Mit Spannung warteten Anleger vergangene Woche auf die Ratssitzung der Europäischen Zentralbank (EZB). In den Tagen davor schwankte der DAX weiter um die 13.000 Punkte-Marke. In den USA kamen einige Firmenberichte nicht gut an, wenngleich die Berichtssaison für das dritte Quartal insgesamt solide verläuft. Außerdem dämpfte Unsicherheit über die von US-Präsident Donald Trump geplante Steuerreform sowie über die Nachfolge von Janet Yellen im Vorsitz der Notenbank Fed die Stimmung.
Die Ergebnisse der EZB-Sitzung wurden dann positiv aufgenommen. Der Rat der Notenbank hat die Leitzinsen und den Zinsausblick unverändert gelassen. Damit sind Zinsanhebungen erst weit nach dem Ende des Wertpapier-Kaufprogramms wahrscheinlich. Wie von Beobachtern erwartet gab es jedoch Ankündigungen zur künftigen Form des Kaufprogramms. Es wurde um neun Monate bis September 2018 verlängert, das monatliche Kaufvolumen ab Januar 2018 auf 30 Mrd. Euro verringert (von derzeit 60 Mrd.). Zudem deutete EZB-Chef Mario Draghi an, dass ein abruptes Ende der Käufe nicht geplant sei. Dies deutet auf eine nochmalige Verlängerung des Programms über September 2018 hinaus hin.

EZB bleibt bei Wertpapierkäufen flexibel

Der Ausblick (die sogenannte Forward Guidance) zum Kaufprogramm wurde bestätigt, was bedeutet, dass es in Bezug auf Dauer und Volumen flexibel gehandhabt wird. Damit kann die EZB reagieren, falls sich abzeichnet, dass das Inflationsziel nicht erreicht wird oder die Konjunktur schwächelt. Erstmals explizit äußerten sich die Euro-Währungshüter zu den Reinvestitionen des Programms. So werden die Fälligkeiten aus dem Kaufprogramm ab November monatlich für die jeweils nächsten zwölf Monate veröffentlicht, um die Transparenz zu erhöhen. Zudem sollen die Reinvestitionen noch lange nach dem Ende der Netto-Käufe fortgeführt werden.
In der französischen Wochenzeitung “Le Journal du Dimanche“ hat sich EZB-Direktor Benoit Coeure zuletzt für ein Ende des Kaufprogramms im September 2018 ausgesprochen. Er hoffe, dass es nicht verlängert werde, verwies jedoch gleichzeitig darauf, dass an den Käufen so lange festgehalten werde, bis sich die Inflation eindeutig in Richtung des angestrebten Ziels von knapp zwei Prozent bewegt. Im August und September lag die Teuerungsrate im gemeinsamen Währungsraum bei 1,5 Prozent.

Ifo-Geschäftsklima übertrifft Erwartungen klar

Die vergangene Woche veröffentlichten Konjunkturdaten überraschten positiv und sorgten für ein anhaltend positives Klima am Aktienmarkt. So ist der an den Börsen stark beachtete ifo-Geschäftsklimaindex im Oktober stärker gestiegen als erwartet, nämlich um 1,4 auf 116,7 Punkte. Damit wurde ein dritter Rückgang in Folge vermieden, der wohl als Trendwende interpretiert worden wäre. Sowohl die Geschäftserwartungen der Unternehmen für die kommenden sechs Monate als auch die aktuelle Geschäftslage legten zu.

Sowohl in der Industrie als auch im Einzelhandel verbesserte sich die Stimmung deutlich. Sie kehrte damit im Einzelhandel nach drei Rückgängen in Folge wieder zum bisherigen Jahreshöchststand von Juni zurück. Im Baugewerbe zeigten sich die Unternehmen ebenfalls optimistischer, eine Stimmungsverschlechterung war nur im Großhandel zu verzeichnen,

Dank des starken Anstiegs schwenkt das ifo-Geschäftsklima wieder auf den Aufwärtstrend ein, der sich in der ersten Jahreshälfte herausgebildet hatte. Die Einkaufsmanagerindizes (PMI) sind für Oktober gleichfalls erfreulich ausgefallen und konnten ihr hohes Niveau nahezu halten. Damit sind die Voraussetzungen für ein konjunkturell starkes viertes Quartal gegeben. Allerdings könnte zum Jahreswechsel der anhaltend starke Euro erste Bremswirkungen bei den deutschen Exporten hinterlassen.

