USA und Japan hui, Europa so lala – so könnte man die Aktienmarktentwicklung der vergangenen Woche bezeichnen. Denn während der amerikanische S&P 500 und der japanische Nikkei 225 ihre Rallys fortsetzten (der S&P 500 erreichte sogar ein Allzeithoch), traten der DAX und der EURO STOXX 50 mehr oder weniger auf der Stelle.
Der DAX pendelte zwischen rund 10.600 und 10.750 Punkten und blieb damit innerhalb seiner seit August bestehenden Trading-Range. Gestützt wurden die Aktiennotierungen durch die Aussicht auf ein Konjunkturprogramm der Trump-Regierung in den USA, aber auch vom Ölpreis, der zumindest vorübergehend kräftig anzog. Ausschlaggebend hierfür waren Gerüchte, dass es beim Opec-Treffen diese Woche zu einer Einigung des Ölkartells auf eine Begrenzung der Fördermengen kommen könnte.

Fed-Zinserhöhung im Dezember erwartet
Kaum Einfluss auf die Börse hatte das Sitzungsprotokoll der letzten Sitzung der US-Notenbank Fed. Das hatte damit zu tun, dass die Hinweise, die deutlich in Richtung Leitzinsanhebung im Dezember gehen, weitgehend den Markterwartungen entsprachen. So herrschte unter den Mitgliedern des Fed-Offenmarktausschusses Einigkeit, dass sich der wirtschaftliche Ausblick seit der Sitzung Mitte September nur wenig verändert hatte. Eine „substanzielle“ Mehrheit (vorher nur Mehrheit) der Zentralbanker betrachtete die kurzfristigen Risiken für den Wirtschaftsausblick als ausgeglichen. Lediglich eine kleine Minderheit war der Meinung, dass noch deutliche Abwärtsrisiken bestehen und wies in diesem Zusammenhang vor allem auf das Ausland hin. Zu diesen Risiken zählen sie die Umsetzung des Brexit, mögliche negative Einflüsse einer zu raschen Kreditexpansion in China, die Unsicherheit über die Entwicklung des europäischen Bankensystems sowie die Konsequenzen einer weiteren Aufwertung des US-Dollars.

Unverändert blieb im Vergleich zur September-Sitzung die Beurteilung der Arbeitsmarktlage. Obwohl es seit September Fortschritte bei den Arbeitsmarktdaten gab, sehen einige Mitglieder des Offenmarktausschusses noch immer ein gewisses Maß an Unterauslastung der Kapazitäten am Jobmarkt. Gleichzeitig habe sich die Inflationsentwicklung schneller belebt als erwartet.

Im Vergleich zum September-Treffen der US-Währungshüter sprach sich eine etwas größer gewordene Mehrheit („most“ statt „many“) dafür aus, den Leitzins im November unverändert zu lassen. Ungeachtet dessen war man sich einig, dass die Wahrscheinlichkeit für einen Zinsschritt angesichts der guten Wirtschaftsdaten und insbesondere auf Grund der besseren Inflationsentwicklung zugenommen habe. Diskutiert wurde auch, welche Risiken von dem anhaltend sehr niedrigen Zinsniveau auf die Inflation und die Finanzmarktstabilität ausgehen könnten. Daher war im November eine große Mehrheit („most participants“) für einen baldigen Zinsschritt, sofern sich die Daten nicht verschlechtern. Einige Ausschuss-Mitglieder sprachen sich auch für ein solches Vorgehen aus, um wegen der bisher starken Signale der Fed in dieser Richtung die Glaubwürdigkeit der Zentralbank nicht aufs Spiel zu setzen.

Vor dem Hintergrund der positiven Markt-Reaktionen nach der Präsidentschaftswahl, der gestiegenen Inflationserwartungen und Risiken eines Vertrauensverlusts bei einer weiteren Verzögerung dürfte die Fed also keinen Grund mehr sehen, die Leitzinsanhebung zu verschieben. Das bedeutet konkret: Der Zielkorridor für die Federal Funds dürfte bei der Dezember-Sitzung der Fed um 25 Basispunkte auf dann 0,5 – 0,75 Prozent angehoben werden.

