Börsianer scheinen weiterhin mit unruhigen Zeiten zu rechnen. Ungeachtet der jüngsten Kurserholung kommt es an den Aktienmärkten immer wieder zu Rücksetzern. Für Verkäufe bei Technologiewerten sorgten letzte Woche unter anderem negativ aufgenommene operative Geschäftszahlen von Alphabet (Google) und Spekulationen um enttäuschende iPhone-Absatzzahlen von Apple. Belastend wirkten sich auch der schwächer als erwartete Quartalsbericht bzw. Ausblick des US-Maschinenherstellers Caterpillar aus, dem eine Signalwirkung für die Weltkonjunktur zugeschrieben wird. In Europa führten einzelne Enttäuschungen bei Firmenberichten gleichfalls zu teils kräftigen Kursrückgängen.
Unter Druck geriet einmal mehr die Aktie der Deutsche Bank, die ihre neue Strategie vorstellte. Investoren verlieren zunehmend die Geduld mit dem größten deutschen Geldhaus und fordern Details zum künftigen Kurs. Der neue Chef Christian Sewing möchte das Investmentbanking in den USA, zum Teil aber auch das in Asien, zugunsten Europas verkleinern. Der Abschied von den globalen Ambitionen kostet viel Geld: In diesem Jahr steigen die Ausgaben für den Umbau um 300 Millionen Euro auf rund 800 Millionen. Sewing verspricht dennoch, dass die Bank nach drei Verlustjahren in Folge schwarze Zahlen schreiben wird.

Neuer Chef der Deutschen Bank verspricht Trendwende

Nach den miserablen Ergebnissen im ersten Quartal blieb der Bank nach Ansicht von Analysten keine andere Wahl als die Axt anzusetzen. Die Ratingagentur Standard & Poor’s (S&P) hat die Bonitätsnote des Instituts Mitte April auf die Beobachtungsliste für eine Herabstufung gesetzt. In den USA hat der Stellenabbau schon begonnen: 400 Mitarbeitern wurde bereits gekündigt, am Ende könnten dort mehr als 1000 Jobs wegfallen. Das wären rund zehn Prozent der 10.000 Arbeitsplätze der Deutschen Bank in den USA. Weltweit beschäftigt das Geldhaus rund 98.000 Mitarbeiter.

Sewing will unter anderem den Anleihenhandel in den USA deutlich abspecken, sich aber nicht völlig von der Wall Street zurückziehen. Der Vorstand prüft auf globaler Ebene, wie stark man noch im Aktienhandel mitmischen will. Im Zahlungsverkehr und im Devisenhandel will Sewing weiter ganz vorne mitspielen. Das Beratungs- und Finanzierungsgeschäft in Europa will er stärken, wo die Bank ohnehin schon zu den Marktführern gehört. In den USA und Asien wird das Geschäft in den Bereichen reduziert, die kaum grenzüberschreitend tätig sind.

Trotz zuletzt durchwachsener Meldungen ist die Unternehmens-Berichtssaison aber durchaus ordentlich angelaufen, vor allem in den USA. Der Anteil der S&P 500-Unternehmen, die positiv überraschen konnten, liegt über dem langfristigen Durchschnitt. In Europa ist das Bild dagegen eher durchwachsen. Hierbei spielen die Belastungen durch die Aufwertung des Euro im Vorjahrsvergleich eine entscheidende Rolle.

US-Zinsanstieg bereitet Börsianern Sorgen

Neben einzelnen Enttäuschungen bei den Firmen-Quartalsberichten belastete besonders der Zinsanstieg in Amerika. Dort übersprang die Rendite 10-jähriger Staatsanleihen erstmals seit Januar 2014 die vielbeachtete Drei-Prozent-Marke. Parallel dazu gingen auch die Leitzinserwartungen in den USA weiter nach oben. Der Zinsanstieg vollzieht sich vor dem Hintergrund steigender Inflationserwartungen in Zusammenhang mit den anziehenden Rohstoffpreisen. Der Preis für ein Fass Rohöl der Sorte Brent ist vergangene Woche auf 75 Dollar gestiegen, den höchsten Wert seit rund drei Jahren.

Zwar müssen steigende Zinsen nicht unbedingt zu fallenden Aktiennotierungen führen. Sie könnten allerdings insofern zum Problem für die Börsen werden, als auch die Konjunktur an Dynamik zu verlieren scheint. Konkret: Inflationsbedingte Zinssteigerungen in einem Umfeld konjunktureller Verlangsamung wirken tendenziell negativ auf die Aktienbewertungen – und damit auf die Kurse.

Was die Konjunktur in Deutschland betrifft, brachte der ifo-Geschäftsklimaindex letzte Woche erneut negative Signale mit sich. Die aus Aktienmarktsicht besonders wichtigen Geschäftserwartungen für das Verarbeitende Gewerbe fielen weiter von 7,9 auf 3,8 Punkte. Seit November 2017, als der Wert noch bei 22,9 Zählern lag, hat sich schon ein kräftiger Rückgang ergeben.