US-Wirtschaftswachstum überraschend hoch

Gute konjunkturelle Nachrichten kamen auch aus den USA: Gemäß einer ersten Schätzung ist die dortige Wirtschaft im dritten Quartal auf das Jahr hoch gerechnet um 3,0 Prozent gewachsen. Trotz der Beeinträchtigungen durch mehrere schwere Wirbelstürme wurde die Dynamik des Vorquartals also fast gehalten. Das deutet nicht gerade darauf hin, dass dringend fiskalische Stützungsmaßnahmen erforderlich wären, damit die US-Konjunktur ihr robustes Wachstum beibehält. Allerdings könnte die erneut recht kräftige Investitionstätigkeit im Bereich Ausrüstungen und Maschinen von der Erwartung auf Steuersenkungen profitiert haben.
Die Daten zum US-Bruttoinlandsprodukt (BIP) bestätigen den Eindruck, den die Stimmungsumfragen seit Monaten vermitteln. So notiert das Industrieklima des ISM-Instituts auf einem 13-Jahres-Hoch und die Umfrage im Dienstleistungssektor zeigt ein ähnlich positives Bild. Einmal mehr lieferte der private Verbrauch den stärksten Wachstumsbeitrag. Dass dieser Beitrag „nur“ bei 1,6-Prozentpunkten lag und damit sichtbar hinter dem Vorquartal zurückblieb, dürfte den wetterbedingten Gefahren geschuldet sein, die zeitweise für die Verbraucher bestanden.

Auffällig ist, dass die Investitionen einen noch kräftigeren Wachstumsimpuls lieferten als im Vorquartal. Dahinter verbirgt sich zwar auch ein recht deutlicher Lageraufbau bei den Unternehmen. Wenn diese Vorräte im laufenden oder in den kommenden Quartalen wieder abgebaut werden, resultieren hieraus entsprechend negative Wachstumseffekte. Umso bemerkenswerter ist, dass die Ausrüstungsinvestitionen ihr hohes Tempo halten konnten und erneut 0,5-Prozentpunkte zum Wirtschaftswachstum beitrugen.
Die schwache Entwicklung beim Wohnungsbau und beim Gewerbebau hatte sich bereits zuvor abgezeichnet, kann aber nur teilweise mit dem vorübergehenden Stillstand auf zahlreichen Baustellen erklärt werden. Bei den Investitionen in gewerbliche Immobilien außerhalb des Wohnungssektors dürften verschärfte Kreditvergabestandards bremsend wirken. Demgegenüber sorgte der Außenhandel das dritte Quartal in Folge für positiven Schub. Dank rückläufiger Importe stand sogar der höchste Wachstumsbeitrag seit Ende 2013 zu Buche, dieser lag immerhin bei 0,4 Prozentpunkten.

Kein Ende des langfristigen Aufwärtstrends an Aktienmärkten

Der Economic Surprise Index der Citigroup, der Abweichungen der veröffentlichten Konjunkturdaten von den Prognosen misst, weist für die G10-Staaten seit Juli einen dynamischen Aufwärtstrend auf. Davon geht ein positiver Einfluss auf die Aktienmärkte aus. Im Moment liegt der Index bei 36 Punkten, womit das Aufwärtspotenzial begrenzt zu sein scheint. Denn erfahrungsgemäß lässt die Dynamik bei Indexwerten von rund 40 nach und der Index dreht wieder nach unten. Damit könnte bei diesem Indikator die Ampel in den kommenden Wochen von grün auf gelb umspringen.
Gelbe Ampeln bei den Konjunktur-Frühindikatoren bzw. den Konjunkturüberraschungen würden in Verbindung mit der schon ziemlich offensiven Positionierung der Investoren zwar auf erhöhte Rückschlagsrisiken an den Börsen hindeuten, aber noch kein Ende des langfristigen Aufwärtstrends bedeuten. Dieser dürfte auf Sicht der kommenden zwölf Monate aber stärker von steigenden Unternehmensgewinnen getragen werden und weniger von expandierenden Bewertungen auf Grund verbesserter Konjunkturzahlen.

Was die neue Woche bringt

Diese Woche stehen mehrere wichtige Notenbanksitzungen auf der Agenda. Dabei ist keine Änderung der Geldpolitik zu erwarten. Die Fed-Sitzung dürfte als Rück- bzw. Vorschau für die September- und Dezember-Sitzungen genutzt werden. So sind erste Einschätzungen zum im Oktober gestarteten Abbau der Fed-Bilanz zwar erst im Protokoll zu erwarten. Mit Andeutungen zu einem möglichen weiteren Zinsschritt im Dezember kann jedoch im Statement gerechnet werden. Dabei wird der Schwerpunkt auf der Inflationseinschätzung der Fed liegen. Sollte hier vor allem die Erwartung an das mittelfristige Erreichen des Inflationsziels betont und die aktuelle Inflationsschwäche weiterhin als vorübergehend eingestuft werden, würde dies auf einen Zinsschritt im Dezember hindeuten. Derzeit ist ein solcher mit einer Wahrscheinlichkeit von 84 Prozent am Markt eingepreist. In diesem Umfeld wäre es für Yellen und Co. einfach den Zins anzuheben. Danach erwartet der Markt jedoch weniger Zinsschritte als die Fed.

In der Eurozone stehen die Inflationsdaten für Oktober im Mittelpunkt des Anlegerinteresses. Angesichts gestiegener Energiepreise dürften die Verbraucherpreise zum Vormonat erneut etwas zugelegt haben (Di.). Dies dürfte allerdings nicht zu einer steigenden Jahresrate führen, da die Entwicklung im Vorjahr ebenfalls positiv war. Das EZB-Ziel wird demnach weiterhin unterschritten. In Deutschland wird die Zwei-Prozent-Marke ebenfalls nicht erreicht (Mo.).

