Im Vorfeld der Frankreich-Wahl war die Volatilität an den europäischen Aktienmärkten deutlich gestiegen. Nachdem sich nun im ersten Wahlgang der EU-freundliche Emmanuel Macron mit merklichem Vorsprung vor der EU-skeptischen Marine Le Pen vom Front National durchgesetzt hat, ist die Erleichterung der Börsianer groß. Macron wird im zweiten Wahlgang von den meisten unterlegenen Präsidentschaftskandidaten unterstützt, sein Sieg gilt nahezu als ausgemacht. Der Dax ist Anfang der neuen Woche auf ein neues historisches Hoch gesprungen.

Vergangene Woche hatten nicht nur politische Unsicherheiten, sondern teilweise auch schwächere Konjunkturzahlen die europäischen Aktienmärkte belastet. Nach über längere Zeit positiven Daten haben zuletzt einige enttäuscht. In der Folge hat sich der Economic Surprise Index der Citigroup für die G10-Länder, der die Abweichungen der veröffentlichten Konjunkturdaten von den Konsens-Prognosen misst, spürbar eingetrübt und ist auf den niedrigsten Stand seit November 2016 gefallen.

Konjunktur der Eurozone vor Beschleunigung?

Zu den erfreulichen Ausnahmen zählten vergangene Woche die Einkaufsmanagerindizes (PMI) im Euroraum. Der Einkaufsmanagerindex für den Dienstleistungssektor stieg erneut
leicht um 0,2 Punkte auf 56,2, der Index für die Industrie kletterte sogar um 0,6 Zähler auf 56,8. Bislang ist die gute Stimmung bei den Unternehmen allerdings nicht durch einen entsprechenden Anstieg der „harten“ Daten bestätigt worden. Ökonomen halten eine „Stimmungsblase“ jedoch für unwahrscheinlich und gehen davon aus, dass die Wirtschaft des Euro-Währungsgebiets zumindest temporär einen Gang hochschalten wird.

Beide PMI-Indizes der Eurozone liegen auf einem Sechs-Jahreshoch. Was bedeutet das für das Wirtschaftswachstum? In der Vergangenheit gingen Einkaufsmanagerindizes von über 56 Punkten mit einem Zuwachs des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von etwa 0,75 Prozent pro Quartal einher. Das wäre deutlich mehr als im Schlussquartal 2016. Dem steht aber in den ersten beiden Monaten des Jahres nur ein Plus bei der Industrieproduktion gegenüber, das jeweils um 0,1 Prozent unter dem Durchschnitt des Schlussquartals 2016 lag. Je länger diese Differenz besteht, desto schwieriger wird es, dem Stimmungsaufschwung ein stärkeres Wirtschaftswachstum folgen zu lassen. Freilich hat es eine solche „Stimmungsblase“ bislang noch nie gegeben. Daher ist es gut möglich, dass die wirtschaftliche Dynamik in den nächsten Monaten an Kraft gewinnt.

Trump will Steuerreform zügig anpacken

Nicht nur schwächer als erwartet ausgefallene globale Konjunkturdaten haben so manchem Anleger jüngst zu denken gegeben, sondern auch möglicherweise überzogene Erwartungen an eine rasche und umfassende Steuerreform in Amerika. Das mag für US-Präsident Donald Trump und seinen Finanzminister Stephen Mnuchin mit ein Grund gewesen, in den vergangenen Tagen zu betonen, dass die Steuerreform bald in Angriff genommen werden soll. Sie gilt als eines der wichtigsten Vorhaben der Regierung. Sie soll die Wirtschaft weiter anheizen und das Wachstum nach oben treiben.

Da die Märkte auf die von Trump angekündigten Reformen warten, will Mnuchin sie nun nicht länger auf die Folter spannen: „Es wird sehr, sehr bald soweit sein“, sagte er am Rande einer Konferenz von IWF und Weltbank in Washington über die Vorlage der Steuerreformpläne. Diese Woche will Trump seine Pläne für eine „Steuerreform historischen Ausmaßes“ präsentieren. Nach Auskunft eines Regierungsvertreters sollen zunächst die „allgemeinen Grundsätze und Prioritäten“ umrissen werden. „Wir gehen eine umfassende Steuerreform an, die Steuersätze für Privatpersonen senkt, unser zu kompliziertes System vereinfacht und Arbeitsplätze schafft, indem sie amerikanische Firmen wettbewerbsfähig macht“, erläuterte der Insider. Bis Ende des Jahres soll das entsprechende Gesetz dann verabschiedet werden.