Zwar sehen die aktuellen Einkaufsmanagerindizes (PMI) für die USA besser aus. Sie verharrten im April auf hohem Niveau bzw. fielen sogar leicht günstiger aus. Aber auch dort gab es mit dem regionalen Richmond-Fed-Index eine Enttäuschung. Dessen Auftragseingangskomponente fiel im April auf minus neun Punkte nach 27 Punkten im Februar.

Gedämpftes US-BIP-Plus im ersten Quartal keine Trendwende

In den vielerorts von Eis und Schnee geprägten Wintermonaten hat die US-Konjunktur an Schwung verloren. Zwischen Januar und März stieg das Bruttoinlandsprodukt (BIP) nur noch mit einer auf das Jahr hochgerechneten Rate von 2,3 Prozent. Volkswirte hatten allerdings mit einem noch stärkeren Rückgang auf 2,0 Prozent gerechnet, nach einem Plus von 2,9 Prozent Ende 2017. Allerdings sehen sie keine Trendwende, sondern gehen davon aus, dass die US-Wirtschaft im ersten Quartal nur eine Wachstumsdelle aufweist.

Als Treiber erwiesen sich zu Jahresbeginn die privaten Investitionen und der Export. Die Verbraucher schoben die Konjunktur mit ihrer etwas gedämpften Kauflust nicht mehr so kräftig an wie zum Jahresende 2017. Der Konsum trug nur 0,7 Prozentpunkte zum BIP-Anstieg bei, nach 2,8 Punkten im Vorquartal. Die Kaufzurückhaltung war nach Meinung von Ökonomen großenteils eine Folge der Schneestürme, die über die dicht bevölkerte US-Ostküste hinweggefegt waren. Auch die private Bautätigkeit habe unter den ausgiebigen Schneefällen gelitten.

Eine anhaltende Eintrübung der konjunkturellen Frühindikatoren auf globaler Ebene und ein gleichzeitig fortgesetzter Zinsanstieg in den USA würden Aktien belasten und Kursrückgänge wahrscheinlich machen. Daher sollte den Frühindikatoren weiter hohe Aufmerksamkeit geschenkt werden. Die meisten Aktienanalysten gehen freilich davon aus, dass es in den nächsten Monaten weltweit nur zu einer geringfügigen Wachstumsverlangsamung kommt und ein Handelskrieg vermieden wird. Die Risiken sind insgesamt aber zweifellos gestiegen.

EZB hält weiter still

Der geldpolitische Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) hat auf seiner Sitzung vergangene Woche keine Änderung der Geldpolitik vorgenommen. Die Leitzinsen blieben unverändert und auch der Ausblick (Forward Guidance), sowohl zum Anleihen-Kaufprogramm als auch zur ersten Zinsanhebung (erst weit nach dem Ende der Anleihenkäufe), wurde beibehalten.

Die EZB bemühte sich, die Konjunktureinschätzung trotz der sich eintrübenden Indikatoren noch insgesamt positiv ausfallen zu lassen. Der Aufschwung bleibe breit angelegt und solide. Zudem sei die Eintrübung der Konjunkturdaten als Normalisierung zu sehen und die Daten hätten sich nach den unerwarteten Rückgängen der letzten Monate bereits wieder auf weiterhin hohen Niveaus stabilisiert.

Allerdings hat sich die Risikoeinschätzung eingetrübt. Als Hauptrisiken für die Konjunktur und die Inflationsbelebung sehen die Währungshüter globale Faktoren, insbesondere den
steigenden Protektionismus. Insgesamt scheint die EZB auf Grund der schwächeren Konjunkturzahlen etwas verunsichert zu sein. So habe der Rat nach Aussagen Mario Draghis auf der Sitzung gar nicht über die Geldpolitik per se diskutiert. Mit Blick auf die Datenlage müssen vielmehr weitere Informationen darüber gesammelt und analysiert werden, ob die Konjunkturabkühlung lediglich vorübergehender Natur sei und wie deren Auswirkung auf die Inflation sein könnte.

Was die neue Woche bringt

In der Eurozone stehen diese Woche die Inflationsdaten für April im Mittelpunkt (Do.). Viel Neues ist aber kaum zu erwarten. Zwar führt der gestiegene Ölpreis tendenziell zu einem Inflationsauftrieb der schwankungsanfälligen Energiekomponente. Die Gesamtrate dürfte dennoch nur minimal steigen, da die Kernrate gleichzeitig durch einen negativen Basiseffekt (deutlicher Anstieg im April des Vorjahres) etwas gebremst werden dürfte. Dieser Effekt resultiert aus der unterschiedlichen Lage des Osterfestes in beiden Jahren, bleibt somit auf April begrenzt und sollte im Folgemonat wieder wegfallen. Dann sollte die Kernrate wieder die Ein-Prozent-Marke erreichen und die Gesamtrate den Sprung über die 1,5-Prozent-Marke schaffen.

