An den Aktienmärkten hielt der positive Trend bis Mitte vergangener Woche an, dann bröckelten die Kursgewinne wieder ab. Der amerikanische S&P 500 erzielte am Mittwoch erneut ein Rekordhoch von 2.564 Punkten, während der DAX weiter um die 13.000-Punkte-Marke schwankte. Nur Intraday konnte er sich am Mittwoch mit 13.095 Punkten kurzzeitig nach oben absetzen. Spaniens Leitindex hinkte den übrigen Börsen hinterher, da die Katalonien-Krise weiter belastete. Wegen der katalanischen Unabhängigkeitsbestrebungen droht der Region die Zwangsverwaltung durch die Zentralregierung in Madrid.

Europäische Aktien wurden außerdem durch einige Unternehmens-Quartalsberichte belastet. So hob das DAX-Schwergewicht SAP die Umsatzprognose für 2017 zwar leicht an und konnte die Erwartungen beim Ergebnis je Aktie im dritten Vierteljahr trotz enttäuschender operativer Zahlen leicht übertreffen. Das hinter den Erwartungen zurückgebliebene Cloud-Geschäft enttäuschte die Investoren aber. Zudem hinterließ die Aufwertung des Euro negative Spuren im Zahlenwerk des Software-Konzerns. Die Aktie notierte daher zwischenzeitlich deutlich schwächer, konnte dann allerdings wieder aufholen. Auf gesamteuropäischer Ebene (EURO STOXX 50) musste die Unilever-Aktie nach ebenfalls enttäuschend aufgenommenen Quartalszahlen kräftige Verluste hinnehmen.

US-Unternehmens-Berichtssaison verläuft positiv

Es gab jedoch auch erfreuliche Effekte von Firmenberichten. In den USA überraschte IBM positiv, was der Aktie Auftrieb gab und den Dow Jones Index auf ein neuerliches Rekordhoch hievte. Insgesamt verlief die US-Berichtssaison bislang positiv; 85 Prozent der bislang von S&P-500-Unternehmen vorgelegten Quartalsgewinne konnten die Erwartungen übertreffen, was über dem langfristigen Durchschnitt liegt. Freilich waren die Ergebnisprognosen in den Wochen zuvor nach unten revidiert worden. Der für die Gewinndynamik aussagekräftigere Trend der Gewinnrevisionen war beim S&P 500 für 2017 zuletzt seitwärts gerichtet.
In die USA blicken Anleger aber nicht nur wegen der laufenden Unternehmens-Quartalssaison mit besonderer Aufmerksamkeit, sondern auch wegen möglicher Signale von Seiten der US-Notenbank Fed, wie es geldpolitisch in der größten Volkswirtschaft der Welt demnächst weitergeht. Insgesamt zeichneten Fed-Vertreter letzte Woche ein positives Bild der US-Konjunktur. So äußerte sich New York-Fed Präsident William Dudley, der von Notenbank-Beobachtern zu den „Tauben“ gezählt wird, positiv zur Wirtschaftsentwicklung und auch das Beige Book der Fed wies auf eine solide konjunkturelle Dynamik hin. Entscheidend war hier vor allem die Entwicklung in den nicht von den Wirbelstürmen betroffenen Regionen. Doch selbst in den betroffenen Regionen fielen die Einschätzungen insgesamt positiv aus. Langfristige negative Folgen der Stürme werden nicht erwartet.

