Der politische Stillstand in Deutschland und ein starker Euro haben zuletzt auf die Stimmung der Börsianer gedrückt. Doch dann kam die Meldung aus den USA, dass der US-Senat die von Präsident Donald Trump geplante Steuerreform gebilligt hat – was die Laune der Anleger schlagartig verbesserte. Nun spekuliert man darauf, dass diese Steuerreform der globalen Konjunktur und damit den Exporten deutscher Unternehmen einen Schub gibt. War der DAX Ende vergangener Woche unter 13.000-Punkte gerutscht, überstieg er diese Marke Anfang der neuen Woche wieder.

Gestützt werden die Aktienmärkte ohnehin durch eine solide Weltwirtschaft. Das belegt der Economic Surprise Index der Citigroup, der Abweichungen der veröffentlichten Konjunkturdaten von den Konsens-Prognosen über einen gleitenden Dreimonatszeitraum misst. Er liegt aktuell für die G10-Staaten auf stattlichen 48 Punkten. Das robuste konjunkturelle Umfeld wurde in jüngster Zeit durch den auf ein Rekordhoch gestiegenen ifo-Geschäftsklimaindex, gute Einkaufsmanagerindizes (PMI) in der Eurozone sowie den auf ein 16-Jahres-Hoch gestiegenen Index des US-Konsumentenvertrauens unterstrichen.

Weiter warten auf höhere Inflation

Überrascht hat einmal mehr die Kerninflation– also der Anstieg der Verbraucherpreise ohne Energie, Nahrungs- und Genussmittel – im Euroraum für den November. Entgegen den Erwartungen verharrte sie bei 0,9 Prozent. Analysten hatten 1,0  Prozent vorausgesagt. Der Rückgang im Oktober war somit offenbar kein Ausrutscher nach unten. Damit hat sich der Anstieg der Rate im Frühjahr auf zwischenzeitlich 1,2 Prozent als nicht nachhaltig erwiesen. Er war seinerzeit vor allem auf einen Preissprung bei Pauschalreisen und Hotelübernachtungen zurückzuführen. So hatten die Tourismusunternehmen die Preise deutlich angehoben, nachdem die Krise in der Türkei die Nachfrage insbesondere in den Mittelmeerländern deutlich steigen hatte lassen. Die Teuerungsrate bei diesen Dienstleistungen war im März auf 7,6 Prozent nach oben geschossen. Mit dem Ende der Sommersaison hat sich dieser Preisaufschlag wieder mehr als halbiert. Der Wegfall der Studiengebühren für Studenten mit niedrigem Einkommen in Italien im Oktober wirkt ebenfalls weiter nach.

Anders als die Kernrate hat die Inflationsrate für alle Waren und Dienstleistungen im November wieder leicht zugelegt, und zwar von 1,4 auf 1,5 Prozent. Das lag primär am kräftigen Anstieg der Rohölpreise, der bewirkte, dass sich Energie mit 4,7 Prozent im Vorjahresvergleich deutlich stärker verteuert hat als im Oktober (3,0 Prozent).

EZB-Zinserhöhung wohl nicht vor Mitte 2019

Tatsache ist, dass die November-Inflationsdaten den Hoffnungen auf eine Verstärkung des unterliegenden Preisauftriebs einen Dämpfer versetzt haben. Die Europäische Zentralbank (EZB) dürfte sich noch eine Weile gedulden müssen, bis das starke Wirtschaftswachstum in Euroland die Inflation anschiebt. EZB-Beobachter rechnen überwiegend damit, dass eine Leitzinserhöhung frühestens Mitte 2019 kommen wird.
Ungeachtet der anhaltend niedrigen Kerninflation zeigen sich viele EZB-Währungshüter mit der aktuellen Entwicklung der Wirtschaftsdaten zufrieden. Bundesbank-Präsident Jens Weidmann wies darauf hin, dass die EZB infolge der derzeitigen positiven Entwicklung auf ihrer Dezember-Sitzung (14.12.) die Wachstumsprognosen für den Euro-Währungsraum anheben könnte. EZB-Direktoriumsmitglied Peter Praet präsentierte sich ebenfalls positiv gestimmt. Er meinte, die Geldpolitik spiele eine wichtige Rolle, doch auch die strukturellen Reformen der letzten Jahre würden sich bezahlt machen. Gleichzeitig warnte er davor, in den Anstrengungen jetzt nachzulassen.