Entsprechend sollten die April-Daten nicht überinterpretiert werden, denn sie werden die mittelfristige Einschätzung der EZB nicht ändern. Außerdem stehen die ersten BIP-Wachstumsraten für das erste Quartal an (Mi.). Für den Euroraum insgesamt dürfte ein Wachstum von etwa 0,4 Prozent ausgewiesen werden. Die erste Veröffentlichung der deutschen Quartalswachstumsrate steht erst am 15. Mai an.

In den USA steht eine wahre Informationsflut zur Veröffentlichung an. Politisch gesehen wird der wichtigste Punkt der 1. Mai sein (Di.). Dies ist der Stichtag bis zu dem die US-Zölle auf Aluminium und Stahl gegen die EU ausgesetzt sind. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass diese Zölle trotz Bemühungen von Kanzlerin Angela Merkel in Kraft treten.

Außerdem steht diese Woche die Mai-Sitzung der Fed an, auf der allerdings keine größeren geldpolitischen Änderungen zu erwarten sind (Di./Mi.). Damit wird der Leitzins wohl in einem Band zwischen 1,5% und 1,75% verbleiben. Die aktive Abschmelzung der Fed- Bilanz wird ebenfalls plangemäß fortgeführt werden. Die Notenbanker werden u.a. auf die neuesten Daten zur Preisentwicklung des Privaten Konsums achten. Hier sollten im März die Preise zum Vormonat zwar stagniert haben (Mo.). Durch einen positiven Basiseffekt dürfte die Inflationsrate dennoch den Fed-Zielwert von 2,0 Prozent erreicht, die Kerninflationsrate einen Sprung auf 1,9 Prozent gemacht haben.

Infolge gestiegener Reallöhne in den vergangenen Monaten sollten die privaten Einkommen erneut moderat zugelegt und einen ähnlich starken Konsum ermöglicht haben. Die Sparquote dürfte mit der Erwartung auf Steuersenkungen auf ihrem niedrigen Niveau im März geblieben sein. Beim Arbeitsmarkt dürfte im April Normalität eingekehrt sein (Fr.). Nach dem recht volatilen Stellenaufbau in den letzten Monaten hat es im April wohl einen soliden Beschäftigungsaufbau von 195.000 Stellen gegeben. Dies sollte zusammen mit den Zahlen aus den Vormonaten ausgereicht haben, die Arbeitslosenquote auf 4,0 Prozent zu senken.

Der Ausblick für die US-Wirtschaft fällt für April gemischt aus. Sowohl für das Verarbeitende Gewerbe (Di.) als auch für den Dienstleistungssektor (Do.) erwarten Analysten eine leichte Abwärtskorrektur des ISM-Stimmungsindikators. Beide Indizes bleiben damit auf einem sehr hohen Niveau und sprechen für eine starke Konjunkturdynamik im Frühjahr.

Die wichtigsten Konjunkturdaten der neuen Woche

 MonatPrognoseLetzter
Montag, 30.4.2018
PMI Verarb. Gewerbe China (Punkte)April51.351.5
Einzelhandelsumsatz Deutschland (% zum Vorm.)März0.8-0.5
Verbraucherpreise Deutschland (% zum Vorjahr)April1.51.6
Private Einkommen USA (% zum Vormonat)März0.40.4
Konsumausgaben USA (% zum Vormonat)März0.40.2
PCE-Deflator USA (% zum Vorjahr)März21.8
PCE-Deflator Kernrate USA (% zum Vorjahr)März1.91.6
Dienstag, 1.5.2018
PMI Verarb. Gewerbe USA (Punkte)April56.256.5
ISM Verarb. Gewerbe USA (Punkte)April58.859.3
Mittwoch, 2.5.2018
PMI Caixin Verarb. Gewerbe China (Punkte)April50.951
PMI Verarb. Gewerbe Deutschland (Punkte)April58.158.1
PMI Verarb. Gewerbe Euroland (Punkte)April5656
Arbeitslosenrate Euroland (%)März8.58.5
BIP Euroland (% zum Vorquartal)Q10.40.6
Fed Zinsentscheid (%)April1.751.75
Donnerstag, 3.5.2018
Verbraucherpreise Euroland (% zum Vorjahr)April1.41.32
Verbraucherpreise Kernrate Euroland (% zum Vorj.)April0.91
Handelsbilanz USA (Mrd. US-$)März-55.6-57.6
ISM Dienstleist. USA (Punkte)April58.158.8
Auftragseingang USA (% zum Vormonat)März1.11.2
Freitag, 4.5.2018
PMI Caixin Dienstleist. China (Punkte)April52.352.3
PMI Dienstleist. Deutschland (Punkte)April54.154.1
PMI Dienstleist. Euroland (Punkte)April5555
Beschäftigung USA (Tsd. zum Vormonat)April195103
Arbeitslosenrate USA (%)April44.1