An Europas Börsen hielt der Aufwärtstrend auch in der vergangenen Woche an. Der DAX knackte die Marke von 13.500 Punkten, konnte diese aber nicht ganz halten, während der EURO STOXX 50 erstmals seit Juli 2015 die 3.700 Zähler überschritt und ein Jahreshoch von 3.709 Punkten erreichte. Dank des rigorosen Durchgreifens Madrids im Katalonien-Konflikt erholten sich spanische Aktien und bremsten somit nicht mehr den europäischen Gesamtmarkt.

Beruhigend wirkte in diesem Zusammenhang die Aussage von Bundesbank-Präsident Jens Weidmann, dass die Eurozone durch die Katalonien-Krise nicht ins Schlingern geraten werde. Zwar könne niemand sagen, was geschehen werde, sagte Weidmann der französischen Zeitung “Les Echos”. “Aber ich glaube nicht, dass die Lage dort derart eskalieren wird, dass dies zu einer Destabilisierung der Währungsunion führt.” Es bestehe allerdings die Gefahr, dass der Konflikt die Wirtschaftsaussichten Spaniens belaste. Bislang hat das Land die Katalonien-Krise jedoch gut weggesteckt, im dritten Quartal wuchs die Wirtschaft um 0,8 Prozent.

Anhaltend positiv auf die Aktiennotierungen wirkten die Beschlüsse der Oktober-Sitzung des EZB-Rats, das Anleihekaufprogramms um mindestens neun Monate bis Ende September 2018 zu verlängern und dabei das Kaufvolumen von monatlich 60 Mrd. auf 30 Mrd. Euro zu verringern. Auf das Wohlwohlen der Investoren stießen auch die Äußerungen von EZB-Chef Mario Draghi, das Kaufprogramm nicht abrupt enden zu lassen, da dies anhaltende Käufe über September 2018 hinaus bei einem dann weiter reduzierten Volumen vermuten lässt. Darüber hinaus betonte die EZB, fällig werdende Wertpapiere für einen längeren Zeitraum nach Ende des Ankaufprogramms zu reinvestieren. Und schließlich schiebt die Verlängerung des Kaufprogramms die Leitzinswende in der Eurozone weiter nach hinten, da die Notenbankzinsen nach Ende des Programms für längere Zeit auf dem aktuellen, sehr niedrigen Niveau verharren sollen.

Konjunkturdaten überraschen positiv

Ebenfalls günstig auf die Aktienmärkte wirkten sich die jüngsten Konjunkturdaten aus. Nachdem bereits das ifo-Geschäftsklima und der Manufacturing-PMI für die Eurozone deutlich positiv überrascht hatten, zeigte sich auch der wichtige ISM-Manufacturing-Index für die USA robust, wenngleich er mit 58,7 Punkten etwas unter den Erwartungen (59,5 Punkte) blieb. Aus Aktienmarktsicht besonders erfreulich ist die weiterhin starke Komponente für den Auftragseingang, die mit 63,4 Zählern auf sehr hohem Niveau blieb. Allerdings zeigt sich bei den ISM-Indizes, dass ein weiterer Anstieg von dem bereits erreichten hohen Niveau aus schwer möglich ist.

Mit Spannung hatten Börsianer vor allem auf die Oktober-Arbeitsmarktzahlen der USA gewartet. Gegenüber September wurden dort saisonbereinigt 261.000 neue Jobs geschaffen, womit der sehr schwache Vormonatswert wettgemacht wurde. Der starke Stellenaufbau ist einem positiven Rückprall im Oktober zu verdanken. Denn im September waren sturmbedingt viele Menschen der Arbeit ferngeblieben bzw. sollten wegen der fehlenden Kunden zu Hause bleiben. Sie waren daher in der Umfrage zum Stellenaufbau nicht als arbeitstätig erfasst worden. Mit dem Ende der Stürme hat sich auch die Arbeitswelt in den USA normalisiert. Entsprechend wurden die Personen, die im September nicht arbeiteten, nun als neu geschaffene Stellen mitgezählt. Vor allem Jobs in der Hotel- und Freizeitbranche waren von den Schwankungen im Stellenaufbau betroffen.

