6,6 Prozent konnte der DAX vergangene Woche zulegen – es war der größte Wochengewinn seit rund einem halben Jahr. Damit konnte der deutsche Leitindex die Marke von 11.000 Punkten überspringen und erreichte ein neues Jahreshoch. Offensichtlich blicken die Anleger wieder verstärkt auf die fundamentalen wirtschaftlichen Faktoren.
Hinkten (vor allem italienische) Bankaktien dem Aufwärtstrend an den europäischen Börsen zunächst noch hinterher, änderte sich das im Laufe der Woche. In diesem Zusammenhang halfen die aufkeimenden Hoffnungen auf eine staatliche Rettung der schwer angeschlagenen Bank Monte dei Paschi, falls der Kapitalbedarf nicht durch private Investoren gedeckt werden kann.
Interessant ist, dass sich in den vergangenen Wochen die lange Zeit enge negative Korrelation zwischen den Risikoaufschlägen von Anleihen der Euro-Randstaaten und der Kursentwicklung von Bankaktien deutlich verringert hat. Trotz steigender Risikoaufschläge vor dem Referendum in Italien, insbesondere bei italienischen Staatsanleihen, hielt die im Juli startende Kurserholung der Banktitel an.

Steilere Zinsstrukturkurve hilft Banken

Analysten führen das in erster Linie auf die jüngste Zinsentwicklung zurück. So wurde mit dem Anstieg der Kapitalmarktzinsen die Zinsstrukturkurve steiler, die Differenz zwischen kurz- und langfristigen Zinsen also größer. Beispielsweise ist der Abstand zwischen der Rendite zehnjähriger Bundesanleihen und dem dreimonatigen Geldmarktzins in der Eurozone seit Ende September um rund 50 Basispunkte gestiegen. Weil eine steilere Zinskurve die Ertragslage der Banken verbessert, zeigte sich in den vergangenen Wochen eine hohe positive Korrelation zwischen der Zinsstrukturkurve und der positiven Entwicklung von Bankaktien.
Außerdem profitierten Finanzwerte in jüngerer Zeit von überwiegend günstigen Fundamentalfaktoren sowie seit dem Wahlsieg Donald Trumps von Erwartungen auf eine weniger strenge Bankenregulierung. Anleger sollten sich allerdings bewusst sein, dass die strukturellen Probleme vieler europäischer Geldhäuser bis auf weiteres bestehen bleiben und immer wieder in den Vordergrund rücken können. Bei Bankaktien ist deshalb weiter mit starken Schwankungen zu rechnen und die langfristigen Aussichten bleiben relativ ungewiss.

Konjunkturdaten schieben Börsen an

Obwohl nach der Ablehnung der Verfassungsänderung in Italien die politische Unsicherheit hoch bleibt, scheinen die Investoren wieder verstärkt auf die Fundamentaldaten zu blicken, die derzeit überwiegend gut aussehen. Neben dem positiven Einfluss der steileren Zinsstrukturkurve auf die Banken kommt von den Konjunkturdaten Rückenwind für Aktien.

Der aktuelle Aufwärtstrend der Frühindikatoren wurde zuletzt durch die wichtigen ISM-Indizes in den USA bestätigt. Sie verbesserten sich von 51,9 auf 53,2 Punkte (Verarbeitendes Gewerbe) bzw. von 54,8 auf 57,2 Zähler (Dienstleistungen). Von den in der vergangenen Woche veröffentlichten harten Konjunkturdaten gingen gleichfalls überwiegend positive Impulse aus. Dabei hat in Deutschland vor allem der Auftragseingang mit einem Zuwachs von 4,9 Prozent gegenüber dem Vormonat stark positiv überrascht, da nur ein Plus von 0,6 Prozent prognostiziert worden war.

Aus China wurden überaus positive Zahlen zum Außenhandel gemeldet. Die Exporte der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt stiegen im November überraschend um 5,9 Prozent, während mit einem Minus von 1,0 Prozent gerechnet worden war. Gleichzeitig legten die Importe weit stärker zu als vorausgesagt (+13,0 Prozent im Vergleich zu erwarteten 3,6 Prozent).

