Die Börsen tendierten vergangene Woche schwächer. Das war vor allem eine Folge steigender Umfragewerte für Donald Trump, nachdem das FBI gegen Hillary Clinton Ermittlungen im Rahmen der E-Mail-Affäre aufnahm. Jüngsten Umfragen zufolge könnte es auf ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Trump und seiner für die Demokraten antretenden Rivalin Hillary Clinton hinauslaufen.
Europäische Aktien wurden aber auch belastet durch die kurzfristige Erholung des Euro, der auf Grund der steigenden Trump-Umfragewerte zeitweise auf über 1,11 Dollar aufwertete, nachdem er in der Vorwoche noch unter 1,09 Dollar notiert hatte. Außerdem drückte der neuerliche Rückgang des Ölpreises im Zuge eines Anstiegs der US-Öllagerbestände die Aktienkurse. Darüber hinaus gab es mit dem jüngsten Anstieg der Risikoaufschläge italienischer Anleihen einen weiteren Negativ-Faktor, der zu den überproportionalen Kursrückgängen bei Bankaktien beigetragen haben dürfte.

Positiv wurde von Börsianern dagegen der Beschluss des Londoner High Court aufgenommen, dass für den Austritt Großbritanniens aus der EU nach Artikel 50 des EU-Vertrages ein offizieller Beschluss des britischen Parlaments notwendig sei. Premierministerin May hatte dies bisher abgelehnt. Die Entscheidung beflügelt Hoffnungen, dass mit einer stärkeren Einbindung des Parlaments zumindest ein „hard Brexit“ vermieden werden kann, da die Mehrheit der Abgeordneten als Brexit-Gegner gilt.

Fed bereitet Märkte auf Zinserhöhung im Dezember vor

Relativ gelassen reagierten die Anleger letzte Woche auf die Sitzung der US-Notenbank Fed. Bei seiner November-Sitzung beließ der Offenmarktausschusses (FOMC) der Fed den Leitzins wie erwartet unverändert bei 0,25 bis 0,5 Prozent. Natürlich wiesen die Währungshüter nicht explizit auf einen Zinsschritt im Dezember hin, sie hat mit ihrem Statement aber den Weg für eine Zinsanhebung auf der nächsten FOMC-Sitzung im Dezember geebnet. Die Mehrheit der Notenbank-Experten erwartet, dass Fed-Chefin Janet Yellen den Leitzins nun im Dezember anheben wird. Da das Risiko eines Trump-Sieges bei der Präsidentschaftswahl zuletzt gestiegen ist, ist jedoch auch die Wahrscheinlichkeit einer Verschiebung der Zinsanhebung gestiegen. Dazu würden sich die Fed-Verantwortlichen wohl entschließen, falls ein möglicher Trump-Sieg Finanzmarktturbulenzen nach sich zöge.

Für eine baldige Zinserhöhung sprechen auch die jüngsten US-Arbeitsmarktzahlen. Schließlich ist die Beschäftigung im Oktober um 161.000 Stellen gestiegen. Damit blieb das Plus zwar leicht hinter den Erwartungen zurück; allerdings wurde der Vormonatswert um 35.000 auf nun 191.000 Jobs nach oben revidiert. Der Stellenaufbau kam aus dem Dienstleistungssektor (+142.000), dem Baugewerbe (+11.000) und dem öffentlichen Sektor (+19.000). Dagegen wurden in der Industrie erneut Stellen abgebaut.

Parallel dazu sank die Arbeitslosenquote von 5,0 im September auf ihren August-Stand von 4,9 Prozent. Hierfür war aber vor allem ein Rückgang der Arbeitsmarktbeteiligung ausschlaggebend. So fiel die Partizipationsquote um 0,1 Prozentpunkte und erreichte damit ebenfalls ihren August-Stand. Positiv zu werten ist die anziehende Lohndynamik: Die durchschnittlichen Stundenlöhne in der Privatwirtschaft stiegen zum Vormonat um 0,4 Prozent, wodurch sich die Jahresrate im Oktober auf 2,8 erhöhte, den höchsten Stand seit Juni 2009.

