Donald Trump hat getan, was viele befürchtet hatten – er verkündete den Ausstieg der USA aus dem Atomabkommen mit dem Iran. Zwar war dies auch an den Finanzmärkten erwartet worden und ließ deshalb die Börsianer relativ kalt. Gleichzeitig unterschrieb der US-Präsident ein Papier, das die Sanktionen, die seit dem Beginn des Abkommens 2015 ausgesetzt waren, wieder in Kraft setzt. Zudem hat Trump angekündigt, den alten Sanktionen neue Maßnahmen folgen zu lassen. Ökonomen werden sich in nächster Zeit den Kopf zerbrechen, welche Folgen das auf mittlere und längere Frist haben wird.

Zwar ist das Iran-Abkommen mit dem Austritt der USA alleine nicht beendet. Die anderen Länder des Abkommens (Russland, China, Großbritannien, Frankreich, Deutschland und der Iran) können sich weiterhin an die getroffenen Absprachen halten und insbesondere den Handel aufrechterhalten. Dies wird aber schwierig durchzuhalten sein, falls die USA auch von anderen Ländern Sanktionen fordern bzw. sie bei Missachtung der US-Sanktionsregelungen bestrafen.

Schlechte Chancen auf Beibehaltung des Atom-Abkommens

Hohe Strafzahlungen können sich nur die wenigsten Unternehmen leisten, geschweige denn das Risiko, im schlimmsten Falle vom US-Dollar-Handel oder dem Zugang zum US-Markt ausgeschlossen zu werden. Realistisch betrachtet gilt daher: Die Chancen stehen schlecht, dass die europäischen Länder weiter am Iran-Abkommen festhalten werden.

Für die iranische Wirtschaft dürften die Folgen des Endes des Abkommens gravierend sein. Die Fortschritte seit der Öffnung des Landes werden wohl wieder zunichte gemacht. Für die anderen Länder und die Weltwirtschaft insgesamt sollte der konjunkturelle Effekt allein aus dem Handel und den Investitionen im Iran aber minimal ausfallen. Die USA haben zu vernachlässigende Handelsbeziehungen mit Persien; Deutschland hat zwar seine Exporte in den Iran seit dem Beginn des Abkommens wieder etwas gesteigert. Iran als Handelspartner hat in seiner Bedeutung in den letzten 20 Jahren jedoch beträchtlich abgenommen. In den letzten fünf Jahren gingen gerade einmal 0,2 Prozent der deutschen Exporte dorthin.

Belastungen durch Ölpreis und geopolitische Risiken

Während die Konsequenzen von der Handelsseite her also kaum ins Gewicht fallen sollten, dürften die Effekte von Seiten des Ölpreises und der geopolitischen Risiken durch das Ende des Iran-Abkommens ungleich größer sein. Der Austritt der Amerikaner aus dem Abkommen ließ den Ölpreis Brent zeitweise über die Marke von 77 Dollar je Fass steigen. Wie geht es mit dem flüssigen Gold weitergeht hängt in hohem Maße davon ab, welches Land aktuell ein echtes Interesse an einem niedrigeren Ölpreis hat.

Zumindest was die Ölförderländer betrifft, muss man die mit der Lupe suchen. Zum einen profitieren die US-Erdölfirmen entweder direkt über den Preis oder indirekt über den Ausbau ihrer Ölexporte, deren Absatzpotenzial sich mit dem Wegfall iranischen Öls nochmals erhöht hat. Zum anderen hat zwar Saudi-Arabien angekündigt, negative Folgen des aufgekündigten Atomabkommens auf den Ölmarkt abfedern zu wollen, doch ist dies auch bei hohen Preisen möglich.

Nicht zuletzt wegen des noch ausstehenden Börsengangs der weltweit größten Erdölfirma Saudi Aramco ist den Saudis an einem fallenden Ölpreis nicht gelegen. Das gilt auf Grund der ausufernden Staatsausgaben auch für die übrigen Opec-Staaten und Russland sowie für unverändert unter strukturellen Problemen leidenden Länder wie Brasilien. Vor diesem Hintergrund sollte die Hoffnung an das nächste Opec-Treffen am 22. Juni nicht allzu groß sein. Entsprechend ist ein Rückgang der Ölnotierungen auf mittlere Sicht wenig wahrscheinlich. Wegen den daraus sich ergebenden höheren Energiepreisen wird das global wohl besonders den Privaten Verbrauch belasten.

