Mit Spannung hatten die Anleger vorige Woche die Rede des neuen US-Präsidenten Donald Trump vor dem Kongress erwartet. Erhofft hatten sie sich konkrete Aussagen zur künftigen Wirtschaftspolitik der Regierung. Zwar waren die Hinweise in dieser Hinsicht eher spärlich –dennoch reagierten die Märkte erleichtert. Denn zum einen schlug Trump unerwartet moderate und mitunter sogar präsidiale Töne an, zum anderen bekräftigte er seine Absicht, die Steuern in großem Stil zu senken und ein Infrastrukturprogramm über 1.000 Milliarden Dollar aufzulegen. Letzteres überraschte die Investoren positiv, da von Trumps Team zwischenzeitlich ein geringeres Volumen ins Spiel gebracht worden war. Vor diesem Hintergrund erklomm der S&P 500 ein Rekordhoch von gut 2.400 Zählern und der DAX überwand wieder die 12.000 Punkte-Marke.

Konjunkturzahlen können überzeugen
Erneut starke Konjunkturdaten kamen an der Börse ebenfalls gut an. So kletterte der Einkaufsmanager-Index für die Eurozone im Februar um 0,2 auf 55,4 Punkte. Oberhalb von 50 Zählern signalisiert das Barometer eine steigende Produktion. Dank der stärksten Zuwächse bei Produktion und Auftragseingang seit fast sechs Jahren sieht sich die Industrie einem zunehmend robusten Aufschwung gegenüber, wobei besonders der gesunkene Euro-Wechselkurs das Auslandsgeschäft antreibt. Zudem blicken die Unternehmen zuversichtlich in die Zukunft. Sie schätzen die Perspektiven für die nächsten zwölf Monate so gut ein wie seit der globalen Finanzkrise nicht mehr.
In fast allen Eurostaaten weist der Trend nach oben. Nur Griechenland steckt weiter in der Rezession, wohingegen es in Deutschland, Österreich und den Niederlanden besonders deutlich nach oben geht. Die deutsche Industrie legte im Februar so stark zu wie seit Mai 2011 nicht mehr: Die hiesigen Betriebe produzierten mehr, zogen mehr Aufträge an Land und stellten neues Personal ein. Der Einkaufsmanager-Index kletterte hier um 0,4 auf 56,8 Punkte.

Gleichfalls unerwartet kräftig verbesserte sich der ISM-Index für das Verarbeitende Gewerbe in den USA: Er stieg von 56,0 auf 57,7 Zähler (Konsensprognose: 56,2) und setzte damit den Anstieg der letzten Monate fort. Die Komponente für den Auftragseingang zog von 60,4 auf enorm hohe 65,1 Punkte an. Auch bei regionalen US-Konjunktur-Frühindikatoren – Chicago-PMI, Richmond-Fed-Index – kam es zu positiven Überraschungen.

Selbst in Chinas Industrie geht es wieder aufwärts. Im Reich der Mitte kletterte der offizielle Einkaufsmanager-Index überraschend um 0,3 auf 51,6 Punkte. Der private Caixin/Markit-PMI legte sogar um 0,7 auf 51,7 Punkte zu. Im Aufwind befinden sich vor allem die eher staatsnahen Betriebe, während die kleineren und mittleren Unternehmen der Erholung etwas hinterherhinken.
Angesichts internationaler Unsicherheiten und Überkapazitäten im eigenen Land sieht sich China allerdings nach eigenen Angaben aktuell erhöhten Konjunkturrisiken ausgesetzt. „Die internationale Lage ist weiter kompliziert und unbeständig“, erklärte der Vizechef des Statistikamtes, Li Xiachao, kürzlich. Zu den Unsicherheiten gehöre, dass sich die heimische Wirtschaft strukturell zwar verbessere, aber Überkapazitäten bestünden. Zudem sei der Welthandel vergleichsweise schwach. Die Regierung in Peking erwartet für 2017 ein Wirtschaftswachstum zwischen 6,5 und 7,0 Prozent, nach 6,7 Prozent im vergangenen Jahr.