Erneut gesunken ist im Oktober die US-Arbeitslosenquote, sie erreichte mit 4,1 Prozent den niedrigsten Stand seit Dezember 2000. Das hat jedoch nur zum Teil mit einem starken Stellenaufbau zu tun, sondern auch mit dem Umstand, dass viele Amerikaner den Arbeitsmarkt verlassen haben. So ging die Partizipationsrate deutlich auf 62,7 Prozent zurück. Da gleichzeitig eine weiter gefasste Arbeitslosenrate gefallen ist, die Personen berücksichtigt, die sich zwar nicht mehr arbeitslos melden, aber dennoch einen Job suchen, ist zu vermuten, dass diese Personen bewusst und dauerhaft aus dem Arbeitsmarkt ausgeschieden sind. So könnten zunehmend Arbeitnehmer der Babyboomer-Generation in Rente gegangen sein.

Positive Impulse für die Aktienmärkte kamen auch von Seiten der Unternehmensberichte. In den USA fielen die Ergebnisse von Technologiefirmen besser als erwartet aus und ließen den S&P 500-Technology-Sektorindex weiter steigen. Damit hat der Technologiesektor einen erheblichen Anteil an der jüngsten Rally am US-Aktienmarkt. In Europa zählte der STOXX Europe 600 Technology zuletzt gleichfalls zu den Outperformern. Gleichzeitig kamen die überraschend starken Konjunkturzahlen vor allem zyklischen Sektoren wie Automobiles & Parts, Industrial Goods & Services sowie Basic Resources zugute, während defensive Bereiche wie Healthcare und Telecommunications tendenziell hinterherhinkten.

Keine größeren Spuren an den Börsen hinterließ die Sitzung der US-Notenbank Fed von letzter Woche. Wie erwartet zeigten sich Fed-Chefin Janet Yellen und Co. zufrieden mit der wirtschaftlichen Entwicklung und stimmten die Finanzmärkte auf eine Leitzinsanhebung bei der Fed-Dezember-Sitzung ein. Händler sehen dafür eine Wahrscheinlichkeit von 90 Prozent. Zuletzt hatte die Fed den Zins im Juni auf 1,0 bis 1,25 Prozent hochgesetzt.

Powell folgt auf Yellen

Gesprächsthema an den Märkten bleibt nach Einschätzung von Analysten die Ernennung von Jerome Powell zum neuen Fed-Chef. Der 64-Jährige soll im Februar das Amt von Janet Yellen übernehmen. “Powells Nominierung gilt als Signal für geldpolitische Kontinuität”, sagt Anna Stupnytska, Ökonomin beim Vermögensverwalter Fidelity. “Auf kurze Sicht dürfte sich daher an den sehr behutsamen Zinserhöhungen nichts ändern.”
Sollten die Währungshüter den nächsten Schritt bereits in wenigen Wochen wagen, wird es wohl die letzte große Entscheidung unter der amtierenden Chefin Yellen sein. Fed-Beobachter erwarten, dass es angesichts der brummenden Wirtschaft schon im Februar und Mitte 2018 weitere Zinserhöhungen geben wird. Das US-Bruttoinlandsprodukt (BIP) legte im Sommer mit einer aufs Jahr hochgerechneten Rate von drei Prozent exakt in dem Tempo zu, das Trump in den nächsten Jahren mit der geplanten Steuerreform und einem großen Infrastrukturprogramm auf Dauer realisieren will. Offenbar hält Trump Powell für den richtigen Mann, um dieses ambitionierte Ziel zu erreichen.

Powell selbst kündigte an, bei einer Bestätigung durch den Senat getreu dem Mandat der Fed Vollbeschäftigung und stabile Preise anzustreben. Das erste Ziel kann er bei einer Arbeitslosenquote von zuletzt 4,1 Prozent als erreicht betrachten. Sorge bereitet den amerikanischen Währungshütern allerdings noch die unerwünscht niedrige Inflation, die beharrlich unter dem Fed-Ziel von zwei Prozent bleibt. Die Notenbank setzt daher auf anziehende Löhne und Gehälter, die für mehr Preisdruck sorgen könnten. Doch im Oktober stagnierten die Stundenlöhne im Vergleich zum Vormonat. Trotz des Mangels an Fachkräften können die Beschäftigten also noch immer keine deutlich höheren Lohnforderungen bei den Arbeitgebern durchsetzen.

