Längst nicht jeder Deutsche freut sich auf den Ruhestand: So plagt sich einer aktuellen Umfrage zufolge rund jeder Fünfte mit Sorgen um die Zeit nach dem Rentenbeginn. Dabei wird die Sorge um Krankheiten mit 69 Prozent am häufigsten als Grund genannt, gefolgt von Unmündigkeit beziehungsweise Abhängigkeit von Anderen (41 Prozent), Armut (40 Prozent) und Einsamkeit (28 Prozent). Das sind einige der Kernergebnisse im „Risiko-Report 2018“, der unter wissenschaftlicher Leitung von Professor Gerd Gigerenzer, Direktor des Harding-Zentrums für Risikokompetenz am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung, im Auftrag der Ergo Versicherungsgruppe erstellt wurde. Den thematischen Schwerpunkt der vom Marktforschungsinstitut Heute und Morgen durchgeführten Erhebung bildet das Thema Altersvorsorge.

Finanzielle Sorgen im Alter erwartet

Dass vier von zehn Deutschen sich Sorgen um Armut im Alter machen, kommt nicht von ungefähr: So geht im Bundesdurchschnitt jeder Zweite davon aus, sich im Alter finanziell einschränken zu müssen. Regional zeichnet sich ein differenziertes Bild: So ist der Anteil derer, die diese Befürchtung äußern, im Osten Deutschlands mit bis zu 69 Prozent (Brandenburg) deutlich höher. In Bayern und Hessen hingegen liegt die Quote mit 47 Prozent unter dem Durchschnitt. Hinzu kommt, dass jeder vierte Befragte Angst vor Altersarmut hat. Und sieben von zehn Befragten geben an, dass das Rentenniveau in den kommenden zehn Jahren sinken wird. Auch Unwissenheit ist weit verbreitet: Lediglich jeder Fünfte gibt an, die Höhe seiner künftigen Rente zu kennen.

Geldanlagen: Angst vor erneuter Finanzkrise

Nach ihren Geldanlagen befragt, äußern drei von zehn Umfrageteilnehmer, dass sie mit Immobilien fürs Alter vorsorgen. Zwei Drittel der Befragten meinen, dass sie mit Aktien und Investmentfonds die beste Rendite erzielen, und setzen dennoch lieber aufs Sparbuch oder sichere Vorsorgeprodukte. Dies dürfte auch darin begründet liegen, dass jeder Zweite meint, dass sich eine Finanzkrise wie 2008 innerhalb der kommenden zehn Jahre wiederholen könnte. Nach ihren finanziellen Ängsten befragt, nannten die Teilnehmer am häufigsten Altersarmut und Pflegebedürftigkeit. Allerdings sorgt jeder Fünfte mit maximal 50 Euro monatlich fürs Alter vor, 22 Prozent der Befragten tun gar nichts für den Ruhestand. Unter den Männern gibt jeder dritte an, dass er sich eine private Vorsorge nicht leisten kann, unter den Frauen sind es sogar 43 Prozent. Gleichwohl spricht sich jeder Vierte für eine Pflicht zur Altersvorsorge aus.

Geringe Risikokompetenz

Wie die Studie weiter aufzeigt, liegen viele Deutsche bei der Beantwortung so genannter Schätzfragen teils deutlich daneben. Dies werten die Autoren der Studie als Indiz für eine falsche Einschätzung von Risiken. So wurde beispielsweise die Zahl der bundesweit an Demenz Erkrankten fünffach überschätzt, hinsichtlich der Verbreitung von Adipositas fielen die Einschätzungen doppelt so hoch aus wie es in der Realität der Fall ist. Gleichzeitig werden die Risiken des Rauchens in Form einer geringeren Lebenserwartung von 86 Prozent der Deutschen unterschätzt. Dies könne sich nach Angaben von Michael Fauser fatal auf Geldangelegenheiten auswirken – etwa wenn die Chancen von Aktieninvestments deutlich unterschätzt werden. Die Folge: Anleger setzen dann womöglich auf die falsche Anlagestrategie und erzielen schlechtere Ergebnisse, so der Vorstandsvorsitzende der Ergo Lebensversicherung. Das Fatale an den Umfrageergebnissen: Ausgerechnet Frauen, die eine private Vorsorge in der Regel wegen ihrer für die gesetzliche Rente ungünstigen Erwerbsbiographien und ihrer höheren Lebenserwartung besonders dringend benötigen, schätzen die Risiken schlechter ein als Männer. Gleiches gilt für jüngere Befragte und solche mit geringem Einkommen. Auch diese Bevölkerungsgruppen gehören zu denen, die stärker als andere von Altersarmut bedroht sind.

Lichtblicke: Mehr Zeit, weniger Stress

Positive Lichtblicke vermeldet die Ergo hingegen bei den allgemeinen Hoffnungen und Wünschen der Deutschen in Bezug auf ihren Ruhestand: So setzen 49 Prozent ihre größten Hoffnungen auf den medizinischen Fortschritt, viele freuen sich auf mehr Zeit für Freizeitaktivitäten (48 Prozent), Familie und Partner (43 Prozent) sowie insgesamt weniger Stress (41 Prozent). Zudem gibt rund jeder Fünfte an, gern vorzeitig in den Ruhestand gehen zu wollen.