Der Wechsel von positiven und negativen Nachrichten von geopolitischer Seite hat an den Aktienmärkten zuletzt zu einem Auf und Ab der Notierungen geführt. Zu Beginn der vergangenen Woche wurde die Erholung der europäischen Börsen durch die Einigung zwischen den USA und China auf Maßnahmen zum Abbau des Handelsungleichgewichts unterstützt. Denn damit wurde die Hoffnung genährt, dass ein Handelskrieg abgewendet werden kann. Doch dann sorgten kritische Äußerungen von US-Präsident Donald Trump zu den Handelsgesprächen mit China und die Androhung von massiven Importzöllen auf Automobile für erneute Verunsicherung der Anleger.

Als Belastung der Kurse erwies sich auch, dass das Gipfeltreffen zwischen Trump und Nordkoreas Machthaber Kim in Frage gestellt wurde, nachdem Nordkorea eine härtere Verhandlungslinie signalisiert hatte. Darüber hinaus wirkten die Kündigung des Atomabkommens mit dem Iran und das Zerwürfnis der USA mit den Europäern noch nach.
Der Ölpreis hielt sich auf hohem Niveau. Sorgen bereitet auch der Währungsverfall in den Schwellenländern, die durch den starken Dollar und die steigenden US-Zinsen unter Druck stehen.

Und natürlich blicken die Börsianer alles andere als mit Optimismus auf die schwierige Regierungsbildung in Italien. So gingen die Risiko-Aufschläge italienischer Staatsanleihen spürbar nach oben und belasteten auch den Aktienmarkt. Der Anstieg der impliziten Volatilität des EURO STOXX 50 und des DAX blieb jedoch moderat.

Euro-Abwertung verpufft wegen Italien

Der in diesem Zusammenhang weiter abwertende Euro wirkt zwar tendenziell positiv auf europäische Aktien. Die negativen Einflüsse aus Italien beendeten trotz Euro-Abwertung vorerst aber die jüngste Outperformance der europäischen Aktienindizes gegenüber demAmerikanischen Markt. Auf Ein-Monatssicht liegt der italienische Leitindex FTSE-MIB mit einer Kursentwicklung von rund minus fünf Prozent nun am unteren Ende der großen europäischen Aktienindizes.

Zur relativen Schwäche europäischer Aktien trotz Rückenwind durch den abwertenden Euro dürften auch durchwachsene Konjunkturdaten beigetragen haben. So setzte sich der Rückgang der Einkaufsmanagerindizes (PMI) stärker als erwartet fort. Der Manufacturing-PMI für die Eurozone fiel im Mai weiter von 56,2 auf ein 15-Monats-Tief von 55,5 Punkten. Die Erwartung der Analysten lag bei 56,1 Punkten. Damit setzte sich das stark negative Überraschungsmomentum bei den Konjunkturdaten aus dem Euro-Raum fort.

Ifo-Geschäftsklima stabilisiert sich

Erfreulich war dagegen, dass sich das ifo Geschäftsklima für Deutschland nach zuletzt fünf Rückgängen in Folge stabilisiert hat. Der leicht aufwärts revidierte Vormonatswert von 102,2 Punkten hat sich im Mai bestätigt. Die Stabilisierung ergab sich aus einem leichten Anstieg der Einschätzung der aktuellen Geschäftslage und einer leichten Eintrübung der Konjunkturerwartungen. Nach Sektoren stand einem Anstieg der Stimmung im Handel, im Dienstleistungssektor und im Bau eine leichte Stimmungseintrübung im Verarbeitenden Gewerbe gegenüber. Im besonders konjunktursensitiven Verarbeitenden Gewerbe führte das Institut zusätzlich an, dass sich unter den Exportunternehmen keine Euphorie mehr erkennen lässt. Die stimmungsdämpfenden Faktoren stammen damit wohl vor allem von der Unsicherheit um eine mögliche Eskalation des Handelskonfliktes mit den USA.

Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Rückgänge seit Jahresbeginn auch als Normalisierungsbewegung zu interpretieren waren, nachdem zum Jahreswechsel eine übertriebene Euphorie in den Unternehmen herrschte. Auf seinem aktuellen Stand spräche das Geschäftsklima weiterhin für eine BIP-Wachstumsrate von etwa 0,5 Prozent im zweiten Quartal und damit für eine Fortsetzung des Aufschwungs.

Die Einkaufsmanagerindizes, die im Mai nochmals gesunken sind, sprechen auf ihrem aktuellen Niveau gleichfalls für eine ähnlich solide BIP-Wachstumsrate im zweiten Vierteljahr. Eine Stabilisierung der Stimmung auf weiterhin auskömmlichem Niveau macht daher Mut, dass die Investitionsfreude der Unternehmen in Deutschland erhalten bleibt, was den Aufschwung stützen sollte. Eine weitere Eskalation im Handelsstreit mit den USA
könnte die Stimmung der Unternehmen in Deutschland künftig zwar weiter belasten. Solange dies nicht der Fall ist, besteht aber kein Grund zu Panik in Sachen Konjunktur.

