Positive Konjunkturdaten, gute Neuigkeiten aus den Euro-Peripheriestaaten und ein schwacher Euro ließen Europas Aktienmärkte vergangene Woche mit Aufwärtsschwung starten. Als dann der Ölpreis (Sorte Brent) unter die 50-Dollar-Marke rutschte, einige Unternehmens-Quartalsberichte schlechter ausfielen als erwartet sowie die Anleihezinsen anzogen, bröckelten die Kurse wieder ab.

Zu Wochenbeginn hatte die Ratingagentur DBRS Portugals Rating bestätigt und den Ausblick auf stabil belassen, was zunächst zu einer weiteren Erholung portugiesischer Staatsanleihen und sinkenden Risiko-Aufschlägen führte. Gleichzeitig sorgte in Spanien die Sozialistische Arbeiterpartei (PSOE) für Erleichterung, weil sie eine Minderheitsregierung von Mariano Rajoys konservativer Partei (PP) dulden will. Damit wurde nach langem Ringen endlich der Weg für eine Regierungsbildung in Madrid frei. Daraufhin konnten vor allem spanische Aktien, insbesondere Bankwerte, deutlich zulegen. Der Rückgang der Peripherie-Bond-Renditen erwies sich im Wochenverlauf allerdings nicht als nachhaltig und diese drehten – parallel zu einem allgemeinen Zinsanstieg – wieder nach oben.

Gute Konjunkturzahlen stützen die Märkte

Unterstützung erhielten die Aktienmärkte erneut von den Konjunktur-Frühindikatoren. So erholte sich der ifo- Geschäftsklimaindex weiter und bestätigte damit den kräftigen Anstieg des Vormonats. Dabei stieg die Komponente für die Geschäftserwartungen von 104,5 auf 106,1 Punkte, nachdem sie im August noch bei 100,1 Zählern gelegen hatte. Rückenwind kam auch von Seiten der Einkaufsmanagerindizes (PMI): Der Manufacturing-PMI für die Eurozone hellte sich, getrieben von starken Daten aus Deutschland, weiter von 52,6 auf 53,3 Punkte auf – und erreichte damit ein 30-Monats-Hoch. In den USA verbesserte sich der Manufacturing-PMI im Oktober von 51,5 auf 53,2 Punkte, in Japan von 50,4 auf 51,7. Nach oben weisende konjunkturelle Frühindikatoren sind häufig mit sinkenden Risikoprämien für Aktien und dementsprechend steigenden Aktiennotierungen verbunden.
Aber nicht nur die Frühindikatoren konnten letzte Woche überzeugen. Die Daten für das US-Bruttoinlandsprodukt (BIP) für das dritte Vierteljahr kamen bei den Börsianern ebenfalls gut an. Es stieg gegenüber dem Vorquartal um annualisiert 2,9 Prozent und lag damit um 1,5 Prozent über Vorjahr, nach 1,3 Prozent im Quartal davor. Allerdings entwickelten sich die einzelnen Komponenten des BIP sehr unterschiedlich. Auffallend ist der Rückgang der Wachstumsrate des Privaten Konsums, die nur noch 2,1 Prozent betrug, also nur noch rund halb so hoch war wie im Vorquartal (4,3 Prozent).
Demgegenüber stiegen die privaten Investitionen im Sommer erstmals seit einem Jahr wieder an. Dabei stach besonders das Plus von 5,4 Prozent im Gewerbebau hervor. Die Unternehmen bauten zudem ihre Lagerbestände auf und machten zumindest einen Teil ihres Rückgangs im Vorquartal wieder wett. Der Wohnungsbau und die Ausrüstungsinvestitionen waren weiterhin rückläufig, bremsten jedoch das Wachstum nicht mehr so stark wie im Vierteljahr davor. Erfreuliche Nachrichten kamen zudem von den Exporten, die um annualisiert zehn Prozent zum Vorquartal stiegen.