Neben dem Ölmarkt hat die Kündigung des Atomabkommens erhebliche Auswirkungen auf die geopolitischen Risiken. Experten befürchten, dass die Lage im Nahen Osten weiter destabilisiert wird. Nach der einseitigen Aufkündigung durch die USA, ohne dass ein Verstoß des Iran gegen die Auflagen der Verträge festzustellen war, könnten sich die Iraner gleichfalls nicht mehr an ihre Versprechungen gebunden fühlen und ihr Atomprogramm ohne internationale Beobachtung fortführen. Außerdem könnte der schwelende Konflikt zwischen Israel und dem Iran jetzt wieder stärker eskalieren.

Dies gilt umso mehr, je stärker die konservativen Hardliner im Iran von dem Ende des Abkommens politisch profitieren. Davon abgesehen haben die USA durch ihre Entscheidung deutlich an Glaubwürdigkeit für neue Abkommen eingebüßt. So hat ein Abkommen, das sie mit ausgehandelt haben, von ihrer Seite nur drei Jahre gehalten. Für Amerika wird es künftig zweifellos schwieriger, neue Abkommen auszuhandeln.

Starke US-Unternehmens-Berichtssaison

Während die Nachrichten von Seiten der Politik die Kurse vergangene Woche kaum bewegte, lieferte die nun schon fortgeschrittene Unternehmens-Berichtssaison Impulse für die Aktienmärkte. Sie schlugen sich jedoch stärker auf Einzeltitel nieder als auf den Gesamtmarkt. Interessant ist, dass die Berichtssaison ein zweigeteiltes Bild liefert. In den USA ist sie stark von den Effekten der US-Steuerreform geprägt und positiv ausgefallen. Nach Verabschiedung der Steuerreform hatten die Analysten die Steuersenkungen in ihren Gewinnprognosen für 2018 berücksichtigt und diese stark angehoben. Diese Prognosen wurden nun im ersten Quartal zu großen Teilen sogar übertroffen.

Gemäß Daten der Nachrichtenagentur Thomson Reuters erreichen die S&P-500-Unternehmen im ersten Vierteljahr voraussichtlich einen kräftigen Nettogewinnzuwachs (Ergebnis je Aktie) von gut 25 Prozent gegenüber dem gleichen Vorjahresquartal. Die höchsten Zuwächse erzielen die Sektoren Energie mit 84 Prozent, Technologie mit 35 Prozent, sowie Finanzwerte mit 30 Prozent. Der Technologiesektor profitiert dabei am stärksten von der US-Steuerreform, gefolgt vom Finanzsektor.

Die hohen Gewinnzuwächse sind aber nicht nur Folge der Steuersenkung. Die starke Konjunktur und die gestiegenen Ölpreise, von denen die Energietitel profitieren, schlagen sich ebenfalls in den Ergebnissen nieder. So ist das Umsatzwachstum im ersten Quartal mit 8,4 Prozent robust ausgefallen. Die Gewinndynamik der US-Firmen wird auch im Gesamtjahr 2018 hoch sein. Die Konsens-Schätzung zeigt aktuell eine Steigerung des Ergebnisses je Aktie von 21 Prozent.

Geringe Ergebnis-Zuwächse europäischer Unternehmen

Demgegenüber verläuft die Berichtssaison diesseits des Atlantiks eher durchwachsen. Dass der Anteil der positiven Gewinnüberraschungen mit rund der Hälfte in Europa deutlich geringer ist als in den USA, ist hierbei zunächst üblich. Deutlich schwächer als in Amerika sind derzeit jedoch auch die Gewinndynamik und die Gewinnrevisionen. Im ersten Quartal 2018 hat sich auf Ebene des STOXX Europe 600 voraussichtlich nur ein Gewinnzuwachs (Ergebnis je Aktie) von gut vier Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal ergeben. Die Umsätze sind sogar um rund ein Prozent gesunken. Der Revisionstrend der Gewinnprognosen 2018 für die Unternehmen des STOXX Europe 600 ging im Gegensatz zum S&P 500 zuletzt nicht deutlich nach oben, sondern war in den letzten drei Monaten seitwärts gerichtet. Die Gewinnerwartungen blieben also trotz der US-Steuerreform, die auch den großen europäischen Konzernen zugutekommt, lediglich stabil.

