Vergangene Woche hat der DAX knapp ein Prozent verloren, nachdem er in der Woche davor einen neuen Rekord erzielt hatte. Börsianer befürchten, dass der der Traum von 14.000 Punkten ein Traum bleiben wird, solange die Eurostärke anhält. Die starke Gemeinschaftswährung belastet die Aktienmärkte, da sich die Güter deutscher Unternehmen auf den Weltmärkten verteuern und ihre Chancen auf Geschäftszuwächse dadurch sinken.
Nach der Januar-Sitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) war der Euro erstmals seit Ende 2014 wieder über die Marke von 1,25 Dollar gestiegen. Allein seit Jahresbeginn hat er sich um fast sechs Cent verteuert. Die anziehende Konjunktur im Euroraum hat zuletzt Spekulationen befeuert, die Euro-Notenbank könnte möglicherweise bereits im laufenden Jahr die Zinswende einleiten. Doch EZB-Präsident Mario Draghi schloss eine erste Zinserhöhung für 2018 so gut wie aus.

Konjunktur bleibt Aktienkurs-Treiber

Unterstützung für die Börsen kommt demgegenüber weiterhin von den Konjunkturzahlen. So hat die amerikanische Wirtschaft 2017 ihr Wachstumstempo beschleunigt. Das US-Bruttoinlandsprodukt (BIP) stieg gegenüber 2016 um 2,3 Prozent, nach nur 1,5 Prozent im Jahr davor. US-Präsident Donald Trump hat sich vorgenommen, das BIP-Wachstum auf mindestens drei Prozent hochzutreiben, unter anderem mit einer tiefgreifenden Steuerreform. Der Internationale Währungsfonds (IWF) erwartet, dass die USA dieses Ziel im laufenden Jahr mit 2,7 Prozent knapp verfehlen werden.
Im Schlussquartal 2017 hat sich allerdings das Expansionstempo der US-Wirtschaft verringert. Das BIP legte nur noch mit einer auf das Jahr hochgerechneten Rate von 2,6 Prozent zu. Volkswirte hatten ein Plus von 3,0 Prozent vorausgesagt, nachdem es im dritten Vierteljahr noch 3,2 Prozent betragen hatte.

Die US-Notenbank Fed hat auf den Aufschwung im vergangenen Jahr bereits mit drei Zinserhöhungen reagiert. Sie hat darüber hinaus signalisiert, dass sie 2018 drei weitere Schritte nach oben folgen lassen könnte. Steuerreform und schwacher Dollar dürften für zusätzlichen konjunkturellen Schub sorgen. Das spricht dafür, dass die US-Währungshüter schon bald die nächste Zinsanhebung vornehmen werden. Zumal die für das Wohl und Wehe der US-Wirtschaft extrem wichtigen Verbraucherausgaben in den letzten drei Monaten des vorigen Jahres um 3,8 Prozent zunahmen – und damit weit stärker als im dritten Quartal (2,2 Prozent).

Warnung vor Währungskrieg

Weil die Importe an Waren und Dienstleistungen ebenfalls kräftig zugelegt haben, wurde das US-Wachstum im vierten Quartal vom Außenhandel gebremst. Das ist wohl der wichtigste Grund, warum von Seiten des US-Finanzministers Steven Mnuchin Äußerungen kamen, ein schwacher Dollar sei gut für die US-Wirtschaft. Diese Aussagen stießen in der Eurozone auf scharfen Protest. So kam aus der EZB eine ungewöhnlich deutliche Warnung vor einem Währungskrieg. Nach den Worten von EZB-Direktor Benoit Coeure sollten die großen Industriestaaten ihre Währungen nicht dazu einsetzen, um Wettbewerbsvorteile zu erzielen.

Nach der EZB-Sitzung hatte bereits EZB-Chef Mario Draghi zu den jüngsten Devisenkurs-Kommentaren kritisch Stellung genommen, wenn auch relativ zurückhalten: “Wenn jemand sagt, dass im Grunde genommen ein guter Wechselkurs Exporteuren nützt und gut für die Wirtschaft ist (…), das bedeutet die Wechselkurse zu beeinflussen.” Tatsache ist, dass der EZB der Höhenflug der Gemeinschaftswährung im Verhältnis zum Dollar ungelegen kommt. Denn dies verbilligt die Importe, macht Produkte aus dem Euroraum im Ausland weniger attraktiv und dämpft die Inflation. Damit fällt es der EZB noch schwerer, ihr Inflationsziel von knapp unter zwei Prozent zu erreichen, das sie bereits seit Frühjahr 2013 verfehlt.