Derweil rief die EZB in ihrem jüngsten Finanzstabilitätsbericht dazu auf, die Märkte aufmerksam zu beobachten. Die höhere Risikobereitschaft internationaler Investoren berge ein Gefahrenpotenzial. EZB-Vizepräsident Vitor Constancio betonte im Zusammenhang mit der konjunkturellen Besserung, dass die EZB die Entwicklung im Auge behält, um rechtzeitig über die Anpassung ihres Wertpapier-Kaufprogramms nachzudenken, etwa über ein klares Ende der Ankäufe. Ratsmitglied Klaas Knot erwartet dies, angesichts der nicht mehr vorhandenen Deflationsrisiken, bereits im September 2018.

Fed-Zinsanhebung im Dezember

Immer mehr Signale für eine weitere Anhebung der Leitzinsen im Dezember kommen aus den Reihen der US-Notenbank Fed. Denn die Besorgnis über die niedrige Inflation scheint bei Fed-Chefin Janet Yellen und Co. wieder abzuebben. So hat laut Beige Book – in dem über die wirtschaftliche Entwicklung in den verschiedenen Regionen der USA berichtet wird – der Preisdruck seit der letzten Veröffentlichung zugenommen. Zudem äußerten sich San Francisco Fed Präsident John Williams und New York Fed Präsident William Dudley unbesorgt über die derzeit niedrige Inflation.

Beide sprachen sich daher für einen baldigen Zinsschritt aus. Dallas Fed-Präsident Robert Kaplan unterstützt dieses Vorhaben. Denn auf dem Arbeitsmarkt herrsche quasi Vollbeschäftigung und die Inflation nähere sich dem Fed-Ziel von zwei Prozent. Ähnlich äußerte sich der künftige Fed Präsident Jerome Powell bei seiner Anhörung vor dem Senat. Nur Minneapolis Fed Präsident Neel Kashkari sprach sich wegen der niedrigen Teuerung wiederholt gegen eine Zinsanhebung aus.

Abseits der Zinsdiskussion wurde mittlerweile eine weitere Personalie geklärt. Marvin Goodfriend, Professor für Volkswirtschaft, wurde von Trump als Fed-Gouverneur nominiert. Eine geldpolitische Einordnung – Falke oder Taube – fällt bei ihm schwer. Bekannt ist, dass er eine regelgebundene Geldpolitik befürwortet und Quantitative Easing-Programme kritisch betrachtet. Stattdessen unterstützt er konsequent einen Negativzins, falls nötig. Nach der Nominierung durch Trump muss jetzt der Senat zustimmen, was als unproblematisch gilt.
An den Finanzmärkten geht man mehrheitlich davon aus, dass die Fed Mitte Dezember die Zinsen zum dritten Mal in diesem Jahr anheben wird – und zwar um einen Viertelpunkt auf 1,25 bis 1,50 Prozent.

Was die neue Woche bringt

In der Eurozone dürfte die Datenlage in der neuen Woche vorteilhaft bleiben. Auf Seiten der Stimmungsindikatoren sollte das Sentix Investorenvertrauen sein hohes Niveau gehalten haben (Mo.). Voraussichtlich ebenfalls gut ausfallen werden die harten Konjunkturdaten in Deutschland zum Start des Jahresschlussquartals. So ist im Oktober der dritte Anstieg der Auftragseingänge in Folge wahrscheinlich (Mi.). Dies dürfte sich bei der Industrieproduktion bemerkbar machen, wenngleich eine relativ schwache Produktion im Automobilbereich einem noch deutlicheren Anstieg entgegengewirkt haben dürfte (Do.).

Aus dem Ausland kamen wohl im Oktober erneut positive Impulse für die Industrie, insbesondere aus den USA und aus Asien. Daher sollten die Exporte zum Start in das Jahresschlussquartal noch einmal zugelegt haben (Fr.). Zwar dürften die Importe ebenfalls gestiegen sein. Insgesamt spricht die bisherige Entwicklung des Außenhandels in Verbindung mit den Stimmungsindikatoren der Unternehmen jedoch dafür, dass auch zum Jahresende Wachstumsimpulse vom Ausland kommen werden.

Von der Veröffentlichung der Details des Q3-Bruttoinlandsprodukts (BIP) der Eurozone sind kaum neue Informationen zu erwarten (Di.). Der Aufschwung dürfte, im Einklang mit den Prognosen, im Sommer auf breiter Basis von Konsum, Investitionen und Außenhandel getragen worden sein.

