleichfalls unverändert bleiben. Der Fokus liegt zudem auf der Kommunikation zur künftigen Zusammensetzung der Anleihen-Käufe sowie den neuen makroökonomischen Projektionen der EZB zu Wachstum und Inflation. Diese dürften zwar etwas nach oben angepasst werden. Dies sollte aber das grundsätzliche Bild von der EZB einer guten Konjunktur und einer weiterhin nur moderaten Inflationsdynamik nicht ändern.

Für ein Stillhalten von EZB-Chef Mario Draghi und Co. spricht auch, dass sich die EZB-Repräsentanten in der vergangenen Woche in Zurückhaltung geübt haben. Nur Yves Mersch gab in einer Rede zu bedenken, dass der geldpolitische Stimulus angesichts der guten Konjunktur selbst mit den ab Januar niedrigeren Wertpapier-Käufen sehr hoch bleibe. Zudem müsse künftig darüber nachgedacht werden, wie lange man sich durch die Forward Guidance binden möchte. Im Falle einer stärker anspringenden Inflation 2018 nähme man sich sonst die kurzfristigen Handlungsoptionen und erhöhe damit das Risiko für eine verspätete und damit stärkere Notenbankreaktion.

Die wichtigsten Konjunkturdaten der neuen Woche

 MonatPrognoseLetzter
Montag, 11.12.2017
Verbraucherpreise China (% zum Vorjahr)November1.81.9
Dienstag, 12.12.2017
ZEW Konjunkturerwartungen Deutschland (Punkte)Dezember1418.7
ZEW Aktuelle Lage Deutschland (Punkte)Dezember9088.8
ZEW Konjunkturerwartungen Euroland (Punkte)Dezember2730.9
Erzeugerpreise USA (% zum Vorjahr)November32.8
Mittwoch, 13.12.2017
Auftragseing. Maschinenbau Japan (% zum Vorm.)Oktober2.7-8.1
Verbrauchepreise Deutschland (% zum Vorjahr)November1.81.8
Industrieproduktion Euroland (% zum Vormonat)Oktober0.2-0.6
Verbrauchepreise USA (% zum Vorjahr)November2.12
Verbrauchepr. Kernrate USA (% zum Vorjahr)November1.71.8
Fed-Zinsentscheid USA (%)Dezember1.51.25
Donnerstag, 14.12.2017
Industrieprod. China (% zum Vormonat)November6.16.2
PMI Verarb. Gewerbe Deutschland (Punkte)Dezember6262.5
PMI Dienstleistungen Deutschland (Punkte)Dezember54.254.3
PMI Verarb. Gewerbe Euroland (Punkte)Dezember59.660.1
PMI Dienstleistungen Euroland (Punkte)Dezember55.856.2
Bank of England Zinsentscheid (%)Dezember0.50.5
EZB Zinsentscheid (%)Dezember00
Einzelhandelsumsatz USA (% zum Vormonat)November0.20.2
PMI Verarb. Gewerbe USA (Punkte)Dezember53.753.9
Freitag, 15.12.2017
Tankan Verarb. Gewerbe Japan (Punkte)Q42422
Tankan Dienstleistungen Japan (Punkte)Q42423
Empire State Index USA (Punkte)Dezember1819.4
Industrieproduktion USA (% zum Vorjahr)November0.20.9