Schwacher Euro und gute Konjunkturzahlen verpuffen am Aktienmarkt
Steigende US-Zinsen sprechen dafür, dass der Euro gegenüber dem Dollar weiter an Wert einbüßen wird. Die ohnehin bereits kräftige Abwertung der Gemeinschaftswährung und erfreuliche Konjunkturzahlen waren eigentlich gute Voraussetzungen dafür, dass der DAX aus seinem Seitwärtstrend nach oben ausbricht. Offensichtlich wird der deutsche Leitindex – wie die europäischen Aktienmärkte insgesamt – aber durch die politischen Risiken gebremst. Nach dem Brexit-Schock und der US-Wahl steht aktuell mit dem italienischen Verfassungsreferendum am 4.Dezember das dritte bedeutende Event-Risiko dieses Jahres auf der Agenda. Wird die Verfassungsreform abgelehnt, wäre das Wasser auf die Mühlen der Anti-EU-Kräfte.
Die Sorge ist groß, dass Italiens Bürger diese rein innenpolitische Wahl als klares Misstrauensvotum gegen den europafreundlichen Kurs der Regierung Renzi „missbrauchen“ und so weitere politische Belastungen auf das europäische Projekt zukommen. Ein solcher nach den jüngsten Wahlprognosen nicht unwahrscheinlicher Ausgang des Referendums würde die Situation vor den Wahlen in Frankreich und Deutschland im kommenden Jahr nicht gerade einfacher machen.

Zudem liegt mit dem Berg an notleidenden Krediten der italienischen Banken ohnehin ein Schatten über den Finanzmärkten. Die Risikoaufschläge auf italienische Staatsanleihen sind zuletzt deutlich gestiegen und europäische Bankaktien konnten insgesamt weit weniger von der steileren Zinsstrukturkurve profitieren als US-Institute, die zusätzlich von den laxeren Regulierungsplänen Trumps begünstigt werden. Und nicht zuletzt dürften Unsicherheiten hinsichtlich der künftigen Handelspolitik Trumps die europäischen Aktienmärkte bremsen.
Rückenwind bekommen hiesige Aktien dagegen von den Konjunkturindikatoren. Zwar konnte sich der ifo-Geschäftsklimaindex im November nicht weiter verbessern und die Geschäftserwartungen korrigierten nach den jüngsten Anstiegen leicht von 105,9 auf 105,5 Punkte. Angesichts der Brexit- und Trump-Unsicherheiten ist dies allerdings nach wie vor ein respektables Niveau.

Belebungssignale zeigen die Konjunktur-Frühindikatoren auch auf globaler Ebene: Denn bei den Einkaufsmanagerindizes (PMI) für das Verarbeitende Gewerbe hat sich der Aufwärtstrend fortgesetzt. Der Markit-Manufacturing-PMI für den Euro-Raum stieg von 53,5 auf ein 34-Monatshoch von 53,7 Zählern und der entsprechende Index für die USA verbesserte sich weiter von 53,4 auf 53,9 Punkte, was den höchsten Wert seit März 2015 darstellt. Im Trend spürbar besser sind in den vergangenen Monaten außerdem die Daten aus China ausgefallen. Bessere Konjunktur-Frühindikatoren sind in der Regel mit steigenden Bewertungen an den Aktienmärkten verbunden.

Gemessen an den Konsens-Erwartungen konnten die Konjunkturdaten in letzter Zeit ebenfalls überzeugen. Das zeigt der Economic Surprise Index der Citigroup, der Abweichungen der veröffentlichten Konjunkturzahlen von den Konsens-Prognosen misst. Dieser ist für die G10-Länder deutlich gestiegen und mit 28 Punkten klar im positiven Bereich. Besonders die Zahlen aus der Eurozone konnten zuletzt positiv überraschen. Von Seiten der Konjunktur erhalten die Aktienmärkte aktuell also Unterstützung, die sich in Europa angesichts der akuten politischen Risiken jedoch nicht durchsetzen kann.

Was die neue Woche bringt
In der neuen Woche blicken die Börsianer mit Spannung nach Wien, wo sich die Opec-Mitglieder treffen (Mi.). Beobachter hoffen, dass sich die Ölländer auf die bereits vereinbarten Produktionsobergrenzen einigen werden. In China sollte der Caixin-PMI leicht gefallen sein, nachdem er im Oktober merklich gestiegen war (Do.). Mit einem neuen Stand von 50,7 Punkten läge er jedoch weiter auf einem erhöhten Niveau und spräche für eine Fortsetzung der konjunkturellen Erholung im Reich der Mitte.

