Alljährlich flattern Mietern Schreiben ihres Vermieters ins Haus, in denen eine Mieterhöhung angekündigt wird. Gerade dann, wenn die Kommunen neue Mietspiegel veröffentlichen, nutzen Vermieter vielfach die Gelegenheit, die Mieten anzuheben. Ob diese Erhöhung jeweils in Bezug auf die Höhe rechtlich zulässig ist oder einfach nur gegen formale Kriterien verstößt und damit unwirksam ist, kann die Mehrzahl der Mieter nicht beurteilen. An sie richtet sich das Verbraucherportal wenigermiete.de.

Service für laufende Mietverhältnisse
Die Geschäftsführer Daniel Halmer und Frederik Gärtner – beide Rechtsanwälte in Berlin – haben sich zum Ziel gesetzt, Mieter vom Einzug bis zum Auszug hinsichtlich ihrer Rechte zu unterstützen, dazu soll langfristig auch ein Service zur Kautionsrückzahlung gehören. Derzeit bietet wenigermiete.de die Möglichkeit, mit wenigen Angaben zu Lage und Ausstattung der Wohnung die Höhe des Einsparpotenzials anhand des jeweiligen Mietspiegels zu ermitteln. Dabei wird auch geprüft, ob die Miete oberhalb der gesetzlich zulässigen Grenze liegt. Ist dies der Fall, können sie wenigermiete.de beauftragen, die Mietpreisbremse für sie durchzusetzen. Eine Gebühr hierfür wird ausschließlich im Erfolgsfall erhoben. Sie liegt bei der Mietersparnis für vier Monate und wird direkt mit dem Vermieter abgerechnet.

Nach Angaben der Portalbetreiber wird die seit Juni 2015 geltende Mietpreisbremse nur selten angewendet. Sie untersagt es Vermietern in bestimmten dafür ausgewiesenen Regionen, eine Miete zu verlangen, die mehr als zehn Prozent über der ortsüblichen Miete liegt. Hierfür gilt der jeweilige Mietspiegel als Maßstab. Die Problematik: Der Mieter muss anhand eines so genannten Rügeschreibens nachweisen, dass die Miete zu hoch ist, und dieses Schreiben muss formalen juristischen Kriterien standhalten können.

Schutzbrief gegen Mieterhöhungen
Als weiteres Angebot haben die Portalbetreiber einen Schutzbrief entwickelt, der aktuell allerdings auf Mieter in Berlin, Frankfurt am Main, Hamburg, München und Stuttgart beschränkt ist. Eine Ausweitung des Angebots auf weitere Städte ist wenigermiete.de zufolge geplant. Auch hier müssen Mieter zunächst Angaben zur Wohnung und Mieterhöhung machen. Wenn letztere unzulässig ist, können Mieter den Schutzbrief wählen. Dieser ist zunächst kostenlos, eine Gebühr in Höhe der Mietersparnis für drei Monate fällt nur dann an, wenn der Vermieter die Mieterhöhung gerichtlich durchsetzen will und die Portalbetreiber dies erfolgreich abwehren können. Gelingt ihnen das nicht, entstehen für den Mieter keine Kosten.

Wie wenigermiete.de berichtet, ergab die Auswertung von 10.000 Online-Fragebögen mehr als 7.200 Verstöße gegen die Mietpreisbremse im Form überhöhter Mieten. Und die Untersuchung von rund 1.800 Online-Anfrage ergab, dass die Mieten im Schnitt um rund 230 Euro über der zulässigen Obergrenze lagen. Besonders ausgeprägt ist das Überschreiten gesetzlich zulässiger Grenzen bei Mieterhöhungen laut wenigermiete.de in Berlin. Das Verbrauchermagazin Test bewertet den Service der Mietright GmbH positiv, allerdings müssten sich Mieter, die das Angebot von wenigermiete.de nutzen, darauf einstellen, dass sich ihr Vermieter künftig weniger kulant bei Fragen wie beispielsweise Tierhaltung oder der Untervermietung verhalten wird. Auch das Online-Portal finanztip.de stuft den Service als gute Möglichkeit ein, ohne finanzielles Risiko gegen Mieterhöhungen vorzugehen. Es bewertet die Kostenstruktur als transparent und fair.