Konjunktursensible Aktien profitieren

Die positiv überraschenden Konjunkturzahlen haben in jüngerer Zeit auch die Entwicklung der einzelnen Branchenindizes geprägt. Auf europäischer Ebene haben stark konjunkturzyklische Sektoren wie Rohstoff-, Automobil- und Bauwerte überdurchschnittlich profitiert, neben den gleichfalls von der Konjunktur abhängigen Finanzwerten. Dagegen fielen defensive Bereiche wie Utilities, Healthcare sowie Food & Beverage zuletzt durch relative Schwäche auf. Offen ist, wie lange der Rückenwind von der Konjunkturseite für die Aktienmärkte im Allgemeinen und die zyklischen Branchen im Speziellen anhält. So sind im kommenden Jahr im Zuge der konkreten Umsetzung des Brexit negative Einflüsse auf das Wirtschaftswachstum in Europa wahrscheinlich.

Keinen Gegenwind dürften die Märkte aber noch für längere Zeit von der Geldpolitik in der Eurozone erhalten. Zwar ist die Inflationsrate in Deutschland im Oktober wie erwartet von 0,7 auf 0,8 gestiegen, was an den Energiepreisen lag, die die Inflation auch in den kommenden
Monaten anschieben werden. Das gilt ebenso für den Euroraum, wo die Teuerungsrate im Frühjahr 2017 etwa 1,2 Prozent erreichen dürfte (derzeit 0,4 Prozent). Doch sollte die Kerninflation – die Energie- und Nahrungsmittelpreise ausklammert – bei knapp 1,0 Prozent verharren. Dies dürfte für die Europäische Zentralbank (EZB) einer der Gründe sein, ihre Geldpolitik im Dezember sogar noch weiter zu lockern.

Fed-Zinserhöhung im Dezember oder März?

Während die EZB Ende des Jahres das Gaspedal voraussichtlich also noch stärker durchtreten wird, rechnen Notenbank-Beobachter damit, dass die US-Notenbank Fed behutsam auf die Bremse treten wird. In diesem Zusammenhang steht mit der US-Präsidentschaftswahl am 8. November eine wichtige politische Richtungsentscheidung an. In den jüngsten Umfragen der Nachrichtenagentur Bloomberg liegt Hillary Clinton mit rund 49 zu 44 Prozent der Stimmen vor ihrem Gegenspieler Donald Trump.

Je nach Ausgang der Wahl und daraus folgenden Reaktionen am Kapitalmarkt dürften die Fed-Chefs entweder bereits im Dezember die Zinszügel straffen oder noch bis März warten. Die wenig dynamische Entwicklung der Kerninflation gibt dem geldpolitischen Gremium der Fed zusätzlichen Entscheidungsspielraum, sodass auch bei einem Sieg Clintons und daraufhin ausbleibenden Turbulenzen an den Finanzmärkten die Fed weiter zögern könnte. Dies gilt umso mehr, als der geldpolitische Rat der Fed derzeit gespalten ist. Die Gegner einer raschen Erhöhung der Leitzinsen warnen vor einem möglichen Rezessionsrisiko als Folge einer Zinsanhebung. Sie verweisen auf Fälle in der Vergangenheit, bei denen die Arbeitslosigkeit, wie momentan, nahe oder unterhalb ihres langfristigen Niveaus lag. Eine geldpolitische Straffung zog in einem solchen Umfeld teilweise einen deutlichen Anstieg der Arbeitslosigkeit nach sich.

Eines dürfte aber klar sein: Wann auch immer die Entscheidung zur Leitzinsanhebung getroffen wird, dieser Zinsanhebungszyklus wird im Vergleich zu seinen Vorgängern äußerst behutsam ausfallen. Nach Ansicht der Experten fährt die Fed weiterhin auf Sicht und macht weitere Zinsentscheidungen datenabhängig. Diese Meinung wird auch durch die Entwicklung der US-Renditen widergespiegelt. In den vergangenen Monaten ist die US-Renditekurve zusehends flacher geworden und die Rendite zehnjähriger Anleihen sollten im Verlauf des kommenden Jahres nur langsam steigen. Ende 2017 sehen Ökonomen sie bei rund zwei Prozent.