Entscheidung über künftigen Fed-Chef steht bevor

Derweil kristallisieren sich im Rennen um den künftigen Chefposten bei der US-Notenbank Fed mit Jerome Powell und Kevin Warsh zwei heiße Favoriten heraus. Dabei hat Fed-Direktor Powell der Zeitung “Politico” zufolge die Nase vorn. Doch auch das ehemalige Notenbank-Führungsmitglied Warsh gilt als aussichtsreicher Bewerber. US-Präsident Donald Trump will bald entscheiden, auf wen seine Wahl für das wichtige Amt an den geldpolitischen Schalthebeln fällt. Doch hat er sich offenbar noch nicht festgelegt, wie die Nachrichtenagentur Reuters von einer mit dem Vorgang vertrauten Person erfuhr. Als wahrscheinlich gilt, dass sich Trump äußert, bevor er am 3. November zu einer Asien-Reise aufbricht.
Mit dem 64-jährigen Powell würde ein Währungshüter an die Spitze der mächtigsten Notenbank der Welt rücken, der bereits seit Jahren in deren Führungsetage sitzt. Als Fed-Chef dürfte er die von Janet Yellen begonnene Politik der schrittweisen Normalisierung der Geldpolitik fortsetzen. Der frühere Fed-Direktor Warsh gilt als Anhänger eines strafferen geldpolitischen Kurses. Er hatte sich wegen Differenzen über die von der Notenbank im Kampf gegen die Folgen der globalen Finanzkrise eingeleitete Geldschwemme 2011 aus dem Fed-Führungsgremium zurückgezogen.
Trump hatte zuletzt gesagt, alle fünf Kandidaten seien für den Chefposten geeignet. Darunter befinden sich auch sein Wirtschaftsberater Gary Cohn und der Ökonomie-Professor John Taylor. Alle habe bereits im Weißen Haus vorgesprochen. Als letzte Kandidatin hatte er Yellen empfangen, deren Amtszeit Anfang Februar 2018 abläuft. Eine zweite vierjährige Amtszeit Yellens gilt als eher unwahrscheinlich. Trump hatte sie im Wahlkampf hart angegriffen, bevor er ihre Arbeit später in milderem Licht darstellte.
Experten haben in den vergangenen Tagen Powell als wahrscheinlichsten Kandidaten bezeichnet. Der Jurist und frühere Investmentbanker hat im Führungsgremium der Fed als einziger Vertreter ein republikanisches Parteibuch. Da Powell wohl eher eine Linie wie Yellen fahren würde – die von den Demokraten mitgetragen wurde – gilt er als idealer Kompromisskandidat, der in beiden politischen Lagern auf Akzeptanz stoßen könnte.

EZB mit Zweckoptimismus in Sachen Inflation

Was den weiteren geldpolitischen Kurs der Europäischen Zentralbank (EZB) betrifft, hielten sich die EZB-Ratsmitglieder zuletzt mit konkreten Äußerungen zurück. Präsident Mario Draghi und Vizepräsident Vitor Constancio betonten zwar, dass die Volatilität des Euro-Außenwerts anhaltende Unsicherheiten für die Inflationsentwicklung berge. Dennoch zeigten sie sich optimistisch, dass die Teuerungsrate auf mittlere Sicht ihren Zielwert erreichen werde.
Gleichzeitig betonte Draghi, dass die niedrigen Zinsen gute Rahmenbedingungen für Strukturreformen in den Ländern schaffen und seiner Ansicht nach nicht zu einem sinkenden Reformeifer führten. Nach Berechnungen Constancios haben die EZB-Maßnahmen aktuell die Rendite auf zehnjährige Staatsanleihen im Durchschnitt der Eurozone um 154 Basispunkte gesenkt.
Ein Stolperstein für die Fortsetzung der Wertpapierkäufe ist zumindest kurzfristig für die EZB weggefallen. Das Bundesverfassungsgericht hat Eilanträge abgewiesen, mit denen die deutsche Beteiligung an den Käufen gestoppt werden sollte. Damit ist das juristische Urteil über die Verfassungsmäßigkeit des Kaufprogramms aber keineswegs endgültig gesprochen, sondern nur vertagt. Das Hauptverfahren läuft nämlich aktuell noch vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH); mit einer Entscheidung wird erst 2018 gerechnet. Zu diesem Zeitpunkt dürfte die EZB ihre Käufe bereits deutlich heruntergefahren haben.