Kommunikationsoffensive der Fed
Eine dynamischer expandierende Weltwirtschaft und die Aussicht auf zusätzliche konjunkturelle Impulse durch Trumps Steuersenkungs- und Ausgabensteigerungspläne – kein Wunder, dass die Aktienmärkte Signale von Seiten der US-Notenbank Fed in Bezug auf eine baldige Anhebung der Leitzinsen gelassen aufnahmen. In einer Rede am vergangenen Freitag äußerte sich Fed-Chefin Janet Yellen positiv zu einem Zinsschritt auf der Sitzung der Notenbank am 15. März. Außerdem betonte Yellen, dass wegen der sich immer mehr den Zielen der Fed annähernden Arbeitsmarkt- und Inflationsdaten für die nächsten Jahre mit einer größeren Zahl von Zinsschritten zu rechnen sei als in den vergangenen beiden Jahren.

Die Rede war Teil einer Fed-Kommunikationsoffensive in der vergangenen Woche, in der sich mehrere stimmberechtigte Mitglieder des Fed-Offenmarktausschusses positiv bezüglich eines baldigen Zinsschrittes äußerten. So sagte das einflussreiche Notenbankmitglied William Dudley im Gespräch mit dem Sender CNN, die Argumente für steigende Zinsen seien nach der Präsidentenwahl im November viel überzeugender geworden. Er konstatierte ein zunehmendes Vertrauen von Privathaushalten und Unternehmen sowie „beschwingte“ Finanzmärkte. Außerdem erwarte er, dass die Wirtschaft durch die Haushaltspolitik der neuen Regierung einen weiteren Schub bekommen könnte. Seine größte Sorge sei, dass die Konjunktur über einen zu langen Zeitraum heißlaufen könne.

Zuletzt sprachen sich sechs der insgesamt zehn stimmberechtigen Notenbanker für eine Zinsanhebung im März aus. Die Folge ist, dass die Markterwartungen an einen Fed-Zinsschritt gestiegen sind. Lag die Wahrscheinlichkeit dafür vor einer Woche noch bei etwa 30 Prozent – gemessen an den Fed Funds Futures –, liegt sie inzwischen bei rund 85 Prozent.

Stark gestiegene Kurse mahnen zu Vorsicht
Es ist nicht unüblich, dass die Aktienindizes sich in die gleiche Richtung bewegen wie die an den Fed Fund Futures gemessenen Leitzinserwartungen, obwohl steigende Zinsen grundsätzlich negativ für Aktien sind. Aber beide Größen werden in hohem Maße von den Konjunkturerwartungen bestimmt und diese üben an den Aktienmärkten im derzeitigen Umfeld einen größeren Einfluss aus als die Leitzinserwartungen. Hinzu kommt im aktuellen Marktumfeld, dass Bankaktien von den steigenden Kapitalmarktzinsen und der dadurch steiler werdenden Zinsstrukturkurve profitieren.
Dank aufwärts gerichteter Konjunktur-Frühindikatoren und in Aussicht gestellter expansiver Finanzpolitik bleibt der Trend an den Aktienmärkten vorerst wohl weiter nach oben gerichtet. Allerdings wurde in den vergangenen Wochen mit den starken Kurssteigerungen und den damit einhergehenden höheren Bewertungen an den Börsen bereits viel Positives vorweggenommen. Das bedeutet, dass für die kommenden Monate durchaus Enttäuschungspotenzial besteht. Das könnte sich vor allem dann in sinkenden Notierungen niederschlagen, falls die US-Regierung protektionistische Maßnahmen ergreifen sollte.

Was die neue Woche bringt
In der Eurozone steht in der neuen Woche die Sitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) im Fokus (Do.). Experten erwarten keine Änderung der Geldpolitik. Spannend wird, wie EZB-Präsident Mario Draghi den Anstieg der Inflation auf zwei Prozent im Februar bewertet. Erneut positiv dürften die anstehenden Konjunkturdaten ausfallen. So wird sich das Sentix-Investorenvertrauen angesichts der guten Finanzmarktentwicklung im März wohl noch einmal leicht verbessert haben (Mo.). Mittlerweile ist aber ein hohes Niveau erreicht, so dass die Hürde für weitere kräftige Verbesserungen recht hoch ist.

