An den Aktienmärkten fällt die Bilanz der Sommermonate je nach Region unterschiedlich aus. Ungeachtet der verschiedenen Belastungsfaktoren – wie der irrlichternden Führung der USA unter Präsident Donald Trump und dem anhaltenden Nordkorea-Konflikt – konnte der US-Aktienmarkt seinen Aufwärtstrend weitgehend fortsetzen. Der S&P 500 liegt aktuell nur geringfügig unter seinem am 8. August markierten Allzeithoch. Dagegen sieht es bei den europäischen Aktienindizes spürbar schlechter aus. Der EURO STOXX 50 befindet sich schon seit Mitte Mai in einer Korrekturbewegung und auch der DAX schloss die Monate Juni, Juli und August mit Kursverlusten ab, nachdem er am 20. Juni mit 12.952 Punkten ein historisches Hoch erreicht hatte.

Maßgebend für das schwächere Abschneiden der europäischen Märkte ist die kräftige Aufwertung des Euro. Die Gemeinschaftswährung legte seit Anfang Mai von 1,09 Dollar je Euro auf gut 1,20 zu. Ein stärkerer Euro reduziert die im Dollarraum erwirtschafteten Gewinne der Unternehmen und schwächt deren preisliche Wettbewerbsfähigkeit. Die Euro-Aufwertung beendete den Zwischenspurt europäischer Aktien, der unter anderem von der Auspreisung politischer Risiken durch die Wahl Emmanuel Macrons zum französischen Präsidenten und der deutlichen konjunkturellen Erholung der Eurozone begünstigt worden war.

Gold und sichere Anleihen gefragt

Ende vergangener Woche haben Sorgen vor einem neuen Atomtest Nordkoreas, vor weiteren Verwüstungen durch Hurrikan “Irma” und vor dem immer weiter steigenden Euro die Stimmung an den Börsen gedrückt. Anleger deckten sich lieber mit als sicher geltenden Anlagen wie Gold und deutschen Bundesanleihen ein. Der Euro setzte seinen Höhenflug fort und stieg auf ein Zweieinhalb-Jahres-Hoch von knapp 1,21 Dollar. Beobachter vermuten, dass einige Marktakteure testen wollen, bei welchem Kurs die Schmerzgrenze der Europäischen Zentralbank (EZB) erreicht ist.

Anleger spekulieren darauf, dass die EZB ihre ultralockere Geldpolitik bald zurückfahren wird. EZB-Chef Mario Draghi betonte allerdings, dass er den Anstieg des Euro mit Sorge beobachte. Bei ihrer Sitzung letzte Woche hat der Rat der Notenbank wie erwartet keine Änderung der Geldpolitik beschlossen und keine Aussagen zum Fortgang des Anleihenkaufprogramms gemacht. Wie es damit weitergeht, wollen die Währungshüter im Oktober entscheiden. Fachleute gehen davon aus, dass Draghi und seine Mitstreiter dann den schrittweisen Ausstieg aus dem Programm ankündigen werden.

Eurostärke ist zum Teil eher Dollarschwäche

Nach Meinung von Analysten ist ein Großteil der gegenwärtigen Euro-Stärke der Dollar-Schwäche geschuldet. Investoren machen sich Sorgen wegen der politischen Handlungsunfähigkeit von Präsident Trump sowie um die künftige Geldpolitik der US-Notenbank Fed. Ein zusätzlicher Belastungsfaktor für die US-Währung war zuletzt der Hurrikan „Irma“, der mit extrem hohen Windgeschwindigkeiten auf Florida zusteuerte. In der Region formieren sich mit „Jose“ und „Katia“ zudem zwei weitere Wirbelstürme. Auf Grund der drohenden Unterbrechung der Ölförderung im Golf von Mexiko muss mit weiter steigenden Energiepreisen gerechnet werden. Die Rohöl-Sorte verteuerte sich zeitweise auf fast 55 Dollar je Barrel (159 Liter).

Von Seiten der Konjunktur gab es vergangene Woche durchwachsene Zahlen. So sind die Geschäfte der Einzelhändler in der Eurozone im Juli überraschend schlecht gelaufen. Ihr Absatz sank um 0,3 Prozent im Vergleich zum Vormonat, während Volkswirte lediglich mit einem Minus von 0,2 Prozent gerechnet. Allerdings wurde das Umsatzplus für Juni nun nachträglich um einen Tick auf 0,6 Prozent nach oben revidiert. Im Juli spürten insbesondere Tankstellenbetreiber Gegenwind, da die Umsätze mit Kraftstoffen um 0,9 Prozent zurückgingen. Zudem gaben die Bürger für Nahrungsmittel, Getränke und Tabakwaren weniger Geld aus: Hier lag das Minus bei 0,5 Prozent. Auch Elektrogeräte und Möbel waren nicht mehr so gefragt wie im Vormonat.