Profianleger optimistisch für die Konjunktur

Die trotz verschiedener Belastungsfaktoren jüngst erzielten Rekordstände führender Aktienindizes werfen die Frage auf, ob die Anleger übertrieben optimistisch und damit zu sorglos sind. Schließlich wäre ausgeprägter Optimismus oder gar Euphorie für die Aussichten am Aktienmarkt negativ, da eine schon offensive Positionierung der Investoren die Anfälligkeit für Kurskorrekturen erhöht und das Aufwärtspotenzial begrenzt. Die zuletzt sehr niedrige Schwankungsbreite der Aktienkurse drückt nicht unbedingt eine zu hohe Sorglosigkeit der Anleger aus. Sie ist aktuell durchaus fundamental begründet, insbesondere durch die geringe Volatilität volkswirtschaftlicher Daten.
Interessante Hinweise auf Stimmung und Positionierung mittelfristig orientierter professioneller Investoren bietet die monatliche internationale Fondsmanagerumfrage von Bank of America Merrill Lynch. Die jüngste Umfrage, die in der zweiten Oktoberwoche durchgeführt wurde, zeigt einen gegenüber dem September wieder spürbar gewachsenen Risikoappetit. Die Erwartungen der Investoren für die Weltkonjunktur hellten sich deutlich auf. 41 Prozent der Fondsmanager (Saldo aus positiven und negativen Antworten) gehen jetzt von einer besseren Entwicklung der Weltwirtschaft in den kommenden zwölf Monaten aus, nach 25 Prozent im Vormonat.

Vor diesem Hintergrund haben die Fondsmanager die Gewichtung von Aktien spürbar erhöht, nachdem sie diese in den Vormonaten nach und nach leicht abgebaut hatten. Der Nettoanteil der Fondsmanager, die in Aktien relativ zu ihrer Benchmark übergewichtet sind, stieg von 34 Prozent auf ein Sechs-Monats-Hoch von nun 45 Prozent. Damit sind die Profianleger im historischen Vergleich wieder überdurchschnittlich stark in Aktien investiert, wenn auch noch nicht so stark wie zum Beispiel im Frühjahr 2015, als 58 Prozent der Befragten in Aktien übergewichtet waren (Durchschnittswert seit Anfang 2010: 33 Prozent).
Gleichzeitig liegt die durchschnittliche Liquiditätsquote in den Portfolios mit 4,7 Prozent weiterhin auf vergleichsweise hohem Niveau. Liquidität für weitere Aktienkäufe stände den Fondsmanagern grundsätzlich also nach wie vor zur Verfügung. Vermutlich ist die gegenüber früheren Jahren noch überdurchschnittlich hohe Quote auch auf die extrem niedrigen Zinsen zurückzuführen. Insgesamt ist die Positionierung der Fondsmanager durchaus offensiv, trotz der noch durchschnittlich hohen Liquidität. Dies muss angesichts solider fundamentaler Rahmenbedingungen zwar nicht als Übermut angesehen werden. Eine Eintrübung der zuletzt positiven Konjunkturdaten oder eine Verschärfung geopolitischer Risiken (Nordkorea, Iran) könnte aber Enttäuschungen bzw. Gewinnmitnahmen bewirken und könnte die Aktienmärkte spürbar belasten.

Was die neue Woche bringt

In der Eurozone richten sich die Augen der Börsianer auf die Oktober-Sitzung des EZB-Rats (Do.). Analysten gehen von einer Verlängerung des Wertpapier-Kaufprogramms bis September 2018 aus, bei einem geringeren Ankaufvolumen von monatlich 30 Mrd. Euro. Der Ausblick der Währungshüter dürfte unverändert bleiben, so dass das Programm, sofern nötig, sowohl in Länge als auch im Volumen ausgeweitet werden kann und eine Zinsanhebung erst mit deutlicher zeitlicher Verzögerung nach dem Ende des Programms in Aussicht gestellt wird.