Was die neue Woche bringt

Am Mittwoch richten sich die Blicke der Marktteilnehmer auf die Fed, die eine Woche vor der US-Präsidentschaftswahl über die Angemessenheit der Geldpolitik entscheiden wird. Mit einer Leitzinsänderung ist bei der Verkündung der FOMC-Entscheidung kaum zu rechnen, da es weder eine Pressekonferenz noch neue Projektionen zur weiteren Konjunktur- und Inflationsentwicklung geben wird. Auch die jüngsten Andeutungen der US-Währungshüter haben mit dazu beigetragen, dass die anhand der Fed Funds Futures ermittelte Wahrscheinlichkeit für eine Zinsänderung im November aus Marktsicht nur wenig verändert bei 17 Prozent liegt. Noch geringer ist die Erwartung der von Bloomberg befragten Analysten, von denen keiner eine Zinsanhebung prognostiziert.

Starke Beachtung dürften in der neuen Woche erneut die zur Veröffentlichung anstehenden Konjunkturdaten finden. Auf der Agenda stehen die Arbeitslosenzahlen aus Deutschland (Mi.), dem Euro-Raum (Do.) und den USA (Fr.). Mit der Industrieproduktion aus Japan, den deutschen Einzelhandelsumsätzen und den Privaten Einkommen und Konsumausgaben aus den USA (Mo.) werden harte Konjunkturzahlen bekanntgegeben. Außerdem kommen diese Woche eine Reihe von Konjunktur-Frühindikatoren, etwa die endgültigen Markit-Einkaufsmanagerindizes aus dem Euro-Raum und den USA, der ISM-Index für das Verarbeitende Gewerbe (Di.) und den Dienstleistungssektor (Do.) aus den USA sowie der Einkaufsmanagerindex für das Verarbeitende Gewerbe (Di.) und den Dienstleistungssektor (Do.) aus China.

Doch auch die Unternehmens-Berichtssaison schreitet weiter voran. Wie in der Vorwoche legen zahlreiche DAX-Konzerne ihre Quartalszahlen vor. So öffnen Lufthansa (Mi.), adidas, Beiersdorf, ProSiebenSat.1 Media und Vonovia (Do.) sowie BMW und die Commerzbank (Fr.) ihre Bücher. Die Ergebnisse der europäischen Berichtssaison sind bislang als durchwachsen zu bezeichnen, ohne dass sich ein klarer Trend ableiten lässt.

 

Die wichtigsten Konjunkturdaten der neuen Woche

 MonatPrognoseLetzter
Montag, 31.10.2016
Industrieproduktion Japan (% zum Vormonat)September0.91.3
Einzelhandelsumsatz Deutschland (% zum Vorm.)September0.2-0.3
BIP Euroland (% zum Vorquartal)Q30.30.3
Private Einkommen USA (% zum Vormonat)September0.40.2
Konsumausgaben USA (% zum Vormonat)September0.40
Dienstag, 1.11.2016
PMI Verarb. Gewerbe China (Punkte)Oktober50.450.4
Zinsentscheid Bank of Japan (%)November-0.1-0.1
ISM-Index Verarb. Gewerbe USA (Punkte)Oktober51.551.5
Mittwoch, 2.11.2016
Arbeitslosenrate Deutschland (%)Oktober6.16.1
PMI Verarb. Gewerbe Deutschland (Punkte)Oktober55.155.1
PMI Verarb. Gewerbe Euroland (Punkte)Oktober53.353.3
Zinsentscheid Fed USA (%)November0.50.5
Donnerstag, 3.11.2016
Arbeitslosenrate Euroland (%)Oktober10.110.1
Zinsentscheid Bank of England (%)November0.250.25
ISM-Index Dienstleistungen USA (Punkte)Oktober5657.1
Freitag, 4.11.2016
PMI Dienstleistungen Deutschland (Punkte)Oktober54.154.1
PMI Dienstleistungen Euroland (Punkte)Oktober53.553.5
Beschäftigung USA (Tsd. zumVormonat)Oktober173156
Arbeitslosenrate USA (%)Oktober4.95
Handelsbilanzsaldo USA (Mrd. $)September-41-40.7