Das Profil Powells ist ganz nach Trumps Geschmack. Denn der gelernte Jurist hat sich seine beruflichen Sporen in der Privatwirtschaft verdient: zunächst in einer Investmentbank, später bei der Beteiligungsgesellschaft Carlyle in New York, bevor er schließlich als Direktor zur Fed stieß. Wie Trump gilt der 64-Jährige als Wachstumsapostel. Die Förderung der Wirtschaftsleistung liege im “höchsten nationalen Interesse”, sagte er jüngst bei einer Veranstaltung der Nachrichtenagentur Reuters.
Im Fed-Direktorium ist Powell nach Yellen der Dienstälteste, er sitzt bereits seit 2012 im Führungsgremium. Wie Trump hat Powell ein republikanisches Parteibuch, was der US-Präsident mit Blick auf die anstehende Bestätigung durch den Senat einkalkuliert haben dürfte. Politik-Erfahrung besitzt Powell ebenfalls reichlich. Er arbeitete schon unter dem früheren US-Präsidenten George Bush als Spitzenbeamter im Finanzministerium.

Der Finanzbranche dürfte die Ernennung Powells gleichfalls gefallen, da er als offen für eine Lockerung der Dodd-Frank-Gesetze gilt. Dieses Regelwerk war die zentrale Lehre aus der Finanzkrise, in der Banken mit Steuermilliarden vor dem Kollaps bewahrt wurden. Trump hält die Regeln jedoch für überzogen, da sie die Wirtschaft aus seiner Sicht zu stark bremsen. Powell wird allerdings kaum eine vollständige Rückabwicklung der Regulierungen anstreben.

Bank of England mit erster Zinserhöhung seit zehn Jahren

Diesseits des Atlantiks waren die Blicke der Investoren Richtung Großbritannien gerichtet. Denn die Bank of England (BoE) erhöhte vergangene Woche ihren Leitzins um 25 Basispunkte. Es war die erste Anhebung seit mehr als zehn Jahren. Zugleich stellte die BoE für die nächsten drei Jahren aber nur zwei weitere Zinsanhebungen in Aussicht. Entsprechend wurde am Markt der Zinsschritt weitgehend als „one and done“ eingestuft. So könnte es sein, dass die BoE 2018 erst einmal still hält. Die zwei in Aussicht gestellten Schritte in den kommenden Jahren basieren zudem auf einem optimistischen Bild für den Fortgang der Brexit-Verhandlungen, insbesondere auf der Annahme einer reibungslosen Übergangsphase nach dem britischen EU-Austritt 2019.

Wie sich der Verhandlungsknoten zwischen Brüssel und London – die EU will vor Verhandlungen über die Handelsbeziehungen finanzielle Verpflichtungen der Briten, diese wollen zuvor Festlegungen beim Handel – bis Jahresende auflösen soll, bleibt allerdings schleierhaft. Wahrscheinlich ist, dass viele derzeit in Großbritannien ansässige Unternehmen ohne baldige Gewissheit über eine Übergangsphase ihren Standort auf den Kontinent verlagern.

Was die neue Woche bringt

Im Fokus der neuen Woche stehen die harten Konjunkturdaten der großen Euroraum-Länder für September. Angesichts der im Vormonat durch einen Aufholeffekt nach den Sommerferien künstlich hoch ausgefallenen Produktion in Deutschland ist für den September eine leichte Eintrübung zu erwarten (Di.). Insgesamt sprechen die Produktionsdaten aber weiterhin für ein erneut starkes BIP-Wachstum im dritten Quartal. Auch der Ausblick für die weitere Auslastung der Produktionskapazitäten bleibt positiv. Die Auftragseingänge der Industrie in Deutschland dürften im September erneut zugelegt haben, wenngleich die sehr hohe Zuwachsrate aus dem Vormonat wohl nicht wiederholt werden kann (Mo.). Insgesamt setzt sich die aufwärtsgerichtete Entwicklung der Neuaufträge zunächst fort. Erst zum Jahreswechsel könnte der zuletzt stärkere Euro mit Verzögerung dämpfende Wirkung auf die Bestellungen aus dem Ausland entfalten. Bislang ist dies aber noch nicht zu diagnostizieren und auch die Exporte entwickeln sich alles in allem weiter gut. Im September ist jedoch angesichts des starken Anstiegs im Vormonat und einer leichten Eintrübung der chinesischen Importe deutscher Erzeugnisse von einem leichten Rückgang auszugehen, der aber nicht überinterpretiert werden sollte (Do.). Insgesamt dürften die Vorgaben für die Produktionszahlen in Euroland für September (Veröffentlichung am 14. November) positiv ausfallen. Vor dem Hintergrund dieser insgesamt guten Konjunkturdaten und angesichts der positiven Entwicklung der Märkte seit der letzten EZB-Ratssitzung sollte es einen Anstieg des Sentix Investorenvertrauens für Oktober geben (Mo.).

