Ob Tiefdruckgebiet Paul, Xavier oder Herwart – über Deutschland fegten bis Anfang November 2017 gleich mehrere heftige Stürme  hinweg. Allein im Oktober verursachte die unruhige Wetterlage gleich zweimal vor allem im Norden und Osten schwere Sturmschäden. Und auch wenn die Heftigkeit dieser Sturmtiefs längst nicht an den Jahrhundertsturm „Kyrill“ vor rund zehn Jahren heranreicht – viele Haus- und Autobesitzer dürften schwere finanzielle Einbußen erlitten haben, weil sie nicht ausreichend versichert waren. Doch welche Versicherung kommt eigentlich für welche Schäden genau auf? Und lässt sich beispielsweise ein sturmgefährdeter Baum vorsorglich auf Kosten der Wohngebäudeversicherung fällen oder muss der Besitzer hierfür selbst in die Tasche greifen?

Schäden am Haus: Wohngebäudeversicherung

Immobilieneigentümer, die eine Wohngebäudeversicherung abgeschlossen haben, sind bei Sturmschäden abgesichert, sofern der Sturm mindestens Windstärkte 8 beziehungsweise ein Windgeschwindigkeit von mindestens 63 Stundenkilometern erreicht. Beim jüngsten Sturmtief Herwart war dies definitiv der Fall, es wurden teils Windgeschwindigkeiten von weit über 100 Stundenkilometern gemessen. Kam es zu einem Schaden, muss dieser so schnell wie möglich der Versicherung gemeldet werden und es empfiehlt sich, den Schaden sorgfältig zu dokumentieren und Fotos zu machen. Zudem ist der Geschädigte verpflichtet, dafür zu sorgen, dass der Schaden nicht noch größer ausfällt. Ist also beispielsweise ein Dachfenster kaputt, muss es provisorisch verschlossen werden, damit möglichst wenig Feuchtigkeit eindringt.

Vorschnelles Handeln empfiehlt sich allerdings nicht. Bevor ein Handwerker mit der Schadensbeseitigung beauftragt wird, sollte daher die Freigabe durch den Versicherer abgewartet werden. Die Behebung kleinerer Schäden wird nach der Meldung von den Versicherern oft vorab pauschal bewilligt, sofern ein bestimmter Betrag nicht überschritten wird. Bei größeren Schäden schickt die Versicherung hingegen einen Sachverständigen, der vor Ort eine Begutachtung vornimmt.

Wichtig: Gehen mit dem Sturmschaden beispielsweise auch Überschwemmungsschäden einher, sind diese nur über die Wohngebäudeversicherung abgedeckt, wenn diese auch eine Elementarschadenversicherung einschließt.

Schäden an der Einrichtung: Hausratversicherung

Auch die Hausratversicherung kommt für Schäden auf, die durch Sturm verursacht werden. Hierfür gelten die gleichen Voraussetzungen wie bei der Wohngebäudeversicherung. Allerdings hat der Versicherte dafür zu sorgen, den Hausrat geschützt zu verwahren. Auch hier müssen Folgeschäden begrenzt werden. Dringt beispielsweise durch ein wegen des Sturms beschädigtes Fenster Wasser ein, muss der Schaden durch provisorisches Abdichten des Fensters begrenzt werden, sonst droht eine Kürzung der Versicherungsleistung.

Schäden beim Hausbau: Rohbau-Versicherung

Bauherren können ihr Bauprojekt über eine Rohbau-Versicherung absichern. Damit ist gewährleistet, dass beispielsweise Schäden durch ein umgestürztes Baugerüst ersetzt werden. Diese Versicherung kann separat oder optional als Baustein zur Wohngebäudeversicherung abgeschlossen werden.

Schäden am Auto: KfZ-Kaskoversicherung

Bei einem Sturm ab Windstärke acht greift die Teilkaskoversicherung, falls beispielsweise ein Baum aufs Auto fällt. Die Vollkaskoversicherung zahlt hingegen auch dann, wenn es sich um einen Sturm mit geringerer Windgeschwindigkeit handelt. Wer wegen des Sturms einen Unfall verursacht, erhält die Kosten für die Schäden am eigenen Auto allerdings nur über die Vollkaskoversicherung ersetzt. Wichtig: Stürzt ein nicht ausreichend gesicherter Baum von einem Grundstück aufs Auto, haftet der Grundstückseigentümer.

Schäden bei Dritten: Haftpflichtversicherung

Ein Sturm weht einen Dachziegel auf ein vor dem Haus parkendes Auto, ein morscher Baum fällt aufs Nachbargrundstück? Dies ist ein Fall für die Haus- und Grundbesitzerhaftpflichtversicherung, die Immobilieneigentümer in Erwägung ziehen sollten. Das gilt übrigens nicht für gesunde Bäume: Stürzen sie aufs Nachbargrundstück, gilt dies als Höhere Gewalt und der Besitzer muss nicht für den Schaden aufkommen. Dies wäre dann ein Fall für die Wohngebäudeversicherung des Nachbarn.

Auch für Mieter ist das Thema Haftpflicht wichtig: Stürzt etwa von ihrem Balkon wegen eines Sturms ein Blumentopf auf den Fussweg und wird ein Passant verletzt, können sie dafür haftbar gemacht werden.  vom Balkon eines Mietshauses ein Blumentopf auf die Straße und richtet einen Schaden an, kommt die Privathaftpflichtversicherung für den Schaden auf.

Zahlt die Versicherung auch für vorsorgliche Schadensbegrenzung?

Wie das Arbeitsgericht München kürzlich entschieden hat, übernimmt die Wohngebäudeversicherung keineswegs automatisch die Kosten für das Fällen eines sturmgefährdeten Baumes. Zum Hintergrund: Eine Versicherte hatte vorsorglich einen Baum auf ihrem Grundstück fällen lassen, der bei einem Sturm in Mitleidenschaft gezogen wurde, aber nicht umgestürzt war. Das örtliche Bauamt hatte das Fällen aufgrund einer akuten Umsturzgefahr genehmigt. Die Kosten hierfür sollte die Versicherung erstatten, die sich jedoch weigerte. Das Arbeitsgericht München berief sich bei dem Urteil zu Lasten der Klägerin darauf, dass nach dem Wortlaut der Versicherungsbedingungen nur dann die Kosten übernommen werden, wenn der Baum aufs Haus der Versicherten gefallen wäre. Zwar seien auch vorsorgliche Maßnahmen zur Abwendung eines unmittelbar drohenden Schadens erstattungsfähig, doch die örtliche Baukommission sah es nicht als gegeben an, dass der Baum ausschließlich wegen eines Sturms umstürzen könnte. Es sei auch möglich gewesen, dass der Baum ohne äußere Einwirkung umstürzt – und dies wiederum sei kein Versicherungsschaden.

Aus dem Urteil ergibt sich, dass solche Präventivmaßnahmen nicht ohne Rücksprache mit der Versicherung durchgeführt werden sollten. Andernfalls kann es passieren, dass die Kosten nicht übernommen werden.