Die jüngste Verlangsamung des Wirtschaftswachstums im Euroraum bereitet den Euro-Währungshütern Kopfzerbrechen.

Eine stärker ausgeprägte Abschwächung der Nachfrage könne nicht ausgeschlossen werden, hieß es im Protokoll der Zinssitzung vom April, das die Europäische Zentralbank (EZB) jüngst veröffentlichte. Die Konjunkturaussichten seien unsicherer geworden. Zugenommen habe vor allem die Gefahr des Protektionismus im Handel. Die Verlangsamung des Wachstums scheine länder- und sektorenübergreifend zu sein. Insgesamt bleibe der Aufschwung im Währungsraum aber intakt. Die Notenbanker seien zuversichtlich, dass sich die Expansion in einem soliden Tempo fortsetzen werde.

“Vor diesem Hintergrund, stimmten die Mitglieder weitgehend darin überein, dass eine ruhige Hand in der Geldpolitik zum gegenwärtigen Zeitpunkt gerechtfertigt ist”, hieß es im Protokoll. Die EZB hatte im April weder an ihren Leitzins gerüttelt, der auf dem Rekordtief von 0,0 Prozent liegt, noch ihre großangelegten Anleihenkäufe verändert. Notenbank-Beobachter interpretieren den Sitzungsbericht zum April-Treffen dergestalt, dass die EZB keine Eile habe, ihre aktuelle geldpolitische Richtung zu ändern. Die nächsten Zinssitzungen finden am 14. Juni in Riga und am 26. Juli in Frankfurt statt.

Wegen des kalten Wetters, vielen Streiks und der Grippewelle hatte sich das Wirtschaftswachstum im Währungsraum zu Jahresbeginn fast halbiert. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) legte im ersten Vierteljahr nur noch um 0,4 Prozent zum Vorquartal zu. In den drei Vorquartalen lag das Plus noch bei jeweils 0,7 Prozent.

Auf ihrem April-Treffen verbreiteten die Ratsmitglieder jedoch nicht nur Molltöne. So wurde auch die Sichtweise vorgebracht, die Notenbank-Kriterien für eine nachhaltige Veränderung der Inflation Richtung Zielmarke seien bereits fast erfüllt. Diese Einschätzung fand allerdings laut Protokoll keine Mehrheit. Die Beweise hierfür reichten derzeit nicht aus, hieß es. Die EZB strebt mittelfristig knapp zwei Prozent Inflation als Idealwert für die Wirtschaft an. Im April waren es nur 1,2 Prozent.