Die amerikanische Zentralbank Fed hat den Leitzins bei ihrer November-Sitzung nicht angetastet. So kurz vor der Präsidentschaftswahl war mit einer Zinserhöhung auch nicht zu rechnen. Der Schlüsselsatz zur Versorgung der Geschäftsbanken mit Geld bleibt also vorerst in der Spanne zwischen 0,25 und 0,5 Prozent.

Die Fed will den Schritt aber bald wagen, deuteten die Währungshüter an. Denn die Argumente für eine Anhebung hätten sich weiter verstärkt. Man wolle allerdings vorher „einige“ weitere Hinweise sehen, dass es auf dem Weg zu Vollbeschäftigung und stabilen Preisen vorangeht. Viele Fed-Beobachter erwarten angesichts dieser Signale, dass die Notenbank die Zügel im Dezember anziehen wird. Dann weiß man, wer künftig im Weißen Haus sitzen wird.

Am Jobmarkt hat Fed-Chefin Janet Yellen ihr Ziel weitgehend erreicht, doch die Preissteigerung blieb bis zuletzt unter der von der Fed angestrebten Marke von zwei Prozent. Sie strich nun allerdings eine Passage, wonach die Inflation kurzfristig niedrig bleiben werde. Außerdem verwies sie auf Fortschritte auf dem Weg zu stabilen Preisen.
Das Wirtschaftswachstum hat sich beschleunigt und liefert der Notenbank Argumente für eine Zinserhöhung. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) legte im dritten Quartal auf das Jahr hochgerechnet unerwartet deutlich um 2,9 Prozent zu.

Dennoch entschied die Notenbank nun mit acht zu zwei Stimmen, noch stillzuhalten. Obwohl die Währungshüter unabhängig sind, hätten Kritiker ihnen eine Straffung so kurz vor der Wahl als Einflussnahme auslegen können. Die in Umfragen knapp führende demokratische Kandidatin Hillary Clinton hat bei vielen Investoren den Ruf, Garantin wirtschaftspolitischer Kontinuität zu sein. Ihr republikanischer Rivale Donald Trump, der Yellen als Befehlsempfängerin des demokratischen Präsidenten Barack Obama bezeichnet hat, gilt hingegen wegen seiner protektionistischen Ansichten als Börsenschreck.

„Die Fed hat grünes Licht für eine Erhöhung im Dezember gegeben – es sei denn, Trump gewinnt und die Märkte geraten aus den Fugen“, sagte Ökonom Jack McIntyre vom Finanzhaus Brandywine Global Investment. Auch Experte James Knightley von der Bank ING geht davon aus, dass eine rasche Erhöhung vom Tisch ist, falls der republikanische Globalisierungsgegner das Rennen um das Weiße Haus machen sollte: „Es ist kaum vorstellbar, dass die Fed in einem derartigen Umfeld die Zinsen anheben würde.“

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