Ölpreisverfall scheint gestoppt

Rückenwind für die Aktienmärkte kam aber auch vom Ölpreis, nachdem sich die Opec und mehrere nicht zu dem Förderkartell gehörende Länder auf eine gemeinsame Kürzung ihrer Öl-Produktion geeinigt haben, um einen weiteren Preisverfall zu verhindern. Die Nicht-Opec-Länder gaben bei einem Treffen in Wien entsprechende Zusagen, die gemeinsam mit der schon beschlossenen Kürzung bei der Opec zum Rückgang der weltweiten Ölförderung um rund zwei Prozent führen soll.
Die Nicht-Opec-Länder sagten eine Kappung ihrer Produktion um 558.000 Fass pro Tag zu. Das ist etwas weniger als die von Experten erhofften 600.000. Allein auf Russland entfallen dabei 300.000. Die 13 Opec-Länder selbst hatten schon Ende November vereinbart, ihre Förderung um 1,2 Millionen Fass pro Tag zu kürzen. Hier trägt Saudi-Arabien mit 486.000 Fass den Großteil.
In der Opec mit ihren 13 Mitgliedern haben sich in der Vergangenheit nicht immer alle Länder an vereinbarte Quoten gehalten. Auch Russland hatte vor 15 Jahren sein Versprechen zur Reduzierung der Fördermenge gebrochen. Rohstoff-Analysten gehen aber davon aus, dass es Moskau diesmal ernst meint. Allerdings dürfte die Förderdisziplin nachlassen, wenn der Ölpreis weiter anzieht, weil damit der Anreiz zunimmt, von den höheren Notierungen zu profitieren. Zudem dürfte bei einem steigenden Preis auch in den USA mehr Öl gefördert werden. Denn je höher der Ölpreis ist, desto rentabler lässt sich der Rohstoff aus dem Schiefergestein pressen.

EZB mit vorweihnachtlicher Bescherung

Eine positive Wirkung ging vergangene Woche auch vom Beschluss der Europäischen Zentralbank (EZB) aus, das QE-Programm auszudehnen. Auf ihrer Sitzung hat die EZB zwar den Leitzins wie erwartet unverändert gelassen, jedoch das Wertpapier-Ankaufprogramm bis mindestens Dezember 2017 verlängert. Leicht negativ überraschte, dass ab April 2017 monatlich nur noch 60 Milliarden Euro statt 80 Milliarden Euro gekauft werden sollen. Allerdings wurde das Kaufprogramm um neun Monate bis Ende 2017 verlängert und nicht, wie größtenteils erwartet, um sechs Monate bis September 2017.

Damit fällt das für 2017 angekündigte, zusätzliche Volumen der Käufe zwar etwas niedriger aus als erwartet. Doch wiesen die Euro-Notenbanker darauf hin, dass das Programm in Bezug auf Volumen und Laufzeit bei Bedarf jederzeit wieder ausgeweitet bzw. angepasst werden könne. All das spricht dafür, dass die Währungshüter den geldpolitischen Impuls im gesamten Jahr 2017 aufrechterhalten und nicht vor Mitte 2018 über ein Auslaufen der Käufe diskutieren werden.
Anlageklasse Aktien bleibt attraktiv

Nicht nur das anhaltend günstige monetäre Umfeld kommt den Aktienmärkten zugute.
Die Aktienanlage bleibt auch unter relativen Attraktivitätsgesichtspunkten die Top-Anlageklasse. Denn trotz der seit der Wahl Donald Trumps gestiegenen Bondrenditen wird das Niedrigzinsumfeld weiterhin Bestand haben. Gemessen an den Anleiherenditen sind die Dividendenrenditen vieler Aktien anhaltend attraktiv und die sich stabilisierenden Gewinnerwartungen stimmen viele Investoren optimistisch.