Der republikanische Präsident des Repräsentantenhauses, Paul Ryan, hatte kürzlich angekündigt, dass die Ausarbeitung der Steuerreform wohl noch längere Zeit in Anspruch nehmen werde. Ryan gilt als Befürworter einer Importsteuer, die Güter aus dem Ausland mit einer 20-prozentigen Gebühr belasten würde. In den USA würden sich Importe dadurch massiv verteuern, während US-Exporte praktisch steuerfrei gestellt würden. Diese Pläne stoßen bei einem Teil der Republikaner und auch bei den oppositionellen Demokraten auf Widerstand, da sie Nachteile für Verbraucher und auch für einige heimische Unternehmen befürchten. Indem Trump nun das Finanzministerium mit den Plänen für eine Steuerreform betraut, kann er diesen Stolperstein umgehen. Letzten Endes wird der Präsident aber im Kongress eine Mehrheit für seine Pläne hinter sich bringen müssen, um die Reform durchzusetzen.

US-Bankenregulierung auf dem Prüfstand

Bei seinem zweiten zentralen Projekt, dem Zurückdrehen der Bankenregulierung, hatte er bereits im Februar erste Pflöcke eingerammt. Er unterzeichnete einen Erlass, wonach die Wall-Street-Reformen (Dodd-Frank-Gesetz) überprüft werden sollen. Mit dem mehr als 800 Seiten umfassenden Gesetzeswerk von 2010 hatten die USA auf die Finanzkrise von 2008 reagiert. Seinerzeit wurden Banken weltweit mit Hilfe von Steuermilliarden vor dem Zusammenbruch gerettet.
Nun will Trump zentrale Punkte von „Dodd-Frank“ auf den Prüfstand stellen: So soll unter anderem untersucht werden, auf Grund welcher Kriterien die Aufsicht ein Finanzinstitut als „systemrelevant“ einstuft. Mit diesem Etikett versehene Banken und Versicherungen müssen für den Fall einer Krise einen besonders hohen Kapitalpuffer vorhalten. Republikanische Kongressabgeordnete hatten der Aufsicht ein fehlerhaftes und nicht transparentes Vorgehen vorgeworfen, was Institute außerhalb des Bankensektors betrifft. So tragen bislang nur AIG und Prudential Financial das Label systemrelevant. 2016 hatte ein Gericht die Entscheidung des Aufsichtsgremiums FSOC kassiert, auch MetLife in diese Kategorie einzuordnen.

Lichtblick Griechenland-Budgetüberschuss

Klar ist, dass die Politik die Anleger weiterhin in Atem halten wird. Immerhin gibt es beim leidigen Thema Griechenland aktuell eine gute Nachricht. Nach monatelangem Ringen mit den Gläubigern kommt das Land der Auszahlung neuer Kredite näher. So teilte die Statistikbehörde Elstat letzte Woche mit, dass die Regierung in Athen beim Staatshaushalt die Vorgaben der internationalen Geldgeber 2016 deutlich übertroffen habe. Demnach lag der Primärüberschuss – bei dem der Schuldendienst herausgerechnet wird – bei 3,9 Prozent des BIP. Geplant waren 0,5 Prozent. Legt man die Methodik der Gläubiger zugrunde, betrug der Überschuss nach Regierungsangaben sogar 4,19 Prozent. Ein Sprecher sagte in Athen, auch die Haushaltsziele des Hilfsprogramms für 2017 und 2018 würden mit Sicherheit erreicht.

Die Haushaltszahlen hatten für einen monatelangen Streit zwischen Griechenland und den Partnern der Euro-Zone gesorgt. Deswegen konnte bisher auch eine Überprüfung des Reformprogramms nicht abgeschlossen werden, die eine Voraussetzung für weitere Kredite ist. Mit den jetzt vorgelegten Zahlen dürfte Griechenland dem Geld einen großen Schritt nähergekommen sein. Experten führen den überraschend hohen Budgetüberschuss darauf zurück, dass die Regierung Vorgaben des Hilfsprogramms umgesetzt hat und Steuern konsequenter eintreibt.

