Vor der jüngsten Ratssitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) rutschte der DAX wieder unter die Marke von 12.000 Punkten, ohne dass es zu einer größeren Korrektur kam. Auf die Ergebnisse der EZB-Sitzung reagierte der deutsche Leitindex dann positiv und eroberte die 12.000 Zähler zurück. Wie von der Mehrheit der Beobachter erwartet, hat die Notenbank der Eurozone trotz der zuletzt gestiegenen Inflation im Währungsraum ihren expansiven geldpolitischen Kurs bekräftigt.

Bei den Einzeltiteln gab es vergangene Woche mit adidas nach guten Geschäftszahlen und einer Anhebung des Ausblicks einen Ausreißer nach oben, während die Aktie der Deutschen Bank auf Grund der angekündigten Kapitalerhöhung einen kräftigen Dämpfer hinnehmen musste. Generell profitierten die Banken aber von den wieder steigenden Kapitalmarktzinsen. In den USA verzeichneten Energiewerte auf Wochenbasis die größten Kurskorrekturen, nachdem der Ölpreis vor dem Hintergrund steigender US-Lagerbestandsdaten deutlich absackte.

Gleichzeitig weiteten sich in Europa die Risiko-Aufschläge französischer Staatsanleihen wieder leicht aus, womit sie auf erhöhtem Niveau blieben. Die Präsidentschaftswahl in Frankreich (23. April und Stichwahl am 7. Mai) wird im Fokus bleiben und könnten für Bewegungen an den Börsen sorgen. Solange sich die Wahlchancen von Le Pen nicht stark verbessern, sollten die politischen Risiken an Europas Aktienmärkten aber eher noch im Hintergrund der fundamentalen Entwicklungen sowie der US-Vorgaben bleiben.

US-Jobmarkt brummt

Was die Konjunkturdaten betrifft, wurde letzte Woche vor allem der US-Arbeitsmarktbericht mit Spannung erwartet. Denn Analysten gingen davon aus, dass gute Zahlen letzte Zweifel an einer Leitzinsanhebung der amerikanischen Notenbank Fed beseitigen würden. Tatsächlich stellten Unternehmen und die öffentliche Hand im Februar überraschend viele Mitarbeiter ein. Mit 235.000 neuen Stellen war die Zahl fast genauso hoch wie im Januar. Parallel dazu sank die Arbeitslosenquote von 4,8 auf 4,7 Prozent.

Fed-Chefin Janet Yellen und andere Fed-Repräsentanten schürten mit „hawkischen“ Kommentaren die Markterwartungen für eine Zinsanhebung bei der FOMC-Sitzung am 14./15. März. Yellen will angesichts des leer gefegten Arbeitsmarktes keine Überhitzung der Wirtschaft riskieren. Die an den Fed Fund Futures gemessenen Erwartungen für einen Zinsschritt um 25 Basispunkte betragen nun rund 90 Prozent, die Zinserhöhung gilt also fast als ausgemachte Sache. Damit hat auch das Risiko für mehr als zwei Zinsschritte im laufenden Jahr zugenommen.

Noch vor wenigen Wochen hatten die meisten Fed-Watcher damit gerechnet, dass die US-Notenbank erst bei ihrer Juni-Sitzung den Leitzins anheben würde. Innerhalb kurzer Zeit hat sich das Bild jedoch grundlegend gewandelt. Ein FOMC-Mitglied nach dem anderen wies öffentlich darauf hin, dass die Fed ihre Ziele nahezu erreicht habe und daher kurzfristig höhere Leitzinsen notwendig seien. Bemerkenswert ist, dass diese ungewöhnlich deutlichen Hinweise auf die März-Sitzung nicht nur von den eher als „Falken“ bekannten regionalen Fed-Präsidenten, sondern auch vom zentralen Federal Reserve Board einschließlich Janet Yellen kamen.