Auch von der Bewertungsseite sind die europäischen Aktienmärkte und vor allem der DAX merklich günstiger als die US-Märkte. Und: Die Saisonalität spricht in den kommenden Wochen für die Aktienmärkte. Diese haben im Dezember und Januar historisch gesehen oftmals deutlich besser abgeschnitten als in anderen Monaten des Jahres. So sollten die europäischen Märkte in nächster Zeit ein Stück zum US-Aktienmarkt aufschließen, nicht zuletzt, weil der schwache Euro den exportstarken Unternehmen des Kontinents helfen wird.
Was die neue Woche bringt

Diese Woche steht eine ganze Reihe von wichtigen Frühindikatoren auf der Agenda. Die meisten Auguren gehen davon aus, dass diese sich in das freundliche Bild der Konjunkturindikatoren der vergangenen Wochen einreihen werden. Den Auftakt machen am Montag die Auftragseingänge für den Maschinenbau aus Japan. Am Dienstag folgen die ZEW-Konjunkturerwartungen für Deutschland und die Eurozone. In der zweiten Wochenhälfte stehen am Donnerstag die vorläufigen Einkaufsmanagerindices (PMI) für das Verarbeitende Gewerbe und den Dienstleistungssektor für den Euro-Raum sowie aus den USA der Empire State-Index und der Philadelphia-Fed-Index zur Veröffentlichung an. Zum Wochenausklang am Freitag folgt dann noch das Industrievertrauen für die Eurozone.

Zudem werden harte Konjunkturdaten, wie die Industrieproduktion für Euroland und die USA sowie die US-Einzelhandelsumsätze (alle Mi.) und die Entwicklung der Verbraucherpreise in Deutschland (Di.) und den USA (Do.) bekanntgegeben.

Neben den Konjunkturdaten wird der Fokus der Anleger erneut auf die Geldpolitik gerichtet sein. So wird die Sitzung der US-Notenbank Fed am kommenden Mittwoch, bei der voraussichtlich eine Leitzinsanhebung um 25 Basispunkte beschlossen wird, genau beobachtet werden. Experten gehen davon aus, dass die Börsen die erwartete Zinserhöhung angesichts guter Konjunkturindikatoren und der Aussicht auf expansive fiskalische Maßnahmen in den USA gelassen aufnehmen werden.

Die wichtigsten Konjunkturdaten der neuen Woche

 MonatPrognoseLetzter
Montag, 12.12.2016
Auftragseingang Maschinen Japan (% zum Vorm.)November1.1-3.3
ZEW-Index Konjunkturerwart. Deutschl. (Punkte)Dezember13.513.8
ZEW-Index Konjunkturerwart. Euroland (Punkte)Dezember1515.8
Dienstag, 13.12.2016
Industrieproduktion China (% zum Vorjahr)November6.16.1
ZEW-Index Konjunkturerwart. Deutschl. (Punkte)Dezember13.513.8
ZEW-Index Konjunkturerwart. Euroland (Punkte)Dezember1515.8
Mittwoch, 14.12.2016
Industrieproduktion Euroland (% zum Vormon.)Oktober0.2-0.8
Einzelhandelsumsatz USA (% zum Vormonat)November0.30.8
Industrieproduktion USA (% zum Vormon.)November-0.20
Fed-Zinsentscheid USA (%)Dezember0.750.5
Donnerstag, 15.12.2016
PMI Verarb. Gewerbe Deutschland (Punkte)Dezember54.554.3
PMI Dienstleistungen Deutschland (Punkte)Dezember54.855.1
PMI Verarb. Gewerbe Euroland (Punkte)Dezember53.653.7
PMI Dienstleistungen Euroland (Punkte)Dezember53.753.8
Empire State-Index USA (Punkte)Dezember2.61.5
Verbraucherpreise USA (% zum Vorjahr)November1.71.6
Philly Fed-Index USA (Punkte)Dezember97.6
Leistungsbilanz USA (Mrd. US-$)Q3-111-119.9
NAHB Wohnungsmarktindex USA (Punkte)Dezember6363
Freitag, 16.12.2016
Wohnungsbaubeginne USA (Tsd.)November12301323