Ein entscheidender Grund für die deutlich bescheidenere Gewinnentwicklung der europäischen Unternehmen ist neben der Tatsache, dass die US-Unternehmen deutlich stärker von der dortigen Steuerreform profitieren, die Aufwertung des Euro. So lag der Euro-Dollar-
Wechselkurs im Durchschnitt des ersten Quartals um gut 15 Prozent über dem Wert im Vorjahresquartal. Dementsprechend wurden die im Dollarraum erzielten Umsätze und Gewinne der in Euro bilanzierenden Unternehmen belastet.

Der Euro-Anstieg in den ersten drei Monaten stellt die stärkste Aufwertung gegenüber dem Dollar auf Quartalsbasis seit dem zweiten Quartal 2008 dar. Auch im Gesamtjahr 2018 wird die Gewinndynamik in Europa spürbar geringer ausfallen als in den USA und – je nach Index – voraussichtlich nur im mittleren bis oberen einstelligen Prozentbereich liegen. Allerdings werden sich die negativen Währungseffekte in den Folgequartalen (vor allem im zweiten Halbjahr) deutlich abmildern.

EZB-Chefökonom sieht Konjunktur gelassen

Eine wichtige Rolle für die europäischen Aktienmärkte kommt weiterhin der Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) zu. EZB-Chefvolkswirt Peter Praet betonte vergangene Woche zum wiederholten Mal, dass es derzeit keine Anzeichen für eine nachhaltige Abschwächung der Nachfrage im Euroraum gebe. Damit bewegt sich Praet auf dem Kurs des EZB-Rates, der unter anderem temporäre Faktoren für die Konjunkturabschwächung verantwortlich macht. Darüber hinaus könnten Kapazitätsbeschränkungen auf der Angebotsseite in einzelnen Regionen und Sektoren die Wachstumsdynamik zuletzt gebremst
haben.

Die Finanzierungsbedingungen der Unternehmen seien laut Praet weiterhin vorteilhaft. Er räumte jedoch ein, dass der Rückgang der konjunkturellen Dynamik rascher kam als erwartet. Angesichts des zuletzt etwas schwächeren Euro wirkte er bezüglich der Entwicklung der Wechselkurse wenig besorgt. Allerdings leide das Vertrauen in den Aufschwung unter steigenden Protektionismus-Sorgen.

Zur Zukunft des Wertpapier-Kaufprogramms äußerte sich der belgische Notenbankchef Jan Smets, der sich eine Entscheidung für ein schrittweises Auslaufen der Käufe auf der Juli-Sitzung vorstellen könnte. Das litauische Ratsmitglied Vitas Vasiliauskas rechnet mit einem Ende der Käufe am Jahresende und hält eine erste Zinserhöhung sechs bis neun Monate später für realistisch.

Fed will Finanzmärkte nicht verunsichern

In der US-Notenbank Fed hat man letzte Woche verstärkt über die künftige Kommunikation
diskutiert. Dabei geht es konkret darum, wie man von einer derzeit „unterstützenden“ Geldpolitik hin zur Kommunikation einer „stabilisierenden“ Politik kommt, ohne die Finanzmärkte zu verunsichern. Beim letzten Zinsanhebungszyklus 2004 – 2006 hatte man aus dem Statement das Wort „unterstützend“ gestrichen, als bereits das neutrale Zinsniveau erreicht war.

Atlanta Fed Präsident Raphael Bostic schlug vor, dies vorher zu tun, um die Märkte möglichst gut auf diese Entwicklung vorzubereiten. Fed-Präsident Jerome Powell betonte, die Kommunikation müsse so klar und transparent wie möglich erfolgen. Eine Forward Guidance auch in normalen geldpolitischen Zeiten wäre daher möglich. Darüber hinaus wurde über die aktuellen Problematiken in der Fed gesprochen. Die regionalen Fed-Chefs Bostic, Thomas Barkin und Robert Kaplan waren sich einig, dass sie ein Überschießen der Inflation in einem bestimmten Maße auch ohne weitere Zinsanpassungen akzeptieren würden.

Was die neue Woche bringt

In einer wenig spektakulären Datenwoche bilden die BIP-Wachstumsraten für das erste Quartal eines der wenigen Highlights. Für die Währungsunion hatte die europäische Statistikbehörde Eurostat in einer vorläufigen Veröffentlichung bereits eine Quartalsrate von 0,4 Prozent gemeldet. Nun stehen in der zweiten Veröffentlichung die Wachstumsraten der einzelnen Euro-Länder auf dem Plan (Di.). Die vorab gemeldete Rate für die Eurozone dürfte  unverändert bleiben, auch wenn eine Aufwärtsrevision nicht ausgeschlossen werden kann. Für Deutschland wurde bislang keine Schnellschätzung veröffentlicht. Diese steht vom Statistischen Bundesamt wenige Stunden vor der Eurostat- Schätzung ebenfalls am Dienstag auf der Tagesordnung. Eine Abschwächung der Wachstumsdynamik im Vergleich zu den letzten Quartalen ist wahrscheinlich. Angesichts der schwachen Konjunkturindikatoren scheint ein Absinken der Quartalsrate auf 0,4 Prozent möglich.