EU-Wirtschaftskommissar Pierre Moscovici hat die Hoffnung geäußert, dass sich die Geldgeber und Griechenland bis Ende Mai endgültig einigen. Eine grundsätzliche Verständigung auf weitere Reformen gab es schon Anfang April. Das dritte Hilfsprogramm läuft noch bis 2018. Insgesamt könnte Griechenland dadurch Kredite von 86 Milliarden Euro bekommen.

EZB-Chef Draghi: Lockere Geldpolitik weiterhin notwendig

Auch die jüngsten Äußerungen des Präsidenten der Europäischen Zentralbank (EZB) Mario Draghi dürften bei den Börsianern für eine gewisse Beruhigung gesorgt haben. Denn der Italiener hält eine massive geldpolitische Konjunkturhilfe durch die Notenbank weiterhin für unverzichtbar. Demnach sei die EZB immer noch nicht ausreichend zuversichtlich, dass sich die Inflationsrate nachhaltig in Richtung des Notenbank-Ziels von knapp zwei Prozent bewege, erklärte Draghi in Washington. „Ein sehr erhebliches Ausmaß an geldpolitischer Lockerung ist immer noch nötig“, betonte er. Die Inflationsrate werde in den nächsten Monaten voraussichtlich um das aktuelle Niveau herum pendeln. Im März waren die Verbraucherpreise in der Euro-Zone um 1,5 Prozent angezogen. Für April erwarten Volkswirte nun einen Anstieg der Teuerung auf 1,8 Prozent.
„Es gibt Anzeichen dafür, dass sich die Erholung über Länder und Sektoren hinweg verbreitert“, dozierte der EZB-Chef. Zwar sei das Risiko einer Deflation mittlerweile weitgehend verschwunden. Bei der Kerninflation, die schwankungsreiche Energie- und Ölpreise ausklammert, sei aber immer noch kein überzeugender Aufwärtstrend zu sehen. Die EZB richtet ihre Geldpolitik zwar nicht nach der Kerninflation aus. Bei der Betrachtung der Inflationsentwicklung spielt diese aber eine wichtige Rolle.

Profiinvestoren schichten von US-Aktien auf Euro-Papiere um

Zunehmende Skepsis spiegeln die Ergebnisse der internationalen Fondsmanagerumfrage von Bank of America/Merrill Lynch wieder, die zwischen 6. und 12. April durchgeführt wurde. Die Erwartungen für die Umsetzung einer Steuerreform in den USA haben sich zeitlich nach hinten verschoben. Folge: Netto 21 Prozent der befragten Anlageprofis (Saldo von positiven und negativen Antworten) halten Verzögerungen bei der Steuerreform für das größte Risiko für die Finanzmärkte. Die Erwartungen für die Weltkonjunktur gingen leicht zurück, blieben jedoch grundsätzlich optimistisch. 50 Prozent der Fondsmanager gehen von einer besseren Entwicklung der Weltwirtschaft in den kommenden zwölf Monaten aus, nach 58 Prozent im Vormonat.

Parallel zur etwas skeptischeren Erwartungshaltung wurde die in den vergangenen Monaten deutlich gestiegene Gewichtung von Aktien etwas reduziert. Der Nettoanteil der Fondsmanager, die angaben, in Aktien übergewichtet zu sein, fiel von 48 Prozent im Vormonat auf nunmehr 40 Prozent. Dieser Wert liegt aber immer noch spürbar über dem langfristigen Durchschnitt. Die durchschnittliche Liquiditätsquote in den Portfolios stieg geringfügig von 4,8 auf 4,9 Prozent und drückt gleichfalls eine etwas defensivere Positionierung der befragten Investoren aus.

Die erhöhte Trump-Skepsis und die von einem Großteil der Fondsmanager geteilte Einschätzung, dass speziell US-Aktien bereits überbewertet sind, führte zu größeren Veränderungen bei der regionalen Aktiengewichtung. Im Vormonatsvergleich sind eine beschleunigte Abkehr der Fondsmanager von US-Aktien sowie eine weitere Hinwendung zu Aktien aus dem Euroraum und den Emerging Markets zu konstatieren. US-Aktien werden nun zu netto 20 Prozent untergewichtet, nachdem sie im Vormonat erst zu netto einem Prozent untergewichtet und im Februar noch zu 13 Prozent übergewichtet waren. Der aktuelle Wert stellt die niedrigste relative US-Aktienallokation seit Januar 2008 dar. Demgegenüber stieg bei Euroraum-Aktien die Netto-Übergewichtung kräftig von 27 auf 48 Prozent, obwohl das Risiko eines Zerfalls der EU weiterhin als hoch eingestuft wird.