In den USA ist der Datenkalender diese Woche sehr kurz. Tatsächlich wird lediglich das Konsumentenvertrauen der Universität von Michigan für November veröffentlicht (Fr.). Im Oktober war dieser Indikator sprunghaft um 5,6 Punkte auf 100,7 Zähler nach oben geschnellt und hatte damit seinen höchsten Stand seit Januar 2004 erreicht. Zwar ist das konjunkturelle Umfeld für den Konsum gegenwärtig gut. So verbuchen die Börsen weitere Kursgewinne, die Einkommen steigen solide und die Arbeitslosigkeit sinkt. Dennoch dürfte das Konsumentenvertrauen im Oktober die tatsächliche Konjunktureuphorie etwas überzeichnet haben. Daher ist eine leichte Korrektur nach unten wahrscheinlich. Aber auch auf dem neuen Stand spräche das Konsumentenvertrauen für einen starken US-Konsum im vierten Quartal 2017.

In China läuft die Konjunktur aktuell gut. Dies sollten die Außenhandelsdaten für Oktober bestätigen (Mi.). Zwar dürften im Monatsvergleich sowohl die Importe wie auch die Exporte zum Beginn des vierten Quartals rückläufig gewesen sein. Dieser Rückgang sollte aber geringer als üblich ausgefallen sein, so dass im Oktober im Vergleich zum Vorjahr auf beiden Seiten des Außenhandels erneut ein ordentliches Plus zu Buche stehen dürfte. Der Handel wird dabei von der starken Inlandsnachfrage und von dem global vorteilhaften konjunkturellen Umfeld gestützt.

Neben den Konjunkturdaten dürften Anleger die zahlreichen Firmenbilanzen mit Interesse verfolgen. Am Dienstag lassen sich unter anderem BMW und Zalando in die Bücher schauen. E.ON, HeidelbergCement und Vonovia folgen am Mittwoch. Am Donnerstag erreicht die Quartalssaison dann ihren Höhepunkt – mit Siemens, Adidas, Deutsche Post, Deutsche Telekom, Münchener Rück, Merck, ProSiebenSat.1, Continental und Commerzbank legen neun der 30 DAX-Konzerne ihre Zahlen vor. Aus dem Ausland werden Zahlen von Schwergewichten wie Unicredit, ArcelorMittal und Walt Disney erwartet.

Im Übrigen warten die Börsianer darauf, ob US-Präsident Donald Trump die von ihm angekündigte Steuerreform tatsächlich realisieren kann. Trump möchte Unternehmen, Privatleute und Familien in den kommenden zehn Jahren um mehrere Billionen Dollar entlasten. Sollen die geplanten Maßnahmen noch vor Weihnachten in ein Gesetz gegossen werden, wird man nach Ansicht von Ökonomen bald Fortschritte sehen müssen.

 

Die wichtigsten Konjunkturdaten der neuen Woche

 MonatPrognoseLetzter
Montag, 6.11.2017
Auftragseingang Deutschland (% zum Vorm.)September0.53.6
PMI Dienstleistungen Deutschland (Punkte)Oktober55.255.2
PMI Dienstleistungen Euroland (Punkte)Oktober54.954.9
Sentix Investorenvertrauen Euroland (Punkte)November3229.7
Dienstag, 7.11.2017
Industrieproduktion Deutschland (% zum Vormonat)September-12.6
Einzelhandelsumsatz Euroland (% zum Vormonat)September0.6-0.5
Mittwoch, 8.11.2017
Exporte China (% zum Vorjahr)Oktober78.1
Importe China (% zum Vorjahr)Oktober1918.6
Donnerstag, 9.11.2017
Auftragseing. Maschinenbau Japan (% zum Vorm.)September-23.4
Verbraucherpreise China (% zum Vorjahr)Oktober1.71.6
Exporte Deutschland (% zum Vormonat)September-12.9
Importe Deutschland (% zum Vormonat)September0.31.1
Freitag, 10.11.2017
Uni Michigan Konsumentenvertr. USA (Punkte)November100100.7