In den USA liegt das Augenmerk diese Woche eindeutig auf den Arbeitsmarktzahlen für November. Vor dem Hintergrund der guten konjunkturellen Lage in der größten Volkswirtschaft der Welt und den wieder etwas stärkeren Zahlen aus dem für den Stellenaufbau wichtigen Einzelhandel, sollte die Beschäftigungszunahme im November solide ausgefallen sein. Die sehr starken und durch einen Sondereffekt gestützten Oktober-Zahlen dürften dabei jedoch nicht erreicht werden. Das bedeutet, dass das Beschäftigungsplus „nur“ 180 000 Stellen betragen dürfte (Fr.). Die Arbeitslosenquote sollte unverändert bei 4,1 Prozent verharrt haben.

Für die nächsten Monate sollten die konjunkturellen Aussichten in Amerika günstig bleiben. Der ISM-Frühindikator für den Dienstleistungssektor für November wird wohl leicht sinken (Di.). Mit 59,0 Punkten liegt er aber weiterhin auf einem der höchsten Niveaus der letzten Jahre und spricht für eine anhaltend starke Wachstumsdynamik im Herbstquartal. Hierbei dürfte das Wachstum zum Ausklang des Jahres auch vom Privaten Konsum gestützt werden, denn das Konsumentenvertrauen der Universität von Michigan sollte im Dezember seinen hohen November-Stand gehalten haben (Fr.).

Interessantes bringt die Woche auch von Unternehmensseite. Gleich drei Dax-Gesellschaften laden zum Kapitalmarkttag: Am Dienstag ist die Deutsche Bank an der Reihe, am Mittwoch ProSiebenSat.1 und am Freitag folgt ThyssenKrupp. Interessant wird es auch bei Siemens. Der Münchner Konzern stellt am Donnerstag seine Medizintechnik-Sparte vor, die in der ersten Jahreshälfte 2018 an die Frankfurter Börse soll. Mit einem erwarteten Emissionsvolumen von sechs bis zehn Milliarden Euro wäre es der größte Börsengang in Deutschland seit der Telekom vor 20 Jahren.

Auf politischer Ebene herrscht ebenfalls noch keine vorweihnachtliche Ruhe. So  treffen sich Großbritanniens Premierministerin Theresa May, EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker und EU-Chefunterhändler Michel Barnier zu Gesprächen zum Thema Brexit. Entscheidend wird sein, welches Angebot May der EU bezüglich der britischen Zahlungsbereitschaft sowie der Grenzfrage in Irland vorlegen wird. Auf Basis dessen entscheidet sich, ob die EU auf dem Dezember-Gipfel einen Übergang zu den Verhandlungen über die künftigen Handelsbeziehungen und eine Übergangsphase beschließen wird.

Die wichtigsten Konjunkturdaten der neuen Woche

 MonatPrognoseLetzter
Montag, 4.12.2017
Sentix Investorenvertrauen Euroland (Punkte)Dezember34.134
Erzeugerpreise Euroland (% zum Vorjahr)Oktober2.62.9
Auftragseingang USA (% zum Vormonat)Oktober-0.41.4
Dienstag, 5.12.2017
PMI Dienstleistungen Deutschland (Punkte)November54.954.9
PMI Dienstleistungen Euroland (Punkte)November56.256.2
BIP Euroland (% zum Vorquartal)Q30.60.6
Handelsbilanz USA (Mrd. US-$)Oktober-45.4-43.5
ISM-Index Dienstleist. USA (Punkte)November5960.1
Mittwoch, 6.12.2017
Auftragseingang Deutschland (% zum Vormonat)Oktober0.51
Donnerstag, 7.12.2017
Industrieprod. Deutschland (% zum Vormonat)Oktober1.4-1.6
Freitag, 8.12.2017
BIP Japan (% zum Vorquartal)Q30.30.3
Exporte China (% zum Vorjahr)November5.16.9
Importe China (% zum Vorjahr)November1217.2
Exporte Deutschland (% zum Vorjahr)Oktober1.4-0.4
Importe Deutschland (% zum Vorjahr)Oktober0.9-1
Beschäftigung USA (Tsd. zum Vormonat)November180261
Arbeitslosenquote USA (%)November4.14.1
Uni Michigan Konsumklima USA (Punkte)Dezember98.598.5