Geringere Risiken sprechen für steileren US-Zinspfad

Es spricht einiges dafür, dass dieser Schritt den Beginn einer zügigeren Normalisierung der amerikanischen Geldpolitik markiert. So haben die außenwirtschaftlichen Abwärtsrisiken für die US-Wirtschaft in den letzten Monaten abgenommen. Beispielsweise weist der im März auf den höchsten Stand seit sechs Jahren gestiegene globale Einkaufsmanagerindex für die Industrie darauf hin, dass die globale Konjunktur an Fahrt gewonnen hat. Damit haben sich Perspektiven für die Weltwirtschaft zunächst einmal spürbar aufgehellt, auch wenn viele Probleme wie die hohe Verschuldung in weiten Teilen der Welt nach wie vor nicht gelöst sind.

Außerdem ist das von der Fed lange gefürchtete Deflationsszenario für die USA weniger wahrscheinlich geworden. Inzwischen ist es ziemlich unwahrscheinlich, dass die US-Wirtschaft in einem Umfeld von nahezu erreichter Vollbeschäftigung, einer tendenziell expansiveren Finanzpolitik und einer Inflationsrate von gut zwei Prozent in eine Deflation rutschen soll.

Die Frage ist nun, wie stark Yellen und Co. die Zügel auf längere Sicht straffen werden. Experten gehen davon aus, dass das Tempo der Zinsanhebungen in diesem und dem nächsten Jahr davon abhängen wird, ob Wachstum und Inflation die Erwartungen der Fed übertreffen oder enttäuschen. Die zuletzt sehr positiven Stimmungsindikatoren wie der auf weit überdurchschnittliche 57,7 Punkte gestiegene ISM-Einkaufsmanagerindex lassen eine zunehmende wirtschaftliche Dynamik vermuten. Sollte sich die gute Stimmung rasch in einer starken Wachstumsbeschleunigung niederschlagen, liefe die Fed Gefahr, einer Überhitzung der Wirtschaft hinterherzulaufen. Und dann könnte sie tatsächlich viel aggressiver vorgehen, als die Märkte dies im Moment erwarten.

2017 drei Zinsschritte der Fed

Die meisten Fed-Beobachter gehen derzeit von drei Zinsschritten im Jahr 2017 aus, was eine merkliche Tempoverschärfung im Vergleich zu dem jeweils einen Schritt in den Jahren 2015 und 2016 wäre. Gegen ein noch höheres Tempo bei den Zinsschritten spricht die Auswirkung einer solchen Politik auf den Dollar. Der hat in den letzten Jahren stark aufgewertet, der handelsgewichtete breite Dollar-Index der Fed ist in den zurückliegenden drei Jahren um 22 Prozent gestiegen.

Bis auf weiteres bleibt die Fed die einzige große Notenbank, die die Zinsen anhebt. Demzufolge wird die Leitzinsdifferenz beispielsweise zur EZB sich vorerst weiter ausweiten. Bei einem noch stärkeren Anziehen der Zinszügel würden die US-Währungshüter einen neuerlichen Höhenflug des Dollar riskieren. Dies läge weder im Interesse der Fed noch der US-Regierung.
Schon wenige Wochen nach seinem Amtsantritt könnte sich Präsident Donald Trump also mit einer Zinserhöhung konfrontiert sehen. Dabei ist noch völlig unklar, wie sich Trumps Pläne auswirken werden, das Land mit Schutzzöllen gegen Importe aus Billiglohnländern abzuschotten.

Sind Aktien bereits zu teuer?

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hat ihre Wachstumsprognosen für die Weltkonjunktur – 2017 3,3 Prozent und 2018 3,6 Prozent – jüngst bestätigt. Dabei verweist sie aber auch auf Risiken, wonach die an den Finanzmärkten eingepreisten Wachstumserwartungen übertrieben seien. Wertpapieranalysten bestätigen, dass sich die Bewertungen an den Aktienmärkten in Deutschland, aber vor allem in den USA tatsächlich von der Realwirtschaft entfernt haben. In Amerika hat das Verhältnis von Marktkapitalisierung zu Wirtschaftsleistung neue Rekordwerte erreicht, doch auch Deutschland ist von einem neuen Rekordverhältnis nicht mehr weit entfernt.