Einen Zinsschritt der Fed im Dezember dürften die Aktienmärkte gut verkraften, wenn die globalen Konjunkturindikatoren sich bis dahin weiter so günstig entwickeln wie zuletzt. Ungeachtet der schwachen Kursentwicklung der vergangenen Woche kam von ihnen Rückenwind für Aktien. Die Einkaufsmanagerindizes für das Verarbeitende Gewerbe stiegen in den großen Wirtschaftsregionen USA, Eurozone, China und Japan weiter an und signalisieren eine zunehmende Konjunkturdynamik. Der JP Morgan Global Manufacturing Index als globaler Frühindikator für die Industrie stieg im Oktober von 51,0 auf 52,0 Punkte und markierte damit ein Zwei-Jahres-Hoch.

Trump-Sieg würde Aktienkurse fallen lassen

In dieser Woche sind eindeutig die Präsidentschafts- und Kongresswahlen in den USA das wichtigste Thema an den Finanzmärkten. Kurzfristig wäre bei einem Wahlsieg Trumps mit erhöhter Risikoaversion und demzufolge schwächeren Aktienmärkten zu rechnen. Auf längere Sicht käme es dann darauf an, was aus dem konfusen Programm Trumps umgesetzt würde und wie seine Amtsführung konkret aussähe. Den aus Aktienmarktsicht positiven Wirkungen einer von Trump versprochenen Senkung der Steuersätze und eines Abbaus von Regulierungsvorschriften stünden wohl erhebliche negative Konjunktureffekte gegenüber.

Besondere Bedeutung käme sicherlich der protektionistisch orientierten und für die Konjunktur schädlichen Handelspolitik zu. Die Angst vor Rückschritten im weltweiten Freihandel und das Risiko eines Handelskriegs mit wichtigen Wirtschaftspartnern wie Mexiko und China würden wahrscheinlich zu steigenden Risikoprämien und damit sinkenden Aktienbewertungen führen. Hierzu beitragen dürfte auch eine wachsende geopolitische Unsicherheit. Zudem könnte sich längerfristig eine stärkere Straffung der Geldpolitik unter einem von Trump eingesetzten neuen Fed-Präsidenten negativ auf die Aktienmärkte auswirken.

Aktienmärkte in anderen Regionen der Welt könnten sich der Entwicklung kaum entziehen. Konjunkturempfindliche Aktienindizes wie der DAX und der Nikkei 225 dürften in dem gerade beschriebenen Szenario sogar stärker negativ betroffen sein als der amerikanische Aktienmarkt selbst, zumal der Dollar bei einem Trump-Sieg gegenüber dem Euro und dem Yen abwerten dürfte – was den DAX und den Nikkei 225 zusätzlich belasten würde.

Öl- und Rüstungsaktien würden von Trump-Sieg profitieren

Auf Branchenebene würden sich freilich Gewinner und Verlierer ergeben. Beispielsweise wäre der von Trump angestrebte Abbau von Umweltauflagen zunächst positiv für die Öl- und Rohstoffindustrie. Gleichzeitig würde die Rüstungsindustrie von der geplanten Erhöhung der Militärausgaben profitieren sowie die Pharmabranche von stärker deregulierten Rahmenbedingungen unter Trump im Vergleich zu Clinton. Demgegenüber stünden Branchen, die intensiven Außenhandel treiben, auf der Verliererseite.

Die historische Analyse zeigt, dass der US-Aktienmarkt in der Vergangenheit bei Macht-wechseln von einem demokratischen Amtsinhaber zu einem Republikaner im Durchschnitt in den Folgemonaten schwächer tendierte. Wurde dagegen ein Demokrat im Amt als US-Präsident bestätigt oder von einem anderen Demokraten abgelöst, reagierte der Aktienmarkt im Schnitt in den darauffolgenden Monaten positiv. Bei Betrachtung der gesamten Amtszeiten weisen demokratische Präsidenten insgesamt ebenfalls eine bessere Aktienmarkt-Performance auf. Solche Statistiken sind jedoch mit Vorsicht zu genießen. Beispielsweise entwickelten sich die Aktienkurse nach der Wahl von George W. Bush im November 2000 im Zuge des Platzens der New-Economy-Blase und später der Terroranschläge des 11. September besonders negativ, was auch den Durchschnitt nach unten drückt.