EZB ermahnt Italien

Zwar betonte der Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank (EZB) Peter Praet jüngst die guten wirtschaftlichen Bedingungen in Europa. Dennoch seien auch „Wolken am Himmel“ zu sehen, die das Vertrauen dämpften. Angesichts der hohen Verschuldung sieht Praet in Italien nur begrenzt Spielraum für die Förderung der Binnennachfrage. EZB-Vizepräsident Vitor Constâncio mahnte Italien an, die Regeln zur Fiskalpolitik einzuhalten und zeigte sich besorgt über den Anstieg der italienischen Anleiherendite und das mögliche Ansteckungsrisiko für andere Länder.

In die gleiche Richtung argumentierte Direktoriumsmitglied Benoit Coeuré, der außerdem mit Blick auf einen inzwischen revidierten Vorschlag aus Italien betonte, dass die europäischen Verträge es nicht erlauben, dass die EZB einem Land die Schulden bei der Notenbank erlässt. Dank des weiterhin positiven Wachstums und der Zuversicht, das Inflationsziel zu erreichen, sieht er jedoch keinen Grund für eine Verlängerung der Anleihekäufe.

Das Protokoll der EZB-Mai-Sitzung enthielt keine neuen Informationen. Man gewann allerdings den Eindruck, die Ratsmitglieder seien etwas unwillig, sich überhaupt mit der Möglichkeit des Endes des Aufschwungs zu befassen. Die Zinserwartungen haben sich indes zur Vorwoche, wohl hauptsächlich wegen der Italien-Risiken, leicht nach hinten verschoben.

US-Notenbank Fed: Zinserhöhung im Juni wohl ausgemachte Sache

Das Protokoll der Mai-Sitzung der US-Notenbank Fed hat bestätigt, dass eine nächste Zinsanhebung im Juni folgen sollte. Weiterhin sind die Währungshüter aber gespalten, wie viele Zinsschritte insgesamt für 2018 angemessen sind. Große Sorge vor einem Überschießen der Inflation ist bislang nicht zu erkennen. Vielmehr gaben einige Mitglieder des Offenmarktausschusses (FOMC) an, dass eine zeitlich begrenzte Inflationsrate von mehr als zwei Prozent mit dem symmetrischen Inflationsziel im Einklang stünde.

Philadelphia-Fed Präsident Patrick Harker gab zuletzt an, bei einer weiter anziehenden Inflation insgesamt vier Zinsschritte in 2018 in Erwägung zu ziehen, warnte aber davor, zu deutlich über die neutrale Rate hinauszugehen, um dann wieder zurückrudern zu müssen. Einige FOMC-Mitglieder sind laut Protokoll zudem weiterhin skeptisch, ob die Inflation das anvisierte Niveau halten kann, da der Lohndruck weiterhin nur moderat sei. Auch wurde davor gewarnt, dass der Handelskonflikt mit China zu einer Eintrübung der Unternehmensstimmung führen könnte. Insgesamt sind die Minutes damit eher zahm ausgefallen, die Zinserwartungen sind daher zur Vorwoche leicht rückläufig gewesen. Die meisten Beobachter erwarten dennoch weiterhin insgesamt vier Zinsschritte in diesem Jahr.

Was die neue Woche bringt

In der Eurozone stehen diese Woche die Mai-Inflationsdaten im Mittelpunkt der Woche. Im April war die Inflationsrate in vielen Ländern des Euroraums unerwartet deutlich zurückgegangen. Ein Grund hierfür war sicherlich auch die frühere Lage des Osterfestes in diesem Jahr. Hierdurch fiel der Preisauftrieb bei einigen Komponenten der Kerninflation (bspw. Pauschalreisen) geringer aus als im Vorjahr. Einen deutlicheren Rückgang der Gesamtinflationsrate verhinderten bereits im April ansteigende Energiepreise.

Für Mai steht nun zum einen der Wegfall des Bremseffektes durch das Osterfest an und die Kernrate im Euroraum sollte sich damit wieder normalisieren. Zum anderen werden die weiter gestiegenen Energiepreise dafür sorgen, dass die Gesamtrate noch etwas stärker ansteigt. Insgesamt scheint damit in der Währungsunion eine Inflationsrate von 1,7 Prozent zum Vorjahr realistisch (Do.). Die Kernrate, ohne Nahrungsmittel, Energie, Alkohol und Tabak dürfte auf 1,0 Prozent zum Vorjahr steigen. In Deutschland dürfte gar das Zwei-Prozent-Ziel im Mai wieder erreicht werden (Mi.).