Allerdings zeigte sich zuletzt bereits eine zaghafte Stabilisierung der Stimmung nach dem deutlichen Euphorie-Rückgang seit Jahresbeginn. Die ZEW Konjunkturerwartungen dürften daher für Mai nicht nochmals so deutlich wie zuletzt gesunken sein. Für einen Wiederanstieg der Stimmung der Finanzanalysten dürfte es allerdings angesichts der Aufkündigung des Iran-Abkommens durch Donald Trump und den dadurch gestiegenen Rohölpreis noch nicht reichen (Di.). Preisseitig sollten die endgültigen Inflationszahlen für April die vorläufigen Schätzungen sowohl für den Euroraum als auch für Deutschland bestätigen (beide Mi.).

In den USA geht der Fokus hin zu den „harten“ Konjunkturdaten für April. Hier sollte sich die US-Konjunktur erneut von ihrer besten Seite präsentieren. Volkswirte erwarten ein Plus der Industrieproduktion von 0,8 Prozent zum Vormonat (Mi.). Dabei wird dieser Anstieg nicht nur von einer sehr guten Entwicklung des Verarbeitenden Gewerbes getragen, auch die Produktion im Bergbau und bei den Versorgern läuft derzeit auf Volldampf.

Viel zu tun hatte wohl auch das Baugewerbe im April (Mi.). So sprechen die weiterhin hohen Zahlen der Baugenehmigungen und der Beschäftigung dafür, dass im April erneut viele Baubeginne verzeichnet werden konnten. Konsumseitig sollte der Einzelhandel (nominal) die starke Dynamik vom März im April nicht mehr gehalten, jedoch sich weiterhin moderat entwickelt haben (Di.). Dabei dürften die PKW-Verkäufe die Umsätze insgesamt gebremst haben. Ohne diese volatile Komponente erwarten Analysten etwas stärkere Umsatzzahlen, die zum einen von einer dynamischeren Preisentwicklung getragen und zum anderen von einer generell robusten Nachfrage der US-Konsumenten gestützt wurden. Die Konjunkturaussichten für Mai dürften dabei rosig bleiben. So sollte der Frühindikator der Philadelphia-Fed sein hohes Niveau auch im Mai in etwa gehalten haben und damit möglichen Konjunktursorgen rund um die protektionistische Handelspolitik der USA entgegenstehen (Do.).

Die wichtigsten Konjunkturdaten der neuen Woche

 MonatPrognoseLetzter
Montag, 14.5.2018
keine wichtigen Daten
Dienstag, 15.5.2018
Industrieproduktion China (% zum Vorjahr)April6.46
BIP Deutschland (% zum Vorquartal)Q10.40.6
Industrieproduktion Euroland (% zum Vormonat)März0.3-0.8
BIP Euroland (% zum Vorquartal)Q10.40.4
ZEW Konjunkturerwartungen Deutschl. (Punkte)Mai-9.5-8.2
ZEW Aktuelle Lage Deutschland (Punkte)Mai85.887.9
Empire State Index USA (Punkte)Mai1515.8
Einzelhandelsumsatz USA (% zum Vormonat)April0.30.6
NAHB Wohnungsmarktindex USA (Punkte)Mai7069
Mittwoch, 16.5.2018
BIP Japan (% zum Vorquartal)Q100.4
Verbraucherpreise Deutschland (% zum Vorjahr)April1.61.6
Verbraucherpreise Euroland (% zum Vorjahr)April1.21.3
Verbraucherpreise Kernrate Eurol. (% zum Vorj.)April0.70.7
Wohnungsbaubeginne USA (Tsd.)April13101319
Industrieproduktion USA (% zum Vormonat)April0.80.5
Donnerstag, 17.5.2018
Philadelphia Fed Index USA (Punkte)Mai22.223.2
Freitag, 18.5.2018
Verbraucherpreise Japan (% zum Vorjahr)April0.71.1
Erzeugerpreise Deutschland (% zum Vorjahr)April21.9