Der konjunkturelle Ausblick bleibt weiter positiv. Das BIP-Wachstum im Euroraum dürfte mit gut einem halben Prozent zum Vorquartal erneut solide ausgefallen sein (Di.). Auch der Ausblick trübt sich nicht ein, denn der Stimmungsindikator der EU-Kommission (ESI) sollte nach den starken Vorgaben des ifo-Geschäftsklimas im Oktober spürbar gestiegen sein (Mo.). Die EZB dürfte sich daher in ihrer Anpassung der Anleihekäufe, die auf einer positiven Konjunktureinschätzung beruhte, bestätigt sehen. Die Situation auf dem Arbeitsmarkt verbessert sich gleichfalls weiter, insbesondere in Deutschland (Do.).

In den USA werden die Arbeitsmarktdaten sicherlich auch im Oktober noch von den Wirbelstürmen beeinflusst worden sein (Fr.). So dürfte der Beschäftigungsaufbau mit 315.000 Stellen so gut ausgefallen sein, weil die Arbeitnehmer wieder zur Arbeit gegangen sind und damit bei der Umfrage zum Teil als neue Stellen gezählt werden. Die Arbeitslosenquote, die aus einer weniger verzerrten Haushaltsumfrage errechnet wird, dürfte erneut bei 4,2 Prozent gelegen haben.

Bei den Konjunkturdaten dürfte der ISM-Frühindikator für die Industrie infolge der hohen Bestelltätigkeit nach den Wirbelstürmen gegenüber dem Vormonat nochmals leicht gestiegen sein (Mi.). Zudem sind die Erwartungen an eine Verabschiedung der Steuerreform bis Jahresende weiter hoch. Der ISM-Index für den Service-Sektor wird wohl nach dem sehr starken Anstieg im Vormonat eine leichte Korrekturbewegung nach unten erfahren (Fr.).

Die Zunahme der US-Einkommen dürfte im September niedriger als üblich ausgefallen sein, da viele Personen auf Grund des Wirbelsturms nicht zur Arbeit erschienen sind. Die Konsumausgaben sollten dagegen mit Blick auf die starken Einzelhandelsdaten spürbar zugelegt haben. Die Verbraucherpreise des Privaten Konsums sollten sturmbedingt deutlich gestiegen und die PCE-Inflationsrate auf 1,6 Prozent angehoben haben. Der monatliche Preisdruck in der Kerninflation dürfte aber gering ausgefallen sein, weshalb die Kerninflationsrate bei 1,3 Prozent verharrt haben sollte.

 

Die wichtigsten Konjunkturdaten der neuen Woche

 MonatPrognoseLetzter
Montag, 30.10.2017
Einzelhandelsumsatz Deutschland (% zum Vorm.)September0.5-0.2
ESI Index Euroland (Punkte)Oktober113.3113
Industrievertrauen Euroland (Punkte)Oktober76.6
Verbrauchervertrauen Euroland (Punkte)Oktober-1-1
Private Einkommen USA (% zum Vormonat)September0.10.2
Konsumausgaben USA (% zum Vormonat)September0.80.1
PCE-Deflator USA (% zum Vorjahr)September1.71.4
PCE-Kernrate USA (% zum Vorjahr)September1.71.8
Verbraucherpreise Deutschland (% zum Vorjahr)Oktober1.81.8
Dienstag, 31.10.2017
Industrieproduktion Japan (% zum Vormonat)September-1.62
PMI Verarb. Gewerbe China (Punkte)Oktober52.252.4
Bank of Japan Zinsentscheid Japan (%)Oktober-0.1-0.1
BIP Euroland (% zum Vorquartal)Q30.50.6
Verbraucherpreise Euroland (% zum Vorjahr)Oktober1.51.5
Verbraucherpr. Kernrate Euroland (% zum Vorjahr)Oktober1.21.1
Conference Board Verbrauchervertr. USA (Punkte)Oktober121119.8
Mittwoch, 1.11.2017
PMI Caixin Verarb. Gewerbe China (Punkte)Oktober51.251
PMI Verarb. Gewerbe USA (Punkte)Oktober54.354.5
ISM Index Verarb. Gewerbe USA (Punkte)Oktober59.160.8
Fed Zinsentscheid USA (%)November1.251.25
Donnerstag, 2.11.2017
PMI Verarb. Gewerbe Deutschland (Punkte)Oktober60.560.5
Arbeitslosenrate Deutschland (%)Oktober5.65.6
PMI Verarb. Gewerbe Euroland (Punkte)Oktober58.658.6
Bank of England Zinsentscheid UK (%)November0.250.25
Freitag, 3.11.2017
Beschäftigung USA (Tsd. zum Vormonat)Oktober310-33
Arbeitslosenrate USA (%)Oktober4.24.2
Handelsbilanz USA (Mrd. US-$)September-43.5-42.4
Auftragseingang USA (% zum Vormonat)September2.11.2
ISM Index Dienstleist. USA (Punkte)Oktober5859.8