Der Einkaufsmanagerindex (PMI) für Euroland, der Industrie und Dienstleister zusammenfasst, verharrte auf dem Vormonatsniveau von 55,7 Punkten und hielt er sich damit deutlich über der Wachstumsschwelle von 50 Zählern. “Nach dem rasanten Aufschwung im Frühjahr hat die Euro-Zone in den Sommermonaten nur leicht an Dynamik verloren”, sagte Markit-Chefökonom Chris Williamson. Der Währungsraum sei auf dem besten Weg, das Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2017 um 2,1 Prozent zu steigern. Das wäre der beste Wert seit zehn Jahren.

US-Zahlungsunfähigkeit vorerst abgewendet

Gut kam an den Finanzmärkten an, dass die drohende Zahlungsunfähigkeit der USA abgewendet wurde. Nachdem der Druck im Budgetstreit wegen des Wirbelsturms “Harvey” gestiegen war, stellte sich Trump überraschend auf die Seite der oppositionellen Demokraten und einigte sich mit dem Kongress auf eine Zwischenfinanzierung bis zum 15. Dezember. Die Übereinkunft umfasst auch Nothilfen über acht Milliarden Dollar für die Opfer von “Harvey”. Damit setzte sich Trump über seine republikanische Partei und Finanzminister Steve Mnuchin hinweg, die für eine längere Frist plädierten. Viele Konservative wollten die Schuldengrenze nur anheben, wenn zugleich Einsparungen vereinbart werden. Die vorläufige Beilegung des Haushaltsstreits war die erste parteiübergreifende Einigung in der Amtszeit von Trump.

In den USA gibt es eine gesetzlich festgelegte Grenze, wie viel neue Schulden die Regierung zur Begleichung ihrer Ausgaben machen kann. Das Limit wird in regelmäßigen Abständen angehoben, dem muss aber der Kongress zustimmen. Wird die Obergrenze nicht erhöht, kann der Staat kein weiteres Geld leihen, seinen Verbindlichkeiten nicht nachkommen und auch seine fällig werdenden alten Schulden nicht begleichen. Solch ein Zahlungsausfall könnte die Finanzmärkte ins Chaos stürzen, der US-Wirtschaft schaden und eine Rezession auslösen.

Schwieriger dürfte sich die Verabschiedung der geplanten Steuerreform gestalten. Besonders die Wirtschaft erhofft sich davon deutliche Entlastungen. Details des mit Spannung erwarteten Vorhabens sollen Finanzminister Mnuchin zufolge noch im September dem Kongress vorgelegt werden. Die Republikaner sind sich bisher aber in wichtigen Punkten uneinig. Die Demokraten muss Trump von dem Projekt ebenfalls noch überzeugen. Sie verlangen Entlastungen für die Mittelschicht und lehnen Erleichterungen für Wohlhabende ab. Dennoch bekräftigte Mnuchin, dass die Reform bis Ende des Jahres in trockenen Tüchern sein werde.

Wirbelstürme könnten Fed-Pläne beeinflussen

Ob das gelingt, wird von Analysten stark bezweifelt. Spannend bleibt außerdem, wie es mit der Geldpolitik in Amerika weitergeht. Kürzlich hat die einflussreiche US-Notenbankdirektorin Lael Brainard zur Zurückhaltung bei weiteren Zinserhöhungen gemahnt. “Wir sollten beim Straffen der Geldpolitik Vorsicht walten lassen, bis wir zuversichtlich sein können, dass die Inflation sich auf unser Ziel zubewegt”, sagte die Währungshüterin in New York. Die Fed strebt eine Inflationsrate von zwei Prozent an und verfehlt dieses Ziel nunmehr bereits seit fünf Jahren. Laut Brainard sollte die Fed angesichts dieser Entwicklung signalisieren, dass sie für die Zukunft auch ein Übersteigen der angestrebten Inflationsmarke für “eine Zeit lang” durchaus tolerieren könne.

Möglicherweise werden die Zinspläne der Fed auch durch die Auswirkungen des Hurrikans “Harvey” beeinflusst. Dies sei möglich, aber “unwahrscheinlich”, sagte der Fed-Chef von New York, William Dudley, dem TV-Sender CNBC. Der Wirbelsturm, der im Süden der USA Milliardenschäden verursacht hat, könne die Wirtschaftsdaten in den kommenden Monaten durcheinanderbringen. Später sei es jedoch möglich, dass im Zuge des Wiederaufbaus sogar mehr Wachstum entstehe.