Was die neue Woche bringt

In der Eurozone steht diese Woche die Preisentwicklung im April im Vordergrund des Interesses. Nachdem ein Sondereffekt die Inflationsrate im März belastet hatte, ist im April mit der entsprechenden Gegenbewegung zu rechnen. Grund ist das späte Osterfest 2017, wodurch die ferienbedingten Preissteigerungen bei Pauschalreisen in den April fallen. Die Inflationsrate dürfte daher in Deutschland wieder gestiegen sein (Do.) und in anderen Ländern ist ebenfalls mit einem Anstieg zu rechnen. Im Euroraum insgesamt dürfte die Inflationsrate im April bei 1,7 Prozent gelegen haben (Fr.). Da dieser Anstieg der Jahresrate aber in erster Linie dem Ostereffekt geschuldet ist, ist für Mai wieder ein Rückgang zu erwarten.

Vor dem Hintergrund der Ankündigung von Neuwahlen in Großbritannien und der damit gesunkenen Wahrscheinlichkeit eines harten Brexit hat sich die Stimmung in Deutschlands Unternehmen weiter verbessert. Das ifo-Geschäftsklima hat also im April noch einmal zugelegt (Mo.). Für den Euro-Raum insgesamt sollte der Sentimentindex der EU-Kommission (ESI) im April ebenfalls leicht nach oben gegangen sein (Do.).

In den USA haben die Auftragseingänge langlebiger Güter im März wohl zugelegt (Do.). Dabei dürfte vor allem die hohe Zahl neuer Aufträge bei den Flugzeugherstellern stützend gewirkt haben. Ohne die schwankungsanfällige Transportkomponente sollte das Plus bei den Bestellungen deutlich geringer ausgefallen sein. So dürfte die temporäre Schwäche des Verarbeitenden Gewerbes im März auch bei den Aufträgen sichtbar sein. Das Bruttoinlandsprodukt dürfte in den USA im ersten Quartal annualisiert (also auf das Jahr hochgerechnet) nur um 1,2 Prozent zum Vorquartal zugelegt haben (Fr.). Zwar fielen die Frühindikatoren für das erste Quartal sehr positiv aus und auch Bauproduktion und Export stiegen laut den bisher veröffentlichten Monatsdaten deutlich an. Andere BIP-Komponenten wie der Private Verbrauch konnten die hohen Erwartungen allerdings nicht erfüllen. Auf politischer Seite muss sich der Kongress bis zum 28.4. auf einen Übergangshaushalt einigen. Bei einem Scheitern droht ein Government Shutdown.

 

Die wichtigsten Konjunkturdaten der neuen Woche

 MonatPrognoseLetzter
Montag, 24.4.2017
Ifo-Geschäftsklima Deutschland (Punkte)April112.5112.3
Ifo Aktuelle Geschäftslage (Punkte)April119119.3
Ifo Geschäftserwartungen (Punkte)April106105.7
Dienstag, 25.4.2017
Richmond Fed-Index USA (Punkte)April1722
Conference Board Konsumklima USA (Punkte)April123.7125.6
Neubauverkäufe USA (Tsd.)März588592
Mittwoch, 26.4.2017
keine wichtigen Daten
Donnerstag, 27.4.2017
BoJ-Zinsentscheidung Japan (%)April-0.1-0.1
GfK-Konsumklima Deutschland (Punkte)Mai9.99.8
ESI-Index Euroland (Punkte)April108.1107.9
Industrievertrauen Euroland (Punkte)April1.21.2
Verbrauchervertrauen Euroland (Punkte)April-3.6-3.6
EZB-Zinsentscheidung Euroland (%)April00
Verbraucherpreise Deutschland (% zum Vorjahr)April1.91.6
Auftragseing. langleb. Güter USA (% zum Vormon.)März1.51.8
Freitag, 28.4.2017
Verbraucherpreise Japan (% zum Vorjahr)März0.30.3
Industrieproduktion Japan (% zum Vormonat)April-0.83.2
Verbraucherpreise Euroland (% zum Vorjahr)April1.71.5
Verbraucherpr. Kernrate Euroland (% zum Vorjahr)April0.90.7
BIP USA (% zum Vorquartal, annualisiert)Q11.22.1
Uni Michigan Konsumklima USA (Punkte)April98.498