In Euroland stehen zudem wichtige Stimmungsindikatoren für Oktober auf dem Zettel. Die Einkaufsmanagerindizes (PMI) sollten sich im Oktober erneut stark zeigen (Di.). Allerdings bedeuten die hohen Anstiege aus dem Vormonat auch ein Niveau, das es erst einmal zu halten gilt. Wahrscheinlich ist daher ein leichter Rückgang der PMIs im Euroraum, der aber nicht überbewertet werden sollte. Beim ifo-Geschäftsklima dürften die anhaltend guten außenwirtschaftlichen Rahmenbedingungen trotz des zuletzt festeren Euros für Unterstützung sorgen (Mi.). Entsprechend sollte die Stimmung der Unternehmen im Oktober wieder etwas besser ausgefallen sein. Für Stabilität sorgt dabei als wichtigste Stütze der Konjunktur auch der Konsum in Deutschland. Das GfK-Konsumklima für November dürfte erneut bestätigen, dass diese Stütze weiter tragen wird (Do.).

In den USA werden die PMIs für Oktober nach den sehr guten Vorgaben der regionalen Frühindikatoren im Oktober wohl ebenfalls gestiegen sein (Di.). Hier machen sich die Wirbelstürme bemerkbar, deren Schäden in den kommenden Monaten ersetzt werden müssen und die Unternehmensstimmung anheben. Entsprechend könnten auch die Auftragseingänge langlebiger Güter im September positiv überraschen (Mi.). Das US-Bruttoinlandsprodukt (BIP) im dritten Quartal sollte hingegen, auch wegen der Wetterkapriolen, schwächer ausfallen als in den Vorquartalen (Fr.). Die Abschwächung dürfte jedoch nicht von Dauer sein und sich gegen Jahresende wieder ausgleichen.

In China läuft bis Mitte der Woche der große Parteitag der Kommunistischen Partei Chinas (KP). Es handelt sich um ein rein politisches Ereignis, bei dem die Neubesetzungen von Teilen des Zentralkomitees (ca. 200 Mitglieder), des Politbüros (25 Mitglieder) sowie des Ständigen Rates (7 Mitglieder) im Mittelpunkt stehen. Präsident Xi sollte dabei in seiner Funktion als Generalsekretär der KP bestätigt werden. Die Auswirkungen auf Konjunktur und Märkte dürften begrenzt ausfallen. In Italien findet in der Lombardei und in Venetien ein Referendum für mehr Autonomie statt (So.). Das Referendum ist verfassungskonform und eine Abspaltung der Regionen wird nicht beabsichtigt. Marktreaktionen sind nicht zu erwarten.

 

Die wichtigsten Konjunkturdaten der neuen Woche

 MonatPrognoseLetzter
Montag, 23.10.2017
Verbrauchervertrauen Euroland (Punkte)Oktober-1.11.2
Dienstag, 24.10.2017
Importpreise Deutschland (% zum Vorjahr)September2.62.1
PMI Verarb. Gewerbe Deutschland (Punkte)Oktober6060.6
PMI Dienstleistungen Deutschland (Punkte)Oktober55.255.6
PMI Verarb. Gewerbe Euroland (Punkte)Oktober57.758.1
PMI Dienstleistungen Euroland (Punkte)Oktober55.555.8
PMI Verarb. Gewerbe USA (Punkte)Oktober53.453.1
PMI Dienstleistungen USA (Punkte)Oktober55.855.3
Richmond Fed-Index USA (Punkte)Oktober1619
Mittwoch, 25.10.2017
Ifo-Geschäftsklima Deutschland (Punkte)Oktober115.5115.2
Ifo-Aktuelle Geschäftslage Deutschland (Punkte)Oktober123.8123.6
Ifo-Geschäftserwartungen Deutschland (Punkte)Oktober107.6107.4
Auftragseing. Langleb. Güter USA (% zum Vormon.)September1.32
Neubauverkäufe USA (Tsd.)September550560
Donnerstag, 26.10.2017
GfK-Verbrauchervertrauen Deutschland (Punkte)November10.910.8
EZB-Zinsentscheid Euroland (%)Oktober00
Freitag, 27.10.2017
BIP USA (% zum Vorquartal, annualisiert)Q32.53.1
Uni Michigan Verbrauchervertrauen (Punkte)Oktober101101.1