Kein Zweifel, im langfristigen Vergleich sind Aktien teuer. Unter normalen Umständen ist das Abheben der Aktienkurse ein Alarmzeichen für eine bevorstehende Aktienmarktbereinigung, wie sie zum Beispiel im Zusammenhang mit der Dot Com- und Immobilienblase stattgefunden hat. Allerdings unterscheidet sich die aktuelle Situation klar von früheren. In der Vergangenheit haben nämlich restriktive Zentralbanken Börsenkorrekturen und sogar Crashs eingeleitet.

Aktuell ist die Gefahr für ein solches Szenario gering. Sogar die Fed geht äußerst behutsam vor und ist weit davon entfernt, ihre großzügige Liquiditätsversorgung einzuschränken. Gleichzeitig behalten die EZB, die Bank of Japan, die People’s Bank of China und die Bank of England ihre ultraleichte Geldpolitik bei. Das bedeutet: Die Liquiditätshausse hält weiter an.
Die EZB zieht eine bedingungslose Konjunktur- und Finanzmarktstabilisierung einer konsequenten Inflationsbekämpfung eindeutig vor, was zu einer Ausweitung der negativen Realzinsen geführt hat. Daher befinden sich in Deutschland die Realrenditen auf einem historischen Tiefstand, was einen erheblichen Anlagenotstand bewirkt. Dieser begünstigt tendenziell Aktien, zumal viele eine beachtliche Dividendenrendite vorweisen können.

Als zusätzliche Aktienstütze erweisen sich Aktienrückkaufprogramme von Unternehmen. Viele Firmen aus den USA und der Eurozone nutzen niedrige Kreditzinsen für Aktienrückkäufe, ersetzen so teures Eigen- durch billigeres Fremdkapital und heben damit die Effizienz der Kapitalstruktur und die Bilanzqualität.
Politische Risiken können in den nächsten Monaten durchaus für zwischenzeitliche Rücksetzer sorgen. Nachhaltige Korrekturen sind jedoch nicht zu erwarten. Zwar erreicht die US-Wirtschaft am 16. März 2017 ihr Schuldenlimit. Laut Schätzung geht dem US-Finanzministerium allerdings erst im Herbst 2017 das Geld aus. Bis dahin wird man sich routiniert auf die Anhebung der US-Schuldenobergrenze geeinigt haben, zumal die Republikaner eine Kongressmehrheit besitzen.

Und wenn die Umfrageinstitute nur halbwegs richtig liegen, werden bei der niederländischen Parlamentswahl in der kommenden Woche rund 80 Prozent der Niederländer nicht für die Euro-kritische Partei PVV von Geert Wilders stimmen, so dass eine Mehrparteienkoalition dessen Regierungsverantwortung verhindert.

Was die neue Woche bringt

Im Fokus der neuen Woche stehen die geldpolitischen Entscheidungen großer Notenbanken. Neben der Sitzung der Fed finden gleich drei weitere Zentralbanksitzungen statt (Do: BoJ, BoE, SNB). Es sind jedoch keine Änderungen der Geldpolitik zu erwarten. Bei der BoE dürften auch die Falken im Rat trotz der steigenden Inflation in Großbritannien wegen der Pfund-Abwertung weiterhin die Füße still halten. Schließlich gingen die Frühindikatoren (PMI) – entgegen dem globalen Trend – zuletzt spürbar zurück und auch der Einzelhandel zeigte sich schwach.

In der Eurozone stehen mit der Wahl in den Niederlanden (Mi.) und dem G20- Treffen in Baden-Baden (Fr./Sa.) sowie mit den Treffen von Bundeskanzlerin Merkel und Finanzminister Schäuble mit ihren jeweiligen US-amerikanischen Amtskollegen (Di./Do.) wichtige politische Weichenstellungen in Europa und der Welt an. In den Niederlanden ist nicht mit politischen Umwälzungen zu rechnen. Mit Blick auf das G20-Treffen kursiert bereits ein Communiqué-Entwurf, wonach die G20 einerseits von der Verurteilung protektionistischer Maßnahmen Abstand nehmen könnte, andererseits aber Währungskursmanipulationen nicht mehr explizit anprangert. Inwiefern eine solche abgeänderte Linie der G20 am Ende tiefgreifende Effekte mit sich bringt, bleibt abzuwarten.
Konjunkturseitig sollte, im Einklang mit der etwas positiveren Konjunktureinschätzung der EZB, die Produktion in der Währungsunion im Januar nach den guten Vorgaben aus Deutschland spürbar gestiegen sein (Di.). Auch in die nahe Zukunft gerichtet bleibt die Konjunktureinschätzung gemessen an den ZEW-Konjunkturerwartungen für März positiv (Di.).