Uneinigkeit über Ende der EZB-Wertpapierkäufe

Vor diesem Hintergrund ist verständlich, dass EZB-Chefvolkswirt Peter Praet die Rufe nach einem schnellen Ende der vor allem in Deutschland umstrittenen Wertpapierkäufe der EZB zurückgewiesen hat. Man werde die Transaktionen erst beenden, wenn man noch stärker von einem Anziehen der Inflation überzeugt sei, sagte Praet kürzlich in Brüssel. Dann sei eine Normalisierung der Geldpolitik möglich. Aktuell würden die Kriterien dafür noch nicht alle erfüllt. “Daher brauchen wir weiterhin Geduld und Beharrlichkeit in der Steuerung unserer Geldpolitik.”

Der niederländische Notenbankchef Klaas Knot hatte zuvor gefordert, die Anleihenkäufe so rasch wie möglich nach dem bisher geplanten Ende im September einzustellen. Seiner Einschätzung nach gebe es keinerlei Gründe, das Programm fortzusetzen. Mit den auf 2,55 Billionen Euro angelegten Käufen will die EZB die Konjunktur anheizen und für mehr Inflation sorgen. Ein konkretes Enddatum nannte sie bisher nicht. Dies hat unter anderem Bundesbank-Präsident Jens Weidmann gefordert.

Laut Praet wäre eine anziehende Inflation auch eine Folge der seit Jahren extrem lockeren Geldpolitik. Daher sei es nicht ausreichend, wenn neue Konjunkturdaten Erwartungen bestätigten, dass sich allmählich ein Inflationsdruck aufbaue. Es könne dann noch nicht von einer nachhaltigen Veränderung gesprochen werden. Im Dezember waren die Verbraucherpreise in Euroland nur um 1,4 Prozent gestiegen.

Was die neue Woche bringt

In der Eurozone stehen die ersten Inflationsdaten des neuen Jahres im Mittelpunkt der neuen Woche. Wie oft im Januar, der Zeit nach dem Weihnachtsfest, dürften Preisabschwächungen zum Vormonat eine Rolle spielen. Im Jahresvergleich fällt die Entwicklung zwar deutlich weniger negativ aus. Dennoch ist für den Euroraum ein leichtes Absinken der Jahresrate auf 1,3 Prozent wahrscheinlich (Mi.). In Deutschland dürfte die Jahresrate dagegen, trotz schwacher Entwicklung gegenüber dem Vormonat, leicht auf 1,8 Prozent ansteigen (Di.). Die Vorgaben für einen steigenden Preisdruck sind zudem in Deutschland weiter gut. Während die Arbeitslosenrate im Euroraum insgesamt noch nicht auf eine Vollauslastung der Wirtschaft hinweist, signalisiert die gute Arbeitsmarktlage in Deutschland diese doch eindeutig (Mi.). Zu Jahresbeginn dürfte die Arbeitslosigkeit hier zu Lande erneut abgenommen haben und damit die Arbeitslosenquote einen neuen Tiefstand von 5,4 Prozent erreicht haben. Hierzu hat zwar auch die recht milde Witterung zum Jahreswechsel beigetragen, wodurch der saisonale Bremseffekt etwas geringer ausgefallen ist als üblich. Die Voraussetzungen für eine nachhaltige Fortsetzung des positiven Trends am Jobmarkt stehen aber angesichts der hohen Anzahl unbesetzter Stellen gut.

In den USA steht eine nachrichtenreiche Woche an. Dabei ragt die alljährliche Rede zur Lage der Nation des US-Präsidenten vor dem US-Kongress heraus (Nacht von Dienstag auf Mittwoch). Bei dieser Regierungserklärung wird Präsident Trump seine Agenda für das laufende Jahr vorstellen, die ganz unter dem Motto „America First“ eine protektionistischere Handels- und eine verschärfte Immigrationspolitik in den Fokus stellen dürfte.

Auf der Januar-Sitzung der Federal Reserve (Di. und Mi.) sollte keine Änderung der Geldpolitik beschlossen werden. Ebenso wenig ist eine Änderung des Ausblicks (Forward Guidance) zu erwarten. Im Statement der amerikanischen Notenbanker könnte allerdings die jüngste, etwas stärkere Inflationsentwicklung aufgegriffen werden. Mit weiteren Ankündigungen ist nicht zu rechnen, da im Januar keine Konjunktur- und Zinsprojektionen zur Veröffentlichung anstehen und keine Pressekonferenz geplant ist.