In den USA werden in dieser Woche die letzten Daten zur Arbeitsmarkt- und Inflationsentwicklung vor der Dezember-Sitzung der Fed am 14. Dezember veröffentlicht. Der Arbeitsmarkt sollte sich erneut robust entwickelt haben (Fr.). Mit einem Stellenaufbau von 180.000 Jobs dürfte die Dynamik zwar nicht mehr so stark ausgefallen sein wie zum Jahresstart. Dies ist aber nicht zuletzt dem zunehmenden Fachkräftemangel geschuldet. Die Arbeitslosenquote dürfte bei 4,9 Prozent stagniert und die Lohndynamik moderat zugelegt haben.

Bei der November-Jahresrate des Deflators der privaten Konsumausgaben in den USA ist mit einer Jahresrate von 1,5 Prozent zu rechnen, nach 1,2 Prozent im Oktober (Mi.). Die für die Fed wichtige Kernrate (ohne Energie- und Nahrungsmittelpreise) sollte um 0,1 Prozentpunkte auf 1,8 Prozent zum Vorjahr gestiegen sein. Damit hätte die Fed ein weiteres Argument für ein Anziehen der Zinszügel im Dezember. Weiter zugelegt haben dürfte auch der ISM-Frühindikator für das Verarbeitende Gewerbe (Do.). Schließlich hat Trump in seinen bisherigen Aussagen konjunkturstimulierende Maßnahmen in den Mittelpunkt gestellt.

Die Daten zum BIP-Wachstum im dritten Quartal für Frankreich und Italien dürften in zweiter Veröffentlichung die positiven Ergebnisse der vorläufigen Veröffentlichungen bestätigen (Di./Do.). Von den endgültigen November-PMI-Daten im Verarbeitenden Gewerbe sind ebenfalls keine Überraschungen zu erwarten. Was die Inflation betrifft, ist für den November allenfalls mit minimalen Veränderungen zu rechnen. Da der Ölpreis im Monatsdurchschnitt leicht gesunken ist, kommt von dieser Seite kein positiver Preisimpuls. Im Euroraum dürfte die Inflationsrate nur leicht auf 0,6 Prozent zum Vorjahr gestiegen sein, in Deutschland sollte die jährliche Teuerung sogar bei 0,8 Prozent stagniert haben (Di.).

 

Die wichtigsten Konjunkturdaten der neuen Woche

 MonatPrognoseLetzter
Montag, 28.11.2016
Einzelhandelsumsatz Deutschland (% zum Vormon.)Oktober0.5-1.4
Dienstag, 29.11.2016
Industrievertrauen Euroland (Punkte)November-0.9-0.6
Verbrauchervertrauen Euroland (Punkte)November-5.9-6.1
Verbraucherpreise Deutschland (% zum Vorjahr)November0.80.8
Conference Board Konsumklima USA (Punkte)November101.298.6
Mittwoch, 30.11.2016
Industrieproduktion Japan (% zum Vormonat)Oktober0.10.6
Arbeitslosenrate Deutschland (%)November66
Verbraucherpreise Euroland (% zum Vorjahr)November0.60.5
Private Einkommen USA (% zum Vormonat)Oktober0.40.3
Konsumausgaben USA (% zum Vormonat)Oktober0.50.5
PCE-Deflator USA (% zum Vorjahr)Oktober1.51.2
PCE-Deflator Kernrate USA (% zum Vorjahr)Oktober1.81.7
Donnerstag, 1.12.2016
PMI Caixin Verarb. Gewerbe China (Punkte)November50.851.2
PMI Verarb. Gewerbe Deutschland (Punkte)November54.454.4
PMI Verarb. Gewerbe Euroland (Punkte)November53.753.7
ISM-Index Verarb. Gewerbe USA (Punkte)November52.151.9
Freitag, 2.12.2016
Beschäftigung USA (Tsd. Zum Vormonat)November180161
Arbeitslosenrate USA (%)November4.94.9