In den USA wird am Mittwoch nicht nur der Leitzins angehoben. Auch die Schuldenobergrenze der Bundesregierung wird erneut erreicht. Ab diesem Zeitpunkt ist eine Neuverschuldung des Bundes nicht mehr möglich. Das Finanzministerium bleibt nur durch die Umverteilungen von Mitteln für einige Monate liquide. Da die Schuldenobergrenze vom Kongress angehoben werden muss und gleichzeitig Ende April der aktuell geltende Haushaltsplan ausläuft, werden in den nächsten Wochen die Haushaltsverhandlungen im Fokus der Kongressarbeit stehen.

Die Konjunkturdaten dürften erneut positiv ausfallen. Die Einzelhandelsumsätze ohne PKW-Verkäufe sollten mit Blick auf das freundliche Konsumklima im Februar moderat zugelegt haben (Mi.). Die Industrieproduktion sollte sich im Februar weiter belebt haben (Fr.). Dabei dürfte das Verarbeitende Gewerbe hauptverantwortlich für das Plus von 0,3 Prozent zum Vormonat gewesen sein. Der Wohnungsbau sollte im Februar, getragen von der ungewöhnlich milden Witterung, eines der stärksten Bauergebnisse seit dem Ende des Häusermarktbooms ausgewiesen haben (Do.).

Preisseitig wird kurz vor Verkündung der Fed-Zinsentscheidung die CPI-Inflationsrate für Februar veröffentlicht (Mi.). Nach der starken Preisentwicklung im Januar ist für Februar nur ein verhaltener monatlicher Preisdruck zu erwarten. Durch den Basiseffekt bei Energiepreisen dürfte die Inflationsrate zum Vorjahr trotzdem von 2,5 auf 2,7 Prozent weiter zugelegt haben. Insgesamt dürften die Daten gut genug ausfallen, um die Fed in ihrer Entscheidung für einen Zinsschritt zu unterstützen.

Die wichtigsten Konjunkturdaten der neuen Woche

 MonatPrognoseLetzter
Montag, 13.3.2017
Auftragseing. Maschinenbau Japan (% zum Vorm.)Januar-0.16.7
Dienstag, 14.3.2017
Verbraucherpreise Deutschland (% zum Vorjahr)Februar2.22.2
Industrieproduktion Euroland (% zum Vormonat)Januar1.7-1.6
ZEW-Konjunkturerwartungen Deutschland (Punkte)März1210.4
ZEW-Konjunkturerwartungen Euroland (Punkte)März18.517.1
Mittwoch, 15.3.2017
Industrieproduktion Japan (% zum Vorm.)Januar0.1-0.8
Einzelhandelsumsatz USA (% zum Vormonat)Februar-0.10.4
Empire-State-Index USA (Punkte)März1518.7
Verbraucherpreise USA (% zum Vorjahr)Februar2.72.5
NAHB Wohnungsmarkt-Index USA (Punkte)März6565
Fed-Zinsentscheid USA (%)März10.75
Donnerstag, 16.3.2017
Bank of Japan Zinsentscheid (%)März-0.1-0.1
Verbraucherpreise Euroland (% zum Vorjahr)Februar22
Bank of England Zinsenscheid (%)März0.250.25
Wohnungsbaubeginne USA (Tsd.)Februar12551246
Philly-Fed-Index USA (Punkte)März2843.3
Freitag, 17.3.2017
Industrieproduktion USA (% zum Vormonat)Februar0.2-0.3
Uni Michigan Konsumklima USA (Punkte)März9796.3