Bei einem Wahlsieg Clintons gehen die meisten Analysten davon aus, dass es zu einer Erleichterungsrally kommt. Damit ist aber nicht in jedem Fall zu rechnen. Problematisch wäre zweifellos ein sehr knappes Ergebnis, das von Trump angezweifelt würde und zu einer Phase der Unsicherheit führte. Ein Sieg Clintons und ein gleichzeitig hoher Sieg der Demokraten bei den Kongresswahlen (Repräsentantenhaus und ein Drittel des Senats) würde wohl gleichfalls negativ eingeschätzt, da bei einer demokratischen Kongressmehrheit eine weniger wirtschaftsfreundliche Politik zu erwarten wäre. Dass es dazu kommt, ist allerdings gemäß den aktuellen Umfragen sehr unwahrscheinlich. Da bei einem Clinton-Sieg der Dollar wieder aufwärts tendieren dürfte, würden die europäischen Aktienmärkte in diesem Fall generell relativ zum US-Aktienmarkt wohl freundlicher reagieren.

Was die neue Woche bringt

Neben dem dominierenden Thema US-Wahlen stehen diese Woche wieder zahlreiche Firmenbilanzen auf der Agenda. Viel Beachtung werden die Geschäftsjahreszahlen von Siemens am Donnerstag finden. Anleger wollen wissen, ob Firmenchef Joe Kaeser dank Zukäufen zum ersten Mal seit zehn Jahren wieder die Umsatzmarke von 80 Milliarden Euro knacken konnte. Am Donnerstag legen auch die Deutsche Telekom, Continental, RTL Group und Bilfinger ihre Ergebnisse vor. Bereits am Dienstag lassen sich unter anderem Henkel und die Deutsche Post in die Bücher schauen, am Mittwoch E.ON und Münchener Rück.

Auf der Konjunkturseite richten sich die Blicke am Dienstag auf die chinesischen Außenhandelsdaten für Oktober. Aktienmärkte rund um den Globus hatten Verluste verzeichnet, weil die Exporte des Landes im September unerwartet stark eingebrochen waren. Nun warten Anleger auf Signale, ob die von der Regierung geschürten Hoffnungen auf mehr Wachstum der nach den USA zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt einen Dämpfer erhalten. Am Mittwoch stehen aus dem Reich der Mitte zudem Verbraucherpreise an. In den USA werden Daten der Universität Michigan zur Verbraucherstimmung im November erwartet. Im Oktober hatte sich die Kauflaune der US-Konsumenten überraschend eingetrübt und war auf den niedrigsten Wert seit September 2015 gefallen.

 

Die wichtigsten Konjunkturdaten der neuen Woche

 MonatPrognoseLetzter
Montag, 7.11.2016
Auftragseingang Deutschland (% zum Vormonat)September0.21
Sentix Investorenvertrauen Euroland (Punkte)November8.98.5
Einzelhandelsumsatz Euroland (% zum Vormonat)September-0.5-0.1
Dienstag, 8.11.2016
Exporte China (% zum Vorjahr)Oktober-6-10
Importe China (% zum Vorjahr)Oktober-1.1-1.9
Industrieproduktion Deutschland (% zum Vormon.)September-0.22.5
Exporte Deutschland (% zum Vormonat)September-0.55.4
Importe Deutschland (% zum Vormonat)September-0.73
Mittwoch, 9.11.2016
Verbraucherpreise China (% zum Vorjahr)Oktober2.11.9
Donnerstag, 10.11.2016
Auftragseing. Maschinenbau Japan (% zum Vorm.)September-1.8-2.2
Freitag, 11.11.2016
Keine wichtigen Daten