Auf Seiten der umfragebasierten Konjunkturzahlen dürfte der Stimmungsindikator der EU-Kommission im Mai angesichts der Unsicherheit um die künftige italienische Regierung noch einmal nachgegeben haben (Mi.). Die zuletzt schwächeren Konjunkturindikatoren dürften sich noch nicht auf die Arbeitsmarktentwicklung in Deutschland übertragen haben (Mi.). Dagegen sprechen vor allem die zunehmende Knappheit von qualifizierten Arbeitskräften und die anhaltende Investitionstätigkeit von Unternehmen bei ausgelasteten Kapazitäten.

In den USA stehen die wichtigen Mai-Indikatoren zum Arbeitsmarkt zur Veröffentlichung an. Zwar ist für den Beschäftigungsbericht (ADP) mit einer leichten Verringerung des Stellenaufbaus zu rechnen, was aber nach den zuletzt hohen Zahlen als eine Normalisierung zu werten ist (Mi.). Für den Beschäftigungsaufbau außerhalb der Landwirtschaft dürfte im Mai aber erneut eine starke Zahl zu Buche stehen (Fr.). Hierauf lassen die positiven Entwicklungen der Arbeitsmarktkomponenten der Frühindikatoren schließen. Auch waren die Anträge auf Arbeitslosenhilfe zuletzt sehr niedrig. Dies spricht auch dafür, dass der Lohndruck insgesamt weiter angestiegen sein dürfte (Fr.).

Damit stehen die Vorgaben für eine anhaltende Erreichung des Inflationsziels weiter gut. Im April dürfte der Deflator des Privaten Konsums (PCE) entsprechend den Vorgaben der Verbraucherpreise die Zwei-Prozent-Marke gehalten haben (Do.). Zwar könnte die Kernrate ohne Nahrungsmittel und Energie leicht gesunken sein. Dies geht aber auf einen leichten Basiseffekt zurück und sollte nicht auf die Goldwaage gelegt werden. Auch sorgen die steigenden Löhne und die Erwartungen an die Effekte der Steuerreform für einen steigenden Konsum (Do.).

Nach dem insgesamt nur moderaten BIP-Wachstum im ersten Quartal, das in der zweiten Veröffentlichung nochmal geringfügig abwärts revidiert werden könnte, (Mi.) sind damit die Voraussetzungen für eine gute Konjunkturentwicklung im weiteren Jahresverlauf günstig. Dies dürfte auch der ISM Indikator für das Verarbeitende Gewerbe im Mai bestätigen, für den nach einer kurzen Schwächephase ein Anstieg wahrscheinlich ist (Fr.).

 

Die wichtigsten Konjunkturdaten der neuen Woche

 MonatPrognoseLetzter
Montag, 28.5.2018
keine wichtigen Daten
Dienstag, 29.5.2018
Conference Board Verbrauchervertr. USA (Punkte)Mai127.9128.7
Mittwoch, 30.5.2018
Einzelhandelsumsatz Deutschland (% zum Vormon.)April0.5-0.3
Importpreise Deutschland (% zum Vorjahr)April0.6-0.1
Arbeitslosenrate Deutschland (%)Mai5.35.3
ESI Index Euroland (Punkte)Mai112.2112.7
Industrievertrauen Euroland (Punkte)Mai6.77.1
Verbrauchervertrauen Euroland (Punkte)Mai0.20
Verbraucherpreise Deutschland % zum Vorjahr)Mai21.6
BIP USA (% zum Vorquartal, annualis.)Q12.22.3
Donnerstag, 31.5.2018
PMI Verarb. Gewerbe China (Punkte)Mai51.451.4
Arbeitslosenrate Euroland (%)April8.58.5
Verbraucherpreise Euroland (% zum Vorjahr)Mai1.71.2
Verbraucherpr. Kernrate Euroland (% zum Vorjahr)Mai10.7
Private Einkommen USA (% zum Vormonat)April0.10.3
Private Konsumausgaben USA (% zum Vormonat)April0.40.4
Deflator des priv. Konsums USA (% zum Vorjahr)April22
Deflat. des priv. Kons. Kernrate USA (% zum Vorj.)April1.81.9
Freitag, 1.6.2018
PMI Verarb. Gewerbe Deuschland (Punkte)Mai56.856.8
PMI Verarb. Gewerbe Euroland (Punkte)Mai55.555.5
Beschäftigung USA (Tsd. zum Vormonat)Mai200164
Arbeitslosenrate USA (%)Mai3.93.9
ISM-Index Verarb. Gewerbe USA (Punkte)Mai58.157.3