Seit etwa drei Monaten schwankt der DAX zwischen rund 10.000 und 10.750 Punkten. Anleger fragen sich, wann der deutsche Leitindex aus dieser Bandbreite ausbricht und wie die Chancen auf eine Jahresendrallye stehen?

Zunächst die wichtigsten Punkte, die dagegen sprechen:

An den Börsen werden in erster Linie Erwartungen gehandelt. Worauf es also in erster Linie ankommt, sind zukünftige Entwicklungen. Zuletzt haben Ökonomen in Wirtschaftsforschungsinstituten und Banken ihre 2017er-Wachstumsprognosen für die deutsche Wirtschaft aber leicht nach unten revidiert. Das dürfte unter anderem damit zu tun haben, dass noch nicht absehbar ist, welche negativen Auswirkungen der Brexit auf die deutsche Wirtschaft im kommenden Jahr (und darüber hinaus) haben wird. Das bedeutet Unsicherheit und Unsicherheit mögen Börsianer gar nicht.
Ein hohes Maß an Unsicherheit herrscht auch in Bezug auf Inflation und Zinsen. Sollten sich die Opec-Staaten und die wichtigsten anderen Ölproduzenten (allen voran Russland) auf Förderkürzungen einigen, könnte der Ölpreis kräftig steigen und mit ihm die Inflationsraten in den Industrieländern. Dann würden auch die Zinsen wieder nach oben gehen. Das würde unter anderem bedeuten, dass den hiesigen Unternehmen und Verbrauchern weniger Geld für Investitionen bzw. Konsumausgaben bliebe, was die Konjunktur dämpfen würde. Außerdem würden Aktien im Vergleich zu Anleihen und anderen Zinsanlagen unattraktiver.
Eine tendenzielle Belastung für den DAX ist zudem, dass der Index mit der Deutschen Bank und VW zwei „Wundertüten“ enthält, die immer wieder für negative Schlagzeilen sorgen könnten, etwa auf Grund möglicher Strafzahlungen in Milliardenhöhe. Das dürfte weiterhin für Unruhe sorgen, die auf die Stimmung der Investoren und damit den Aktienmarkt insgesamt ausstrahlt.

Doch es gibt auch Argumente, die für eine Jahresendrallye sprechen:

Die deutsche Wirtschaft läuft besser als die in den meisten anderen großen Industrieländern. Zuletzt fielen wichtige Konjunkturindikatoren besser aus als erwartet, beispielsweise das wichtigste deutsche Konjunkturbarometer, der ifo-Geschäftsklimaindex, aber auch der ZEW-Index der Konjunkturerwartungen, die Auftragseingänge, die Industrieproduktion und die Exportzahlen. Die aktuellen Prognosen für 2017 könnten sich also durchaus als zu pessimistisch erweisen.
Zinsanlagen, beispielsweise Bundesanleihen und bonitätsmäßig gute Unternehmensanleihen, werfen nach wie vor extrem niedrige oder sogar negative Renditen ab. Damit stellen sie keine wirkliche Alternative zu Aktien dar, zumal viele DAX-Unternehmen trotz gestiegener Kurse noch immer attraktive Dividendenrenditen bieten.

Mit der jüngsten Abschwächung des Euro haben sich die Chancen für einen Ausbruch des DAX aus der Seitwärtsrange verbessert. Der gegenüber dem Dollar deutlich gesunkene Euro kommt den Ausfuhren der exportorientierten deutschen Wirtschaft zugute und verbessert die Gewinnaussichten vieler Industrieunternehmen spürbar. In den vergangenen drei Monaten hat der Euro gegenüber dem Dollar fast fünf Cents verloren. Gemäß einer Faustregel lässt jeder Cent, den der Euro schwächer wird, die DAX-Gewinne um 0,7 bis 0,8 Prozent steigen. Bleibt der Dollar so stark, wären das immerhin drei bis vier Prozent höhere Gewinne. Außerdem deutet einiges darauf hin, dass der Dollar auf mittlere Sicht weiter aufwertet. Während die US-Notenbank Fed voraussichtlich im Dezember ihren Leitzins anheben wird, ist ein derartiger Schritt bei der EZB weit und breit nicht zu sehen. Das erhöht den Zinsvorsprung von Dollaranlagen und wirkt so tendenziell preistreibend für den Greenback. Und damit auch für die Firmengewinne und die DAX-Kurse.

Die Bewertung spricht ebenfalls für den DAX: Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 12,5 für 2017 notiert er nur knapp über seinem historischen Mittelwert. Im Gegensatz dazu sind US-Aktien mit einem KGV von 17 nahezu 20 Prozent höher bewertet als im langfristigen Durchschnitt.
Fazit: Zwar gibt es keine Garantie für eine Jahresendrallye. Es gibt aber durchaus stichhaltige Argumente dafür, dass der DAX in den kommenden Monaten nach oben ausbrechen könnte.

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