In jedem Fall sei es laut Dudley noch zu früh, über den Fahrplan für die nächste Zinserhöhung zu reden. Die Notenbank will schon bald den Abbau ihrer im Kampf gegen die zurückliegende Finanzkrise stark aufgeblähte Bilanz anpacken und eine weitere Zinsanhebung angehen, wenn es die Konjunktur erlaubt. Fed-Beobachter halten es aber für eher unwahrscheinlich, dass die Fed noch dieses Jahr nachlegt. Zuletzt hatten die Währungshüter im Juni den Schlüsselsatz auf die derzeit gültige Spanne zwischen 1,0 und 1,25 Prozent angehoben.

Was die neue Woche bringt

In der Eurozone dürfte sich die Industrieproduktion im Juli nach den durchwachsenen Vorgaben aus Deutschland und Frankreich nur seitwärts bewegt haben (Mi.). Hier zu Lande war die schwache Energieerzeugung ursächlich für die gedämpfte Entwicklung. Diese ist auch Teil der Produktion nach Eurostat-Definition, während der Bausektor, der sich in Deutschland im Juli moderat positiv entwickelte und die Gesamtrate gestützt hatte, im Gegensatz zur deutschen Statistik bei der europäischen Meldung nicht berücksichtigt wird. Von den endgültigen Veröffentlichungen der August-Inflationsdaten in Deutschland (Mi.) und Frankreich (Do.) sind keine Überraschungen zu erwarten, sondern eine Bestätigung der vorläufig berichteten Zahlen.

In den USA liegt der Fokus diese Woche auf den letzten Inflationsdaten, die vor der September-Sitzung der Fed (19./20.9.) veröffentlicht werden (Do.). Die CPI-Inflationsrate für August sollte dabei leicht zugelegt haben. So dürften die gestiegenen Benzinpreise zum Monatsende im Zuge des Wirbelsturms Harvey zu einer moderaten Teuerung von 0,2 Prozent zum Vormonat beigetragen haben. Die jährliche Inflationsrate sollte entsprechend leicht auf 1,8 Prozent gestiegen sein. Ohne diesen temporären Sondereffekt dürfte die Inflation im August allerdings das Bild einer schwächeren Entwicklung fortsetzen. So sollte die Kernteuerung (ohne Energie- und Nahrungsmittelpreise) erneut nur 0,1 Prozent zum Vormonat betragen haben. Die jährliche Kerninflationsrate ist damit wohl auf 1,6 Prozent gesunken.

Bei den „harten“ Konjunkturdaten sollte die Industrieproduktion im August, auch wegen erster Effekte durch Harvey nur stagniert haben (Fr.). So dürfte die Produktion der Energieerzeuger im August stark zurückgegangen sein und auch der Bergbau hatte wohl ein kleines Minus zu verzeichnen. Dies sollte allerdings von einem sehr dynamischen Plus im Verarbeitenden Gewerbe kompensiert worden sein. Hierfür spricht nicht nur der euphorische ISM-Frühindikator für August, sondern auch der Beschäftigungsaufbau im Verarbeitenden Gewerbe, der im August auf einem Mehrjahreshoch lag. Bei den Einzelhandelsumsätzen sollte im August ohne die PKW-Verkäufe ein robustes Plus zu Buche gestanden haben (Fr.). So deutet der leichte Stellenaufbau im August drauf hin, dass sich die Situation im Einzelhandel langsam bessert. Bremsend wirkt allerdings der Automobilsektor, wo im August vorab bereits deutliche Verkaufsrückgänge berichtet wurden. Dem entgegen steht aber ein Preisanstieg für Benzin, der die nominalen Umsätze stützt. Zusammengenommen sollten damit die Einzelhandelsumsätze leicht gestiegen sein.

 

Die wichtigsten Konjunkturdaten der neuen Woche

 MonatPrognoseLetzter
Montag, 11.9.2017
Auftragseing. Maschinenbau Japan (% zum Vorm.)Juli4.2-1.9
Dienstag, 12.9.2017
keine wichtigen Daten
Mittwoch, 13.9.2017
Industrieproduktion Euroland (% zum Vormonat)Juli0.2-0.6
Erzeugerpreise USA (% zum Vorjahr)August3.22.6
Donnerstag, 14.9.2017
Industrieproduktion China (% zum Vorjahr)August6.66.4
Bank of England Zinsentscheid (%)September0.250.25
Verbraucherpreise USA (% zum Vorjahr)August1.81.7
Verbraucherpreise Kernrate USA (% zum Vorjahr)August1.61.7
Freitag, 15.9.2017
Einzelhandelsumsatz USA (% zum Vormonat)August0.10.6
Empire State-Index USA (Punkte)September1925.2
Industrieproduktion USA (% zum Vormonat)August00.2
Uni Michigan Konsumklima USA (Punkte)September95.296.8