In Deutschland ist bei den Auftragseingängen der Industrie im Januar mit einem negativen Rückprall nach dem überaus starken Dezember-Wert zu rechnen (Di.). So dürften unterdurchschnittliche Großaufträge (vor allem bei Flugzeugbestellungen) das Januar-Ergebnis deutlich gebremst haben. Angesichts der hohen Auftragsbestände sollte die Produktion aber nicht in Mitleidenschaft gezogen worden sein. Sie dürfte vielmehr von der positiven Auftragsentwicklung der vergangenen Monate zehren. Die optimistischen Umfrageindikatoren deuten gleichfalls auf einen positiven Produktionsverlauf im ersten Quartal hin. Daher ist ein spürbarer Anstieg der Industrieproduktion wahrscheinlich (Mi.). Die Exporte könnten sich zu Jahresbeginn ebenfalls wieder belebt haben (Fr.). Hierfür spricht vor allem die, gemessen an der deutlich stärkeren Bestelltätigkeit aus dem Ausland, zuletzt zu schwache Entwicklung der Ausfuhren. Ein etwas verspäteter Aufholeffekt scheint damit plausibel.

Was die USA betrifft, steht die neue Woche ganz im Zeichen der Arbeitsmarktdaten für Februar. Volkswirte erwarten einen Stellenaufbau von 185.000 Jobs und einen leichten Rückgang der Arbeitslosenrate auf 4,7 Prozent (Fr.). Der Anstieg der Stundenlöhne könnte sich wieder etwas beschleunigt haben. Doch selbst wenn der Lohndruck nicht steigen sollte, dürfte dies die Fed kaum von einer baldigen Leitzinserhöhung abhalten. Hierfür müsste der Stellenaufbau äußerst schwach ausfallen und sich andere wichtige Arbeitsmarktindikatoren deutlich verschlechtern.

In China begann am 4. März der jährliche nationale Volkskongress der regierenden Kommunistischen Partei in Peking. Nachdem im vergangenen Jahr der neue Fünf-Jahresplan ausgegeben wurde, wird in diesem Jahr das Augenmerk auf der Umsetzung dieses Planes im laufenden Jahr liegen. Bei den Konjunkturdaten sollten die Jahresraten der chinesischen Exporte und Importe im Februar weiter zugelegt haben (Mi.). Darauf weisen die anhaltend gute Konjunkturstimmung im Land wie auch die stärkere Nachfrage aus dem Ausland hin.

 

Die wichtigsten Konjunkturdaten der neuen Woche

 MonatPrognoseLetzter
Montag, 6.3.2017
Sentix Investorenvertrauen Euroland (Punkte)März18.517.4
Auftragseingang USA (% zum Vorm.)Januar11.3
Dienstag, 7.3.2017
Auftragseingang Deutschland (% zum Vormonat)Januar-2.75.2
BIP Euroland (% zum Vorquartal)Q40.40.4
Handelsbilanz USA (Mrd. US-$)Januar-47-44.3
Mittwoch, 8.3.2017
Exporte China (% zum Vorjahr)Februar147.9
Importe China (% zum Vorjahr)Februar20.316.7
Industrieproduktion Deutschland (% zum Vorm.)Januar2.7-3
ISM-Index Verarb. Gewerbe USA (Punkte)Februar5656
Donnerstag, 9.3.2017
Verbraucherpreise China (% zum Vorjahr)Februar1.82.5
EZB-Zinsentscheid Euroland (%)März00
Freitag, 10.3.2017
Exporte Deutschland (% zum Vormonat)Januar2-3.3
Importe Deutschland (% zum Vormonat)Januar0.40
Beschäftigung USA (Tsd. zum Vormonat)Februar185227
Arbeitslosenrate USA (%)Februar4.74.8