Datenseitig liegt der Fokus auf dem offiziellen Arbeitsmarktbericht für Januar (Fr.). Hier sollte der Stellenaufbau mit 175 000 Jobs gemäßigt ausgefallen sein. Zwar ist nach den schwachen Beschäftigungszahlen im Dezember eine spürbare positive Korrekturbewegung zu erwarten. Die schneereiche Witterung könnte jedoch im Januar erneut viele Menschen von
der Arbeit abgehalten haben. Generell sind Prognosen für den offiziellen Arbeitsmarktbericht im Januar mit Vorsicht zu genießen, da in diesem Monat eine Revision ansteht, welche die Datengrundlage stark verändern könnte.

Mit Blick auf die Fed und das Erreichen ihres Inflationsziels gehen die Blicke diese Woche hin zur Veröffentlichung des Preisdeflators der Privaten Konsumausgaben (Mo.). Hier dürfte die Kerninflation (ohne Energie- und Nahrungsmittelpreise) im Dezember um 0,2 Prozent zum Vormonat gestiegen sein, was die Jahresrate auf 1,6 Prozent gehoben haben sollte. Durch die gefallenen Energiepreise wird die Gesamtinflation dennoch etwas schwächer ausgefallen sein, was die Inflationsrate auf 1,7 Prozent fallen lassen dürfte. Für den konjunkturellen Jahresstart bleiben die Perspektiven gut. So sollte der ISM-Frühindikator für Januar lediglich eine leichte Korrektur auf hohem Niveau anzeigen (Do.).

Darüber hinaus kommen diese Woche zahlreiche Unternehmensberichte auf die Anleger zu. Aus dem DAX öffnen Siemens, Infineon (Mi.), Daimler (Do.) und die Deutsche Bank (Fr.) ihre Bücher. Aus dem Ausland legen unter anderem Hennes & Mauritz (H&M) (Mi.) und Royal Dutch Shell (Do.) Ergebnisse vor. An der Wall Street veröffentlichen Microsoft, Facebook (Mi.) sowie Apple und die Google-Mutter Alphabet (Do.) Zahlen.

 

Die wichtigsten Konjunkturdaten der neuen Woche

 MonatPrognoseLetzter
Montag, 29.1.2018
Private Einkommen USA (% zum Vormonat)Dezember0.30.3
Konsumausgaben USA (% zum Vormonat)Dezember0.60.5
PCE-Deflator USA (% zum Vorjahr)Dezember1.71.8
PCE-Deflator Kernrate USA (% zum Vorjahr)Dezember1.61.5
Dienstag, 30.1.2018
Importpreise Deutschland (% zum Vorjahr)Dezember1.31.7
BIP Euroland (% zum Vorquartal)Q40.50.6
ESI Index Euroland (Punkte)Januar116.2116.1
Industrievertrauen Euroland (Punkte)Januar8.89.1
Verbrauchervertrauen Euroland (Punkte)Januar1.31.3
Verbraucherpreise Deutschland (% zum Vorjahr)Januar1.71.8
Conference Board Verbrauchervertr. USA (Punkte)Januar123.1122.1
Mittwoch, 31.1.2018
PMI Verarb. Gewerbe China (Punkte)Januar51.551.6
Einzelhandelsumsätze Deutschland (% zum Vorm.)Dezember2.22.3
Arbeitslosenrate Deutschland (%)Januar5.45.5
Verbraucherpreise Euroland (% zum Vorjahr)Januar1.31.4
Verbraucherpr. Kernrate Euroland (% zum Vorjahr)Januar10.9
Fed Zinsentscheid USA (%)Januar1.51.5
Donnerstag, 1.2.2018
PMI Verarb. Gewerbe Deutschland (Punkte)Januar61.261.2
PMI Verarb. Gewerbe Euroland (Punkte)Januar59.659.6
PMI Verarb. Gewerbe USA (Punkte)Januar55.455.5
ISM Verarb. Gewerbe USA (Punkte)Januar59.259.7
Freitag, 2.2.2018
Beschäftigung USA (Tsd. zum Vormonat)Januar175148
Arbeitslosenrate USA (%)Januar4.14.1
Uni Michigan Konsumentenvertrauen USA (Punkte)Januar95.294.4
Auftragseingang USA (% zum Vormonat)Dezember0.51.3